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Jeder Autor und jede Autorin hat so seine bzw. ihre Eigenheiten. Und das gilt natürlich auch für die Amerikanerin Karen Rose. Ein paar ihrer Romane habe ich schon vorgestellt. Mit der Zeit fiel mir auf, dass sie ein bestimmtes „Prinzip“ hat, das ihre Geschichten von denen vieler anderer Schriftsteller unterscheidet. Was es damit auf sich hat und ob und wie gut mir ihr Roman „I’m watching you“ (direkt übersetzt „Ich beobachte dich“, der offizielle deutsche Titel lautet deutlich kitschiger „Des Todes liebste Beute“) gefallen hat, dazu nun Stück für Stück mehr!
Inhaltsverzeichnis: ************************ 1. Die Autorin: Karen Rose 2. Ort und Zeit der Handlung 3. Das Rose-Prinzip 4. Hauptfiguren ***a) Kristen Mayhew ***b) Abe Reagan ***c) Mia Mitchell ***d) Der Täter ***e) Zoe Richardson 5. Die Geschichte 6. Themen ***a) Rache ***b) Umgang mit Verbrechen ***c) Vertrauen ***d) Liebesgeschichte 7. Handlungsstränge 8. Verständlichkeit der englischsprachigen Fassung 9. Vergleich mit den anderen Rose-Romanen 10. Zielgruppe 11. Daten zum Buch 12. Pro & Contra 13. Fazit
1. Die Autorin: Karen Rose *********************************** Der Titel dieses Romanes, der Titel von „I’m watching you“, steht eigentlich in jeder Kurzbiografie über Karen Rose, die mir bisher in die Finger gefallen ist. Und das ist auch kein Wunder. Denn für diese Geschichte hat Rose einen Preis erhalten, den RITA, einen Award für einen Roman, der eine Liebes- mit einer Kriminalgeschichte kombiniert. Rose ist Amerikanerin. Und erstaunlicherweise erfahre ich – die ich schon einige von Roses Romanen gelesen habe, in meiner Ausgabe von „I’m watching you“, tatsächlich noch etwas neues über die Autorin. Mir war bislang bekannt, dass sie Chemie studiert hat, ich wusste allerdings nicht, dass sie auch als Ingenieurin gearbeitet und zwei Patente angemeldet hat. Außerdem war sie auch Lehrerin an einer High School. Verheiratet ist Karen mit Martin Rose. Beide haben zwei Kinder und leben mit ihnen und ihrer Katze in Florida. Zu Roses Freizeitbeschäftigungen gehört es zu reisen, sie liebt Strandspaziergänge und fährt gerne Ski. Das Interessante oder Bemerkenswerte: Von Roses familiärem Hintergrund, von ihrer Ausbildung und auch von ihren Hobbys erkennt man in ihren Romanen kaum etwas wieder. Während andere Autorinnen wie Tess Gerritsen, die ja selber Medizinerin ist, ihre persönlichen Erfahrungen in ihre Geschichten einfließen lassen können, ist das bei Rose anscheinend nicht oder kaum der Fall.
2. Ort und Zeit der Handlung ************************************ Auch der Haupt-Schauplatz von Roses Romanen liegt weit entfernt von dem US-Bundesstaat, in dem die Autorin lebt: Die Geschichten spielen nämlich in der Gegenwart in Chicago.
3. Das Rose-Prinzip *************************** Wer meine Berichte kennt, weiß: Ich habe vor diesen über Karen Roses Romane hier auch Rezensionen über die Bücher der bereits erwähnten Tess Gerritsen oder Karin Slaughter geschrieben. Auch sie sind Amerikanerinnen, auch sie schreiben Krimins bzw. Thriller. Doch während Gerritsen und Slaughter die selben zwei bis drei Hauptfiguren haben, die in jeder der Geschichten im Mittelpunkt stehen, hat Rose eine andere, ganz eigene Methode: Bei ihr gibt es zwar auch eine Art „Stammbesetzung“. Doch diese Figuren sind mal nur Randdarsteller, mal stehen sie im Zentrum einer Geschichte. Das hat den Vorteil, dass man auch bei Rose bekannten Charakteren wieder begegnet und so auch mitbekommt, was aus ihnen geworden ist. Gleichzeitig sind die „neuen“ Figuren den Lesern nicht ganz unbekannt. Allerdings gehört zu Roses Rezept auch eine Mischung aus Liebesgeschichte und Thriller. In Sachen Liebe hat sie hier oft ein ähnliches Strickmuster, was für mich auch der größte Schwachpunkt ihrer Romane ist: Ein Mann und eine Frau, beide in der Regel in ihren 30ern, haben schon einiges an Enttäuschungen hinter sich. Bei den Männern ist eine frühere Liebe häufig schon gestorben, die Frauen wurden häufig von ihren Ex-Männern missbraucht oder sind sonst wie ein Verbrechensopfer geworden. Allerdings muss ich zu Roses Verteidigung sagen: Sie schafft es, trotz ihres „Schema F“ (= ihres immer gleichen Schemas), die Charaktere rund zu gestalten. Sie haben nicht nur eins zwei Eigenschaften, sie sind keine flachen Figuren, sondern man lernt sie mit ihren kleinen und größeren Macken und Stärken kennen, so das sie doch realistisch erscheinen. Das ist auch ein Hauptgrund, warum ich Roses Romane trotz des immer gleichen Liebes-Strickmusters recht interessant finde.
