Sein Leben - Sonnenschein meines Lebens
29.06.2004 (30.06.2004)
Pro:
Unbezahlbare Momente im Leben und ein treuer Freund
Kontra:
Der Abschied schmerzt unendlich
Empfehlenswert:
Ja
 PanchoEnterprises
Über sich:
Mitglied seit:05.09.2002
Erfahrungsberichte:71
Vertrauende:58
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Sein Leben - Sonnenschein meines Lebens Völlig entsetzt bemerkte ich, dass der Hund, der auf der Straße lag, an dem ich vor ca. 4 h vorbeiging und dachte er schläft, tot war. Das war damals, 1990 ein alltägliches Straßenbild in Mexico. Mit Rucksack flog ich von Düsseldorf nach Chicago und von dort nach Mexico City. Nach 6 Wochen abenteuerlichen Urlaub in den Urwäldern und am Meer von Guatemala, Belize und Mexico war ich an diese schrecklichen Bilder von misshandelten, nach Essen, Wasser und Liebe hungernden Hunden gewohnt. Grausame Sachen habe ich gesehen und teils auch miterleben müssen und nun stand ich wieder vor einem toten, im Straßengraben liegenden Hund, schätzungsweise 2 Wochen alt. Gerade wollte ich mit Tränen in den Augen weitergehen, da öffnet er ein Auge und blinzelt mich an. Er lebt, freute ich mich und nahm mich ihm an. Ich besorgte schnell in einer Drogerie eine Babyflasche und Milch für ihn, welche er dankbar gierig leersuckelte. Ich dachte die Mutter dieses kleinen Rüden hatte ihn dort liegen lassen um Nahrung zu suchen – nach 2 Stunden gab ich das Warten auf und nahm ihn mit um ihn in ein Tierheim zu bringen. Das war allerdings ein großes Problem! Das Wort TIERHEIM gab es in der mexikanischen Sprache nicht, weil es schlicht und einfach keine Tierheime gab. Die Menschen dort kommen gerade mal selbst über die Runden und gehen mit einem Schweinchen an der Leine spazieren, weil es für sie Nahrung bedeutet, währenddessen Hunde für sie völlig unbrauchbar sind und ihnen die letzten Haare vom Kopf fressen.
Nach langem Hin- und Herüberlegen beschloss ich das Hündchen mit nach Deutschland zu nehmen und erkundigte mich auf dem deutschen Konsulat, welche Bedingungen ich dafür erfüllen musste. Die Bedingung war, dass dem Hund von einem Tierarzt, welcher vom dt. Konsulat anerkannt wurde, attestiert wird, dass dieser gesund und munter und außerdem gegen sämtliche Infektionskrankheiten geimpft wurde. Das war ein kleines Problem, denn er war noch zu jung um geimpft zu werden. Der Tierarzt dort sagte aber, alles ist in Ordnung er wäre absolut gesund und er bestätigt mir alles, ich sollte nur in ca. 8 Wochen in Deutschland ihn dann impfen lassen. Das ganze musste nun noch bestätigt, übersetzt und beglaubigt werden und der Hund durfte mit. American Airline machte auch keine Probleme, sondern berechneten USD 60,00 und rieten mir einen Karton zu finden, paar Luftlöcher reinzumachen, ne Schnur drum und ich könnte meinen Süßen mit in den Fahrgastraum nehmen. Gesagt, getan.......... ich versuchte Pancho, ich gab ihm diesen typisch mexikanischen Namen, mit Baldrianmilch zu beruhigen und zog ihm ne’ Pampers mit Loch für den Schwanz an und checkte ein. Leider war das Flugzeug defekt und wir wurden auf Kosten von American Airline in einem Luxushotel für eine weitere Nacht untergebracht. Am nächsten Tag wieder das gleiche Spiel, Pampers an, Milch mit Baldrian.......... und der Versuch einzuchecken. Nein, diesmal ging es nicht so leicht. Man schickte mich zuerst zum Flughafen-Vet.arzt, der mir irgendwelche Papiere ausstellen sollte. Mir ging es seit Tagen nicht so gut......... ich hatte Fieber und eine Megaerkältung und wollte eigentlich nur noch ins Bett. Ich rannte also durch den riesigen Flughafen von Mexico City und fand die Amtstube schließlich, wo sich allerdings kein Mensch aufhielt. Unser Flieger ging in 30 Minuten und ich hatte Bedenken, dass ich das Flugzeug verpassen würde. Endlich kam ein Typ angetrottelt