Honda GL 1000 Goldwing

Erfahrungsbericht über

Honda GL 1000 Goldwing

Gesamtbewertung (1): Gesamtbewertung Honda GL 1000 Goldwing

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Honda verleiht dem Motorrad Flügel

4  19.06.2004 (22.06.2004)

Pro:
bequemer, charaktervoller Fastoldtimer

Kontra:
viele verbastelte Gurken auf dem Markt

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

uwbiker

Über sich: Hallo an alle meine Freunde. Ich bin ja nur noch selten hier zu finden. Job und Familie sind eben do...

Mitglied seit:05.11.2002

Erfahrungsberichte:103

Vertrauende:13

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 35 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Seit Beginn der sechziger Jahre ist Honda die absolut größte Motorradfabrik der Welt. 1958 wurde in den USA durch geschickte Werbung eine neue Begeisterung für leichte sportliche Motorräder geweckt, durch Rennerfolge bei allen klassischen Straßenrennen in Europa wurden die technisch hochwertigen Honda-Maschinen schnell bekannt. Sensationelle technische Lösungen wie 125-cm3-Fünfzylinder und 250-cm3-Sechszylinder ließen nicht nur die Rennbesucher staunen. Honda hatte einen riesigen Erfolg und zog dadurch auch andere japanische Hersteller mit. Auch in Europa entwickelte sich ein neuer Motorradmarkt.

1966 mit der zweizylindrigen CB 450 und erst recht 1969 mit der Vierzylinder CB 750 wurde durch Meilensteine des Motorradbaus ein neuer Motorradboom entfacht, in dessen Folge das Motorrad nicht mehr als Transportmittel, sondern als Freizeit- und Sportgerät angesehen wurde. Ein paar Jahre nach der Vorstellung der Honda CB 750 four, die damals der Traum eines jeden Motorradfreaks war, stellte Honda 1975 die Gold Wing GL 1000 K0 vor.

Damit konnten die Tourenfahrer angesprochen werden, denn die GL war konzipiert um 2 Personen komfortabel über lange Strecken zu transportieren. Die neue Sportlichkeit der damals am Markt erfolgreichen Motorräder konnte die GL 1000 allerdings nicht bieten. Der wuchtige Motor mit den ausladenden Zylindern erlaubte nur mäßige Schräglagen und das Fahrwerk neigte bei höheren Geschwindigkeiten zum Pendeln. Die Fahrwerksschwächen offenbarten sich besonders unangenehm mit nachträglich angebauten Lenkerverkleidungen.

Diese Eigenschaften kosteten der Gold Wing Markanteile, zumal die damaligen Marktstrategen dieses geniale Touren-Motorrad völlig falsch plaziert als Sportmaschine angeboten haben. Das mag vielleicht schon an der damals äußerst respekteinflößenden Leistung von immerhin 82 Pferden gelegen haben. Aber heute ist klar: Die Gold Wing taugt nicht zum Rasen, und wer will das schon? Gemütliches entspanntes Dahingleiten ist die Spezialität des fast 6 Zentner schweren, mittlerweile rund 25 Jahre alten Monstermopeds. Heute würde eine modernisierte GL 1000 am Markt als Cruiser sicher noch immer viele Freunde finden.

Honda hatte damals bei der Entwicklung der "Schwinge" neue Wege beschritten. Erstmalig in einem japanischen Großserienmotorrad wurde ein Kardanantrieb angeboten. Ein flüssigkeitsgekühlter Vierzylinder-Boxermotor mit zahnriemengetriebenen Nockenwellen ist das Herz der Maschine und durch geschickte Anordnung der zur Kurbelwelle gegenläufig drehenden Lichtmaschine ist den Japanern ein fast perfekter Massenausgleich gelungen. So genießen heute noch viele Goldwing GL 1000 Fahrer den superruhigen Motorlauf des für damaligen Verhältnisse gigantischen Vierzylinders.

