House of Flying Daggers

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House of Flying Daggers

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A Chinese Fairytale

5  23.10.2004

Pro:
Darsteller, Inszenierung, Szenengestaltung, Score

Kontra:
nichts

Empfehlenswert: Ja 

CiscoGianino

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:134

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 69 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Zhang Yimou scheint Gefallen am Martial-Arts-Genre gefunden zu haben: Nach „Hero“ erscheint jetzt mit „House of Flying Daggers“ quasi der Nachfolger, der verblüffend viele Ähnlichkeiten zu seinem Kampfkunst-Erstling aufweist, allerdings mindestens genauso viele Neuerungen.

Die Geschichte spielt im Jahre 859 zur Zeit der Tang-Dynastie: Das System ist korrupt und anfällig geworden, selbst der Herrscher scheint langsam seine Macht zu verlieren. Es formen sich erste Untergrundorganisationen, genannt „House of Flying Daggers“, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Machthaber zu stürzen.
Die beiden Offiziere der Provinz Feng Tian, Leo (Andy Lau) und Jin (Takeshi Kaneshiro), bekommen den Auftrag, den neuen Anführer der „Flying Daggers“ innerhalb von zehn Tagen zu inhaftieren. Um dies zu erreichen setzen sie bei der scheinbar blinden Mei (Zhang Ziyi) an, die im Bordell „The Peony Pavilion“ als Tänzerin arbeitet und verdächtigt wird, die Tochter eines ehemaligen „Flying Daggers“-Anführer zu sein.
Als sie auch nach ihrer Verhaftung nichts über die „Flying Daggers“ preisgeben will, fassen die beiden Offiziere einen Plan, nach dem Jin Mei aus ihrem Kerker befreit, sich als freischaffender Schwertkämpfer ausgibt und ihr Vertrauen gewinnt um an das Versteck der Rebellen zu gelangen. Alles funktioniert ganz ausgezeichnet: Jin überzeugt Mei mit Siegen in gestellten Kämpfen, doch dann verliebt er sich in sie. Als ob dies noch nicht reicht, schaltet sich auch noch der General der Provinz ein, der nichts von Jins Undercover-Einsatz weiß und jagt ihm seine Soldaten auf den Hals.
Als das vermeidliche Liebespaar dann zu den „Flying Daggers“ stößt, muss Jin feststellen, dass Mei ihn betrogen hat und auch Leo nicht der ist, für den er sich anfangs ausgab, sondern er kennt Mei schon jahrelang und das besser als Jin recht ist...

Mehr von der Story zu verraten, ohne die entscheidenden Wendungen vorweg zunehmen, ist schwierig, denn Zhang Yimou flechtet wie schon in „Hero“ ein dichtes Netz aus Intrigen und Täuschungen, spielt mit Sein und Schein und stellt jeden der drei Protagonisten vorsein ganz persönliches, moralisches Dilemma.
Dabei unterstützt wird er von drei bestens aufgelegten Hauptakteuren: Zhang Ziyi, die mit Yimou bereits in „Hero“ zusammenarbeitete, bezaubert nicht nur durch liebreizenden Charme und ihr phantastisches Aussehen, sondern liefert obendrein noch die bisher beste darstellerische Leistung ihrer Karriere ab.
Takeshi Kaneshiro spielt mindestens ebenso exzellent den anfangs sehr von sich selbst eingenommenen Jin, der sich für unwiderstehlich hält und meint, jede Frau rumkriegen zu können. Doch schnell zerbricht er nahezu an dem Zwiespalt aus Liebe und Pflichterfüllung, die sich nicht miteinander kombinieren lassen.
Auch Andy Lau, dessen Part bedeutend kleiner ausgefallen ist als der, der anderen beiden, zeigt, dass er nicht zu Unrecht zu den Topschauspielern Asiens gehört. Über seine Rolle mehr zu verraten, ist kaum möglich, da diese die entscheidende Wendung des Films markiert.