auch nachdem ich ihm erklärte wie eilig ich es hatte, beeilte er sich nicht. Es sah sich das kleine Hündlein nicht einmal an, sondern stellte nach dem Columbus-System (jeder Buchstabe eine Entdeckung) ein Formular aus, mit dem ich später durch den Check-Inn gehen konnte, um festzustellen, dass das Flugzeug ohne uns, aber mit unserem Gepäck weggeflogen war. Oh je........ was nun? Völlig verzweifelt und auch wütend ging ich zu American Airline, welche sich dann doch, als ich ihnen erklärte, dass ich krank sei und hohes Fieber habe, unserer erbarmten und eine Umbuchung auf Lufthansa Direktflug Frankfurt vornahmen. Nur der Firma Lufthansa war der Karton nicht gut genug, es musste ein Karton sein, auf dem Lufthansa draufstand und statt USD 60,00 verlangte man da dort USD 550,00. Es war das Ende meiner Reise und als Studi auch das Ende meines Geldes....... zum Glück hatte ich meine Kreditkarte dabei, wo ich dann mein Konto hoffnungslos überziehen musste. Aber was sollte ich machen? Den Hund wieder zurück in den Straßengraben legen, nur weil er nun zu teuer wurde? Nein, das hätte ich im Leben nie übers Herz gebracht. Der Flug war recht unkompliziert. Nur wollte mein Süßer nicht in die Windel machen, sondern verrichtete sein Geschäft auf meinem Schoß, jedes Mal nach dem ich nachsehen wollte, ob ich die Windel wechseln muss. Nun ja, was macht man nicht alles! Die Reaktionen Zuhause waren: „ Für soviel Geld hättest Du einen reinrassigen Hund haben können“ Aber wer will schon einen reinrassigen Hund? Ich jedenfalls niemals!
Zu Hause angekommen musste ich erst mal zum Arzt und es wurde Malaria diagnostiziert. Und meinem Hund ging es ebenfalls sehr schlecht. Er mochte nichts trinken und nichts essen, sondern hatte entweder Durchfall oder musste sich erbrechen. Mit ihm auch zum ersten Tierarzt, welcher ihm subkutan Wasser spritzte, da er so ausgetrocknet war. Der Tierarzt verwies mich zu einem anderen, der sofort Parvovirose bei meinem Hund diagnostiziert hatte. (in der Regel innerhalb 24 h tödliche Viruserkrankung bei Hunden und Katzen) Er riet zum Einschläfern. Ich war völlig durch den Wind, hatte der Tierarzt in Mexico doch erzählt der Hund sei super gesund, alles Bestens............. nach dem ganzen Theater mit dem Konsulat, dem Flug etc. sollte ich ihn nun einschläfern? Das konnte doch nur ein schlechter Traum sein.............. nein, das konnte einfach nicht wahr sein. Ich ging mit ihm zum dritten Arzt und auch dieser meinte, es gäbe keine Rettung. Der vierte Arzt sagte wir werden es versuchen, gab ihm eine Spritze mit Antiserum und hing den kleinen Wurm an den Tropf. Eine ganze Nacht saß ich mit Pancho auf dem Schoss in der Tierklinik, selbst mit hohem Fieber und Schüttelfrost und hoffte so sehr, dass er durchkommen werde. Der Tierarzt meinte, entweder er schafft es heute Nacht oder wird sterben. Aber selbst wenn er es schaffen würde, könnte ich damit rechnen, dass er niemals stubenrein werde würde, da die Bauchspeicheldrüse in Mitleidenschaft gezogen sei, und er immer Durchfall haben wird. Oh, mein Gott, dachte ich mir......... wie soll das nur gehen? Ich wohnte damals zwar an einem Feldrand, aber ich hatte keinen Garten und konnte ihn ja auch nicht immer mit zur Vorlesung und zur Arbeit nehmen........... ich bekam es wirklich mit der Angst zu tun und fühlte mich mit der Situation völlig überfordert. Der Morgen kam und mein Hund lebte, wedelte mit dem Schwanz, leckte mich ab und die Sonne ging in mir auf. Nach Tagen der Hüttenkäsekost wuchs er schnell und war sei diesem Tag mein ständiger Begleiter. Er wurde sogar Super-stubenrein. Er hat niemals mehr, nachdem er es gelernt hatte, in die Wohnung gemacht. Er liebte das Wasser und das Autofahren........ ich ging beruflich in den Außendienst und Pancho war immer dabei. Als ich aus beruflichen Gründen für längere Zeit nach Asien und nach USA ging flog er mit. Auch Europa hatte er gesehen. Italien, Griechenland, Frankreich, Spanien, Belgien, Niederlande, Dänemark, Polen, Rumänien, Ungarn, Austria und Schweiz durfte er kennen lernen. Wir gingen zusammen am Baggersee und am Meer schwimmen, und sogar mitsegeln durfte er. Wenn wir in Buchten übernachteten, sprang er von der Badeplattform ins Wasser, schwamm ans Ufer um es zu erkunden und seine Geschäfte dort zu erledigen und anschließend hoben wir ihn dann wieder an Bord. Pancho war das freundlichste, tapferste und zärtlichste Geschöpf was ich in meinem bisherigen Leben kennen lernen durfte. Menschen kommen und gehen in einem Leben......... ein Hund der ist immer da und wenn man noch so schlecht gelaunt oder traurig ist, er brachte mich immer zum Schmunzeln. Seine Spezialitäten waren es Mülleimer auszuräumen und Tempos zu fressen. Na ja, zugegebenermaßen kam er bei mir als Vegetarier nicht immer auf seinen vollen Kosten, dennoch habe ich sehr viel Wert auf eine selbstgekochte und ausgewogene Ernährung gelegt und das hat sich auch bewährt. Jeden morgen wurde ich zärtlich geweckt, mit einem Satz ins Bett, wo er keine Ruhe gab, bis ich mich ihm widmete. Abends war es besonders angenehm meine kalten Füße an ihm zu wärmen. Niemals fühlte ich mich einsam mit ihm. Er war immer da, wenn gleich er das Streunen liebte. Die Nachbarskinder liebten ihn über alles und gingen mit ihm jeden Tag mehrmals los, um ihn im Winter als Schlittenhund vor die Schlitten zu spannen oder mit ihm Springen zu üben. Ich war froh, dass er größer als ein Schosshündchen wurde. Er wog 38 kg und ca. 70 cm Stockhöhe erreicht. Das fand ich wunderbar, denn ich wünschte mir schon immer einen großen Hund. Wenn Hund, dann muss es ein grosser sein. Er sah aus wie ein Schäferhund, Wolf mit Husky gekreuzt. Leute fragten immer beim Spazieren gehen“ Oh, was für ein hübscher Hund. Welche Rasse ist denn das?“ Ich erwiderte immer mit: „ Das ist ein mexikanischer Lastrami“! Oft glaubten die Hundekenner diese Rasse zu kennen und meinten „ ja, davon habe ich schon gehört – das sind ja so tolle Tiere“. Manchen habe ich im nachhinein verraten, dass Lastrami nur eine von mir persönlich entwickelte Abkürzung für LandSTrassenMIschung war. Nun denn, mein mexikanischer Lastrami war sehr beliebt, da er ein so freundliches, wohlwollendes und charmantes Gemüt hatte, dass er mit Kindern immer sehr lieb umgegangen ist und auch sonst ein Herzensbrecher war. Im Jahre 2000 kaufte ich ein Haus im Grünen mit 3000 qm Grundstück und eigentlich tat ich das in erster Linie für ihn, weil ich es mir so schön vorstellte, dass er endlich rein und raus konnte wie er mochte. Zumindest, solange jemand Zuhause war. Er fühlte sich sofort wie Zuhause und erkundete das gesamte Gebiet mit Nachbarn, wo er fortan täglich seine Leckerlis und Streicheleinheiten sich abholte. Auch andere Tiere wie Hunderte von Katzen, Vögel, Hühner und Pfaue mochten ihn, und hatten keine Angst, sondern vertrauten ihm. Niemals in seinem ganzen Leben hat er jemals irgend einem Wesen ein Haar gekrümmt. Es sei denn, und das kam auch mal vor, er wurde angegriffen von bisswütigen Rottweilern oder Bullterrier, Mastiff-Mischling. Er thronte wie ein König auf der Erhöhung des Grundstücks um sein Reich zu beobachten und gegebenenfalls Besucher freundlich zu begrüßen. Das einzige Thema, was ihm zu schaffen machte, waren die Männer in meinem Leben. Die Eifersucht zeigte er, indem er permanent, wenn man sich körperlich näher kommen wollte und sei es nur Händchen haltend dazwischen wollte. Nein, sein Frauchen gehörte ihm ganz alleine, darauf bestand er. Es dauerte immer paar Wochen bis er meine Lags anerkannte, wenn der nächste kam, ging das Spiel von vorne los.
