Fahrradspass mit 500 ccm-Motor
26.08.2009 (06.09.2009)
Pro:
Agil, einfach zu fahren, preiswert, charaktervoll, alltagstauglich, nicht alltäglich .
Kontra:
nur ein paar Bagatellen
Empfehlenswert:
Ja
 uwbiker
Über sich:
Hallo an alle meine Freunde. Ich bin ja nur noch selten hier zu finden. Job und Familie sind eben do...
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Nach mehr als 35 Jahren Motorradfahrpraxis ist nun unsere älteste Tochter kurz vor der Führerscheinprüfung und ich musste mich auf die Suche nach einem geeigneten Motorrad machen. Meine VX 800 ist nicht nur zu stark weil sie maximal 25 KW/34 PS bewegen darf, sondern, mit fast 5 Zentnern auch zu schwer. Da es unser Drittmotorrad werden sollte spielte natürlich auch die Preislage eine Rolle. Unsere Tochter ist knapp 180 cm groß, daher konnten wir das Thema Sitzhöhe erst einmal vernachlässigen. Ich stellte mir eine kleine, leichte Enduro vor, (Honda NX 250, Suzuki DR, Honda SLR o.ä.) hatte da allerdings den Geschmack unserer Großen nicht mit eingerechnet. Nach einigen Probefahrten mit CB 500 (zu teuer), ER 5 (zu vergammelt), EN 500 (preiswert aber in der falschen Preisklasse) bot mir ein Arbeitskollege die FT 500 seiner Frau an.
Eine Besichtigung fand die Zustimmung unserer Tochter, denn die schwarze Schönheit stand glänzend da, hatte einen tollen Sound, war leicht wie eine Enduro und hatte eine Silhouette wie kaum ein anderes Modell - irgendwo zwischen Supermoto und Tourer - dazu einen E-Starter. Lediglich der eckige Scheinwerfer und darunter die komische Hupenverkleidung sowie die klobigen Instrumente wurden kritisiert. Ich meine damit kann man erst einmal leben und ggf. wäre eine Änderung ohne viel Aufwand möglich.
Die FT 500 wurde bis 1984 in Japan gebaut, hat den luftgekühlten Einzylinder-Viertaktmotor mit vier Ventilen aus der Enduro XL 500 S. Aus 497 cm3 Hubraum entwickelt der Motor 20 KW/27 PS (es gibt nur wenige 25KW/34PS-Modelle) die genügend Kraft für ein genußvolles Kurvenwedeln zur Verfügung stellen. Die 5 Gänge des Getriebes flutschen wie von selbst, allerdings ist der 5 Gang etwas zu lang übersetzt. Durch das geringe Gewicht von nur 170 kg und das trotz 19`` Vorderrad kurvengierige Fahrwerk lässt sich das Teil fast wie ein Fahrrad bewegen. Aufgrund der geringen Leistung und der Fahrwerksauslegung ist die FT vor allen Dingen in der Stadt und auf kleinen Landstraßen zu Hause, wie man das von einem Fahrrad auch erwartet. In der Gabel wären härtere Federn sinnvoll. Das Herausbeschlunigen aus engen Kehren macht auch mit 27 PS Spass. Geschwindigkeiten über 120 km/h mag sie nicht so gern und ich denke mal man sollte den Eintopf nicht auf der Autobahn über längere Strecken mit Vollgas quälen, zumal bei knapp 140 so wie so Schluss ist. Das macht trotz langem 5. Gang wenig Freude und viel Verschleiß.
Aber natürlich haben 25 Jahre alte Motorräder, gemessen an heutigen Standards, auch Mängel – vor allen Dingen konstruktionsbedingte. Das Anlasser-Ritzel ist wohl nicht richtig dimensioniert und geht öfter mal kaputt. Ersatz dafür ist nicht einfach zu bekommen. Dass der Zylinderkopf an fast jedem dieser Einzylindermotoren schwitzt gehört fast schon zur Normalität und kann – bis zu einem gewissen Grad – hingenommen werden. Wen das stört, der muss halt schrauben, das Abdichten ist zwar kein Problem, aber oft nicht von Dauer. Am besten hilft Elastosil E41.
Die Bremsen halte ich für sehr gut dosierbar und gut dimensioniert. Heute gibt es natürlich Besseres und vor allen Dingen mit ABS, aber damals......Fast ideal für eine Anfängerin, da zum Überbremsen des Vorderrades schon sehr kräftig hingelangt werden muss aber trotzdem kräftige Verzögerungen möglich sind. Ich habe gehört dass die Bremskolben schnell festgehen sollen. Das Problem kenne ich auch von anderen Bremsen aus dieser Zeit, allerdings nicht an unserer FT. Am Tacho ist an fast allen FT 500 der Rückstellknopf für den Tageskilometerzähler abgebrochen- na und!
Meine Recherchen im Internet und bei diversen Händlern haben ergeben, dass E-Teile für die FT genügend vorhanden sind und teilweise auch sehr preiswert zu bekommen sind. Ein weiterer Pluspunkt für dieses im Grunde unterbewertete Motorrad aus den ersten Jahren der 80er. Nun haben wir das Teil schon 3 Wochen in unserer Garage und die abendlichen Ausfahrten werden nahezu ausschließlich mit der „Kleinen“ unternommen. Mal schnell zum Baden, in die Stadt oder auch über einen kleinen Pass sind das reine Vergnügen.
Fazit: Im Vergleich zu anderen, modernen und viel teureren Motorrädern ist die FT 500 ein optimales Anfängermotorrad. Sie ist leicht zu fahren, problemlos in der Technik, überschaubar in den Kosten und, wenn man sie für den richtigen Einsatzzweck nutzt ein irres Spassgerät. Verbesserungen wären möglich, sind aber nicht nötig. Ergänzung: Aus dem Internet habe ich einen Gepäckträger erstanden, der mittlerweile mit einiger Mühe montiert wurde. Nun kann im Topcase auch mal der Einkauf verstaut werden. Das ist schon deutlich angenehmer als alles immer nur im Tankrucksack zu transportieren.
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