Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
. . . Atmosphäre, Songauswahl, Stimmung, Location, Sound . . . |
| Kontra: |
. . . irgendwann war es dann doch mal vorbei . . . |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Hallo liebe Leserinnen und Leser!
Heute soll es mal wieder nach längerer Zeit einen Bericht aus dem Bereich der Musik geben. Um genau zu sein geht es heute aber nicht um eine CD, sondern um ein Livekonzert. Das ist immer ein ganz besonderes Erlebnis, das ich hiermit gerne für euch dokumentiere. Live angeschaut haben wir uns kürzlich "Ich & Ich". Wie uns der Auftritt gefallen hat, verraten euch die folgenden Zeilen...
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| ° Ich & Ich
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"Ich + Ich" nennt sich das musikalisch Projekt von Annette Humpe und Adel Tawil, die sich bereits 2002 erstmals über den Weg liefen. Er sang einen von ihr geschriebenen Song im Studio ein, sie wurde dabei auf seine Stimme aufmerksam und man beschloss irgendwann ein gemeinsames Projekt in Angriff zu nehmen. Während Adel Tawil zuvor im musikalischen Bereich bereits Erfahrung als Mitglied der Boyband "The Boyz gesammelt hatte, zeichnete sich Annette Humpe vorrangig durch ihre Qualitäten als Komponisten und Texterin aus, die unter anderem an Lucilectrics Hit "Mädchen" ihre Finger mit im Spiel hatte. Aus dem ersten selbst betitelten Album aus dem Jahre 2005 schafften es drei Single in die deutschen Charts und machten der Band einen Namen. 2007 folgten mit "Von selben Stern" und "Stark" zwei Singles zum zweiten Album, die sich hoch in den Charts positionieren konnten. Das komplette Studiowerk "Vom selben Stern" konnte sich bislang mehr als 1.250.000 Mal verkaufen und erreichte nach sensationellen 53 Wochen den ersten Platz der Albumcharts. Neben einer erfolgreichen Tour und drei weiteren Singles stand am 30. Oktober 2009 schon die Vorab-Single zum dritten Album in den Läden. "Pflaster" schoss dabei erstmals direkt auf die Spitzenposition der Single-Charts und hielt sich 30 Wochen in den Top 100. Das Album "Gute Reise" erreichte ebenfalls den Platz an der Sonne, hielt sich dort für fünf Wochen, hat sich mittlerweile mehr als 515.000 Mal verkauft und ist immer noch in den Charts zu finden. Mit "Einer von Zweien" folgte eine weitere Single, die von einer erfolgreichen Tournee im Frühjahr 2010 begleitet wurde. Passend zu weiteren Konzerten auf einigen Open Air-Veranstaltungen im Sommer wurde der Track "Universum" ausgekoppelt. Da sich aktuelle Trennungsgerüchte zum Glück nicht bewahrheiteten - man möchte lediglich eine kreative Pause einlegen - kann die gute Reise also weiter gehen...
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| ° Line Up
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Adel Tawil - Vocals
Annette Humpe - Vocals
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| ° Live Band
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Thimo Sander - Gitarre
Jan Terstegen - Gitarre
Frank Kernbach - Bass
Jan Lehmann - Keyboard
Sebastian Schmidt - Drums
Cem Arnold Süzer - Vocals
Maria Helmin - Vocals/ Geige
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| ° Discographie
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2004 - Geht's Dir schon besser? (Maxi-CD)
2005 - Du erinnerst mich an Liebe (Maxi-CD)
2005 - Ich + Ich
2005 - Dienen (Maxi-CD)
2005 - Umarme mich (Maxi-CD)
2007 - Vom selben Stern (Maxi-CD)
2007 - Vom selben Stern
2007 - Stark (Maxi-CD)
2008 - So soll es bleiben (Maxi-CD)
2008 - Nichts bringt mich runter (Maxi-CD)
2008 - Wenn ich tot bin (Maxi-CD)
2009 - Pflaster (Maxi-CD)
2009 - Gute Reise
2010 - Einer von zweien (Maxi-CD)
2010 - Universum (MAxi-CD)
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| ° Warum "Ich & Ich"?
