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Menschen, lernt wie Hunde denken!

5  17.06.2002 (26.09.2002)

Pro:
Viel Freude am Partner Hund

Kontra:
Viel Arbeit, Verantwortung, Zeit, Konsequenz, Wissen und Geld benötigt !

Empfehlenswert: Ja 

Cindy95

Über sich: Es tut mir wirklich leid, daß ich momentan nicht hier bin, aber ich bin etwas krank... Aber ich komm...

Mitglied seit:22.09.2000

Erfahrungsberichte:143

Vertrauende:72

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 140 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Ich bin langjährige Hundehalterin, angehende Tierärztin mit besonderem Interesse für Verhaltenskunde und habe eine große Antipathie gegen Menschen ohne Hundeverstand, die trotzdem Hunde halten!

Die Leute denken meist egoistisch! Sie wollen einen Freund, der ehrlich ist, den sie lieben können, der ihnen auch immer wieder seine Liebe zeigt!
Aber tut er das tatsächlich?

Hunde werden teilweise "besser" als Kinder gehalten!
Sie werden geknuddelt, gestreichelt, ihnen sehr viel Zeit gewidmet, es wird für sie gekocht, es gibt Leckerchen, sie dürfen evt. sogar auf`s Sofa oder in die Betten, auch wenn sie schmutzig sind...... (Ich mußte mir damals immer erst andere Klamotten anziehen und die Hände waschen... *lach*)

Aber ist es das, was die Hunde brauchen???

Wie oft sehe ich in der Stadt Menschen, die sich von ihren Hunden durch die Strassen ziehen lassen, Hunde, die traurig mitten auf den Bürgersteig koten, röcheln, weil sie an der Leine ziehen...
Wie oft sehe und höre ich im Park Hundebesitzer, die
nach ihren Hunden schreien, ohne daß der Hund reagiert!??
Hunde, die nicht einmal im Park von der Leine genommen werden???!
Übergewichtige Hunde???
Hunde, die ihre Halter erziehen???
Hunde, die beim Essen betteln, die ihren Besitzer anknurren, wenn er ihnen etwas wegnehmen will??
Hunde, die einfach nicht gehorchen???
Besitzer, die, nachdem sie ihren Hund gerufen haben und er nicht reagiert sagen: Ach, ausnahmsweise! Er spielt ja gerade so schön???

Die Liste könnte ich endlos ausdehnen!!!

Wie oft hört man von Hunden, die Menschen anfallen??

Wieso mußte es überhaupt die Gefahrenhundeverordnung geben???


Da stellt sich doch wohl die Frage: Liegt es am Hund? Oder liegt es am Mensch???

Meine Antwort:
***************
Es liegt Alles nur beim Menschen!!!

Begründung:
***********
Hunde stammen von den Wölfen ab!
Und sie sprechen nicht die Sprache der Menschen! Sie denken auch nicht wie die Menschen, sondern wie die Wölfe!
Und zwar ausnahmslos jeder Hund! Ob klein oder groß!

Wölfe leben in einem Rudel mit strikter und konsequenter Rangordnung!
Es gibt einen Leitwolf und eine Leitwölfin! Beide haben ihren Platz; das heißt, sie sitzen auf einer höheren Ebene, fressen zuerst, gehen immer voran, wenn sie knurren, unterwerfen sich die rangniederen Tiere in Form von Lecken ums Maul, Wegschauen, geduckter Körperhaltung und auf den Rücken legen!
Ab und zu testen die Wölfe, ob sie nicht in der Rangordnung höher kommen!!! Sie wird immer wieder neu festgelegt!

Bei Nachwuchs spielt der Wolfrüde mit seinen Jungwölfen! Unterwerfen sie sich nicht, zeigen sie charakterliche Defizite, beißt er sie tot! Der Wolf macht also quasi einen Wesenstest; nur wesenfeste Tiere dürfen leben! Diese "natürliche Auslese auf wesensfesten Charakter" haben die Menschen bei den Hunden auf Profitgier abgeschafft! Sie legen ein Zuchtziel fest, starten teilweise sogar extreme Qualzuchten, von denen jeder noch so schwache Welpe hochgepäppelt wird, auch wenn er einen schwachen Charakter hat! Ich bin der Meinung, wenn man Hunde artgerecht halten wollen würde, müßte man die Elterntiere diesen Wesenstest durchführen lassen, wenn sie die Instinkte verloren haben, müssen wir Menschen das eben machen! DAnn hätten wir heute absolut kein Problem mehr! Denn nicht wesensfester Charakter eines Hundes liegt nicht an der Rassenzugehörigkeit, sondern am Hundeindividuum! Und ich sehe wirklich häufig "gestörte" Pekinesen oder Yorkies, wobei ich damit jetzt nur ein Beispiel für einige Rassen geben möchte, die durch ihre mangelnde Größe oder ihre vergleichsweise niedrigere Beißkraft nicht für potentiell gefährlich gehalten werden... DAbei kann selbst ein Yorkie sehr hoch springen und aus dem Lauf ein Kind umschmeissen! (Ich hätte hierfür auch jede andere Rase einsetzen können, ich nehme nur mal Rasssen, die viele Leute sich vor das geistige Auge setzen können! *grins*

