~~~ Schöne Lesestunden dank Sylvia und Hape ~~~
20.12.2009
Pro:
Alles
Kontra:
Alles oder nichts?
Empfehlenswert:
Ja
 LESEZEICHENFEE
Über sich:
Frühling ???
Mitglied seit:20.10.2009
Erfahrungsberichte:527
Vertrauende:133
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 143 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Ciao macht mir im Moment eine Menge Spaß. Ich lerne viele neue Mitglieder kennen und treffe auf „alte“. Irgendwie traf ich dann auch noch Sprachlos69, mit der mich etwas verbindet und nun sogar noch etwas. Sylvia hatte über das Buch von Hape Kerkeling berichtet und schrieb, dass sie ihn auch nicht mochte und „Horst Schlämmer“ schon gar nicht. Trotzdem gefiel ihr das Buch. Ich schrieb ihr als Kommentar darunter: „Ich bin da doch resistenter, als du. ICH werde es nicht lesen. Nein, nein, nein. *gg* Ich mag ihn genauso wenig, wie du. Er schreibt fesselnd und spannend? Kann ich dann seinen Lektor haben? Der hat es ihm bestimmt umgeschrieben.“ Das klang nicht gerade freundlich, sondern abwehrhaft-bissig, so wie ich manchmal sein kann, um mein wahres freundliches feenhaftiges Ich zu verbergen. Gesundheitlich bin ich seit über 13 Monaten auch nicht fit, also war ich nicht bester Verfassung. Der Bericht gefiel mir aber sehr gut. Da ich unter ständiger bh-Knappheit leide, konnte ich erst am Samstag Abend das verdiente bh vorbeibringen.
Hans Peter Kerkeling Hape wurde 1964 im Ruhrgebiet, genauer gesagt in Recklinghausen, geboren. Ich habe ihn des öfteren im Fernsehen gesehen und war der Meinung, der ist total verrückt und durchgeknallt. Hape gefiel mir, als er am 25. April 1991, als Königin Beatrix auftrat. Das war wirklich genial. Wer will, kann hier sein Gedächtnis noch mal auffrischen: www.youtube.com/watch?v=O3YlBZ2VFzs 1991 war auch sein homosexuelles Outing, was mich nicht weiter gestört hat, weil jeder so wie er mag, das war schon immer meine Devise. Angelo Colagrossi ist sein Lebensgefährte. Irgendwann trat er als litauischer Fußballtrainer Albertas Klimawiszys auf, der den damaligen Trainer Klaus Augenthaler beim Grazer AK ablösen sollte, wie blöd dachte ich damals. Als er dann Angela Merkel den Eisbecher, während sie im Jahr 2000 eine Rede hielt, servieren wollte, dachte ich nur: Jetzt ist er vollends durchgeknallt.
Hannilein, Evje van Dampen, Siegfried Schwäbli, Günther Warnke, Uschi Blum und Horst Schlämmer waren total verrückte und ausgeflippte Figuren, die er spielte. Die mochte ich nicht und die letztere Figur hat ihn dann wirklich für die Psychiatrie-Einlieferung qualifiziert – jedenfalls meiner Meinung nach. Schön, dass er im Oktober (ausgerechnet da ;-) beschloss, mit dieser Figur aufzuhören und neue Projekte in Angriff zu nehmen. Danke, Hape. Den verrücktesten Vogel hat er aber damit abgeschossen: 1992 erschien „Hurz“ als Single. Hape hat als polnischer Opersänger (Klavierbegleitung von Achim Hagemann) ein expressives Stück vorgetragen. Das nur aus Blödsinn bestand und mit einem erschreckenden HURZ! endete. Er verarschte das nichteingeweite Publikum zu einer intellektuellen Diskussion, damit sie ihm sagten, was sie von dem Stück hielten. Das Publikum war sehr höflich (so höflich, wie die Ciaois vom englischen Ciao!) und nahm alles erst und sie antworteten ihm höflich aber waren nicht sehr begeistert und glücklich dabei. Sie sahen alle so aus, wie wenn ihnen der Abend „versaut“ wurde. Für Hape war das ein Riesenspass, diese „Klugscheißer mal so richtig zu verarschen“. Eigentlich finde ich das sehr lustig, aber ich bin sicher, mit mir hätte er das nicht machen können. Ich wäre wohl gegangen. Aber ich bin ja auch kein Klugscheißer. Satirisch ist das aber sehr wohl gelungen, was ich auch zähneknirschend zugeben muss.
