Fahrzeugbewertung des Autors:
| Pro: |
extrem gute Strassenlage |
| Kontra: |
schlechtes Raumkonzept, wenig Raum insgesamt, schlecht bezogene Sitze, zu wenig Seitenhalt |
Van? Kombi? Vombi!
In der Tat: der Honda Stream ist so etwas wie der Vertreter einer neuen Art – so zumindest wollen uns die Produktstrategen glauben machen.
Honda versucht diesen Spagat auf gewisse Weise schon zum zweiten Mal – diesmal deutlich erfolgreicher als beim ersten Mal, als das Ding noch SHUTTLE hieß und auch kein so ganz richtiger VAN war.
Diese Richtung beschreiten die Honda-Manager mit dem Stream fort: Für einen Van ist der Wagen zu flach, zu knackig – für einen Kombi einfach zu hoch.
Best of Both Worlds? Wem der Van zu hoch, der kauft sich den Stream, wem der Kombi zu flach, der kauft sich den Stream….?
Nope, leider nicht, denn wie bei vielen Kompromissen, Neudeutsch in der Automobilbranche ja als Cross-Over-Concept bezeichnet, gibt auch der Stream leider keinen richtigen Sinn.
Zunächst einmal fehlen ein paar echte Basics der Van-Szene wie etwa Einzelsitze. Prinzipiell besitzt der Stream zwar 7 Sitze, die sich ähnlich der magischen Technik des Opel Zafira im Boden versenken lassen. Das alleine macht jedoch keinen Van aus. Hinzu kommt: durch die Ausformung der Sitze ist in der zweiten Reihe nur Platz für 2 Leute und eine Person, die man nicht leider kann – einer Person, an der einem etwas liegt, sollte man diesen Knubbel unter dem Hintern zumindest nicht zumuten...
Ähnliches gilt dann leider auch für eines der Kern-Features eines Vans: den Kofferraum. Der taugt mit seinen 1575 Litern nach Umlegen der meisten Sitze durch seine mangelnde Höhe und Länge leider auch nicht mehr als der eines Kombis – der Skoda Octavia, der Passat, der Mondeo – allesamt bringen für zum Teil erheblich weniger Geld größere Laderäume mit und weisen zudem 5 echte Sitzplätze auf.
Hier zeigt das Stream-Konzept also durchaus noch eine Menge Luft für Verbesserungen.
Toll ist der Zustieg zum Fahrgastraum, der eine absolute Idealhöhe aufweist und Mitfahrer von 8 bis 80 gleichermassen Spass macht, weil er nicht zu hoch ist aber eben auch nicht das Verbiegen erfordert, das speziell ältere Leute häufig an modernen Autos stört.
Die Sitze, die einen dann empfangen, sind mit dem üblichen Japan-Velours bezogen und fördern Schweiß daher leider mehr als Joggen im August...
Das ist ebenso ärgerlich wie überflüssig und wird nur dadurch getoppt, dass kein Leder oder andere Bezüge angeboten werden.
Ärgerlich, aber eben auch japanisch.
Die Sitze sind eher hart, jedoch nicht unbequem. Menschen mit kurzen Beinen finden – auch typisch japanisch – sehr schnell eine bequeme Sitzposition. Über 1,85 wird es mit der Zeit unebquem – die Geometrie, in der Lenkrad zu Sitzhöhe ausgerichtet ist, geht auf lange Sicht ein wenig auf die Schultern.
Dasselbe gilt leider auch für die Armlehne, die ab der besseren ES-Version Serie ist: Ihre Höhe entspricht nicht den Größenverhältnissen normaler Mitteleuropäer und führt sie dadurch leider ad absurdum.
Schade auch: in schärfer angegangenen Kurven halten die Sitze nicht das, was das excellente Fahrwerk verspricht. Sportlichem Fahren wird dadurch hier eine unnötig frühe Grenze gesetzt, obwohl das Fahrwerk wirklich sehr viel mehr könnte. Dem durchschnittlich geübten Fahrer wird jedoch weit vor den Grenzen des Fahrwerks schlecht, weil er in die Panik verfällt, vom Sitz zu rutschen.
Hier hatte Honda auch schon klügeres Gestühl im Programm, wie man seit Jahren im Civic sieht, dessen Sitze jeder Sportlichkeit gewachsen sind.
Neben dem Fahrwerk gibt auch der Motor alles her, was man zum Rasen bräuchte – hier ist Honda seit Jahren gleich hinter BMW die Referenzklasse in Sachen Drehfreudigkeit wie auch in Sachen Laufruhe.
Die beiden für den Stream angebotenen Vierzylinder, selbst der Kleinere mit nur 1,7 Litern Hubraum, sind ultraruhig, der größere klingt wie ein guter Sechszylinder. Das hat bei Honda, dem Vorreiter im Bereich der Ausgleichswellen, eine lange zurückreichende Tradition und macht auch hier wieder ne Menge Spass, jedoch auch hier wieder mit einer kleinen Einschränkung:
Der im Armaturenbrett untergebrachte Schalthebel lässt sich nicht so gut führen – Automatik ist da besser aber eben auch nur bei dem 156PS-Modell verfügbar – was dann auch mal wieder sehr japanisch ist.
Selbst mit Automatik kommt der Wagen mit seinen 156 starken und drehfreudigen PS mit deutlich unter 9 Litern aus, was cool und Honda-typisch ist, ebenso wie uhrwerkartige Verarbeitung, Solidität und Zuverlässigkeit, für die Honda auch in Deutschland mittlerweile einen sehr guten Ruf errungen hat, gepaart mit den extrem fairen Inspektionspreisen.
Ausnahme auch hier wie bei allen Honda: die Bremsen sind obszön teuer, schaffen aber gute 60.000 KM.
Für den Preis von ein wenig über 21000€, 1200€ mehr für die Automatik-Version bekommt man ein Konkurrenzfähiges Auto, jedoch letzten Endes keines mit irgendeinem besonderen Pfiff oder gar ein Schnäppchen, da die Qualitäten, die man hier VAN-seitig sucht, vollkommen fehlen – die Variabilität übertrifft einen üblichen Kombi nicht – und den würde man für den Preis auch bei anderen Herstellern bekommen – ebenso wie einen richtigen Van.
So gesehen ist der Stream eher was für Individualisten, die sonst eher einen Saab fahren würden – aber der Saab Kombi hat noch weniger Platz und ist halt doppelt so teuer....
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