Formel Eins-Feeling im japanischen Reiskocher
28. Apr 2002
Pro:
schnell, hart, laut, funktionell
Kontra:
wenig Drehmoment, schlaffer Sound bei niedrigen Drehzahlen
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Zuverlässigkeit:
Fahreigenschaften:
Bedienung:
Platzangebot:
mehr
 wydmuch
Über sich:
Kritische aber faire Berichte bei Ciao zu schreiben macht mir Spaß. Dieses Forum hat mich schon so m...
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 46 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Dieses Spaßmobil wird alle Japan-Skeptiker überzeugen, dass die Asiaten bei Fahrspaß, Verarbeitungsqualität und Ausstattung gegenüber deutschen Herstellern mindestens gleichgezogen haben. Zugegeben war für mich der BMW Z3 auch der eindeutige Favorit, als ich begann mich intensiver mit Roadstern zu beschäftigen. Honda überzeugte mich aber davon, dass die Japaner Rennsporttechnik Design und Verarbeitungsqualität ebenso unter einen Hut bekommen, wie einige deutsche Hersteller, von denen man das ja zumindest bei BMW, Porsche und Audi gewohnt ist.
Der Honda S2000 gehört mit 4,13 Metern Länge und 1,75 Breite zu den größeren Artgenossen seiner Gattung. Die langgezogene Motorhaube endet ohne (Z3 typischen) Buckel in Xenon-Flutlichtern mit Reinigungsanlage. Das Heck mit zweiflammiger Auspuffanlage besitzt Rückleuchten mit klarem Plexiglas. Alles in Allem ist das Auftreten sportlich-agerssiv. Das Einsteigen über die Chrom-Applikationen im tiefen Schweller fällt wesentlich leichter, als im Opel Speedster. Die schwere Tür fällt so satt ins Schloss, dass man sich wünscht, das diese Verarbeitungsqualität auch beim Interieur nicht nachläßt. Die exzellenten Sportsitze aus Leder sind eng geschnitten und bieten auch schlanken Leuten sehr guten Seitenhalt. Die Höhenverstellung vermißt man nicht, weil man sie dank der niedrigen Linienführung des S2000 gar nicht braucht. Die elektrischen Außenspiegel sind in sekunden-schnelle eingestellt und nerven nicht mit so lauten Motoren wie im BMW Z3. Die ungewöhnliche Erhöhung im Fußraum dient der Versteifung der Karosserie und stört höchstens den Beifahrer, aber nicht den Fahrer, der seine Füße ja immer in der Nähe der Pedalen bewegt.
Ein Dreh am Zündschlüssel schaltet das digitale Mäusekino, auch genannt digitale Armaturentafel, ein. Eine leuchtend rote, dreistellige Anzeige informiert
auf einen km/h genau über die gefahrene Geschwindigkeit. Eine fein aufgelöste LED-Kette breitet sich über die gesamte Armaturentafel aus und gibt die aktuelle Drehzahl des Motors an, die sich erst bei 9000! Umdrehungen rot färbt. Weitere gut ablesbare Balkensegmente zeigen den Status der Super-Plus Menge im Tank an, sowie die Kühlmitteltemperatur. Überflüssig zu erwähnen, das auch die Kilometerzähler digital sind. Einen Bordcomputer sucht man gar nicht erst, da der S2000 einen so sehr mit dem Fahren beschäftigt, das man für solche Spielereien eh keine Zeit hat. Und besonders sparsam will man in diesem Auto ja gar nicht unterwegs sein. Da ich mich vorher fachkundig gemacht habe, begehe in auch nicht den Anfängerfehler, den Zündschlüssel in die dritte Stellung drehen zu wollen, um den Rennmotor anzulassen. Nein, vielmehr drücke ich mit dem Zeigefinger der linken Hand den leuchtend roten und mir Chrom eingefaßten Knopf mit der Aufschrift „ENGINE START“! Ein sehr zurückhaltender Sound, der etwas blechern klingt, bestätigt mich vorerst im meinem Vorurteil, dass Japaner keine Motoren bauen können.