Wie kann man das alles nun auf unser Zusammenleben mit dem Hund übertragen? Hundezüchter wollen Geld verdienen und päppeln jeden Welpen hoch! Es gibt diese natürliche Auslese nicht mehr! Folglich werden auch Junghunde abgegeben, die sich nicht gerne Stärkeren unterwerfen!

Wenn wir mit einem Hund zusammenleben, bilden wir mit ihm das Rudel! Dort herrscht für den Hund immer eine Rangordnung! Wie genau die aussieht, bestimmen wir; mit Allem! Mit unserer Körperhaltung, unserer Konsequenz!

Beispiele:

1.) Darf der Hund mit uns auf gleicher Höhe sitzen???
Dies ist für den Hund ein wichtiger Anhaltspunkt, wie hoch er in der Rangordnung steht! Nehmen wir ihn also mit ins Bett oder auf`s Sofa (ist ja so schön, wir befriedigen unseren Egoismus!) ist er auf gleicher Ranghöhe wie wir! Logischerweise findet der Hund das gut, wer wäre nicht gern der Anführer??? Vor allem unter dem evolutionsbiologischen Aspekt, daß sich immer der Stärkste fortpflanzen darf!!! Dies ist stark verwurzelt, auch in den Köpfen der Menschen! Warum sonst gibt es Konkurrenz bei der Partnersuche??? Es soll ja sogar Männer geben, die sich schon einmal um Frauen geprügelt haben! Frauen wollen immer hübscher sein, wir kämpfen die Rangordnung auch mit Worten und Gesten aus, oder???

2.) Wer frißt zuerst???
Auch ein Hauptmerkmal der Rangordnung! Mal ehrlich! Wer bekommt als erstes „Fressi“? Erst der Hund, in den meisten Fällen, oder???

Bettelnde Hunde stören uns sogar bei Essen, fordern ihren Teil. Ein Leitwolf würde den Nebenbuhler sofort vertreiben! Wir suchen ihm noch etwas besonders leckeres aus und unterbrechen unser „Fressi“, um ihn zu füttern! Es soll ja sogar Hundebesitzer geben, die ihm extra ein leckeres Leberwurstbrot schmieren, oder? ;-)

3.) Wer geht als erstes durch die Haustür???
Achtet mal darauf! Ist auch sehr wichtig im hündischen Denkprozeß! Meist läuft der Hund doch wohl zuerst raus oder rein, oder???
Wer ist nun wohl ranghöher in diesem Moment???

4.) Die meisten Hundebesitzer berichten, der Hund liege häufig im Weg, man falle regelrecht über ihn, oder? *lach*
Ist doch ganz klar! Warum sollte ein ranghöheres Tier einem rangniedrigerem ausweichen???
Bei den Wölfen machen immer die rangniedrigen Tiere dem ranghöherem Platz! Jawoll, sie erheben sich und gehen ein paar Schritte zur Seite! Empfinden die Hunde nicht als schlimm, sondern als natürlich!

5.) Wie oft sagt man „Sitz!“, bevor der Liebling tatsächlich sitzt? Wieoft und in welcher Lautstärke ruft man ihn herbei??? Wieoft sagt man „Aus“ oder „Pfui“, bevor er reagiert, wenn er reagiert???
Warum sollte ein ranghöheres Tier sofort gehorchen, wenn ein rangniederes Tier etwas will? Ist doch logisch, oder???

Dies sind nur ein paar Punkte, die ich eben anschneiden wollte, um zu verdeutlichen, warum einige Hunde nicht so gut gehorchen!