4. Hauptfiguren ********************** ***a) Kristen Mayhew Kristen ist in diesem Roman DIE weibliche Hauptdarstellerin. Als Staatsanwältin ist Mayhew gewissenhaft und gut. Dennoch geht es ihr wie vielen anderen: Sie kann nicht alle Fälle gewinnen. Vielleicht auch, weil Kerstin keinen Freund/Mann hat, konzentriert sie sich sehr auf ihre Arbeit. Wie sich im Laufe der Zeit heraus stellt, liegt ihre Mutter mit Alzheimer in einem Pflegeheim, einmal im Monat besucht Kristen sie, doch die Mutter erkennt sie nicht. Mit dem Vater versteht sich Kristen nicht mehr, die Schwester kam mit 18 bei einem Unfall (sie war angetrunken) ums Leben. Sie hat also praktisch keine Familie. Und sie hat nach ihren eigenen Worten auch keine Freunde. Vielen gilt sie als „Eiskönigin“, da sie kühl und distanziert wirkt. Die Ermittlerin Mia Mitchell ahnt, dass mehr in Kristen steckt. Die Staatsanwältin ist nämlich Opfer eines Verbrechens, einer Vergewaltigung geworden. Kaum jemand weiß darüber Bescheid, Kristen glaubt, eine hohe Mauer um sich aufbauen zu müssen, um sich vor ihrer Umwelt im allgemeinen und den Männern im besonderen zu schützen. Ihre Freizeit nutzt sie, um ihre Wohnung zu streichen. So lebt sie ein Teil ihrer malerischen Ader aus, denn sie hat in Florenz Kunst studiert. Kristen ist zwar „hübsch“, nach Rose Worten ist sie aber nicht keine klassische Schönheit.
***b) Abe Reagan Fast jeder kennt es: Manche Namen wecken direkt Vorstellungen – mal positive, mal negative: Beim Namen Abe Reagan denke ich zunächst an einen älteren Mann. Das liegt vielleicht daran, dass ich „Abe“ als Kurzform von Abraham kenne, und das im Zusammenhang mit dem früheren US-Präsidenten Abraham Lincoln. Und schließlich ist auch Reagan der Name eines anderen Ex-Präsidenten (Ronald Reagan), der ebenfalls verstorben ist. Was diesen aller ersten Eindruck unterstreicht, ist die Tatsache, dass Abe neu ins Morddezernat kommt, und dort auf mich im aller ersten Moment blass wirkt. Doch tatsächlich beschreibt Rose ihren männlichen „Hauptdarsteller“ als dunkelhaarigen Mann mit Filmstar-Aussehen. Das klingt zwar einerseits gut, andererseits aber auch zu schön ... Und damit ähnelt er seinem Bruder, Aidan Reagan, den man in „You can’t hide“/ „Nie wirst du entkommen“ als Hauptfigur kennen lernt. Dazu ist er noch geduldig und verständnisvoll – sowohl Kristen als auch seiner Kollegin Mia gegenüber. Aus meiner Sicht ist Abe Reagan damit alles in allem wirklich zu gut, um wahr zu sein. Trotzdem hat auch er seine „inneren Narben“, leidet immer noch unter dem Tod seiner Frau.