Da die Lichtmaschine jetzt genügend Strom für den Rest des Fahrzeuges liefert, wird es Zeit, das Dach zu öffnen. Insgeheim auf eine 20-30 Sekunden dauernde Prozedur vorbereitet, entriegele ich die beiden Haken am Dachhimmel. Danach folgt ein leichter Zug am Hebel des am Mitteltunnel positionierten Kippschalters „ROOF“. Sogleich senken sich automatisch die Seitenscheiben und das Stoffdach setzt sich in Bewegung und versinkt nach 5 Sekunden hinten den Überrollbügeln – Nanu, Uhr kaputt ?!? Nein, der elektrische Dachmechanismus funktioniert tatsächlich so schnell, wie in wohl keinem anderen Fahrzeug (Gruß an den SLK, der allerdings ein Hardtop besitzt). Eine Pause an der Ampel reicht also locker, um das Dach zu öffnen oder zu schließen, vorausgesetzt man fährt ohne die aufgeknüpfte Persenning. Die Begeisterung für diese vorher nie erfahrene Prozedur vergrößerte sich, als es ohne Vorankündigung auf einmal zu regnen anfing. Die gerade auf gelb umspringende Ampel kam also wie gerufen. Kaum stand der Wagen, hatte ich die Handbremse auch schon angezogen und schob den Roof-Schalter nach vorne. Das Dach schob sich in sekundenschnelle über die Köpfe Richtung Frontscheibe. Eine kurze Positionierung der Verriegelungshaken ein weiterer Fingertipp auf den Roof-Schalter und das endgültige Verriegeln der Haken – FERTIG. Vergangen sind dabei höchstens 10 Sekunden, also deutlich weniger als jede Rotphase. Der Motor ist im unteren Drehzahlbereich ziemlich schwach, was an dem geringen Hubraum (1997ccm) um dem dadurch auch niedrigen Drehmoment liegt. Mit dem S2000 muß man Schnellfahren erstmal lernen. Wenn man sich dann dazu überwindet, erst zwischen 6000-8500 Touren zu schalten, wird man mit dem Antritt und der Leistungskurve ähnlich eines Motorrades verwöhnt. Jenseits der 6000 stellt sich wirklich Formel Eins ähnlicher Motorensound ein, der höchste Konzentration und schnelles Schalten erfordert. Dabei hilft einem die ungeheuer präzise und knackige Schaltung mit unglaublich kurzen Schaltwegen. So macht Schalten Spaß! Der rechte Arm liegt locker auf der Mittelkonsole und das Schalten erfolgt in der Tat nur aus den Handgelenk.
Der S2000 giert dank seiner direkten Lenkung förmlich nach jeder schnellen Kurve. Durch das stramme, ja schon fast harte Fahrwerk liegt der Honda zu jeder Zeit satt auf der Straße. Überwältigend ist die sichere Straßenlage bei hohen Geschwindigkeiten. So fühlt man sich auch nicht jenseits der 200 km/h dazu genötigt die rechte Hand vom Schaltknüppel zum Lenkrad zu führen. Man fährt auch traumhaft sicher mit einer Hand (freihändig hab ich es dann doch nicht probiert). Ok, also runter von der Autobahn und ab auf die Landstraße. Jetzt braucht man sich auch nicht mehr so konzentrieren und kann das Radio einschalten.
Honda spendiert dem S2000 ab dem Modelljahr 2002 ein gutes CD-Radio mit Zweiwege-Lautsprechern in den Türen. Entgegen der Anlage im Z3 hört sich dies auch ganz passabel an und wird sicher nicht von jedem HIFI-Freak sofort umgebaut. Über die linke Seite des Armaturenbrettes läßt sich das Radio fernbedienen, so dass die mit Kunstleder bezogene Radioabdeckung geschlossen bleiben kann. Wenn es an kühleren Tage ein bißchen fröstelt, kann man die effektive Heizung einschalten, die spezielle Luftaustrittsöffnungen für den Unterleib besitzt. Umgekehrt kann man bei Hitze mit der serienmäßigen Klimaanlage trotz des geöffneten Verdecks für etwas kühle Luft sorgen.
Die eher unwichtigen Details bei einer solchen Fahr- und Spaßmaschine sind die Ablagemöglichkeiten und der Stauraum. Leider haben die Hondas die dafür zuständigen Ingenieure wohl gar nicht erst eingestellt. Ein Handschuhfach sucht man vergeblich, ebenso wie gescheite Türablagen. Einzig am Ende des Mitteltunnels finden sich Klappen über ein paar Millilitern Stauraum. Na ja, dafür entschädigt der Kofferraum etwas. Der über die Fernbedienung entriegelbare Raum für Unentbehrlichkeiten faßt 143 Liter mit einer mittigen Vertiefung, die eine exakte Planung der Beladung erfordert. Kurz vor Schluss nun zu einem Thema, das eigentlich in dieser Preisklasse kein Problem sein sollte. Den Honda kann man auch bei geschlossenem Verdeck mit geöffneten Seitenfenstern fahren, ohne dass man sofort durch Luftzug einen steifen Nacken bekommt. Dies erwähne ich nur deshalb ausdrücklich, weil es z.B. im Z3 ein ärgerlicher Nachteil ist, der durch die unglückliche Form der Seitenscheiben zustande kommt.