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Meinen Schatz und mich verbindet ein ganz besonderes Lied: "Stark" der deutschen Pop-Formation "Ich & Ich". Und genau aus diesem Grund hatten wir uns eigentlich vorgenommen uns auch irgendwann ein Konzert von Adel Tawil und seiner Band anzuschauen, denn Anette Humpe scheut die Öffentlichkeit ja mittlerweile wie der Teufel das Weihwasser. Der Grund dafür ist ihre große Nervosität wenn es um öffentliche Auftritte geht, was sie im Grund genommen ja sehr sympathisch wirken lässt. Doch weiter im Text... Im Frühjahr diesen Jahres zur Hallentournee hat es meinem Schatz und mir leider aus verschiedenen Gründen nicht geklappt. Wir hatten zwar schon ein Konzert ins Auge gefasst, nur musste ich genau an diesem Wochenende kurzfristig arbeiten und das Konzert fiel für uns ins Wasser. Dafür hatten wir aber den 18. August in unsere Planungen einbezogen, wo "Ich & Ich" im nicht allzu fernen Coburg einen Open Air Auftritt geplant hatten. Nun kam es aber so, dass wir uns relativ spontan dazu entschieden hatten uns im September einen zweiwöchigen Urlaub zu gönnen, nachdem wir beide seit Jahren keinen Urlaub mehr hatten. Da dieser unsere Portokasse etwas mehr als geplant belastete, hatten wir das Konzert von "Ich & Ich" eigentlich bereits abgehakt. Dann allerdings schaute ich eher durch Zufall einige Tage vor dem Konzert noch einmal auf Ebay vorbei, wo gerade Karten für das Konzert in Coburg zur Versteigerung standen. Der reguläre Preis hätte im Vorverkauf 42,50 € pro Karte betragen. Zusammen gerechnet mit den Fahrtkosten sowie der Verpflegung beim Konzert wären wir so auf locker über 100 € gekommen, die wir uns in der aktuellen Situation mit unserem nahenden Urlaub im Ausblick eigentlich sparen wollten. Allerdings konnte ich die Karten für das Konzert für sensationelle 54 € ersteigern, so dass es dann doch anders kommen sollte als gedacht. Coburg - wir kommen!
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| ° Der Konzertabend
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Am Tage der Veranstaltung musste mein Schatz noch arbeiten, ich selbst hatte zum Glück frei. Gegen 16:30 Uhr fuhren wir von Zuhause aus mit einem Bekannten im Schlepptau los, mussten allerdings vorher noch unsere drei Konzertkarten von zwei verschiedenen Verkäufern abholen. Wir planten daher etwas mehr Zeit für die Anreise ein, wobei alles eigentlich richtig gut klappte und wir auch in Coburg selbst mittig in der Stadt einen kostenlose Abstellmöglichkeit für unser Auto auf einem großen Parkplatz fanden. Gute zehn Minuten Fußweg durch die Innenstadt führten uns zum Schlossplatz. Anhand der dorthin strömenden Menschenmengen war das Open Air eigentlich auch kaum zu verfehlen. Weitläufig hatte man den Platz schon abgesperrt und wir wurden zum Eingang gelotst. Dort waren zwei Schleusen gebildet worden, in denen die Konzertbesuch noch nach unerlaubten Mitbringseln durchsucht und natürlich die Karten kontrolliert wurden. Wir selbst mussten von unseren mitgebrachten Getränkeflaschen den Verschluss öffnen und die Verschlusskappe entsorgen. Somit konnten wir die Getränke zwar mitnehmen, mussten die Flaschen aber offen lassen. Immerhin könnte eine zugeschraubte Plastikflasche ja als Wurfgeschoss dienen. Mein Schatz musste auch seine Spiegelreflexkamera bei der Security lassen, was ich im Vorfeld bereits vermutet hatte. Unsere kleine Digitalkamera dagegen durfte mit aufs Gelände.