***c) Mia Mitchell Eigentlich kann man sie nicht wirklich als Hauptfigur dieses Romans bezeichnen. Sie nimmt nur eine mittelgroße Rolle ein. Dennoch finde ich es ganz interessant, sie genauer zu betrachten, da ich vor „I’m watching you“ „Count to ten“ gelesen habe, einen späteren Roman aus der Rose-Reihe, in dem Mia dann wirklich im Mittelpunkt ist. Hier, in „I’m watching you“ lernt man Mia in dem Moment kennen, in dem sie ihren bisherigen Kollegen bei einem Einsatz verloren hat. Schnell stellt sich heraus: Sie ist fachlich sehr gut, hat eine sehr gute Aufpassungsgabe, hat Einfühlungsvermögen, ist aber gleichzeitig auch dickköpfig und tut sich sehr schwer, Abe als neuen Kollegen an ihrer Seite zu akzeptieren.
***d) Der Täter Bei Karen Rose fallen die Schilderungen der Täter sehr unterschiedlich aus: Mal sind sie gänzlich unsympathisch und lösen nur Abscheu und Entsetzen aus, mal sind sie auch verletzlich, haben Dinge mitgemacht, so dass man zumindest einen Hauch Sympathie für sie empfinden kann. Bei „I’m watching you“ hat man es mit so einem Täter zu tun: Er hat Leah (man weiß lange nicht, ob Tochter, Ehefrau/Freundin oder Schwester) verloren, ist verzweifelt darüber, dass sie so früh sterben musste und ist verzweifelt, dass der Täter, der ihr etwas angetan hat (man kann (lange) nur vermuten, dass Leah missbraucht wurde) zwar gefunden, aber nicht verurteilt wurde. So weit würde wahrscheinlich so ziemlich jeder Mitgefühl mit diesem Mann haben und auch diesen Menschen, der der geliebten Leah etwas angetan hat, verstehen und seine Wut darüber, dass dieser Mensch nicht „seine gerechte Strafe“ bekommen hat. Leah ist an der Tat zerbrochen, hat sich selbst erschossen. Allerdings geht ihr Vater/Bruder/Mann weiter, greift zur Selbstjustiz und tötet nicht (nur) den Mann, der Leah in den Selbstmord getrieben hat, sondern auch andere Verbrecher, die frei gesprochen wurden.
***e) Zoe Richardson Bei dieser Figur greift mir Karen Rose zu sehr in den Klischeetopf: Zoe Richardson ist Journalistin, um eine gute Story zu bekommen, geht sie über Leichen. Und das sowohl im übertragenen wie im tatsächlichen Sinne. Mit ihrer egoistischen Art die „beste Geschichte“ zu veröffentlichen, schadet sie den Ermittlern im Allgemeinen, Kristen im besonderen und auch den Opfern. Sie manipuliert, hat eine Affäre mit einem verheirateten Mann (man weiß als Leser lange nicht, wer er ist), alles nur um ans Ziel, um an Informationen zu kommen und damit auf dem Fernsehschirm zu landen.
5. Die Geschichte ************************ Alles beginnt mit diesem Mann/Vater/Bruder, mit seiner Verzweiflung. Oft sind gerade die Anfänge von Romanen schwierig, nicht immer gelingt es den Autoren, direkt zu Beginn eine Sogwirkung zu schaffen. Normalerweise könnte die eher entstehen, wenn man es mit einer vertrauten Figur zu tun hätte. Doch in diesem Fall gelingt es auch mit dem Fremden, mit dem späteren mehrfachen Mörder. Denn sein Leid wird greifbar, seine Trauer, seine Wut. Man kann ihn an diesem Punkt und bis zu diesem Punkt verstehen. Jeder, der auf diese Weise einen geliebten Menschen verlieren würde, würde wahrscheinlich ganz ähnlich fühlen (= trauern) wie er. Abe dagegen hat gerade einen Neustart vor sich. Er wechselt aus dem Drogen- in das Morddezernat und trifft dort erst einmal auf große Skepsis von Mia Mitchell, seiner neuen Kollegin. Sie traut dem neuen nicht zu, den Platz ihres bisherigen dienstlichen Partners einzunehmen. Kristen Mayhew ist im Stress und in Gedanken versunken, als sie vor dem Aufzug auf Abe trifft. Im ersten Moment zieht sie ihr Pfefferspray, da sie sich von dem fremden Mann, der deutlich größer als sie ist, zunächst bedroht glaubt. Doch er kann sie davon abhalten, ihm Pfefferspray in die Augen zu sprühen. Und da er merkt, dass Kristen etwas neben der Spur ist, begleitet er sie zu ihrem Wagen. Dort sehen beide sofort, dass das Auto einen Platten hat. Kristen öffnet den Kofferraum und findet Polaroid-Fotos und Umschläge. Schnell ist klar: Ein Mörder will der Staatsanwältin