Drumrum Wie schon gesagt, ich mochte ihn nicht wirklich und da wollte ich ganz sicher nicht so ein blödes Buch von ihm lesen, dass er sicher dank Lektor (kann der auch mal meine Ergüsse lesen und so umformen, dass man sie veröffentlichen und Geld verdienen? BITTE.)
Also mein Entschluss stand fest. Dieses Buch kommt nicht auf meine Leseliste und schon gar nicht in meine Suchiliste. Und dann kam eine Stunde später dieser Gästebucheintrag: „Ganz ehrlich? Wenn Du Hape nicht magst und liest das Buch trotzdem, dann verstehst Du mich ;-) Das Buch ist nicht Hape wie man ihn kennt. Das ist der Mensch Hape und der ist klasse. Du versäumst was, wenn Du es nicht lies. Mein ich ganz ehrlich ;-) Verrate mir Deine Adresse und ich schenke es Dir zu Weihnachten. GLG Sylvia“
Total erstaunt war ich über diesen spontanen Eintrag. Und da wir ja was gemeinsam haben und ich sie mir durch ihre Berichte sympathisch war, habe ich es gewagt. Zuerst dachte ich, sie scherzt mit mir und siehe da, vor wenigen Tagen bekam ich dann dieses Buch mitsamt eines Lesezeichens *megafreu*. Nun stand ich da. Ich konnte es nicht fassen und hab mich gleich bedankt. Jetzt war ich sehr neugierig geworden und da ich gerade mein anderes Buch ausgelesen hatte, ich hab mich extra beeilt, stand dem Lesen nichts im Wege. Am Freitag Abend bin ich damit fertig geworden. Zwischendurch schrieb ich ihr einmal, auf welcher Seite ich bin und als ich fertig war, schrieb ich ihr das auch.
Ich bin dann mal weg 2001 beschließt Hape, nachdem er gesundheitliche Probleme hatte, seinen diesjährigen Urlaub anders zu gestalten. In einer Düsseldorfer Buchhandlung sucht er nach seinem neuesten Reiseziel. Jacobsweg der Freude heißt das Buch und zuerst ist er nicht besonders davon angetan, dann lässt er sich mitreißen und bereitet alles vor. 6 Wochen wandern, als Coach-Potatoe.
In Bordeaux fängt sein Bericht an und da merkt man schon, dass es nicht einfach wird, dank des Hotels und der tristen Stadt, die ihm noch in Erinnerung ist, in dem er übernachtet und der Bahnbeamtin, die behauptet: Saint-Jean-Pied-de-Port gibt es nicht. Den Anfangsort seiner Wanderung sollte es nicht geben? Er wusste sicher, dass es diesen gab und beharrte auf die Fahrkarte, die er dann auch irgendwann endlich bekam. Erstmal kauft er sich in dem genannten Startort einen Wanderstock, was sich als Glücksfall für ihn herausstellt. Was ich ja wiederum nicht begriffen habe, wenn ich meine Wanderungen in den österreichischen und deutschen Bergen machte, war ein Wanderstock mein wichtigstes Utensil und um die Berge wieder herunterzukommen benötigte ich stets einen zweiten. Ich dachte da schon, er hat sich doch vorbereitet, aber handelt aus Intuition heraus. Doch später sah ich dann, dass sich alles zusammenfügte wie ein Puzzle. Zuerst lief er noch alleine, danach macht er seine Reisebekanntschaften und am Schluss läuft er nach vielen Schwierigkeiten und einigen wenigen Bus-Etappen in Santiago de Compostella ein.
Sie werden gebührend begrüßt. Wie schon ein anderer Pilger sagte, jedes Mal gibt es eine andere Begrüßung. Stolz holt er sich und seine beiden Mitpilgerinnen (Anne und Sheelagh), die er in den letzten Etappen nicht hätte missen wollen die verdiente Pilgerurkunde ab. Es gelten ja nur die letzten 100 km zu Fuß, insgesamt waren es aber runde 600 km, die er hinter sich gebracht hat. Es gibt einige schwarz-weiß Bilder von seiner Wegwerfkamera, die sehr aussagekräftig sind und da kann man sich dann auch ein „Bild“ von seinen wichtigsten Wegbegleiterinnen machen. Schade, dass das nur schwarz-weiß ist, das knallrote T-Shirt von Anne hätte ich gerne in Farbe gesehen.