Dort angekommen wanderten wir etwas in Richtung der großen Bühne. Auf dem Weg dorthin verpflegten wir uns noch mit einem leckeren Chickenburger für 4,50 €, der ein riesengroßes Stück paniertes Hähnchenschnitzel sowie Salat, Ketchup und ein getoastetes Brötchen beinhaltete. Für 3,50 € hätten wir auch noch eine Riesen-Currywurst oder für 2,50 € eine große Portion Pommes bekommen können. An weiteren Ständen wurden überteuerte Süßigkeiten zum Abwiegen, Crepes sowie andere Leckereien angeboten. Später besorgte unser Bekannter noch zwei große Becher Radler mit dem passenden Ich & Ich-Becher, wobei er für beide Becher inkusive Pfand 9 € zahlte. Für das leibliche Wohl war also bestens gesorgt. Doch auch in anderen Belangen wollte man uns das Geld mehr oder weniger aus der Tasche ziehen. Am Merchandise-Stand gab es reichlich T-Shirts, CDs, Tassen, Schlüsselanhänger, Fußmatten, Kuscheltiere, etc. zu kaufen. Für 20 € fand ich die Shirts eigentlich reichlich teuer, aber da mein Schatz unbedingt eines davon wollte und ich das Motiv ebenfalls ganz gut fand, wanderte also noch ein Tourshirt in unsere Tasche. Die CDs selbst waren mit 18 € pro Stück allerdings meiner Meinung nach hoffnungslos überteuert. An einem anderen Stand wurde noch eine Liveaufnahme des Konzerts angeboten, die man sich für 20 € inklusive exklusiven Ich & Ich-USB-Stick nach dem Auftritt direkt mitnehmen konnte. Wir hielten das Angebot im Hinterkopf, wollten uns aber erst einmal das Konzert anschauen, bzw. anhören. Da es trotz Regen an den Vortagen an diesem Abend auch die Sonne gut mit uns meinte, stand einem tollen Abend somit nichts mehr im Wege...
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| ° Ashley Hicklin
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Kurz vor 19:30 Uhr tat sich dann langsam etwas auf der Bühne. Die ersten Roadies werkelten an den bereits aufgebauten Instrumenten des Support Acts. Am selben Tag hatte ich noch durch eine kurze Recherche im Internet herausgefunden, dass der britische Newcomer Ashley Hicklin dem Publikum in Coburg einheizen sollte. Mir war der Name bis dato kein Begriff gewesen und ein kurzer Durchlauf seiner ersten Single "From Eskimos to Astronauts" verriert mir, dass mir seine sehr hohe und nasale Stimme nicht wirklich behagt. Ich wartete also mit leicht gemischten Erwartungen auf seinen Auftritt, der schon wenige Minuten später beginnen sollte. Mit viel Elan sprang der kleine, in weiß gekleidete Brite, auf die Bühne und rockte zusammen mit seiner Band los. Man sah ihm selbst die Spielfreude deutlich an, gab er doch trotz akustischer Gitarre in der Hand keine Ruhe und nutzte die volle Breite der Bühne aus. Rein musikalisch erhielt er dabei Unterstützung von einer Band in der Standardbesetzung mit Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboards. Hinzu kam noch ein ebenfalls in weiß gekleidetes Streicherquartett auf der linken Seite der Bühne, welches nicht nur optisch einen guten Eindruck machte.