Ich habe mich jahrelang mit dem Verhalten von Hunden und Wölfen im Vergleich beschäftigt, und dann unsere Mischlingshündin Ronja als „Versuchsobjekt“ benutzt, um auszutesten, wie eine Erziehung auf Hundesprache funktioniert!

Als sie ein Welpe war und zu uns ins Haus kam wurden sofort Regeln aufgestellt, die es konsequent einzuhalten gab!
Der Hund hält sich nur auf dem Fußboden auf!
Sie bekommt immer ihr Futter erst, wenn wir fertig mit Essen sind!
Wenn sie etwas tat, was gut war (z.B. draußen koten und urinieren, wurde sie gelobt wie blöde, wenn sie etwas tat, was nicht gut war, wurde sie angeknurrt! Dazu zog ich meine Lippen nach oben, starrte ihr in die Augen, während ich hochaufgerichtet vor ihr stand, bis sie sich auf wölfische Art unterwarf! Wenn sie es mal austesten wollte, was Junghunde natürlicherweise tun, packte ich sie am Nackenfell und drehte sie unter Geknurre auf den Rücken, beugte mich über sie und biß ihr in die Kehle! Natürlich nicht doll, schmeckt auch nicht besonders * ggg * , aber meist reichte das Knurren aus, daß sie sich unterwarf! Sobald sie dies tat, strafte ich sie kuz mit Mißachtung, dann wurde wieder gespielt! Sie lernte, daß ich ranghoch bin und sie liebe, solange sie sich ihrer Rangordnung entsprechend verhält!
Von ganz allein wartete sie plötzlich, bis ich aus der Tür gegangen bin, kam dann erst hinterher, und wenn ich leise ihren Namen sage, dreht sie sich um! Sie geht an der Leine „Bei Fuß“, ohne daß ich jemals an der Leine rucken mußte, einfach aus der natürlich festgelegten Rangfolge heraus! Zur Not wurde einmal kurz geknurrt, und schon war sie wieder bei Fuß!
Sie reagiert mittlerweile auf Handzeichen füe „Komm“, „Sitz“, „Platz“, ein Räuspern bedeutet „Aus“ und sie läuft nur ohne Leine, bleibt an der Straße stehen und setzt sich hin, egal, wer oder was an der anderen Seite ist!
Beim Apportieren, ihrem liebsten Spiel, legt sie den Ball in meine Hand oder vor die Füße; es gibt kein Ziehen am Stöckchen... Wenn sie es doch machen sollte, wird einmal kurz geknurrt! (Denn diese Zerrspiele, sei es an Tüchern, Stöcken oder Stricken sind ein Rangordnungskampf, den der Mensch meist gutgelaunt verliert, damit der Hund glücklich ist, oder? *grins*)
Rangordnung bestätigt!!!
Sie jagt keine Katzen, liegt im Restaurant brav und ruhig unter`m Tisch ohne zu betteln, ich lege sie vor`m Supermarkt ohne Leine ab und stelle sogar Einkaufstüten zum Bewachen daneben.... Sie bleibt „stolz wie Oskar“ da und freut sich wie eine Schneekönigin, wenn ich sie dafür lobe.
Sie folgt mir überall hin, läßt sogar meinen Vater und seine Leckerlies links liegen!

Sie geht ohne Leine am Fahrrad und bei Ausritten mit dem Pferd, spielt wie ein Weltmeister, führt einfach ein glückliches Hundeleben, und sie versteht, was ich von ihr will.

Die Leute sagen immer, sie kann meine Gedanken lesen! –Und das ohne Drill, ohne Kettenhalsband oder Halti. Nur über Knurren und Loben!
Sie liebt es, gekrault zu werden, usw.

Ich habe auf diese einfache Weise schon drei Hunde (im Tierheim als nicht vermittelbar) resozialisiert, sieben sogenannte Tierheim-Kampfhunde mit Bravour durch den Wesenstest geführt usw.

Es gibt interessante Bücher zu diesem Thema, vor allem von Aldington!

Wenn ein Hund hundegerecht leben soll, muß man seine Sprache erlernen, ihm duch den festen Rangordnungsplatz Sicherheit geben, und der Hund verwandelt sich in einen zuverlässigen, glücklichen Begleiter durch dick und dünn. Man muß nur seinen eigenen Egoismus unterdrücken!

Einige Leute haben in den Parks schon laut gelacht und wohl gedacht, ich sei eine „Verrückte“, weil ich geknurrt habe, aber sie haben dann plötzlich sehr interessiert geguckt und gefragt, nachdem ihre nicht sehr gut gehorchenden Hunde alle nach einem Geknurre in Richtung meines Hundes hinter mir herliefen und schwanzwedelnd dazugehören wollten, zu meinem kleinen Rudel!