Zusammenfassend läßt sich sagen, dass der S2000 wohl der sportlichste Roadster unter 40.000 Euro ist. Selbst eher unwichtig erscheinende Details, wie die erfreulich kurze Heckantenne oder das Heckfenster aus Glas mit Heizung hat Honda besser gelöst als viele Konkurrenten in dieser Preislage. Ihn in 6,2 auf 100km/h zu bringen erfordert schon etwas Übung und Gefühl für diesen Feuerstuhl auf 4 Rädern. Der Honda ist im Vergleich zu anderen Roadstern anstrengend zu fahren, ist die 35.000 Euro mit seiner Ausstattung und Qualität aber auf jeden Fall wert. Der Verbrauch von 10 Litern im Schnitt soll aber nicht über die hohe Einstufung von HP/16 TK/36 VK/33 bei der Versicherung täuschen. Ciao Marco
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19.07.2006 20:47
Sehr informativer Bericht - für mich bleibt aber offen, ob ich mit 1,92 m hineinpasse. "Die Höhenverstellung vermißt man nicht, weil man sie dank der niedrigen Linienführung des S2000 gar nicht braucht." ... das tröstet vermutlich eher kleingewachsene. - Meine einzige Erfahrung mit einem S2000 war übrigens, als ich ein m. E. eher peinliches hochdrehen vernommen habe; die Nachschau hat einen davonrasenden S2000 ergeben. Was Hatamoto schreibt, habe ich auch festgestellt: Ich war schon 1992 erstaunt über die Kultiviertheit eines Nissan Maxima. Unterm Strich finde ich trotzdem, dass die Kaufkraft in Europa bleiben soll. Von den unzähligen Designkopien (ausgenommen S2000) ganz abgesehen...
17.07.2003 12:27
Achtung, jetzt wird´s lang. Na ein Glück das dich der S2000 davon überzeugen konnte das Japaner Motoren bauen können. Wie es halt so ist mit Vorurteilen, man findet sie schnell und behält sie lange. Als Gegenbeweis möchte ich mal folgende Beispiele anführen. In den USA hat der V6 von Nissan (im aktuellen Maxima QX verbaut) 6 Jahre hintereinander den Preis für den besten Sechszylinder gewonnen (bei so potenter Konkurrenz wie BMW, Benz und Porsche), der Reihensechszylinder mit TwinTurbo (RB26DETT) aus dem Nissan Skyline GT-R dreht bereits seit 1993 bis 8000 U/min und hält ohne weiteres bis 9000 U/min aus, aber BMW macht seit 1999 großspurig Werbung man hätte den höchstdrehenden Reihensechser der Welt (8300 U/min). Der Nissan 300 ZX TwinTurbo hatte seit seiner Einführung 1989 verstellbare Ein- und Auslassnockenwellen, also zu einer Zeit als BMW noch nicht mal wusste das ihr System VANOS heißen soll und er besitzt den ersten mir bekannten Frontmittelmotor (wie ihn auch der S2000 hat). Honda ist auch nicht der einzige Hersteller (weltgrößter Motorenhersteller) der Drehorgeln produziert, denn in Japan können das auch fast alle anderen Hersteller (Nissan, Toyota und Mazda) Die Motoren von Lexus sind mit Abstand die laufruhigsten Motoren der Welt und brauchen ihre Konkurrenz aus Dt. nicht mal annähernd zu fürchten (mal ganz abgesehen von der Verarbeitung und Zuverlässigkeit). Ergo....im schaffen von Vorurteilen ist die dt. Autopresse (und teilweise dt. Autofahrer) ungeschlagen und wer mal nach Japan schaut, der wird Autos sehen (z.B. Nissan Quest – Van) dagegen sehen zeitgenössische dt. Modelle aus wie frisch aus Omas Gerümpelkiste (z.B. VW Touran). Japaner können VIEL mehr als man ihnen zutraut, das wird man spätestens beim nächsten Skyline GT-R sehen (kommt endlich als Linkslenker), bzw. beim aktuellen Honda Integra Type-R (wenn er als Linkslenker kommt). Dein Bericht ist trotzdem 1.Sahne, ich musste halt nur was loswerden, wenn ich von VORURTEILEN lese. Rya STeini
29.06.2003 21:20
Der reißt es nun wirklich raus... und die Drehzahlen einfach geil... würde gern mal hören wie sich der 2.0 Liter bei 9000 U/min anhört.. *träum* MFG GT