Vom technischen Aspekt her konnte man über den Sound nicht meckern. Oftmals ist es ja so, dass gerade der Support Act hin und wieder mit Soundproblemen zu kämpfen hat. Hier vermied man dies durch ein offenbar sehr professionelles und routiniertes Team, das von Beginn an alles richtig machte. Der recht klare Sound machte dabei von der ersten Sekunden einen guten Eindruck. Die Instrumente hatten genug Bass und waren dabei dennoch deutlich zu vernehmen. Ashleys Stimme ist allerdings auch live wirklich Geschmackssache gewesen. Er klang zwar relativ kraftvoll, hat aber dennoch ein derart hohes Organ, das in meinen Ohren wie ein Hobbit auf Ecstasy klang. Er traf die Töne sicher und konstant, nur seine Stimmfarbe wollte mir einfach nicht gefallen. Sie passte auch insgesamt nicht wirklich zu der gespielten Musik. Seine teils etwas rockigeren, teils eher balladesken Kompositionen konnten an sich überzeugen. Eingängige Refrains, gute musikalische Leistungen der Instrumentalisten und ein optisch ansprechendes Gesamtbild auf der Bühne bescherten dem jungen Briten durchaus Sympathiepunkte. Hinzu kamen noch seine Ansagen, in denen er sich mitunter auf Deutsch versuchte und dabei gar keine schlechte Figur machte. Neben einem Foto für seine Mutti vor dieser tollen Kulisse in Coburg gab es noch reichlich Lob für das Publikum, den Hinweis Adel Tawil bitte nachträglich ein Ständchen zum Geburtstag zu singen sowie Ashleys Handynummer, an die man unter Angabe seiner Emailadresse eine SMS schicken sollte, um dafür ein kleines Präsent zu erhalten. Der Newcomer hatte jedenfalls sichtlich Spaß beim Konzert, was angesichts des wohlwollend applaudierenden Coburger Publikums auch nicht verwunderlich war. Nach gut 40 Minuten auf der Bühne räumte er dann das Feld und machte Platz für den Grund, warum sich etliche Tausend Besucher an diesem Tag auf dem Coburger Schlossplatz eingefunden hatten...
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| ° Ich & Ich
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Gegen 20:15 Uhr war es, als Ashely Hicklin mit seiner Truppe die Bühne verließ. Von anderen Konzerten war ich es gewohnt, dass nun eine Umbaupause von gut und gerne 30 bis 45 Minuten folgen würde. Mein Schatz und unser Bekannter brachen deswegen auch auf, um sich von einem nahen Getränkestand noch einmal mit frischer Flüssigkeit zu versorgen, da unsere mitgebrachten Getränke bereits geleert waren. Kaum waren sie zurück gekommen und der Zeiger auf der Uhr hatte 20:30 Uhr erreicht, so ertönte mit einem Mal das Schlagzeug von der großen Bühne. In den ersten Sekunden dachte ich ehrlich gesagt, dass nun noch ein kurzer Soundcheck anstünde. Doch schon konnte man auch den Bass hören und mit einem Mal war der Jubel immens, als Adel Tawil mit dem Rest seiner Liveband die Bühne enterte. Mit "Einer von Zweien" hatte man sich auch einen Opener ausgesucht, der durch seinen schleppenden Beat bestehend aus Drums und Bass sehr verhalten begann und einen solchen Konzertbeginn überhaupt erst ermöglichte. Adel schien von der ersten Sekunde an dabei sehr gut gelaunt zu sein, begrüßte nicht nur die Coburger Fans allgemein, sondern auch die umstehenden Fans auf der höher zur Burg hin gelegenen Ebene des Schlossplatzes, bevor er in den Song einstieg. Dabei war Adel deutlich anzumerken, dass er an diesem Abend offenbar sehr gut gelaunt war. Selbst in seiner Stimme spiegelte sich dies wieder, indem er beim Opener teils etwas übereifrig war und somit nicht jeden Ton immer sauber traf. Der guten Stimmung auf dem Schlossplatz tat dies allerdings keinen Abbruch. Ich persönlich hätte mir vielleicht einen anderen Opener gewünscht, zähle "Einer von Zweien" generell jedoch nicht zu meinen favorisierten Songs der Truppe, so dass dies ein eher subjektives Empfinden ist. Die Fans in Coburg jedenfalls waren begeistert und applaudierten entsprechend, als die letzten Töne des Songs verhallt waren.