Hinweise auf seine Taten liefern. Die ersten Bilder sind schon seit fast vier Wochen in ihrem Wagen – ohne dass sie es gemerkt hat. Der Mann hat Verbrecher ermordet, die vor Gericht nicht verurteilt werden konnten. Und er hatte Kristen, die diese Fälle verloren hat, genau im Blick, spielt in Briefen auf das an, was sie alleine zuhause tut, z.B. auf die Wahl ihrer Wandfarbe und des Musters, in dem sie ihr Zimmer gestrichen hat. Schnell ist ein großes Team, zu dem neben Abe auch Mia gehört, in den Fall eingespannt. Sie folgen den Hinweisen des Mörders und finden seine Opfer. Und sie finden auch heraus, dass der Mann Insiderwissen haben muss. Denn er wusste Details über die Fälle (z.B. dass ein Täter Frauen mit einer speziellen Kette stranguliert hatte), die der Öffentlichkeit nicht bekannt waren. Zunächst reagiert Abe entsetzt, als Kristen auch Polizisten als mögliche Täter ins Spiel bringt. Im Gegenzug kontert er, auch Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft könnten das nötige Wissen besitzen .... Für Gänsehautgefühl sorgt, dass der Täter immer wieder Kristen persönlich (mit Briefen) über seine neuesten Taten informiert und klar ist, dass er sie weiterhin beobachtet. Denn er weiß immer noch und immer wieder Details aus ihrem Leben. Zusätzliche Spannung entsteht, da auch andere Verbrecher plötzlich Kristen auf der Abschussliste haben: Denn sie sehen in ihr den Grund dafür, dass sie selber oder ihre Angehörigen/Freunde ermordet wurden und wollen sich an ihr rächen. Sie hoffen, dass so auch der „Verbrecher-Mörder“ aufhören wird.
6. Themen ***************** ***a) Rache Rache ist das Motiv, dass den Täter antreibt. Es ist ein Rachegefühl, das aus tiefster Verzweiflung entstanden ist. Er war und ist verzweifelt, weil ein Mensch, ein Verbrecher Leah missbraucht, ihre Persönlichkeit und ihren (Über)Lebenswillen zerstört und sie damit auch in den Selbstmord getrieben hat. Seine Trauer ist bis zu diesem Punkt verständlich. Verständlich wäre auch der Wunsch von Angehörigen, dass derjenige, der so etwas einem geliebten Menschen zugefügt hat, zur Rechenschaft gezogen wird. Doch da das nicht passiert ist, will er nun selber für „Gerechtigkeit“ sorgen, sieht sich als „demütigen Diener“ (denn so unterschreibt er seine Briefe an Kristen). Vielleicht ist es die Zwigespaltenheit, die man selber als Leser empfindet, die einen gewissen Reiz seiner Verbrechen ausmacht. Kaum jemand möchte, dass Vergewaltiger oder Mörder vor Gericht freigesprochen werden und so weitere Taten begehen möchten. In dieser Hinsicht kann man den „demütigen Diener“ verstehen. Andererseits wird auch er genauso gut zum Mörder.
***b) Umgang mit Verbrechen Auch Abe Reagan und Kristen Mayhew mussten selber mit Verbrechen umgehen, mit denen sie nicht in ihrer Funktion als Ermittler bzw. Staatsanwältin zu tun hatten. Abe hat immer noch Schuldgefühle, da der Bruder eines von ihm festgenommenen Drogendealers aus Rache auf ihn geschossen hat. Getroffen wurde aber Abes Frau Debra, die sofort gehirntod war und die – nachdem sie fünf Jahren im Krankenhaus nur durch Maschinen „überlebte“ – dann verstarb. Abe konnte sich selber nicht vergeben – und auch Debras Eltern haben ihm nicht verziehen, dass ihre Tochter „seinetwegen“ (weil er Ermittler im Drogendezernat war) erschossen wurde. Als Konsequenz ist Vielleicht auch aus diesen Erfahrungen heraus hat Abe größte Sorge um Kristen, um die Frau, die ihm sehr sympathisch ist und in die er sich schließlich verliebt. Er will nun sie um jeden Preis beschützen, hat Angst, dass sie nun auch von dem Täter zu Opfer fallen könnte. Auch Kristen wurde Opfer eines Verbrechens, sie wurde mit um die 20 vergewaltigt, hat seitdem größte Angst, Männer in ihre Nähe zu lassen und erst Recht davor, eine Beziehung anzufangen. Für sie war die eine Konsequenz aus dieser Tat der Rückzug ins Alleinsein. Und die zweite Folge, als Staatsanwältin nun darum zu kämpfen, dass Täter wie ihr Vergewaltiger bestraft werden. Doch auch ihr gelingt das längst nicht immer.
