Identität (2003)

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Lehrfilm für den angehenden Schizophrenen....

4  22.09.2003

Pro:
die schön bizarre Schluss - Pointe,sehr gute Schauspieler,der coole Motel - Schauplatz,das hohe Tempo

Kontra:
zeitweise zu spannungsarm,die Schockmomente sitzen nicht immer

Empfehlenswert: Ja 

HottyBock

Über sich:

Mitglied seit:25.07.2002

Erfahrungsberichte:9

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 22 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Servus,
am Wochenende habe ich mal wieder einen kleinen Kino-Besuch vorgenommen.Und es ist etwas passiert,was ich normalerweise echt hasse.
Ich komme aus dem Kino,und habe dieses unbestimmte Gefühl,der Einzige gewesen zu sein,der den Film nicht verstanden hat.Ich fühle mich dann immer wie ein Vollidiot,und weigere mich über den Film zu reden.Wenn ich es dann doch tue,und grosspurig behaupte ihn verstanden zu haben,reicht dann oft ein weiterer Satz und alle um mich herum wissen unmissverständlich das ich nix gerafft hab.
Ähnlich war es nun auch am Wochenende bei James Mangolds neuem Motel-Slasher "Identität",der dem Otto-Normal-Zuschauer am Ende eine Pointe auftischt,die es in der Form im Kino wohl so noch nicht gab.

Nachdem ich nun 2 Tage ausführlichst über das Ende nachgedacht habe,bin ich zu dem Entschluss gekommen über den Film einen Bericht zu schreiben.
UND JA,ich WERDE in diesem Bericht das Ende verraten,um allen zu beweisen das ich es doch verstanden habe.Natürlich werde ich diesen Teil des Berichts als Spoiler markieren,um allen die vielleicht noch selber miträtseln wollen,nicht die Spannung zu nehmen.
Denn wenn man bei diesem Film vorher das Ende weiss,ist der Kino-Besuch prinzipiell für den Arsch.
Also,vorsicht beim Lesen.......


DIE STORY:
Die Geschichte des Films ist auf den ersten Blick erstmal nix Besonderes,und man könnte denken der Film hätte auch "Schrei,wenn du weisst,was damals während diesem verdammten Unwetter in diesem düsteren Motel passiert ist"heissen können.
Aber schon ein paar Blicke auf die kleinen,feinen Details reicht um zu merken,das hier doch irgendwas anders ist....

Während eines verdammt ungemütlichen Gewitter-Sturms(Mann Mann,der letzte so extrem feuchte Film war glaub ich "Hard Rain")finden sich zehn völlig unterschiedliche und doch ziemlich klischee-beladene Charaktere in einem düsteren Motel irgendwo im Nirgendwo ein.Eine Kette mysteriöser Zu-und Unfälle sorgte für die ungewöhnliche Versammlung.

1.Ein extrem spiessiger und leichtgestörter Familienvater hat mit seiner Frau und seinem ebenfalls leicht wunderlichen Stiefsohn eine Reifenpanne.Bei Versuchen dies zu reparieren,wird seine Frau bei einsetzendem Unwetter auf der Strasse von einem weiteren Auto erfasst...

2.Ein Chauffeur,der einst ein Polizist war,muss eine alternde Schauspielerin zu einem wichtigen Termin fahren,und in der Hektik die die gute Frau im Auto entfacht und dem schlechten Wetter übersieht er eine Frau,die auf der Strasse steht,und ihrem Mann beim Reifenwechseln zusieht.Er kann nicht mehr ausweichen,und erfasst sie...(siehe 1)

3.Eine Ex-Prostituierte will in Kalifornien ihren Traum von einer Orangen-Farm verwirklichen.Auf der Fahrt in ihrem Cabrio verabschieden sich durch den Fahrtwind ein paar von ihren Gegenständen,darunter ein hochhackiger Schuh.Dieser liegt nun auf der Strasse und wird demnächst verursachen,das eine Familie eine ziemlich folgenreiche Reifenpanne haben wird...(ebenfalls siehe 1)

Auf diese ziemlich coole Art und Weise wird mit Hilfe von Rückblenden und schnellen Schnitte die Zusammenführung der Personen in dem Motel gezeigt,das beim immer stärker werdenden Unwetter nun als einziger Fluchtpunkt dient,da alle Wege in sämtliche Himmelsrichtungen überschwemmt sind.
Im Motel angekommen gesellt sich auch noch ein junges Pärchen dazu,das sich in Las Vegas ge-blitz-ehelicht hat,ebenso ein mysteriöser Cop mit einem ebenso mysteriösen Massenmörder an Bord.