Nahezu nahtlos ging es in den nächsten Track über. Die Drums eröffneten den Titel mit flotten Spiel und man wusste anfangs gar nicht, welcher Song einen hier erwarten würde. Erst als der Basslauf einsetzte, war "Hilf mir" zu identifieren. Das freute mich besonders, handelt es sich bei dem Titel doch um eines meiner liebsten Stücke des neuen Albums. Ich hatte schon Tage lang darauf gehofft, diesen Song auch live hören zu können. Im Refrain wirkte durch den Backgroundgesang das Stück dabei ganz anders als auf dem Album, konnte aber dennoch gefallen. Wo "Hilf mir" in der Studioversion übrigens nur knappe drei Minuten dauert, wurde der Titel live noch etwas ausgebaut. Dies bezieht sich auf das Finale, welches um ein gutes Stück in die Länge gezogen und mit Einwürfen der beiden Backgroundsänger sowie Adel selbst aufgelockert wird. Dass die Meinungen übrigens ziemlich auseinander gehen können zeigt die Tatsache, dass meinem Schatz der Song live so gar nicht gefallen hat. Ich fand ihn allerdings recht gelungen. Er hat im Vergleich zur Albumversion vielleicht etwas an Intensität eingebüßt, versprüht dafür live mehr Leben. Mit rockigen Tönen wurde der dritte Song eröffnet. Wieder einmal wusste man in den ersten gut 30 Sekunden eigentlich nicht, welcher Song einen jetzt erwarten würde. Dies steigert die Spannung, denn irgendwann erkennt man mit einem Mal durch einen einsetzenden Basslauf oder eine Gitarrenmelodie dann doch den sich anbahnenden Song erkennen. Die Freude ist dann umso größer, wenn es sich um eines der erhofften Lieder handelt. So ist es auch bei "Mach Dein Licht an" gewesen, welches untypisch hart und energisch beginnt. Mit einem Mal drosselte die Band das Tempo und ließ Adel zu leisen Klängen seinen Sangespart beginnen. Hier fiel das erste Mal auf, dass er auch live die leisen und ruhigen Töne beherrscht. Mit fragiler Stimme sang er seine Zeilen und scheute selbst den Einsatz der Kopfstimme nicht. Mit einer ordentlichen Portion Dramatik gewann der Titel dann an Fahrt und wurde in ein furioses Finale geführt.
Optisch wurde das Ganze übrigens auch entsprechend umgesetzt. An dieser Stelle möchte ich deswegen auch ein paar Worte zur Bühne und dem Bühnenbild verlieren. Man hatte auf dem Schlossplatz in Coburg eine relativ große Bühne aufgebaut, die an ihrer Rückseite komplett mit LCD-Bildschirmen ausgestattet war. Dies ermöglichte ein teils spektakuläres Bühnenbild, da quasi der komplette Hintergrund immer wieder neu gestaltet werden konnte. Zu Beginn des Konzerts beschränkte man sich dabei auf farbige Projektionen im Hintergrund. Vor allem die psychedelischen Kreise und Lichteffekte bei "Mach Dein Licht an" konnten hier begeistern. Doch auch die eher schlichten Einblendungen eines Pflasters sowie des Schiffs vom letzten Albumcover bei "Pflaster" wussten zu gefallen. Angekündigt wurde der Titel übrigens indem Adel betonte, dass es "im folgenden Song NICHT um einen Hamster" geht - wer den Titel kennt, weiß wie das gemeint ist. Die hohen Noten umschiffte er hier übrigens geschickt, indem er die Passagen seiner Backgroundsängerin sowie dem Publikum überließ. Die Stimmung war gut, als mit "Junk" ein Song gespielt wurde, der mir in der Liveversion zu meiner Überraschung nicht so zugesagt hat. Man merkte hier vor allem in den tiefer gesungenen Passagen leichte stimmliche Probleme bei Adel. Schlecht war der Titel zwar nicht, aber er hat mich auch nicht vom Hocker gerissen. Bei "Hallo Hallo" nutzte man die instrumentale Einlage vor dem Ende, um die begleitende Band kurz vorzustellen. Ein polterndes Finale leitete in den ruhig startenden Track "Trösten" über, bevor eines der absoluten Highlights aus dem Repertoire der Kapelle gespielt wurde. "Stark" war von der ersten bis zur letzten Sekunde einfach nur stark. Anfangs erkannte man wieder einmal nicht, welcher Song denn nun kommen würde. Der typische Schalgzeugbeat dann verriet allerdings die Bombennummer. Passend zu den sehr emotionalen Lyrics wurde Adel nun von der Kamera eingefangen und auf die Rückwand der Bühne in überdimensionaler Größe projeziert. Mein Schatz und ich rückten noch etwas enger zusammen, während wir den Klängen des Songs lauschten. Das Publikum sang lautstark mit, selbst als der Song bereits beendet war und Adel die Coburger noch zu einem finalen Chorus aufforderte.