Um den Schwerpunkt möglichst niedrig anzuordnen packten die fernöstlichen Ingenieure den Tank hinunter ins Rahmendreieck und dort wo damals jeder Motorradfahrer den Tank erwartete bot sich dem Winger ein großzügiges Handschuhfach unter der mittleren Klappe der Tankattrappe. Unter den Seitendeckeln versteckt sich der Kühlwasserausgleichsbehälter rechts und die umfangreiche autoähnlich aufgeräumte Elektrik links.

Um die Masse unter Kontrolle zu halten wurde die Gold Wing mit 3 (in Worten drei) Scheibenbremsen ausgestattet. Das war Mitte/Ende der 70er ein absolutes Highlight im übrigen genau wie der Kaufpreis mit rund 9500 DM. So blieb eine Schwinge für viele Motorradfahrer ein unerreichbarer Traum.

Im Laufe der Jahre wurde die GL 1000 durch ständige Modellpflege immer weiter verbessert und so gab es 1978 die wohl perfekteste GL 1000 mit der Bezeichnung K3. Ein verbessertes Fahrwerk brachte Ruhe in flotte Kurven, ein H4-Licht brachte die Erleuchtung für zügige Nachtetappen und die Tankuhr auf der Tankattrappe bekam Gesellschaft von einer Ladeanzeige und einem Kühlwasserthermometer.

Neue Abgasbestimmungen hinterließen allerdings auch Spuren bei der Leistungsausbeute. Durch andere Nockenwellen und kleinere Vergaserquerschnitte blieben von ehemals 82 PS nur noch 78 übrig. In der Praxis bedeutete dies aber nicht weniger Fahrspaß sondern eher mehr Vergnügen beim Tanken, denn der ursprünglich horrende Verbrauch der GL, die bei entsprechend zügiger Fahrweise schon mal 10 bis 12 Liter durch die Vergaser saugte, ging deutlich zurück ohne im Gegenzug wirklich mit Leistungsmangel zu bestrafen..

1980 ging dann die Aera der GL 1000 zu Ende, denn der Markt verlangte nach mehr Hubraum, mehr Leistung und Honda entwickelte ja weiter tolle Motorräder für einen schnell expandierenden Markt und so mußte die GL 1000 der GL 1100 weichen.

Die GL 1000 ist natürlich nicht frei von Mängeln gewesen. Häufig wurde die Wing wegen durchgebrannter Kopfdichtungen flügellahm am Straßenrand gesichtet. Ursache dafür dürfte ein meist zu spät einschaltender Kühlwasserventilator sein. Insider wissen, dass der Tausch des Thermoschalters gegen ein VW-Teil abhelfen soll. Das funktioniert natürlich nicht, wenn durch eine undichte Wasserpumpe das Kühlmittel verschwindet. Also auch hier ist ständige Kontrolle gefragt.

Die Mutter aller Cruiser überzeugt heute noch durch eine sehr geleichmäßige Leistungsabgabe, einen ruhigen Motorlauf und einen niedrigen Schwerpunkt. Das machte die GL 1000 zur ersten Wahl für den Gespannumbau. Ich selbst fahre eine GL2 Bj 79 mit EML Fahrwerk und einsitzigem Seitenwagen. Das Fahrzeug überzeugt mich seit Jahren durch Zuverlässigkeit und Langsteckentauglichkeit sowie große Wartungsintervalle. Testfahrten mit modernen Gespannen haben gezeigt, dass es mehr Leistung, bessere Fahrwerke, mehr Komfort, interessantere Technik und allerlei Schnickschnack gibt, aber ich habe noch nichts gefunden was für gleiches Geld mehr Spass macht und noch alltagstauglicher als alltagstauglich geht ja auch nicht.

