Ich gehöre zu denjenigen, die das Glück haben, ihren Führerschein vor dem Stichtag (April 1980) gemacht zu haben.
Das ist heute deshalb ein Glück für mich, weil ich mit diesem "alten Lappen" heute Motorrad fahren kann.
Normalerweise benötigt man ja den Führerschein A1 um ein Motorrad fahren zu düffen. Für so alte Säcke wie mich, gibt es aber eine Sonderregelung. Theoretisch könnte ich ohne jegliche Schulung und Prüfung auf Motorräder bis zu 125 ccm Hubraum steigen und den Verkehr unsicher machen.
Das mache ich aber nicht! Tatsächlich nehme ich gerade ein paar Stunden in einer Motorradfahrschule und habe mir einen guten Freund geangelt, der mir alles ganz genau zeigt, damit ich später keine bösen Überraschungen erlebe und mich und andere nicht übermäßig gefährde.
Aber was für ein Motorrad kommt für mich überhaupt in Frage?
Die Klasse der 125er ist erstaunlich gut bestückt und ich hatte die Wahl aus etwa 30 verschiedenen Modellen. Ausgeschieden sind für mich sogleich alle Renn- bzw. Sportmaschinen und die sogenannten Enduro-Geländemaschinen.
Ein Chopper sollte es also sein. Und da hat man dann immer noch etwa 10 Maschinen zur Auswahl.
Da Harley keine passende Maschine baut, fiel meine Wahl auf HONDA. Die hier in Rede stehende Honda VT 125 Shadow ist das stärkste und größte Motorrad in dieser Klasse. Auch andere Hersteller bauen wunderschöne Maschinen und vor allem die etwas unbekannteren, wie Kymco und Daelim haben sehr viel Liebe zum Detail investiert. Aber Honda hat einen Namen, einen fast schon legendären Ruf und ich habe von keinem meiner Bekannten etwas Nachteiliges gehört.
Außerdem hatte ich mich beim Händler sofort in die Shadow verliebt.
Sie stand dort vor mir, fett und schwarz, kaum zu glauben, dass das "nur" eine 125er sein soll.
Bislang hatte ich mir als 125er, was ja amtlich ein sogenanntes "Leichtkraftrad" ist, immer irgendetwas Kleines, Lautes vorgestellt. Nicht so die Honda.
Langgestreckt auf großen und fetten Reifen stand sie da vor mir und blitzte mich mit ihrem Chrom verhalten an.
Schon die Ausmaße verrieten, dass das Ding auch für einen etwas größeren und stärkeren Mann wie mich geeignet sein könnte.
Dann kam die erste Probefahrt. Ich war baff erstaunt, wie satt und tief der Motor klingt. Natürlich ist es nicht das Grollen amerikanischer Urgewalt, wie man es von einer Harley kennt, aber mit dem nervtötenden Rasenmäher-Sound einiger 50er hat das auch nichts zu tun. Satt und voll klang es aus dem Auspuff und es klang nach Kraft.
Von Fahrschule und "Kumpel" ganz gut vorbereitet, wusste ich, wie man so ein Teil bewegt (und gestehe an dieser Stelle, früher mal mit Mofa und 80er gebrummt zu haben).
Aber wie die Shadow zu Werke ging, das hat mich doch erstaunt! Sie zieht kräftig und schwungvoll an, da merkt man: die hat Power!
Hey Leute! Schreibt mir keine Kommentare, wenn Ihr eine 1000er habt und mir sagen wollt, dass nur das richtiges Motorrad-Fahren ist!!! Das weiss ich auch! ;-) Aber ich hab' nun mal den Schein, der mir 125er relativ problemlos ermöglicht, also muss ich (zunächst) mal damit zufrieden sein.
Hier mal die Daten:
Höchstgeschwindigkeit: 103 km/h
Anmerkung: Wird sie richtig eingefahren, liegt die zu erwartende Höchstgeschwindigkeit auch etwas höher. Mit mir und meinen 2 Zentnern an Bord schafft sie gut gerade 100.
Aber: Die schafft sie auch mit mir und einem Sozius, allerdings braucht sie dann mehr Anlauf.
Dass man "nur" eine 125er unterm Hintern hat, merkt man aber sofort am Berg oder bei Gegenwind. Dann geht die Geschwindigkeit gnadenlos auf bis zu 80/85 km/h zurück. Also mit Schwung rasant LKWs auf der Autobahn überholen: Vergesst es! :-)
Hubraum: 125 ccm
Viertakter V 2 Motor (also 2 Zylinder)
Anmerkung:
Dieser Motor ist etwas komplizierter aufgebaut als ein Zweitakter, dafür hat er aber eine andere Leistungskurve und beschert einen fetteren Sound. Der Motor sieht viel fetter aus, als er ist. Mir ist es mehrfach passiert, dass Leute, die sich nicht so auskennen, durchaus eine 500er oder gar größer "erkennen".
Leergewicht: 160 kg
zulässiges Gesamtgewicht: 340 kg
Anmerkung:
Man kann also 180 Kilo zuladen, was mir als Fast-immer-allein-Fahrer genügend Reserven gibt.