Danach folgte das, worum der Support Ashley Hicklin bereits gebeten hatte. Mehr oder weniger koordniert stimmte das Publikum zum "Happy Birthday" für Adel an. Da ein Dirigent für den perfekten Start des Gesangs fehlte, entwickelte sich ein kleiner Kanon, über den sich Adel allerdings sich aber natürlich genauso freute und versprach künftige Konzerte in Coburg immer wieder um seinen Geburtstag am 15. August herum zu planen. Doch eigentlich wollte er gerade den nächsten Titel ankündigen, als er von dem spontanen Ständchen unterbrochen wurde. So musste er seine Ansage wiederholen und mit dem folgenden Titel alle weiblichen Zuschauer grüßen, vor allem aber alle Yasemines. Und da war klar, dass die Truppe nun einen Song auf die Bühne bringen würde, mit dem ich beim besten Willen nicht gerechnet hatte. "Yasemine", der finale Song des "Gute Reise"-Albums, überzeugte mich dort schon beim ersten Durchlauf durch seinen satten Beat und den sehr außergewöhnlichen Gesangspart des ägyptischen Sängers Mohammed Mounir, mit dem Adel nicht nur die Herkunft, sondern auch die Liebe zur Musik teilt. Wo Mounir auf der regulären Tour teils mit auf der Bühne stand, übernahm in Coburg Adel den kompletten Gesang. Kombiniert mit dem musikalisch satt umgesetzten Sound zählte der Song somit auch live für mich zu den absoluten Highlights. Ein arabisch-balladesk angehauchtes Gitarrenintermezzo auf einer akustischen Klampfe sowie ein beeindruckendes Bühnenbild rundeten den Track optimal ab. Mit "Universum" stand danach nicht nur die aktuelle Single, sondern ein weiterer hammermäßiger Song auf dem Programm. Adel erzählte dabei die Geschichte aus dem Studio, als er den Song gerade eingesungen hatte und dabei immer an seine kleine Schwester denken musste. Denn er als großer Bruder hatte quasi schon sein ganzes Leben auf sie aufgepasst und auch wenn sie jetzt in London studieren würde und somit weit weg wäre, es wäre immer ihr Zuhause...
Bilder aus der ganzen Welt und ein abschließender Flug durchs All verdeutlichten die Message des Tracks, bevor man wieder gute Laune verbreiten wollte. "Nichts bringt mich runter" sowie "So soll es bleiben" waren die beiden letzten Tracks des offiziellen Sets und sorgten beim Publikum für genug Möglichkeiten die eigene Stimme erklingen zu lassen. Als Adel und seine Band sich danach von der Bühne verabschiedeten, ließen die lauten "Zugabe"-Rufe ebenfalls nicht lange auf sich warten. Mit "Es tut mir leid" kehrten die Musiker ungewohnt ruhig auf die Bühne zurück, nur um danach eine Spur heftiger zu werden. Doch zuvor wurden noch einmal alle Musiker mit richtigem Namen und nicht zuvor nur mit Spitznamen vorgestellt. Den Abschluss machte dabei Maria Helmin, die den nächsten Track mit Adel Tawil im Duett singen sollte. Und was kam nun? Richtig, "Stadt", welches Adel eigentlich mit Cassandra Steen gesungen hat. Und wo ich aus dem Radio eine poppige Nummer kannte, wurde der Song auf der Bühne dank verzerrter Gitarren und Marias sehr rauer Stimme in einen echten Stadionrocker verwandelt - Respekt! Mit "Vom selben Stern" gab es dann ein weiteres Highlight, welches nicht nur in musikalischer Hinsicht zu sehen war. Ausgedehnt ließ Adel das Publikum mitsingen, was es auch lautstark tat. Zum Finale hin sollte nach mehrmaligen Wiederholungen die Lyrics mit einem Mal nur noch geflüstert werden. Die Kamera zeigte dabei wie den ganzen Song über schon Fans aus dem Publikum, hatte nun aber auf zwei kleine Mädels umgeschwenkt, die direkt in der ersten Reihe standen und eifrig mitsangen. Als das gesamte Publikum also leise den Refrain flüsterte und die beiden gezeigten Mädels (die geschätzte fünf oder sechs Jahre alt waren) mitsangen, konnte sich nicht nur Adel das Schmunzeln nicht verkneifen. Das Publikum fand den Anblick so niedlich, dass ein lautes Lachen durch die Reihen ging. Adel selbst musste ebenfalls lachen und der Song wurde abgebrochen. Aber er wollte unbedingt mit den beiden Kleinen noch einmal den Refrain singen und nach einem neuen Anlauf gelang das auch. Gerade eine solche Szene macht mir den Musiker Adel Tawil dabei erst recht sympathisch. Mit lautstarker Unterstützung aus dem Publikum wurde der Song dann zu seinem Ende gebracht und man verabschiedete sich erneut von der Bühne.