Mein Sonnenschein war 12 Jahre lang niemals mehr krank. Bis auf die Bisswunden, die er einstecken musste und mehrmals zum Nähen gefahren werden musste, hatte er ein gesundes Leben. Dann eines Tages bemerkte ich zwischen seinen Rippen einen kleinen Knoten und ging damit zum Arzt. Dieser meinte das sein nicht schlimm, es käme wohl vom impfen und sei ein Talgknuppel. Aber beim Ultraschall entdeckten wir, dass seine Milz 3x so groß war als sie normal sein dürfte. Ein Milztumor war die Diagnose. In mir brach eine Welt zusammen. Ich wollte ihm keine endlosen Op’s zumuten und dachte daran ihn einschläfern zu lassen, da er sonst irgendwann innerlich verbluten müsste. Doch der Arzt machte mir Mut und meinte der Hund hätte eine gute Chance auf 6-12 Monate weiteres Leben. Aber wollte ich das? Ich ging mit dem Hund nach Hause und von da ab war ich ständig hin- und hergerissen. Zum einen eine tickende Bombe in seinem Bauch zu wissen, zum anderen eine Chance paar Monate mit ihm noch verbringen zu dürfen und letztendlich entschloss ich mich zur OP. Allerdings nur unter der Prämisse, wenn während der OP keine augenscheinliche Metastasen auf der Leber zu entdecken sind. Ansonsten soll Pancho nicht mehr aufwachen. Wir verlebten den Tag vor der OP als sei es unser Letzter und ich war nur noch ein Häufchen Elend, welches versuchte dem Hund nichts anmerken zu lassen. Jeden Augenblick, wenn ich ihn ansah, dachte ich das ist das letzte Mal, dass ich mit ihm spazieren gehe, das Letzte Mal im Auto, das Letzte Mal, dass er ein Tempo klaut............. er war quietsch fidel als sei nichts. Es war ja auch nichts, weil er keine Schmerzen hatte. Nur der Bauch war etwas dicker geworden in letzter Zeit. Ansonsten sprang und rannte er rum wie immer. Während der OP nickte der Arzt mir zu, dass alles o.k. sei, er keine Metastasen auf der Leber gefunden hatte. Er zeigt mir den Tumor und meinte, dass es sich hier höchstwahrscheinlich „nur“ um ein Hämatom handelt, welches durch eine Verletzung bei einem Milzriss passiert sein kann. Darüber hinaus bekam Pancho den linken Hoden abgenommen, da dieser stark verändert sei. Ich hatte keine Ahnung wie mein geliebtes Hundeherz sich einen Milzriss zugezogen hatte. Dann fiel mir ein, dass vielleicht eins der Pferde, die hier am Haus stehen ihn aus versehen mal aus Schreck getreten hatte. Denn Pancho liebte es auf der Pferdekoppel Löcher zu graben. Mein Hund wachte aus der Narkose auf, sah mich an, leckte meine Hand, stand wackelig auf den Beinen und gab mir zu verstehen, dass er jetzt weg will. Die Narbe durch die entnommene Milz erstreckte sich von seinem Penis bis zur Mitte des Thorax. Mit Bepanthen heilte alles schnell und sehr gut ab. Damit der Süße sich nicht ständig die Salbe und damit die Wunde ableckt, bekam er einen kurzen Pyjama angezogen und sah damit einfach zu witzig aus. Nach bereits 2 Tagen nach der OP, rannte er wieder wie früher durch die Gegend und wühlte nach Mäuschen und besuchte wieder Gott und die Welt um sich Leckerlis abzuholen. Nach weitern 8 Tagen ließen wir die Fäden ziehen und hatten den histologischen Befund, der sich als negativ rausstellte. Es waren keine Metastasen zu finden, weder im Hoden noch im Hämatom und der Milz. Das Hämatom wog 1,8 kg und es hätte platzen können und damit wäre der Hund innerlich verblutet.
Ich war so froh und genoss jeden einzelnen Tag mit Pancho um so intensiver. Allerdings wurde er auch etwas mehr verhätschelt, da ich immer dachte....... ich habe ihn nur noch paar Monate, denn die Prognose ohne Milz, war nicht viel länger. Jedes Mal, wenn er mich glücklich anlachte und voller Übermut irgendeinen Blödsinn machte hüpfte mein Herz vor Glück und gleichzeitig überkam mich die Trauer, denn ich wusste es ist ja begrenzt. Klar weiß ich, dass die Lebenserwartung von einem Hund genauso begrenzt ist wie bei einem Menschen, aber schon mehr oder weniger einen kleineren Zeitrahmen gesteckt zu bekommen, war doch noch mal was anderes. Jedes Mal, wenn ich sah, dachte ich wie schön, dass er noch lebt und gleichzeitig dachte ich, oh je wie soll mein Leben ohne ihn aussehen. Mit jedem Blick zu ihm, sah ich gleichzeitig auch den Tod. Der Gedanke begleitete mich ständig und machte mich sehr traurig und damit mein Leben schwer. Pancho machte das