Inhalt und Meinung Das Buch ist sehr interessant geschrieben. Am Anfang fallen ihm noch einige parallelen zu seinem Aufstieg im Showgeschäft ein und ich dachte schon, was für ein schreckliches Buch. Dann wurde das aber immer weniger und er beschrieb seine Tage und die Menschen, die er traf und die Landschaften. Erst später wird ihm bewusst, wie mörderisch die Tour ist. Sein gelesenes Buch scheint den Weg verklärt zu haben oder irgendwie was unterschlagen zu haben oder aber er kann nicht lesen, wie so manches Mitglied hier. Jedenfalls ist der Weg mörderisch und voller Strapazen. Er beschreibt die Menschen, die er kennenlernt. Er lernt, dass alle eine positive Seite haben, die ihm auf seinem Weg weiterhilft. Irgendwie passt immer eins zum anderen. Wenn er aufgeben will, kommt von irgendwo ein Lichtlein her. Er bekommt viele Erkenntnisse. Jeder Tag hat ein Fazit und er lernt sehr viel daraus. Und ich auch. Die Strecke, die er läuft, kann man gleichsetzen mit dem Verlauf des Lebens. Das ist auch nicht immer einfach und selbst Hape hatte es wohl nicht immer einfach. Man muss ruhiger und geduldiger sein, das lernt Hape und das lerne ich auch. In dem Buch steckt sehr viel Wahrheit, vor der man sich nicht verschließen kann, weil sie stimmt. Sie ist nämlich wahr, wirklich wahr. Er ist nicht direkt auf der Suche nach Gott, er ist auf der Suche nach sich selbst. Und er findet sich selbst und ich finde auch viel von mir selbst wieder. DAS Buch ist genau das, was ich im Moment gebraucht habe. 2009 war nicht mein Jahr. Auch nicht mein Ciao-Jahr, das fing erst dann an, als ich mich spontan entschloss, mein neues eigenes Ich aufzubauen und mein altes Ich zu löschen, zu vergessen. Das ist nicht einfach. Genauso wenig, wie für Hape der lange Weg zu vielen Erkenntnissen. Er hat aus dem Weg und den Schwierigkeiten wichtige Fortschritte in seinem Leben gemacht und ich durch das Lesen. Ich hab mich in so vielem wiedergefunden, dass es gar erschreckend war. Jeder muss mindestens einmal auf dem Jakobsweg weinen! Jeder, der sich in dem Buch wiederfindet auch. Na gut, bei schnulzigen Filmen muss ich auch weinen. Trotzdem, das Buch lehrt den Leser sehr viel. Es ist nicht einfach ein spannendes Buch, bei dem man mit leidet, sondern es hilft einem auch selbst, wenn man sich wiederfindet. Nach der Lektüre dieses spannenden, bereichernden Buches, das zurecht 100 Wochen auf Platz eins der Bestsellerliste stand, fiel mir eine Begebenheit ein. Es war im Winter. Ich traf ein Ciao-Mitglied in einem meiner Lieblingsländer der Schweiz, es war bitter kalt und überall lag sehr viel Schnee am Rand. Ich genoss das, ich sog die Schweiz und den Schnee in mich ein. Mit dem Bus zu fahren weigerte ich mich (ich hasse den Bus, mir wird da schlecht, auch so, habe ich Horror mit dem Bus zu fahren) und genoss das Laufen in der Stadt. Ich bemerkte die Kälte nicht. Ich genoss es gedankenlos. Und genauso wird es gegen Ende des Buches, Hape genießt das Wandern gedankenlos, er denkt an nichts, an wirklich nichts, so verläuft er sich und findet doch tatsächlich eine Abkürzung von etwa 2 km. Ja, gegen Ende des Buches, da gibt es eigentlich sein Leben in Deutschland nicht mehr. Er denkt nicht mehr viel. Er genießt, tut was er tun muss oder will. Er bemerkt, dass das alles richtig ist. Denn wenn er etwas so beschließt und das auch ausführt, fügt sich etwas anderes. Zum Beispiel, dass er seine wichtigen Weggefährtinnen wieder trifft. Gedankenlos, das ist es. Nicht das böse