***c) Vertrauen Für Kristen Mayhew und Abe Reagan ist es zum einen schwierig, nach ihren eigenen privaten Schicksalsschlägen, wieder Vertrauen zu fassen. Bei Abe liegt der Grund darin, dass seine Frau seine große Liebe war und er sich für ihren Tod verantwortlich gefühlt hat. Das ging sogar so weit, dass er im Beruf immer wieder ganz bewusst sein Leben riskiert hat. Noch stärker ist die Frage, wieder Vertrauen zu lernen bei Kristen. Denn sie wurde selber das Opfer eines Verbrechens, fühlt sich seitdem nicht mehr als vollwertige Frau. Dadurch, dass Abe ihr gegenüber sehr behutsam ist, lernt sie, wieder auf einen anderen Menschen zu bauen und sich bei ihm auch rein gefühlsmäßig fallen zu lassen. Dann ist das Thema Vertrauen aber auch noch auf einer ganz anderen Ebene wichtig: Es geht um das Vertrauen in die Gerechtigkeit (der Justiz). Genau vor dem Hintergrund, genau weil die Gerichte es nicht schaffen, jeden Täter auch hinter Gitter zu bringen, ist der Täter wahrscheinlich „ausgetickt“ und hat sich entschlossen, selber für „Gerechtigkeit“ zu sorgen..
***d) Liebesgeschichte Gerade wenn man schon mehrere Romane von Rose und ihr „Strickmuster“ kennt, dann wird die Liebesgeschichte für viele Leser sicherlich ein Schwachpunkt sein. Denn sie läuft immer ähnlich ab: Zwei Menschen, die beide schon große Enttäuschungen oder Verluste erlebt haben und von denen eine (es ist wenn die Frau) dann möglicherweise auch noch Opfer eines Verbrechens wurde, finden trotzdem zueinander. Recht ähnlich ist auch, dass die Männer meistens groß und besonders gutaussehend sind (oft mit dem Aussehen eines Filmstars), während die Frauen eher etwas kleiner sind, hübsch, aber keine klassischen Schönheiten.
7. Handlungsstränge ***************************** Und hier kommen wir zu noch einer Schwachstelle. Dieser Meinung bin ich zumindest. Karen Rose schwenkt zwischen so einigen Figuren hin und her mit ihren Handlungssträngen. Das hilft zwar, damit der Fokus nicht zu sehr auf der genannten Liebesgeschichte ist. Würde man nur bei Reagan und Mayhews bleiben, so würde ihre Beziehung wahrscheinlich zu sehr im Mittelpunkt stehen. Doch man merkt auch, dass die einzelnen Charaktere und die Handlung, die um sie herum gesponnen ist, unterschiedlich gute oder große Sogwirkung hat. Vor allem die „rachesüchtigen“ Verbrecher, die sich nun in Gefahr sehen, führen meiner Ansicht nach zu sehr weg vom Thema. Ich finde, Rose hätte sich auf die Handlungsstränge der Ermittler (Reagan, Mitchell), von Kristen und auf den Täter konzentrieren sollen.
8. Verständlichkeit der englischsprachigen Fassung **************************************************************** Eigentli ch habe ich mich bisher recht leicht getan mit den englischsprachigen Originalversionen der Karen-Rose-Bücher. Man versteht zwar nicht jedes einzelne Wort. Man kann aber aus dem Sinnzusammenhang meistens die Bedeutung ablesen, ohne ein Lexikon zur Hand zu nehmen. Das geht zumindest mir so. Ich habe zwar Englisch im Abi gehabt und auch Englisch studiert (an der Uni wurden allerdings fast alle Seminare und Vorlesungen auf Deutsch gehalten), spreche Englisch aber im Alltag nur sehr selten. Die Bücher sind daher für mich eine gute Gelegenheit, meine Sprachkenntnisse frisch zu halten. In „I’m watching you“ habe ich mich etwas schwerer getan, es kam häufiger als in anderen Rose-Büchern vor, dass ich Worte nicht direkt verstanden habe. Grundsätzlich ist das Handicap hier aber nicht groß. Wer einigermaßen fit im Englischen ist, wird mit der Originalversion dieses Buches sicher klar kommen.