Leben noch immer großen Spaß, wenn gleich ich auch bemerkte, dass er nicht mehr so agil war wie früher. Er schlief mehr und war gemütlicher geworden, was man mit 13 Hundejahre auch sein darf. Langsam wurde er eben zum Opa. Die OP lag schon lange hinter uns und der kleine Knuppel zwischen seiner Rippe wurde immer größer. Als er dann etwas größer als ein Tischtennisball wurde ging ich erneut zum Arzt, um ihn zu fragen was es denn mit dem angeblichen Talgkuppel auf sich hatte. Die Diagnose: Ein bösartiger Tumor und inoperabel an dieser Stelle. Selbst wenn man es operativ entfernen würde, käme es immer wieder. Die einzige Möglichkeit war in der Uniklinik der Humanmedizin ihn bestrahlen zu lassen, in der Hoffnung, dass das Wachstum zum Stillstand kommt. Gesagt, getan................ zweimal wurde er bestrahlt und vertrug es auch erstaunlicherweise sehr gut. Der Knuppel wurde punktiert und wurde kleiner und fester. Der Hund ist das tapferste Geschöpf, was ich je in meinem Leben gesehen habe. Direkt nach der Narkose stand er auf, schaute mich an und meinte wohl, wie sollten jetzt gehen. Das taten wir auch. Der Hund streunte noch immer und war immer wohl auf, wenngleich sich so langsam eine Muskelschwäche in seinen Hinterbeinen bemerkbar machte. Das merkte man hauptsächlich beim Aufstehen. Immer wieder dachte ich, jetzt kommt bald der Zeitpunkt, an dem er sterben wird. Aber immer wieder als ich das dachte, geschah was seltsames. Er zeigt mir immer wieder, dass es eben noch nicht Zeit für ihn zum Gehen ist. Sondern er freute sich des Lebens, klaute weiterhin Tempos und streunte durch die Wälder und besuchte regelmäßig mehrmals täglich die entfernten Nachbarn um dort nach dem Rechten zu sehen. Immer wieder kam er mit einem großen Grinsen im Gesicht wieder zurück und freute sich genauso wie ich, wenn er nach 10 min wieder da war....... als wollte er sagen............... halllllooooooooooo ich bin wieder daaaaaaaaaaaaaaaa.
Das Aufstehen wurde für ihn immer schlimmer und mir brach jedes Mal das Herz, wenn ich sehen musste, wie schwer er sich tat. Aber stand er, dann war alles wie früher.......... Ich besorgte ihm Kortison und ein Schmerzmittel, und das half ihm so gut, dass er problemlos wieder aufstehen konnte. Mein Gedanke ihn einschläfern zu lassen, wurde immer wieder verworfen, weil es ihm danach doch wesentlich besser ging und er so fröhlich war. Vor 4 Wochen waren es nun schon fast zwei Jahre, dass er ohne Milz lebte und die Prognose des Arztes, dass man ihm noch 6 –12 Monate schenken konnte, war richtig. Wir haben diesen Zeitraum sogar noch topen können. Er hatte gute und weniger gute Tage und immer es war so schwer für mich zu beurteilen, wie es ihm wirklich ging. Er hat mir nie gezeigt ob es ihm schlecht ging und der Tierarzt meinte immer: „Sie werden es merken, wenn das Tier gehen will, sie kennen Pancho am Besten“ Ich fing an - an mir Selbst zu zweifeln. Kenne ich ihn vielleicht doch nicht? Ich kann nicht entscheiden zwischen Leben und Tod. Heute ist er fröhlich und agil.............. am nächsten Tag eher schläfrig und schlapp. Ich hielt die Verantwortung kaum noch aus, denn er konnte immer schlechter laufen und er hatte auch nicht mehr viel Appetit. Er wurde von Tag zu Tag schwächer und schwächer und ausgerechnet in der momentanen Situation bin ich beruflich in einem neuen Projekt so stark eingebunden, dass ich es mir nicht erlauben dürfte zu Hause zu bleiben. Aber ihn alleine lassen konnte ich auch nicht. Zum Glück konnte sich mein Lag Urlaub nehmen und für ihn da sein. Ich rief die Tierärztin aus dem Nachbardorf und sie kam zu uns nach Hause und meinte, dass sie, wenn es ihr Hund wäre auch Probleme hätte. Er hätte noch nicht aufgegeben und wäre auch noch zu sehr am Leben interessiert, als dass man in nun einschläfern würde. Sie riet mir die Tabletten weiterhin zu geben und ihn zu beobachten. Nun das tat ich ja sowieso schon die ganze Zeit. Aber war beruhigt, dass ich ihn nicht schon eingeschläfert habe, da er noch, soviel Freude am Leben hat. Ich wäre mir wie eine Mörderin vorgekommen. Die Frage drängt sich mir immer mehr auf. Wer leidet mehr? Der Hund der lieber sterben möchte oder ich, die den Schmerz durch das Miterleben und die Angst vor dem Tot des Hundes ein Ende setzen möchte.