Um das Zehner-Pack voll zu machen,gibt es dann natürlich auch noch den obligatorischen Motel-Besitzer,dem man von Beginn an anmerkt,das er etwas zu verheimlichen hat.


Kurz danach gibt es dann auch schon den ersten Mord.Die gute alte Schauspielerin wird prompt enthauptet,und ihr Kopf wandert in die Waschmaschine.In der Folgezeit entfacht der Film nun eine reine und schon oft gesehene Slasher-Atmosphäre.Der Regen fällt bedrohlich,weitere fiese Morde geschehen nach dem Schema eines Countdowns(der Mörder killt nach Zimmer-Nummern,angefangen bei 10 wird sich runtergearbeitet)und die Überlebenden verfallen in gegenseitige Anschuldigen.
Man rätselt heftigst mit und quasi minütlich wechselt man seinen Haupt-Verdächtigen.Ist es der mysteriöse Motel-Besitzer,vielleicht doch der Massenmörder oder ist es der Cop,der einem schon von Beginn komisch vorkam??

Nun dann aber zieht der Film gewaltig das Tempo an,mysteriöse Wendungen überschlagen sich quasi im Minuten-Takt.Man erfährt das alle Motel-Gäste am gleichen Tag Geburtstag haben,plötzlich verschwinden alle Leichen,der Massenmörder flüchtet weit weg vom Motel und steht plötzlich wieder davor und als Krönung erfahren wir,das das Motel auf einem alten Indianer-Friedhof steht.Zu allem Überfluss wird zwischendurch immer noch zur Verhandlung eines Mordfalls übergeblendet,in der ein mehrfacher Mörder durch Unzurechnungsfähigkeit vor der Todesstrafe gerettet werden soll,was aber auf die eigentlich Handlung gar keinen Einfluss hat.

Zu diesem Zeitpunkt ist es völlig unmöglich vor zu sehen,in welche abstruse Auflösung man uns hier treiben will.Alles kann passieren.Vielleicht geht ja wirklich nur ein Mörder um,oder wohnt am Ende vielleicht doch ein Zombie im Motel-Keller?Ich kann versprechen,des Rätsels Lösung ist trotz allem,was ich bisher schon geschrieben habe,völlig unmöglich zu erraten....

VORSICHT SPOILER!!!!VORSICHT SPOILER!!VORSICHT SPOILER!!VORSICHT SPOILER!!!VORSICHT SPOILER!!!!

So nun aber bitte das Lesen einstellen,wenn ihr den Film nicht kennt.Schaltet euren Computer aus,und lest ein gutes Buch,ABER LEST BLOSS NICHT WEITER!!!
Denn wenn was jetzt kommt,ist für die den Film schon kennen und ihn,wie ich zuerst,vielleicht nicht verstanden haben....
Mitten im wildesten Handlungs-Wirrwarr und Ereignis-Überschlagungen erfahren wir,das wir uns den ganzen Film in einer psychatrischen Behandlung des eben kurz erwähnten Mörders befanden,dem Schizophrenie und damit Unzurechnungsfähigkeit nachgewiesen werden soll,um ihn damit vor der Todes-Strafe zu retten.Im Vorspann des Films bereits erfuhren wir bereits (ohne es gross zu beachten)von den Taten dieses Mannes,der einmal als Kind traumatische Erlebnisse in einem Motel(!!!)hatte und daraus resultierend zum Straftäter wurde.Nun erfahren wir,das dieser Typ im Laufe der Zeit 10(!!!)verschiedene Identitäten entwickelt,in denen er tatsächlich auch lebt.