9. Vergleich mit anderen Rose-Romanen *************************************************** Gerade weil „I’m watching you“ preisgekrönt ist, könnte man vermuten, dass dieser Roman aus Roses-Reihe besonders heraus ragt. Doch das ist nur bedingt der Fall. Die Geschichte lässt sich gut lesen. Wieder einmal liegt die Stärke vor allem bei dem Kriminalfall, sie liegt darin, dass es einen Täter gibt, dessen Verzweiflung man ein Stück weit nachvollziehen kann. Es liegt daran, dass man dem Täter zwar gleich zu Beginn (und im Laufe der Handlung immer wieder) „begegnet“, aber dass man trotzdem nicht weiß, wer dieser Mensch ist. Genau wie in ihren anderen Romanen sorgt Rose auch hier dafür, dass die Hauptfiguren abseits der Liebesgeschichte so etwas wie Charakter bekommen, dass sie nicht einfach nur zwei Menschen sind, die nach Liebe suchen sondern Persönlichkeiten, die Macken und Narben haben. Lange Rede, kurzer Sinn: „I’m watching you“ ist aus meiner Sicht zwar eine sehr solide und gut zu lesende Mischung aus Liebesgeschichte und Thriller, aber keine, die in ihrer Intensität und Spannung aus der Rose-Reihe heraus ragt.
10. Zielgruppe ********************** Kurz und bündig: Jedermann. – Jedermann, der sich von dieser Kombination aus spannendem Fall und etwas seichter Liebesgeschichte angesprochen fühlt. Ich weiß, der Fakt, dass die Liebesgeschichte eher seicht ist, wird sehr viele vom Lesen abschrecken. Das ist schade für Rose, schade um die Geschichte, die abseits von der Beziehung zwischen Reagan und Mayhew durchaus interessant und gut erzählt ist.
11. Daten zum Buch *************************** Karen Rose – I’m watching you – Warner Books – Erstausgabe 2006, Reprint (Neudruck) 2006, 474 Seiten, ISBN-10: 0-446-61898-5, ISBN-13: 0-446-61898-4, $ 4,99, bei Amazon gekauft für 5,99 Euro (beim starken Euro – im Vergleich zum Dollar – eigentlich „teuer“) Auch hier gilt: Die Aussage hat eine sehr mäßige Qualität. Vor allem der Druck ist schlecht, man hat die Buchstaben schon beim kleinsten Anflug von (Luft-) Feuchtigkeit an den Fingern. In der deutschen Version findet man diesen Roman unter dem Titel „Des Todes liebste Beute“. Der ist aus meiner Sicht weniger passend: Denn „I’m watching you“ (Ich beobachte dich/Ich passe auf dich auf) trifft die Sache in zweifacher Hinsicht: Der Täter beobachtet Kristen Mayhews und spielt bewusst immer wieder Details aus, die er aus ihrem Privatleben weiß. Außerdem ist da noch Abe Reagan, der auf Kristen aufpasst.
12. Pro & Contra ************************ Pro: - spannend - gute Hauptfiguren mit Stärken und Schwächen - überraschende Wendungen
Contra: - vorhersehbare Liebesgeschichte
13. Fazit *************** Besonders herausragend ist der Roman „I’m watching you“ zwar nicht. Aber er ist doch sehr solide Unterhaltung. Vor allem der Thriller-Handlungsstrang sorgt für Spannung, für Überraschungen. Der Roman lässt sich daher gut weg lesen. Die Schwäche liegt auch hier in der Liebesgeschichte. Wer „etwas fürs Herz“ mag, wird zwar auch sie gut finden. Doch ich weiß aus den Kommentaren zu meinen anderen Rose-Berichten, dass auch viele eine recht vorhersehbare Liebesgeschichte nicht gut finden. Doch dazu bilden die – wie ich meine – recht komplexen Hauptfiguren ein Gegengewicht, sie entschädigen. Alles in allem vergebe ich knappe vier Sterne – und eine Empfehlung.
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16.11.2007 02:16
Klasse Bericht, verdientes BH!! LG, Uschi
28.10.2007 09:22
Ganz toll, das Buch ist vorgemerkt und nun kommt dein verdientes bh, lg schlumpf
26.10.2007 10:16
Klasse. Endlich hab ich ein BH für Dich. LG Kjeldi