Sonntags in Köln geht es fast immer ins Kino. Heute am 11.03.2012 stand um 14 Uhr der Film Hugo Cabret auf dem Programm. Bezahlt haben wir im Cinedom 10,50 Euro pro Person.
Zum Film:
Der Film spielt 1931 und zitiert u.a. historische Begebenheiten.
Hugo Cabret lebt als Halbwaise mit seinem Vater zusammen. Die Leidenschaft als Uhrmacher kann er bereits an den jungen Hugo weitergeben. Als sein Vater bei einem Feuer stirbt, „kümmert“ sich sein Alkoholkranker Onkel um ihn. Somit lebt er in einem Pariser Bahnhof und darf auch nicht mehr zur Schule, weil sich das sein Onkel nicht leisten kann.
Jahre später: Der Onkel ist schon lange abgehauen und solange Hugo die Arbeit seines Onkels (die Uhren im Bahnhof richtig stellen) unerkannt verrichtet, fällt es keinem auf, das der Waise alleine in den Katakomben wohnt. Das einzige was von seinem Vater ihm übrig geblieben ist, ist eine mechanische Puppe, an denen die beiden am reparieren war.
Hugo muß sich mit Stehlerei über Wasser halten, das betrifft nicht nur Essen&Trinken, sondern auch die Ersatzteile für den Maschinenmann, wovon er sich verspricht, das sein Vater ihm eine Botschaft hinterlassen hat. Soll der Maschinenmann doch schreiben können, wenn er wieder richtig funktioniert.
Die Ersatzteile klaut er im Spieleladen von Papa Georges, der ihn eines Tages dabei erwischt und sein wichtiges Tagebuch abnimmt. Bei dem Versuch das Tagebuch wieder zu bekommen, lernt er die adoptierte Nichte von den Georges kennen: Isabelle. Diese will ihm helfen, das Tagebuch wieder zu bekommen und freundet sich mit ihm an. Allerdings findet sie es merkwürdig, das Ihr „Vater“ das Tagebuch nicht wie angekündigt verbrannt hat, sondern das sich ihre „Eltern“ lange über das Buch unterhalten haben.
Somit muß Hugo mehrere Dinge gleichzeitig tun: Zum einen die Uhren im Bahnhof am laufen halten, damit der Stationsvorsteher der liebend gerne Kinder ins Waisenhaus bringt, ihn nicht erwischt, das er alleine in den Katakomben wohnt. Er muß bei Papa Georges im Laden reparieren helfen, bis er seine Diebstahlschulden „abbezahlt“ hat und nicht zuletzt die Freundschaft mit Isabelle ausbauen.
Doch als sie rausfinden, das Papa Georges einst ein berühmter Filmpionier war, überschlagen sich die Ereignisse.
Meine Meinung:
Das wichtigste vorab: Das ist jetzt seit langem ein 3D Film der den Namen auch verdient hat und ich würde sogar so weit gehen zu sagen, das dies der technisch beste 3D Film ist – der bislang gedreht wurde! Der film wurde für die beste Kamera mit dem Oscar nominiert – absolut zu recht. Nicht nur wegen der 3D Effekte, aber die vielen extrem interessanten Ansichten, aus / in Fahrstühle, mitten in der Menschenmenge, ungewöhnliche Perspektiven, die nicht dem Selbstzweck dienen, sondern das ganze Märchen würdig bebildern.
Dann noch Oskars für das Szenenbild und die visuellen Effekte, kann ich auch direkt unterschreiben. Obwohl das klein und süß gemacht ist, wie es sich für ein modernes Märchen gehört, muß man den Film einfach auf der großen Leinwand gesehen haben. Wie Detail verliebt die einzelnen Szene umgesetzt wurden und dann ständig die kleinen Effekte, die eine große Wirkung haben. Hier ist nicht nur die Story ein Märchen, sondern auch die fabelhafte Umsetzung. Technisch, von der Szene, visuell ein absoluter Genuß für das Auge!
Soweit das technische, doch was macht die Story? Klar ist die ergreifend, wie der kleine Waise Hugo sich mit seiner liebenswerten Art im wahrsten Sinne des Wortes durch das Leben stiehlt. Sehnt er sich doch nach einem zu Hause und nur der Maschinenmann leistet ihm Gesellschaft, doch der ist kaputt. Mutig und entschlossen bleibt Hugo am Ball um seinen Traum von der Funktionalität des Maschinenmann zu erreichen.
Was alles dann verbindet ist die Romantik: Der kleine unschuldige Hugo und die süße nette gebildete Isabelle bilden das jugendliche Pendant zu den Georges. Auch wenn Papa Georges nicht mehr viel außer Bitterkeit geblieben ist, hat er und seine Frau nie verlernt sich zu lieben. Und wenn das mal keine Botschaft ist, dann weiß ich es nicht. Und das beste: Das kommt total unkitschig rüber. Leider kann ich wegen Spoilergefahr nichts über das Ende des Films schreiben, aber soviel steht fest: Wer da nicht gerührt ist, hat kein (Film-)Herz!