Die GL 1000 ist mittlerweile ein gesuchter Youngtimer. Das bedeutet, dass zum Teil wirklich gigantische Preise für gut erhaltene Goldwings der ersten Generation gezahlt werden. Mit Windjammerverkleidungen und Radiokonsolen sind die ersten GL´s so aufgerüstet, dass sie auch in der heutigen Zeit modernen Ausstattungsansprüchen gerecht werden. Damit aber nach dem Kauf böse Überraschungen ausbleiben will ich noch kurz auf ein paar weitere bekannte Schwachstellen hinweisen, denn es sind, vielleicht wegen der erzielbaren Preise, relativ viele verbastelte Gurken auf dem Markt:

Risse in den Ansaugstutzen
defekte Kreuzgelenke im Antriebsstrang
gerissene Zahnriemen mit fatalen Folgen,
korrodierte Steckverbindungen der Elektrik
schwergängige Bremszangen durch Salzeinwirkung im Winterbetrieb
rostanfällige und teure Auspuffanlagen

Wer sich zum Kauf einer GL 1000 entschließt und ein gut erhaltenes Motorrad bekommt, der kann auch mit dieser "alten Kiste" noch viele Jahre mit Freude fahren. GL 1000-Gespanne haben eine Lebenserwartung von mehr als 200 000 km mit dem ersten Motor, gute Pflege vorausgesetzt.

Also gut Freunde. Wenn Ihr wollt, dann liefere ich die gewünschten Daten über die Preise gerne nach sofern ich sie ermitteln konnte:

In der Zeitung ist eine sehr gut erhaltene GL 1000 Bj 78 mit nur 34 000 km und in unverbautem Originalzustand ,schwarz, für 3900 € angeboten. Natürlich weiß ich nicht wie die Kiste letztendlich den Besitzer wechselt, aber gutgebrauchte Schwingen mit 60-80000 km bekommt man schon für 2000 €. Das Besondere ist ja, dass ein Moped dieses Alters eigentlich keinen Wertverlust mehr hat. Die Kosten für Versicherung und Steuer sind überschaubar aber der Spritverbrach ist nicht mehr zeitgemäß.

Ersatzteile sind teuer. Kupplung ca. 150 €, Anlasser deutlich über 300 € , Krümmer mindestens 500 €. Weitere Preise sind mir nicht bekannt, da meine Goldwing relativ wenig Strecke macht und ich noch 1/2 Tonne Ersatzteile in der Garage liegen habe.

Meine Gespannfrederbeine für 600 € sind für den Solofahrer sicher nicht relevant. Zubehör wie Chromteile, Vetterverkleidungen, Koffer usw. gibts eigentlich nur noch gebraucht. Da kommts halt immer drauf an!! Trotzdem glaube ich, dass die GL 1000, ebenso wie ihre etwas jüngeren Schwestern GL 1100 und GL 1200 für relativ wenig Geld viel Spaß bei wenig Problemen bieten.

Bilder von Honda GL 1000 Goldwing
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Eierkuchen70

Eierkuchen70

09.10.2005 16:02

klasse Bericht. ich als Motorrad Narr hatte richtig Spaß am Bericht, deswegen gibst ein BH. LG Guido

AramisDK

AramisDK

27.10.2004 00:24

Moin, moin! Bin eher selten hier! Meine XBR wird naechstes Jahr wieder ausgemottet. Hat inzwischen 44PS, ist immer noch (nahezu) zahnbuerstengepflegt und ich freu' mich schon darauf endlich mal wieder was zu bewegen, das nicht gleich meinen Fuehrerschein kostet... ;-> In diesem Sinne... CU DK

Reiner1

Reiner1

20.06.2004 16:15

Ein sehr guter Bericht, bei dem man merkt, daß der Schreiber Ahnung von dem Gerät hat. Allerdings kommen mir die technischen Daten und die Kosten etwas zu kurz. Die Goldwing erinnert mich an meine Motorradzeiten. Eigentlich hat man ja einen Automotor für den amerikanischen Markt in ein Motorrad gepackt, mit dem Effekt, daß es sehr schwer war und das Fahrverhalten zumindest anfangs etwas problematisch war. Viele Besitzer sind wegen Schwingungen der Gabel bei etwa 160 km/h unfreiwillig abgestiegen. Der Motor war (und Ist) aber immer noch ein Traum, und für ein Bike mit Seitenwagen wohl optimal. Gruß Reiner

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