Doch ein weiteres Mal wurde eine Zugabe gefordert. Mit "Du erinnerst mich an Liebe" kam die Band auf eine in blutrotes Licht getauchte Bühne zurück und verbreitete noch einmal eine melancholisch-romantische Stimmung. Vor dem letzten Song bedankte sich Adel noch einmal beim Publikum und versicherte, dass es riesigen Spaß gemacht hatte in Coburg zu spielen. Das merkte man nicht nur ihm, sondern auch der Band an. Der letzte Track wäre nun noch einmal die Chance sich seinem oder seiner Liebsten tanzen zu können. Und wer keinen Partner hätte, sollte sich einfach einen Partner schnappen - denn das "Ich & Ich"-Publikum ist nun einmal von Grund auf sympathisch - und mit dem tanzen. "Alleine tanzen" machte die melancholische Stimmung des nun endenden Abends perfekt. Verträumt und mit viel Gefühl ließ man das Konzert ausklingen, zog den Song dabei ziemlich in die Länge und zögerte so den unweigerlich nahenden Abschied noch ein wenig heraus. Irgendwann war aber dann doch der letzte Ton verklungen, die gesamte Band verneigte sich und verabschiedete sich dann nach insgesamt guten 100 Minuten von der Bühne.
Auch wir machten uns dann auf den Weg zum Auto, holten uns auf dem Weg dorthin aber noch eine Liveaufnahme auf einem USB-Stick. Der Weg zum Parkplatz war schnell überstanden, aber da dort gerade der große Aufbruch ein schnelles Wegfahren verhinderte, ließen wir uns noch etwas Zeit zum entspannen und starteten gute 20 Minuten später ohne größeren Stress unseren Weg nach Hause. Neben dem tollen Bühnenbild und dem insgesamt weitaus rockiger ausgefallenen Gesamtsound überzeugte mich vor allem die Auswahl der Songs. Bis auf "Dienen" waren eigentlich alle Titel dabei, die wir gerne hören wollten und mit "Hilf mir", "Yasemine" sowie "Alleine tanzen" Sogar Highlights, mit denen ich nicht unbedingt gerechnet hätte. Wir hatten einen wirklich tollen Abend erlebt und waren froh, uns letztlich doch für den Besuch des Konzerts entschieden zu haben.
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| ° Die Setlist
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01. Einer von Zweien
02. Hilf mir
03. Mach Dein Licht an
04. Pflaster
05. Junk
06. Hallo Hallo
07. Trösten
08. Stark
09. Yasemine
10. Universum
11. Nichts bringt mich runter
12. So soll es bleiben
13. Es tut mir leid
14. Stadt
15. Vom selben Stern
16. Du erinnerst mich an Liebe
17. Alleine tanzen
In diesem Sinne...
Stay dark!
The-Pflaster-Master
PS: Alle Freunde des schnellen Klicks sollen alleine ins Universum geschossen werden... ;)
Shake Heads!