Die Ratschläge aus meinem Umfeld waren unterschiedlich: „ Mach’ dem ein Ende – damit Du nicht mehr leiden musst“ „Lass Dein Tier nicht leiden – lass es einschläfern“ „Solange er noch schöne Momente und Tage hat, hast Du kein Recht es einzuschläfern“ „Gott wird es lenken“ „Er soll überhaupt nicht leiden - lass ihn einschläfern“ „Warte, er wird dir zeigen wann er gehen will“ „Wenn die schlechten Tage die Schönen überwiegen, dann mach' ein Ende“
Viele Leute mit vielen Meinungen und doch bin ich mutterseelenallein mit meinem Schmerz. Niemand kann mir die Verantwortung abnehmen! Und mir bricht das Herz, wenn ich denke wie hyperaktiv er war und wie er jetzt mühsam nur aufstehen kann und dennoch mit dem Schwanz wedelnd und sich über jedes Wort, Geste, Leckerli und jede Ansprache freut. Wie er noch immer aufmerksam Kommissar Rex im Fernsehen verfolgt und Anteil nimmt. Die Zeit in der ich keine Einladungen mehr annahm und jede freie Sekunde mit ihm verbrachte wurde immer öfter. Eines Tages fiel mir auf, dass er gar nicht mehr zu meinen Nachbarn ging und auch das Grundstück kaum noch verlassen wollte. Ich bemerkte, dass er keinen Stuhlgang mehr hatte und vermutete, dass er wohl verstopft war. Dies gab es in den ganzen 14 Jahren nicht. Die Tierärztin riet mir, ihm einen Einlauf zu machen, was auch funktionierte. Es konnte wieder sein Geschäft verrichten und war wieder fröhlich und interessierte sich sogar wieder für die Damenwelt. Weil oho, selbst mit einem Hoden konnte er noch sehr gut. ;-)
Das war letzten Freitag, der letzte Tag an dem es ihm so richtig gut ging. Am Samstag war er eher wieder ruhiger und abends machte ich ihm noch mal einen Einlauf. Dieser war allerdings nicht erfolgreich........ er stand ganz traurig auf der Wiese und versuchte vergeblich sein Geschäft zu verrichten. Irgendwann lag er völlig kraftlos da und konnte nicht mal mehr laufen. Ich rollte ihn auf eine Decke und trug ihn zum Haus und machte ihm ein schönes Bett auf seinem Lieblingsplätzchen mit Teppich, Decke, Isomatte, denn er war eiskalt und nahm ihn mit unter meinen Schlafsack und so schliefen wir zusammen ein. Ich war nicht sicher wann das selbstzusammengesetzte Clistier aus Wasser, Salz und Öl funktionieren würde und so dachte ich es sein besser draußen als drinnen. Gegen ca. 4 h morgens wurden wir von Regen überrascht und ich zog mit ihm ins Wohnzimmer wo wir den Rest der Nacht auf dem Boden gemeinsam verbrachten und ich noch immer seine Pfoten in den Händen hielt um sie zu wärmen. Die Nacht war lang, wie so viele andere in denen ich Tränen überströmt neben ihm lag und mich fragte ob ich das Richtige tue und wie mein Leben ohne ihn, meinen Sonnenschein nur werden soll und ich habe kaum ein Auge zugemacht. Am nächsten Morgen völlig gerädert stand ich gegen 6 Uhr auf und er konnte wieder laufen und wollte raus. Wieder versuchte er zu leider vergeblich, aber nichts war zu machen. Also, entschloss ich mich in die nächste Notapotheke zu fahren um ein chemisches Fertigclistier zu kaufen und neben dem noch Elektrolyte, damit er mehr Energie wieder bekommt, da der Tumor der inzwischen schon riesig groß war und von meiner Hand nicht mehr zu umfassen , ihm seine ganze Energie abzieht und für ihn nichts mehr übrig bleibt. Nachdem ich zurück war, versuchte ich ihm den Inhalt des Clistier in den armen Schnuffel einzuflössen. Doch da ging nichts mehr rein. Der Tumor ist in den Darm innerhalb von ca. 30 Stunden reingewachsen und drückte ihm raumfordernd