Honda XL 500 S - die Yamaha XT-Alternative
08.07.2006
Pro:
Ehrlich, Ohne Schnickschnack, Klassische Einzylinder - Enduro
Kontra:
schwache Bremsen, heute meist verbastelt, stets im Schatten der Yamaha XT 500
Empfehlenswert:
Ja
 DerFetteZwerg
Über sich:
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Erfahrungsberichte:18
Vertrauende:3
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 40 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Honda XL500 S – Enduro „alter“ Schule. Sieht man sich das Angebot an Motorrädern in den Anfängen der 70er Jahren an, so wird eines ganz deutlich: aus dem biederen Motorrad war ein High-Tech-Gerät geworden, - der Markt wurde beherrscht von multizylindrigen Technologieträgern aus Japan.
Gebaut wurde, was technisch machbar war, - oft genug kamen dabei recht skurile und fragwürdige Konstruktionen heraus, wie zB eine Suzuki mit absolut praxisfremdem, wartungsintensivem und kapriziösem Wankelmotor (Suzuki RE5) oder die ersten, schwer beherrschbarem Modelle mit Turbo-Aufladung. (Honda CX500 Turbo). Viele der eher konservativen „Lederärsche“ sehnten sich indessen zurück nach den alten Zeiten, wo ein Motorrad nur das an Technik besaß, was unbedingt nötig war. Es wurde an Stammtischen – und auch in Leserbriefen der renommierten Fachpresse - immer häufiger das Loblied der alten , mächtigen Einzylinder gesungen….Horex, Triumph ,Norton, NSU und wie sie alle hießen.
Die japanische Motorradindustrie, - stets bemüht, auch die kleinste Marktlücke zu füllen, reagierte schnell ! 1976 präsentierte die Firma „Yamaha „die XT 500 ! Das war ein Motorrad wie aus einer anderen Zeit ! Ein mächtiger 500er Einzylinder 4-Takter, nur über Kickstarter anzulassen, mit satten, nur mühsam gedämpften Vibrationen, mit heftigem Drehmoment, mit dumpfem Bollern aus dem hochgelegten Auspuff - und in einem leichten, geländetauglichen Fahrwerk…..das Ei des Kolumbus!
Die Maschine ging von Anfang an weg wie die spichwörtlichen warmen Semmeln ! Was störte die funzelige 6-Volt-Lichtanlage, der mitunter sehr startunwillige Motor und die schwache Bremsanlage, - man hatte endlich einen Einzylinder – Dampfhammer und konnte der vierzylindrig-säuselnd fahrenden Bande von Weicheiern wieder zeigen, wo der Hammer eines echten Motorradfahrers hängt! Bald gab es Nachahmer, - es kam die Staßenversion der XT, die SR 500, es kam die Sanglas aus Spanien, es kam die Neuauflage der 500er Guzzi (Nuovo Falcone) aus Italien….nur der weltgrößte Motorradhersteller – Honda – zierte sich noch. Man wollte eben alles etwas besser machen als die Konkurrenz- und die hieß damals ganz klar Yamaha XT 500. 1979 kam dann Hondas Antwort auf die XT, - sie hieß Honda XL500.
Die XL 500 Honda hatte das Feindbild XT500 genauestens studiert, - das war offensichtlich. Ebenso wie Yamahas Bestseller kam die Honda in einem leichten Geländefahrwerk daher, - mit 6-Volt-Anlage, kleinen Trommelbremsen und Kickstarter.