Meine Hündin war auch schon in Situationen, in denen es unweigerlich zu einer Auseinandersetzung mit anderen Hündinnen kam. Diese wird eigentlich jeder Hundebesitzer kennen. Ich habe dann laut geknurrt und sie gab diesen Streit auf, denn ich bin ja der Rudelführer und entscheide, ob sie sich beissen sollten... Teilweise wollte die andere Hündin dann uch wieder mitkommen, denn ich hatte ja beiden Hunden gezeigt, daß ich der Rudelführer bin... Hunde akzeptieren das meist schnell, vor allem wenn sie normalerweise keinen festen Platz in der heimischen Rangordnung haben... Dies zeigt doch, daß sie eine feste Rangordnung brauchen, um glücklich zu sein und sich sicher zu fühlen!

Irgendwie war ich immer wieder verwundert, daß diese Art der Kommunikation so einfach funktioniert, aber mittlerweile bin ich so fest davon überzeugt, daß ich hier davon berichten wollte!

Viele Hundebesitzer haben diese Art angenommen und sind einfach glücklich, wie sie auf sanfte Weise plötzlich völlig entspannt mit ihrem Liebling zurechtkommen!

Ich weiß, daß viele Hundebesitzer auch kontroverse Meinungen dazu haben; vor allem, weil sie nicht wahrhaben wollen, daß der Hund nicht gehorcht; meist mit der Begründung, sie wollen ihn ja nicht drillen, er soll sich ausleben!
Aber dies ist weder Drill, noch kann sich der Hund nicht ausleben. Denn ein Hund lebt sich aus, wenn er so leben darf, wie es schon seine Vorfahren gemacht haben, wie er es versteht und es in seinen Instinkten verwurzelt ist!!!

Natürlich bin ich gespannt über Eure Kommentare. *schmunzel*

Und eigentlich ist mir die Bewertung hier völlig egal, denn ich habe nur meine Erfahrungen weitergegeben; und finde es wichtig, gerade heute, zu Zeiten der Hundehasser, daß wir Hundebesitzer unsere Hunde auf natürliche und entspannte Weise unter Kontrolle haben und verstehen!

Ach, und ich finde es wichtig, daß man Hundehaufen von Gehwegen entfernt, Hunde nicht auf Spielplätze läßt und sie z.B. in der Nähe tobender Kinder, Jogger oder Radfahrer an seine Seite ruft! Es gibt nämlich auch Leute, die Angst vor Hunden haben. Und Kinder, die keine Würmer kriegen sollen!

Ich hoffe, dieser Bericht ist nicht zu lang geworden *lach * und hat Euch ein paar interessante Denkanregungen oder Ideen geben können!
Bis bald, vielleicht im Park???
Marina *knurr*


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Jamsession2222

Jamsession2222

04.10.2004 23:53

Ui, ich hatte doch noch ein bh, juchhuuu, das bekommst du für diesen Bericht. Weil Tierberichte auch so unsagbar wichtig sind. Und bei deinem Bericht fällt mir auch ein Buch ein, welches ich gerade lese: "Mit Hunden sprechen". Wenn ich deinen Bericht so lese, glaube ich, dass du dieses Buch kennst. Bald hab ich es durch, aber eigentlich brauch ich das gar nicht lesen, weil wir eigentlich einen Traumhund haben. Aber auch der hat manchmal Macken, die ich zu verstehen versuche ;-) Liebe Grüße

Evaania

Evaania

16.09.2004 16:54

Toller Bericht. Werde Dir mal ins gästebuch schreiben, wenn ich mal Abends Zeit habe:)

Petra1965

Petra1965

12.07.2004 20:06

Hallo grüß Dich, ich habe Deinen Bericht regelrecht "verschlungen". Unsere Familie steht auch kurz davor sich einen Hund zuzulegen. Dieser Gedanke ist schon seit frühster Kindheit in meinem Kopf, doch erst jetzt ergibt sich die Möglichkeit dazu. Wir haben uns für den Eurasier entschieden. Nun würde ich gerne mehr über Deine Ansichten wissen und welche Bücher für mich als Anfängerin als "Rudelführerin" wichtig und gut sind. Kannst Du mir was empfehlen? LIebe Grüße aus Neuss Petra

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