den Darm zusammen. Der Hund legte sich wieder völlig erschöpft unter den Baum, und dort fing er so heftig an zu atmen, dass ich sofort wusste, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen war. Ich rief die Ärztin privat an und hatte Glück, dass ich sie erreichen konnte. Sie kam innerhalb von 15 Minuten und meinte der Tumor ist aufgegangen und es gibt hier keine Chance mehr. Sie hatte ihn 4 Tage vorher gesehen und es ging ihm noch so gut und sie hätte selbst wenn ich sie gebeten hätte, geweigert diesen Schritt zu tun. Wir waren uns beide einig. Ich wusste, dass das Signal ist und nickte heulend, als sie mich fragte, ob wir es tun sollen. Ich hielt seinen Kopf, küsste, streichelte und sprach mit ihm, bis er friedlich einschlief. Der Sonnenscheins meines Lebens ist tot! Er war so tapfer bis zur letzten Sekunde. Bilder liefen in meinem Kopf ab........... vom Finden des kleinen Welpen, wie ich ihn mitgebracht habe, mit dem Todes- und Lebenskampf vor 14 Jahren, die vielen, vielen schönen und wunderbaren Erlebnisse die wir gemeinsam hatten. Seine tausend Löcher, die er immer und überall versuchte zu buddeln........ unseren Urlauben, das gemeinsame Schwimmen in den Seen und im Meer......... in jeder Pfütze musste er baden, Hauptsache ein Fuß war im Wasser oder sein Bauch lag drin, völlig verschlammt und vermatscht kam er wieder raus............ die vielen Wanderungen und unser gemeinsamen Ausritte mit dem Pferd. Die Stunden als er Streunen war um zu seinen heißgeliebten Damen zu kommen und die Sorge die ich hatte, dass er nicht überfahren, vom Jäger erschossen oder gestohlen wurde. Das Glücksgefühl ihn immer wieder zu begrüßen, wenn er an die Türe von seinen Ausflügen klopfte. Das morgendliche Aufweckritual............ die Liebesbeweise, indem er mir seine Markknochen ins Bett legte, die kalten Abende an denen ich meine Füße an seinem Körper wärmen durfte............ Nächte, die ich mit ihm am Lagerfeuer verbrachte und ihn als Kopfkissen benutzen durfte............ Er ist das Beste, was mir jemals begegnet ist! Nachdem sein Herz aufhörte zu schlagen, und die Tierärztin ging lag ich mit ihm den ganzen Sonntag im Schatten auf der Terrasse und nachts hievte ich ihn ins Wohnzimmer und hielt Totenwache um mich schmerzhaft von ihm und seinem Körper zu verabschieden.
Am nächsten Morgen konnte ich glücklicherweise direkt einen Einäscherungstermin in Frankreich arrangieren und so fuhr ich mit ihm dorthin. Ich habe zwar ein großes Grundstück, aber da ich im Wald wohne, ist es mit dem Boden hier so eine Sache. Ich könnte nur mit Maschinen so ein tiefes und großes Loch buddeln. Außerdem bin ich im Wasserschutzgebiet und der Gedanke meinen Hund in ein dunkles tiefes Loch zu legen und zu wissen, dass er langsam vermodert und von Käfern gefressen würde, war mir äußerst unangenehm. Im Tiercrematorium angekommen, wurde er zuerst gewogen und ich habe ziemlich gestaunt, als er dort, trotz seines Abmagerns 42 kg auf die Waage brachte. Der Preis richtig sich nach den Kilos. Das war ein Riesentumor, der ca. 5-6 Kilo auf die Waage brachte. Mein armer Schatz! Dann wurde der Hochofen sorgfältig gesäubert und Pancho wurde liebevoll von einem jungen Mann in einen Hochofen gelegt........... seinen Lebensknochen (eine Kalbshaxe an der er seit 10 Jahren immer wieder rumnagte, wenn sich kein anderer Knochen fand) legte ich ihm dazu. Dann wurde die Klappe geschlossen und das ist das letzte Mal, dass ich meinem geliebten Hund gesehen hatte.