In gewohnter Perfektion lässt sich die Choreographie von Ching Siu-Tung bewundern, die diesmal wesentlich mehr zur Geltung kommt als bei „Hero“. Während Zhang Yimou im Vorgänger mehr daran interessiert schien, aus Bewegungen, Farben und Klängen wunderschöne Bilder zu komponieren, so ist die Action von „House of Flying Daggers“ spürbar dynamischer, allerdings nicht weniger poetisch. Mit Zeitlupensequenzen wird zum glück relativ stark gespart; nur zur Betonung wesentlicher Aspekte der Kampfhandlungen werden diese sinnvoll eingesetzt. Dazu kommt der spärliche Gebrauch von CGI-Effekten, mit denen ebenfalls maßvoll umgegangen wird, so dass „House of Flying Daggers“ nicht in einem Inferno der Special Effects versinkt.
Außerdem ist der Sieg der Protagonisten zu keiner Zeit gewiss, was bei vielen Martial-Arts-Produktionen der Fall ist. Zwar sind auch Zhang Yimous Kämpfer ihren Gegnern meist überlegen, doch deren Bedrohung resultiert aus ihrer Vielzahl. Besonders die Flucht von Zhang Ziyi und Takeshi Kaneshiro vor imperialistischen Truppen durch einen Bambuswald ist beeindruckend dargestellt: Die Tonspur wird vom hektischen, schweren Atmen der Protagonisten dominiert und die Kamera rauscht nur so durch das giftgrüne Unterholz.
Überhaupt war Zhang Yimou, wie auch bei „Hero“, wieder sehr an der Gestaltung der Kampfszenen gelegen – der finale Showdown in einer verschneiten Winterlandschaft gehört mit Sicherheit zu den schönsten Finals aller Martial-Arts-Filme, die je gedreht wurden.

Auch sonst nutzt der Regisseur erneut die fabelhaften Naturkulissen, die China zu bieten hat perfekt aus, egal ob Wälder, deren Blätter sich passend zum Herbst orange-rot färben, endlose Blumenwiesen oder Berglandschaften. Wer sich schon für die poetischen Landschaftsaufnahmen von „Hero“ begeistern konnte, der wird bei „House of Flying Daggers“ erst recht ins Schwärmen geraten.

Häufigster und meist auch einzigster Kritikpunkt, den sich Zhang Yimou für „Hero“ immer wieder anhören musste war der des Schlusses: Im stark zensurdominierten China durfte die Ideologie nicht von der der Machthaber abweichen und so musste sich Yimou auf einen Kompromiss einlassen um seinen Film machen zu können. In „House of Flying Daggers“ umschifft er diese Klippe geschickt, indem er die Rebellen erst gar nicht auf die Regierungstruppen prallen lässt, sondern sich auf die komplizierte Dreiecksbeziehung seiner Protagonisten konzentriert. Daher ist „House of Flying Daggers“, wie auch schon sein Vorgänger, nicht klar dem Martial-Arts-Genre zu zuordnen, denn auch wenn der Film von verhältnismäßig vielen Kämpfen beherrscht wird, so stehen doch immer die Menschen mit ihren Gefühlswirren im Vordergrund – mit den selbstzweckhaften Dauerprügeleien, die häufig im Genre vorherrschend sind, hat Yimou nicht viel am Hut.

Insgesamt ein brillanter Film, bei dessen Betrachtung man regelrecht ins Träumen gerät. „House of Flying Daggers“ entfaltet eine poetische Schönheit, wie man es nur selten bei einem Film gesehen hat. Jedes einzelne von Zhang Yimous Bildern mutet wie ein Kunstwerk an, kommt einem wie gemalt vor und entführt einen in eine wirklich märchenhafte Welt. Sicher einer der schönsten Filme des Jahres und sogar noch ein ganzes Stück besser als „Hero“.

Originaltitel: Shi mian mai fu
Alternativtitel: Hero 2 / Lovers
Produktionsland & -jahr: China 2004
Regie: Zhang Yimou
Drehbuch: Zhang Yimou, Li Feng, Bin Wang
Darsteller: Zhang Ziyi, Takeshi Kaneshiro, Andy Lau, Song Dandan

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Demelza

Demelza

22.03.2006 22:56

mir hat der sogar besser als hero gefallen (war mir zu sehr "choreografiert")

Cuchulainn1981

Cuchulainn1981

15.06.2005 17:16

Sehr guter Bericht. Ich habe den Film gestern gesehen und fand ihn ebenfalls sehr gut. Er hebt sich sehr vom ab, was man sonst so im Allgemeinen sieht. Als nächstes werde ich mir wohl "Hero" mal besorgen.

Rumbuff

Rumbuff

10.01.2005 00:05

Einverstanden: Schöne Bilder. Aber guter Film? Gehört dazu nicht doch noch Geschichte, Aussage und so etwas? Gruß, Benjamin

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