Dennoch, - die Ingenieure hatten auch einiges geändert. So war man bemüht, die inzwischen legendären Startzeremonien der XT 500 zu vermeiden…mit einem trickreichen Mechanismus, der beim Durchtreten des Kickstarters gleichzeitig eine Art Dekompressionsventil betätigt. In der Tat ist das Startverhalten einer sauber eingestellten XL500 nahezu problemlos. Selten benötigt man mehr als 2 herzhafte Tritte um auch den kalten Motor zum Leben zu erwecken.. Dennoch ist auch die XL dabei nicht ohne Tücke…tritt man nicht forsch genug bis zum Ende durch, kann der Motor derart vehement zurückschlagen, dass sich weitere Startversuche erübrigen ! Das entsprechende Bein wird fortan mehrere Tage lang von einem schillernden Hämatom verziert, wenn nicht gar das Sprunggelenk ärztlicher Fürsorge bedarf….. und man nähert sich seiner XL in Zukunft mit deutlich mehr Respekt
Bei laufendem Motor fällt sofort ein weiterer Unterschied zur XT auf: der relativ kultivierte Motorlauf. Hondas Ingenieure haben recht hohen Aufwand betrieben, um die bauartbedingten Vibrationen des großen Einzylinders in den Griff zu bekommen. Eine gegenläufig arbeitende Ausgleichswelle dämpft das Gezappel der laufenden Maschine auf ein durchaus ertägliches Maß. Erfreulicher Nebeneffekt: es gibt deutlich weniger zerschüttelte Beleuchtungsbirnchen , oder kreuz und quer durchgerissene Nummernschild-Tafeln.. Dennoch: es empfiehlt sich trotzdem, alle Schraubverbindungen von Zeit zu Zeit zu überprüfen. Beim Anfahren dann gleich das nächste AHA-Erlebnis: die Honda hängt sehr direkt am Gas, Der Motor zeigt nichts von der für einen großen Einzylinder typischen Trägheit, - der Kurzhuber geht geradezu beängstigend spontan zu Werke und man hat in den ersten 2 Gängen Mühe, das große 23-Zoll-Vorderrad am Boden zu halten.. Subjektiv mag man nicht glauben, dass es sich hier „nur“ um die Arbeit von 27 PS handelt.
Dafür zeigt sich der konstruktiv aufwändige 4-Ventil-Zylinderkopf verantwortlich, der einen spontanen Gasdurchsatz garantiert, Äußerlich ist dieser Aufwand an den zwei charakteristischen Auspuffkrümmern erkennbar, die – zu einem Rohr zusammengefasst – in den hochliegenden, voluminösen Endtopf münden. Das Arbeitsgeräusch der Maschine lässt alle Einzylinder-Fans aufhorchen: ein dumpf hämmernder Stakkato-Rhythmus lässt schon im Standgas niemanden über die Größe des Zylinderinhaltes im Unklaren. Der Geradeauslauf und die Geländetauglichkeit waren bei japanischen Enduros dieser Zeitepoche kein Ruhmesblatt…aber auch da schlägt sich die Honda durchaus respektabel.
Aufgrund der Kreiselkräfte des riesigen 23-Zoll-Vorderrades hat die Honda ab etwa 50 – 60 km/h einen durchaus befriedigenden Geradeauslauf, ohne jedoch träge zu wirken. Auch die Geländetauglichkeit ist dank des großen Vorderraddurchmessers brauchbar. Man darf sich allerdings keine Illusionen darüber machen, - wettbewerbstauglich ist werder die Honda, noch die Yamaha ohne kostspielige Nachrüstungsaktionen. Für den kleinen Trip in’s Gelände reicht’s aber allemal…und da zeigt sich auch gleich noch ein weiterer Vorteil der Honda: aufgrund der Motorabstimmung ist es eher selten, dass der große Einzylinder sang- und klanglos im Leerlauf einfach abstirbt…
Wem so etwas bei einer steilen Bergpassage schon einmal passiert ist, der weiß. wie absolut lästig – und durchaus auch gefährlich – das sein kann. Yamaha-Piloten können ein Liedchen davon singen, das bedeutend mehr Strophen hat, als die Fahrer einer XL 500! Ein Wort zu den Bremsen: sie sind ungenügend – um nicht zu sagen: gefährlich. Im Gelände mögen sie noch ausreichen, aber für ein Motorrad, welches auf Asphalt immerhin fast 140 km/h schnell sein kann, sind derart lächerliche Trommelbremsen eigentlich unzumutbar – und verlangen vom Piloten sehr vorausschauendes Fahren. Schon nach einigen stärkeren Bremsmanövern kann man den Hebel der vorderen Bremsanlage bis zum Lenker durchziehen, - die hintere Bremse verhält sich nur unwesentlich standfester.