Nach zwei Stunden war er verbrannt, nur noch paar Knochenreste blieben übrig, welche fein zermahlen wurde und ich bekam die komplette Asche in einer Plastiktüte mit nach Hause. Es war schon ein seltsames Gefühl, und doch war ich plötzlich ruhiger geworden. Ich war mir sicher, dass es seine Asche war und ich konnte ihn wirklich vom Zeitpunkt, als ich ihn im Straßengraben gefunden hatte, bis zur Verbrennung seines Körpers nah begleiten und war mir sicher, dass man seinen toten Körper würdevoll behandelte. Die Vorstellung ihn von fremden Menschen abholen zu lassen, ihn nach Niederlande zur Einäscherung zu fahren und dann per Post von was weiß ich wem oder was Asche zugeschickt zu bekommen war für mich unerträglich. Oder auch der Gang zum Tierarzt, wo er niemals eine Sekunde alleine gelassen wurde, er immer wieder mit nach Hause durfte, ihn dorthin zu bringen, auf den kalten Edelstahltisch zu legen, um ihn dort einzuschläfern und dort zu lassen, damit er hinterher in einem Container mit vielen anderen Haustieren zum Abdecken gebracht wird und ich ihn im Lippenstift wiederfinde, war mir einfach nicht möglich. Die Asche war sandfein mit kleinen Knochenresten, an denen man die Grundstrukturen sehen konnte, versehen. Zuhause angekommen machte ich eine Flasche Wein auf, die Nachbarn die ihn alle so sehr mochten brachten Blumen und Essen. Wir hielten Minuten des Gedenkens an ihn und jeder der Anwesenden erzählte von Pancho, wie er ihn in Erinnerung behalten werde. Er war ein solcher Herzensbrecher und Charmeur, dass er in kurzer Zeit alle Herzen unserer Nachbarn eroberte. Sie alle halfen mir gestern meine Trauer mitzutragen und wir verstreuten seine noch warme Asche an allen Plätzen an denen er sich gerne aufgehalten hatte, in der Hoffnung, dass an diesen Plätzen seine freie Seele Frieden findet. Er war immer unterwegs und ein Vagabund. Deshalb wollte ich seine Asche frei überall dort verstreuen, wo er sich wohl fühlte. Der Trampelpfad zu Nachbars Grundstück durch den Wald, auf den Wiesen bei den Pferden, im Garten und natürlich auf seinem Lieblingsplatz auf der Terrasse, danach stießen wir alle mit tränenüberfluteten Gesichtern auf ihn an und saßen noch bis heute Nacht und erzählten uns Panchogeschichten.
Dieser Abend hat mich sehr mit meine Nachbarn verbunden und ich bin noch immer sehr gerührt. Niemals hatte ich die Gefühle dieser Menschen so offen gesehen....................... und das Gefühl, dass sie mich ein Stück mitragen tut mir gut und unterstützt mich in meiner Trauer. Doch.................. mein Haus so unerträglich still.............. so einsam......... ohne Leben! Manchmal, während ich hier sitze und für euch und für mich diesen Bericht hier schreibe höre ich ein Geräusch und denke, oh Pancho ist wach und dann sofort der Gedanke, - Ach nein, er ist tot. Ich vermisse sein Klopfen an der Tür oder der freudige Empfang, unabhängig ob ich eine Sekunde oder 1 Woche weg war. Ein Lebwesen, das meinen ganzen Respekt, Achtung und Liebe hat...................... die Angst er könnte wieder auf die Welt kommen und vielleicht an Lebewesen geraten, die ihm nicht so gut gesonnen sind macht mich total kirre. Ich kann, wenn es mir auch schwer fällt mit dem Verlust ihn nicht mehr in meinem Leben haben zu dürfen notdürftig leben, aber die Ungewissheit ob es ihm jetzt gut oder schlecht geht macht mich wahnsinnig.
14 Jahre hat er mich auf allen Wegen begeleitet, er war immer fröhlich und freundlich......... Ich bin froh und unendlich dankbar mit ihm meine 14 Jahre teilen zu dürfen und glücklich sagen zu können, dass ich alles getan habe, um auch ihm ein wunderschönes Leben zu schenken. Und ich habe ihn manchen Menschen vorgezogen! Er ist der Sonnenschein meines Lebens gewesen!
Leider gibt es ohne Leiden auch keine Freude, wie es ohne Dunkel auch kein Licht gäbe. Mit der Verantwortung für einTier zu sorgen, übernimmt man auch den schweren Gang eines Tages den Zeitpunkt zu bestimmen, an dem man über Leben und Tod entscheidet und es einzuschläfern zu müssen. Eine schmerzhafte Erfahrung und doch bin ich unsagbar dankbar, dass es diese Möglichkeit gibt und er nicht leiden musste.
Und mit seinem Verlust wurde mein wundester Punkt getroffen und damit bin ich ab heute wohl für lange Zeit unverletzlich geworden ............. 29. Juni 2004
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22.11.2007 07:15
BH....soviel Fleiß muss belohnt werden...LG SImone
18.05.2007 14:51
Hallo Patri, ich hab' den sehr emotionalen Beitrag schon einmal gelesen...was soll ich dazu sagen? - meine Sindi ist gute neun Jahre...ich kann Dich also mehr als gut verstehen. Meine Sindi würde ich in meinem Garten begraben, aber das kann natürlich nicht jeder Hundebesitzer.Ein tolles Team - sehr attraktiv, die Patri...:-) LG, Roland
27.11.2006 08:15
Ich bin sehr gerührt!!! Du kannst nur ein toller Mensch sein!! Ich heba eine Dogge (siehe meinen Bericht). Ich habe Angst vor dem Tag an dem ich Abschied nehmen muß!!!!!!! Hoffentlich dauert es noch ewig bis dahin! liebe Grüße Miki