Hyosung Aquila 250 zu Unrecht ein Schattendasein
23.03.2001
Pro:
Technik, Design, Preis, Alltag
Kontra:
Es ist halt eine Hyosung
Empfehlenswert:
Ja
 Dink
Über sich:
Mitglied seit:31.01.2001
Erfahrungsberichte:14
Vertrauende:1
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 14 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Ich wäre niemals auf diese Maschine gekommen. Erst als ich meine eigene 125er (von der ich langsam die Nase voll habe) zur Inspektion hatte, habe ich dieses Motorrad bemerkt und eine Probefahrt verlangt. Leider konnte ich in Ermangelung eines richtigen Scheines nur auf dem Gelände meines Händlers herumfahren, aber das hat dazu geführt, dass ich jetzt die Pappe machen werde und mir dann eine solche Aquila 250 zulegen werde. Der Grund ist: das Ding macht Spass und gefällt. Jeder, der jetzt glaubt, das sei eine aufgebüchste 125er in lässiger Korea-Manier für wenig Geld an den Mann gebracht, dem sei gesagt, dass er hier Unrecht hat. Fängt schon beim Motor an:
Dieses Triebwerk ist in der 250er-Klasse ziemlich einzigartig. Ein kompakter 250 ccm V2 der es technisch in sich hat. Der Motor verfügt über jeweils zwei Nockenwellen pro Zylinderkopf und deren vier Ventilen. Das ganze wird von je einem separaten Vergaser gesteuert und mobilisiert dann stramme 30 PS. Ein Öhlkühler sorgt für moderate Temperaturen. Hört sich nach nicht so viel an, ist aber in Verbindung mit dem relativ niedrigem Gewicht (160 KG) und der spontanen Drehfreude ein echter Spassbringer. Der Motor klingt absolut traumhaft. Das Repertoire reicht vom satten V2-Blubbern im Stand und bei niedrigen Touren bis hin zum heiseren Fauchen, wenn man ihn ausdreht. Das wiederum geht locker von der Hand, da der Motor gierig am Gas hängt. Lässiges Bummeln ist aber auch möglich, denn schliesslich ist von allem (Hubraum, PS, Drehmoment) überall das Doppelte vorhanden, als bei der Aquila 125.
Das Getriebe schaltet sich recht knochig, ist aber ausreichend exakt. Mir hats jedenfalls keine Probleme bereitet, auch der Leerlauf lässt sich passabel finden. Rahmen und Fahrwerk sind von den Abmessungen natürlich mit der 125er identisch. Aber die Federelemente wurden der höheren Leistung mit Erfolg angepasst. Die 125er wirkt im Vergleich typisch koreanisch schwammig und schlägt immer wieder durch. Das 250er Fahrwerk hat wohl ein komplett anderes Gabel-Innenleben und viel dickere hintere Federbeine. Das verleiht dem Moped einen ganz anderen Charakter. Sie ist sehr straff, aber noch gerade ausreichend komfortabel. Das Vorderrad ist meiner Meinung nach ein Schwachpunkt. Ein ziemlich kleiner Durchmesser mit einem sehr breiten Reifen. Das macht die Maschine wohl handlich aber sehr wahrscheinlich nicht sehr stabil. Ich werde es sehen, wenn ich das erste mal richtig fahre.
Was gibts noch. Das Design ist im Vergleich zur 125er wesentlich geändert worden. Eigentlich sind es nur die Kotflügel, die sich bauchig um die Räder schmiegen, der Effekt ist aber sehr ausgeprägt. Dieses Motorrad ist ausgesprochen schön. Dazu kommt eine blitzblanke Zweiton-Metalliclackierung. Gut finde ich, dass die Aquila nicht über die übliche Tankkonsole mit eingefasstem Tacho verfügt, sondern klassische, verchromte Instrumente (Tacho, Drehzahl, Tank) am Lenker verfügt. Der Tankverschluss selbst ist ein sog. Schnellverschluss, er bleibt beim Tanken in einem Scharnier fest am Tank und muss nicht abgenommen werden. Ausserdem gibts ein kombiniertes Zünd-Lenkerschloss, sehr praktisch, da hat wohl jemand mitgedacht. Jeder, der die übliche Fummelei mit getrenntem Zündschloss irgendwo unter dem Tank und separatem lenkerschloss direkt am Rahmenkopf kennt, wird das zu schätzen wissen. Schweissnähte und Rahmenlackierung müssen sich hinter der japanischen Konkurrenz (sofern es denn eine gibt) nicht verstecken. Seltsamerweise ist die 250er hier einen guten Tick besser verarbeitet als die 125er. Speichenfelgen gibt es nicht, dafür aber wunderschöne, hochglanzpolierte Alufelgen, die optisch sehr gut passen.
Fazit für mich ist: Klar, es ist eine Hyosung und dieses Motorrad wird immer ein Exot bleiben. Der 250er Markt existiert eigentlich gar nicht in Deutschland. Denn wer einen Schein hat, wird sich gleich "was Grosses" kaufen. Wer aber nur 7.699 Mark ausgeben kann oder will, erhält dafür einen absolut reellen Gegenwert. Dieses Teil kann was. Der Wiederverkauf scheint fraglich, aber dafür sind die Kosten ja auch um mehr als ein drittel niedriger als bei der einzigen mir bekannten Konkurrenz-Maschine, der Yamaha Virago 250. Und die hat nur 17 PS und ist echt mau. Ich hab mich entschieden für die Aquila 250.
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