Die der Yamaha sind allerdings keinen Deut besser ! :-) Daß die lächerliche Lichtanlage mit ihren 6 Volt bezüglich ihrer Leistung von jedem durchschnittlichen Fahrradscheinwerfer übertroffen wird, sei hier nur nenbenbei erwähnt.
Der Benzinverbrauch ist mäßig, - beim Mix Gelände/Straße verbraucht die XL ungefähr 5 ltr/100km. Leider ist auch das Fassungsvermögen des kleinen Tanks derart begrenzt, dass man dennoch andauern an der Tankstelle steht. Aus heutiger Sicht heraus wäre die Honda durchaus in der Lage gewesen, den Verkaufserfolg der Yamaha XT 500 ernsthaft zu schmälern…aber dafür kam sie 4 Jahre zu spät auf den Markt. In dieser Zeit hatte die Yamaha derart prägend auf die Einzylinder-Enthusiasten eingewirkt, dass es an ihr kein Vorbeikommen gab. Selbst eine modellgepflegte Version der Honda Enduro - die XL500R, erkennbar am Pro-Link-Federungssystem des Hinterrades und einem geänderten Cockpit , konnte daran nichts mehr ändern. Entsprechend unterschiedlich gestalten sich die heutigen Gebrauchtpreise.
Während eine Yamaha in desolatem Zustand immer noch deutlich über 1000 Euro kostet, bekommt man eine XL in fahrtüchtigem, sofort einsatzfähigem Zustand für die Hälfte. Ich habe meine XL über ein Inserat bekommen, - mit zwei Tanks, einem Ersatzmotor , mit Reparaturhandbuch und aus erster Hand, - gekostet hat sie gerade mal 280 Euro. Allerdings war sie seit 1990 stillgelegt und seitdem auch nicht mehr gelaufen. Ein Dornrösschen - Experiment sozusagen….>grins<
Die Wiedererweckung war geradezu enttäuschend unspektakulär, - nach ein paar Tritten auf den Kickstarter lief der Motor zum ersten Mal seit 16 Jahren – und das völlig problemlos mit den ebensoalten Benzinresten im Tank! Selbstredend erfolgte danach ein Wechsel sämtlicher Schmierstoffe, eine sorgfältige Reinigung des Vergasers sowie ein großer Schmierdienst für das ganze Motorrad. Das war’s dann aber auch schon, - TÜV ohne Mängel versteht sich von selbst!
Eigentlich sollte sie als Begleitmaschine hinten auf mein Wohnmobil, - dazu bietet sie sich mit einem Gewicht von 148 kg geradezu an - aber inzwischen macht sie mir soviel Spaß, dass ich recht oft mit ihr unterwegs bin…auch ohne Wohnmobil.:-) Und ich muß sagen: so Unrecht haben die alten „Lederärsche“ nicht, - er hat was, der große Einzylinder !!
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31.08.2009 12:24
Geh mir weg mit der Karre! Ich bin ein alter(nder) Biker, der zwei XTs und zwei SRs jahrelang durch die Gegend scheuchte. Wir sagten damals H-eute O-hne N-ennenswerte D-efekte A-ngekommen? Nee nee, über den Dampfhammer von Yamaha geht nix, zumindest damals.
18.11.2007 14:28
Klasse Bericht..... cooles Motorrad....lg. Masl
09.07.2006 11:14
Ich habe keine Ahnung von Motorrädern, denke aber dein Bericht hilt bei einer Kaufentscheidung!