Damit die Sache ein wenig Pep bekommt, hat Cohen (sehr zurückhaltend gespielt) die Rolle des Stationsvorstehers der immer hinter den Kindern her ist und die ins Waisenhaus stecken will (warum wird erklärt). Doch eigentlich will er doch nur das Herz der Blumenverkäuferin erwerben. Und da ist noch das ältere Päärchen, die kein Päärchen werden können, weil ihr Hund, den netten Mann immer ankläfft. Doch auch für diese Charaktere werden Lösungen gefunden.
Und wem das alles immer noch nicht genug Abwechslung ist, für den werden cineastische Rückblicke in die Entstehungszeit des Films gezeigt. Hach, ich werd schon wieder ganz sentimental.....
Im Grundprinzip ist das ein Kinderfilm. Aber alle Menschen die Träume haben, Kino lieben und sich von berauschenden Bildern begeistern lassen, erhalten hier ein Märchen, das höchsten optischen Ansprüchen genießt und noch etwas, was nicht selbstverständlich ist: Optimismus!
Technische Details:
http://www.hugocabret.de/#home (von hier stammen dann auch die Szenenfotos)
Abenteuer/Drama/Fantasy/Mystery
USA 2011
Kinostart 09.02.2012 D, Premiere 10.10.11 New York
Laufzeit 126 Minuten, FSK : 6
Budget 170 Mio $, Einspiel bislang ca. 30 Mio $, Dt. Zuschauer ca. 300 000
Regie Martin Scorsese *17.11.42 Queen, drehte u.a. 1976 Taxi Driver, 1980 Wie ein wilder Stier, 1990 Good Fellas, 2006 Departed (Oscar, bei insgesamt 9 Nominierungen)
Kamera Robert Richardson *27.08.55 Massachusetts filmte u.a. 1986 Platoon, 1987 Wall Street, 1992 JFK (Oscar), 1994 Natural Born Killers, 2003/2004 Kill Bill 1+2, 2004 Aviator (Oscar)
Produktion Johnny Depp Tim Headington Christi Dembrowski Martin Scorsese
Musik Howard Shore *18.10.46 Toronto machte u.a. Musik für 1986 Die Fliege, 1993 Philadelphia, 2001-2003 Die Herr der Ringe Saga, 2006 Departed
Drehbuch John Logan *24.09.61 Chicago schrieb u.a. 2000 Gladiator, 2004 Aviator, er war 3x für den Oscar nominiert
Gewinner Oscar 2012:
Beste Kamera
für Robert Richardson
Gewinner Oscar 2012:
Beste Ausstattung
Gewinner Oscar 2012:
Beste Visuelle Effekte
Gewinner Oscar 2012:
Beste Tonabmischung
Gewinner Oscar 2012:
Bester Tonschnitt
Nominierung Oscar 2012:
Bester Film
Nominierung Oscar 2012:
Beste Regie
für Martin Scorsese
Nominierung Oscar 2012:
Beste Drehbuch-Adaption
für John Logan
Nominierung Oscar 2012:
Beste Filmmusik
für Howard Shore
Nominierung Oscar 2012:
Bestes Kostüm Design
Nominierung Oscar 2012:
Bester Schnitt
für Thelma Schoonmaker
Georges Méliès Ben Kingsley *31.12.43 Yorkshire drehte u.a. 1982 Gandhi (Oscar), 1993 Schindler's Liste, 2010 Shutter Island
Stationsvorsteher Sacha Baron Cohen *13.10.71 London, der Skandalkomiker war u.a. in 2006 Borat und 2009 Brüno
Hugo Cabret Asa Butterfield *01.04.97 London war u.a. in 2009 Arthur und die Minimoys 2
Isabelle Chloë Grace Moretz *10.02.97 Georgia war u.a. in 2010 Kick-Ass
Onkel Claude Ray Winstone *19.02.57 London war u.a. in 1997 Quadrophenia, 2006 Departed
Lisette Emily Mortimer *01.12.71 London, war u.a. in 1999 Notting Hill, 2005 Match Point, 2010 Shutter Island
Monsieur Labisse Christopher Lee *27.02.22 London war u.a. in 1952 Der rote Korsar, 1958 Dracula, 1974 Die 3 Musketiere, 1999 Sleepy Hollow, 2001-2005 Die Herr der Ringe Saga sowie Star Wars
Mama Jeanne Helen McCrory *17.08.68 London war u.a. in 1994 Interview mit einem Vampir, 2006 Die Queen und 2009-2011 Harry Potter
Rene Tabard Michael Stuhlbarg *05.07.68 Kalifornien war u.a. in 2008 Der Mann der niemals lebte
Fazit:
Ein total sentimentales Märchen was absolut unsentimental daher kommt. Zauberhaft, romantisch und optisch gigantisch umgesetzt. Muß man im Kino gesehen haben, ein Film für Jung und Alt, groß und Klein. Lediglich pure Adrenalinjunkies sollten hier einen Bogen drum machen, alle anderen: Nicht auf die DVD warten – denn Film muß man im Kino sehen! Von daher klare 5 von 5 Sternen und ich bin immer noch positiv überrascht wie gut der Film wirklich ist!
Dieser Bericht wurde auf www.egotester.de zuerst veröffentlicht
28.05.2012 19:23
Ich mag moderne Märchen. VLG - Olaf
05.05.2012 16:38
bh
04.05.2012 11:19
bh