Bereifung:
vorn: 100/90-17 55M
hinten: 130/90-15M/C 66M
Standgeräusche dB (A): 84
Fahrgeräusche dB (A): 77
Anmerkung:
Durch den tiefen Ton ist dieses Geräusch bei weitem nicht so unangenehm und wird auch nicht so laut empfunden, wie das Heulen eines hochdrehenden Zweitakters.
Insgesamt ist es ein sehr satter und schöner Sound, der so gar nicht nach 125er klingt.
Der Elektrostarter funktioniert einwandfrei. Kurzes, kerniges Rödeln und der Motor läuft. Ob das auch im Winter oder bei Feuchtigkeit so sein wird, kann ich (noch) nicht beurteilen.
Auch zur Wartung und zur Reparaturfreundlichkeit kann ich glücklicherweise nicht viel sagen.
Dort wo man dran muss, z.B. Batterie usw. kommt man gut ran. Vielleicht ist das eine oder andere Detail bei anderen Motorrädern besser gelöst, das kann ich aber nicht beurteilen, ich kenne nur die Honda soweit.
Auf jeden Fall baue ich auf das große Händler- und Werkstattnetz eines namhaften Herstellers.
Hier in Mannheim ist da die ZRM Zworad AG als bekanntester Honda-Händler, mit eigener Fahrschule, Werkstatt, Bistro und Showroom bestens bekannt.
Beim Fahren ist mir aufgefallen, dass die Maschine einen sehr guten Durchzug hat. Sie schwächelt am Berg und in den Spitzen. Da wünschte man sich doch noch ein paar PS mehr. Nicht dass ich rasen will, die 100 km/h sind mir genug, aber leider bringt die Honda die schon bei leichten Anstiegen oder bei Gegenwind nicht. Immerhin hat sie 15 PS, das ist für ein Motorrad dieser Klasse enorm und wird von den Konkurrenzmodellen nicht übertroffen!
Die Shadow eignet sich vor allem zum bequemen Cruisen. Die Niedrige Sitzposition und die Lenkerposition ermöglichen eine angenehme Körperhaltung und man wird des Fahrens auch nach längerer Strecke nicht müde.
Rasante Kurvenfahrten und große Schräglagen mag die Shadow nicht so sehr. Aber das mag auch an meiner Fahrweise liegen, ich mach's halt auch noch nicht so lange.
Die Schaltung ist manchmal etwas hakelig, hat man sich aber daran gewöhnt, dann schaltet sie butterweich und exakt. Als Autofahrer ist dieses Fußschalten für mich eben sehr neu und ungewohnt.
Fazit:
Für mich ist die Shadow das ideale Motorrad. Sie verleiht mir ein richtiges Harley-Feeling und lässt sich gut und bequem fahren.
Für Raser ist sie nicht geeignet, da fehlt einfach der Dampf. Aber zum bequemen Fahren ist sie super geeignet.
Für alle, die wie ich mit über 40 jetzt so etwas ausprobieren wollen:
1. nehmt wenigstens eine Handvoll Fahrstunden!
2. kauft Euch vernünftige Schutzkleidung!
3. Nur weil man's darf, kann man's noch lange nicht.
4. Übung macht den Meister!
5. nehmt 'nen vernünftigen Helm, nicht alles was chic ist, taugt auch was!
Nachtrag: 125er sind (in den meisten Bundesländern) steuerfrei, das schont den Geldbeutel. Ich habe rund 4,5 Liter auf 100 km verbraucht. Die Versicherung für mich kostet rd. 350 Eulen im Jahr.
Anschaffungspreis:
Beim Händler zwischen 3.700 und 4.200 Euro, aber da hilft Verhandeln!
Bei Ebay oder sonst gut gebraucht mit wenig Kilometern: 2.500 Euro. Etwas abgenudeltere Exemplare: 1.700 - 1900 Euro.
Hier noch ein Tip: Viele verlieren auch schnell wieder die Lust am Motorradfahren, andere verfallen durch die Shadow erst richtig dem Fieber und kaufen sich was Größeres. Es gibt also recht viele gute Gebrauchte. Das stimmt vor allem ab September/Oktober, wenn die Saison zu Ende geht.
Da viele Leute ihr gutes Stück noch mit viel Extra-Zubehör ausstatten, kann man sehr gut gebrauchte Maschinen, liebevoll gepflegt und gut ausgestattet kaufen. Also nicht gleich die Erstbeste nehmen!
Die Honda: Für mich ein Traum!
31.07.2006 12:44
Sehr guter Erfahrungsbericht... Viel Spass beim cruisen!
12.11.2004 19:35
ich besitz die shadow auch und bin vollkommen zufrieden !!
12.07.2004 18:05
Ich bleibe lieber bei meiner Aprilia Pegaso (Straßenenduro). Eine Chopper hat mir zuwenig Bodenfreiheit und ist mir zuwenig wendig in heiklen Situationen. Außerdem genieße ich die aufrechte Sitzposition sehr. Allzeit gute Fahrt wünscht Dir Kornti