Gedankenlos, sondern wirklich wandern ohne einen bösen Gedanken. Wichtig ist, wenn einem was fieses Widerfahren ist, muss man den Gedanken daran fallen lassen, es verflüchtigt sich und ist weg. Vorbei. Nicht mehr das Gehirn damit belasten, damit macht man sich selber krank. Nein, einfach geschehen lassen. Vergessen, ruhiger werden, ausgeglichener werden. Man lernt auch, dass sich folgendes bewahrheitet: Wie man in den Wald hineinruft, so kommt es zurück. Was bedeutet: Wie man auf die Menschen zu geht, kommt es oft zurück. Wenn ich auf jemanden wütend bin und ihn anschreie, da kann nichts gutes dabei herauskommen. Wenn ich es aber fallen lasse und denke, jedes hat zwei Seiten oder die Person höflich auf etwas aufmerksam mache, ohne dass ich mein Gegenüber gleich beschuldige, dann ist alles viel einfacher. So hat er denn auch einen Schatten-Menschen. Aber mehr möchte ich nicht verraten. Lest einfach selber. Und wie das Leben so spielt, als ich an den PC ging und mich wieder bei Ciao anmeldete, um zuerst einen wichtigen PGB-Eintrag zu machen und dann den Bericht zu schreiben, welcher Bericht war da gerade offen? „Ich bin dann bald mal weg! Gesundheitsfragebogen von mozarteum“ Irgendwie passen zum Buch von Hape: Ich bin dann mal weg.......Und so schnell wieder einen neuen Buchbericht, so dass ich meinem Namen so langsam irgendwie gerecht werde, da man von mir Buchberichte erwartet und da möchte ich niemanden enttäuschen, es wird noch viel mehr geben.
Schlussworte Also wie ihr schon gelesen habt, ich bin total begeistert von dem Buch und das findet auch gleich eine neue Leserin. Ich kann dieses Buch wirklich JEDEM empfehlen und bin total begeistert davon. Klar, dass ich hier 5 Sterne gebe. DANKE an Sprachlos69 für dieses Buch. *knuddel* Vielleicht interessiert es euch, ob ich Hape jetzt mag? Sagen wir mal so, als Mensch ist Hape wohl ganz ok und ich bin sicher, wenn wir Nachbarn wären, würden wir sehr gut miteinander auskommen. Und wenn er wieder neue Projekte präsentiert? Keine Ahnung, kommt ein neues Projekt, werde ich neu entscheiden. Und nein, ich wandere gerne, aber ich bin kein Selbstmörder, deshalb werde ich mir diesen mörderischen Weg nicht antun. Einige Etappen sind auf einer viel befahrenen Straße mit Brummifahrern, die gerne Rotwein trinken. Lebensgefährlich. Während mich einige Etappen wirklich reizen würden, um mal zu sehen, wie weit ich mich überwinden kann, aber manches ist gar zu seltsam, daher nein, das ist kein Weg, den ich bewandern möchte. Falls euch noch was fehlt, lest den Bericht von Sprachlos69. Jetzt ahne ich, warum du so heißt. ;-) Ich verspreche hoch und heilig, dass die nächsten Berichte wieder gewohnt kurz werden, aber ich wollte diesem Buch die gebührende Aufmerksamkeit zuteil werden, denn dieses Buch hat es verdient. Lesezeichenfee am 4 Advent 2009
Wichtige Verpackungsdaten bei Ciao Hape Kerkeling: Ich bin dann mal weg. Meine Reise auf dem Jakobsweg Preis: 9.95 € Broschiert: 368 Seiten, mit vielen schwarz-weiß Bildern Verlag: Piper; Auflage: 7. Auflage (November 2009) Sprache: Deutsch IBN-10: 3492251757 ISBN-13: 978-3492251754 Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12 x 2 cm, 291 g, Büchersendung zu 85 Cent
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01.02.2013 00:57
das werde ich dann vielleicht doch mal lesen.lg
30.08.2010 09:20
hab es als Hörbuch...wirklich gut...
24.05.2010 23:24
Meine Frau liebt dieses Buch, und seitdem auch Hape ;-)..... Liebe Grüße Peter.