Da wurden wir tatsächlich 90 Minuten an der Nase herumgeführt hat,denn alle Ereignisse im Motel fanden eigentlich gar nicht wirklich statt,sondern nur in der Psyche des Verurteilten.Alle zehn Beteiligten sind ein und dieselbe Person,nämlich die verschiedenen Identitäten des Malcolm Rivers(so heisst der zum Tode Verurteilte).
Durch ein bislang einzigartiges Experiment(so die Psychologen im Film)ist es den Psychologen gelungen,alle Identitäten des Killers in seinem Kopf zusammen zu führen,um zu ergründen welche von ihnen diejenige ist,die die Gewaltverbrechen durchführt.Somit sollen sich die Gesichter des Killers gegenseitig umbringen,bis nur noch eine von ihnen übrigbleibt.
Sogar in dieser Auflösungs-Phase dreht der Film noch zwei Handlungs-Spiralen,die aber nicht mehr ganz so spektakulär sind.Am Ende bleibt dann tatsächlich nur noch eine Persönlichkeit übrig,und es ist wohl diejenige die am ehesten auf die schwere Vergangenheit des Shizophrenen hinweist...

SO,DER FALL IST GELÖST,WER MÖCHTE KANN WIEDER LESEN!!

Die Schauspieler:
Man mag denken,bei einem solchen Film sind die Schauspieler zweitrangig,aber wenn man in einem Film eine solch gelungene Darsteller-Riege zu sehen bekommt,machts doch gleich doppelt Spass.
John Cusack als der Chauffeur,Ray Liotta(Der Typ dessen Gehirn einst gelöffelt wurde) als schräger Cop,Rebecca deMornay als die bald kopflose Schauspielerin und Amanda Peet als die temperamentvolle Ex-Nutte machen ihre Sache wohl am Besten und es macht Spass ihnen bei der Mörder-Hatz zuzusehen.Auch der Rest passt super rein,leider sind sie mir nicht soo bekannt um die Namen zu nennen.Sind aber alles bekannte Gesichter,die man aus vielen Filmen schon kennt.Also,Auswahl der Schauspieler:Ganz klar,Daumen hoch,Note 1 !!!


Fazit:
Also ich persönlich finde,der Film ist ein Klasse-Ding und ist für den Horror-Fan,der momentan ein bisschen was Ungewöhnliches sucht,die Top-Empfehlung schlechthin !!
Ein rasant geschnittener Tempo-Horror mit Super-Schauspielern,einem Hammer Schauplatz,viel Regenwetter,tausend Finten und falschen Fährten und einer Auflösung,die es so wohl noch nie gegeben hat und wohl auch nie wieder geben wird.Wer dachte "Sixth Sense"hat die Killer-Pointe,sollte hier mal reinschauen.
Aber wie gesagt,selbst bei erstmaligem Nicht-Verstehen einfach bisschen drüber nach grübeln dann kommt man auf die richtige Fährte.


In diesem Sinne........KLARE EMPFEHLUNG!!!


MfG Hotty"Ich-bin-mein-bester-Freund"Bock

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Ricewindwl

Ricewindwl

01.10.2003 19:27

Nicht schlecht der Bericht - besuch mal mich :-)

HottyBock

HottyBock

25.09.2003 20:15

Hey,danke !!Wenn ich schon n Bericht über so nen Film schreibe,dann muss ich mich schliesslich auch lang und breit übers Ende auslassen.Sonst machts ja nur halb so viel Spass.Für dich,der den Film noch nicht kennt,ist es natürlich nicht ganz so toll,das du es gelesen hast. MFG HottyBock

sprox

sprox

25.09.2003 05:39

Danke! Endlich jemand, der auch das Ende beschreibt (das hört sich jetzt sicher satirisch an, ist aber ernst gemeint). Jedenfalls kommt es mir doch haarsträubend vor, weshalb es mich wundert, daß ich bis jetzt fast nur Gutes über diesen Film gelesen habe. Trotzdem ein guter Grund mir den Film doch selbst anzusehen. Gruß Sprox

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