Ein irrer Massenmörder – verurteilt zur Todesstrafe. Der Fall neu aufgerollt – einen Tag vor seiner geplanten Hinrichtung. Der Anspruch auf geistige Unzurechnungsfähigkeit – abgeschmettert. Bilder der Opfer.
Eine erneute Anhörung im Fall Malcolm Rivers (Pruitt Taylor Vince) soll stattfinden, aber noch ist der Gefangene nicht da.
Schnitt.
Motelbesitzer Larry (John Hawkes) liegt auf dem Sofa und sieht fern. Es ist Nacht und offensichtlich ist er alleine im Motel. Die Tür wird aufgestoßen und ein Mann trägt eine verwundete Frau herein.
„Sie hört nicht auf, zu bluten.“
Schnitt.
George (John McGinley), seine Frau Alice (Leila Kenzle) und deren Sohn Timmy (Bret Loehr) sind nachts auf einem einsamen Highway unterwegs. Es regnet in Strömen – ein Unwetter. Dann ein Knall und etwas hängt im Reifen. Ein hochhackiger Schuh.
Schnitt.
Der selbe Highway. Ed (John Cusack) ist der genervte Fahrer der Möchtegern Hollywood-Diva und professioneller Zicke Caroline Suzanne (Rebecca DeMornay). Ein Streit entbrennt.
Schnitt.
Ein paar Stunden früher: es ist noch hell und das Wetter ist strahlend schön. Paris (Amanda Peet), ex-Callgirl, ist auf dem Weg in ein neues Leben. Koffer voll mit Geld und Kleidung, fährt sie den Highway entlang. Öffnet den Koffer in voller Fahrt. Die Sachen wehen auf die Straße. Auch ein paar Pumps.
Schnitt.
George ist aus seinem Wagen gestiegen um den Reifen zu untersuchen. Alice steht am Fenster des Wagens und versucht ihren Sohn bei Laune zu halten. Sie geht ein paar Schritte rückwärts. Im falschen Moment – ein Auto kommt und trifft sie an der Seite.
Schnitt.
Durch den Streit abgelenkt sieht Ed nicht auf die Straße. Dann ein Knall und eine Frau fällt auf die Kühlerhaube.
Das einsame Motel wird zur Unterkunft für die Nacht. Nach und nach versammeln sich alle Personen gemeinsam im Motel. Das Telefon funktioniert nicht mehr. Als Ed Hilfe holen will, begegnet er Paris, die eine Autopanne hatte und nimmt sie mit. Die Straße ist abgeschnitten von der Außenwelt. Auch das frischverheiratete Pärchen Ginny (Clea DuVall) und Lou (William Lee Scott) ist gefangen und sucht im Motel Unterschlupf.
Gerade, als sich alle halbwegs eingerichtet haben, fährt ein weiterer Wagen vor. Polizei, Gefangenentransport.
Der etwas zwielichtige Cop (Ray Liotta) bittet um ein Zimmer für sich und den Gefangenen Schwerverbrecher Maine (Jake Busey), der an die Toilette gekettet wird.
Womit wir alle Beteiligten sowie eine scheinbar unabhängige Rahmenhandlung um die Wiederanhörung des Mörders Malcolm Rivers hätten. Nicht lange und der abgetrennte Kopf der Schauspielerin schleudert in der Waschmaschine und die Geschichte nimmt ihren Lauf.
Was folgt ist eine Mischung aus Zehn kleine Negerlein, Final Destination, The Sixth Sense und Fight Club. Regisseur James Mangold (Girl Interrupted – Durchgeknallt) hat diesen Film, der mit einem relativ kleinen Budget zu einem Überraschungserfolg wurde, hervorragend inszeniert, dicht, mysteriös und mit überraschend guten Schauspielern, auch wenn sie außer John Cusack, Ray Liotta und Alfred Molina (als Malcolm Rivers weltverbessernder Anwalt) (noch) wenig bekannt sind.
Nach und nach fügen sich die einzelnen Teile der Geschichte zusammen und lassen den Zuschauer im Glauben, es handele sich um einen fast gewöhnlichen Gruselschocker. Nur die Schnitte, Frozen Frames und Zeitsprünge in den Einführungssequenzen lassen auf mehr hoffen. Geschickt gelingt es Mangold, die beiden Handlungsstränge scheinbar zusammenhangslos nebeneinander laufen zu lassen, ohne, dass der Zuschauer ahnt, was passieren würde.
Identität ist nicht perfekt: Die Todesfälle sind nicht immer kreativ und ungesehen und erinnern teilweise stark an Filme wie Final Destination. Natürlich ist sofort klar, dass John Cusack, als teuerster Schauspieler, nicht gleich sterben wird und noch zur Lösung des Falls gebraucht wird.
Und natürlich gibt es falsche Fährten, die auch ziemlich leicht zu durchschauen sind, aber es tun sich immer wieder neue auf, so dass immer wieder jemand anders in Verdacht gerät.
Was den Film letztendlich gut macht, ist der Bruch, der nach ca. 2/3 des Films kommt, wo eine absolut unerwartete Wendung dem Ganzen noch mal Schwung und neue Spannung verleiht. Die soll hier natürlich nicht verraten werden…
Das Auffälligste an Identität – Identity ist die beklemmende Atmosphäre, die der Film von Anfang an spinnt und in der sich der Zuschauer schon nach dem Vorspann gefangen findet. Es werden keine Atempausen gegönnt, die Schnitte verdichten die Handlung, und das ganze Publikum saß gebannt in den Sesseln und vergaß zu atmen. Als der Film zu Ende war, waren alle Zuschauer noch spürbar mit der Handlung beschäftigt, kein Film, den man allein sehen sollte, schon alleine, damit man am Ende einen hat, mit dem man den Film reflektieren kann, und jeder wird eine etwas andere Auslegung haben.
Was überraschend ist, ist, dass der Film zwischendurch wirklich komisch ist, wenn auch vielleicht eher, weil man so angespannt ist, dass jede noch so kleine Gelegenheit zum Durchatmen genutzt wird.
Alles in allem also ein spannender Film, der gleichzeitig zum Nachdenken anregt und zumindest mich noch eine ganze Nacht wach gehalten hat.
Nichts für ängstliche Gemüter.
Und denkt daran: ein Happy End ist nie das, was es scheint…
14.02.2005 23:24
Der Film ist irgendwie ein Best of andere Filme, stimmt schon. Wenig wirklich überraschendes und John Cusacks Visage dominiert den Film. Aber trotzdem besser als der übliche Schrott. Coole Idee, die Schnitte auch im Bericht zu verwenden. (und außerdem mag ich John Cusack, High Fidelity sei dank :-) LG Julietta
02.01.2005 20:13
Anfangs war ich etwas verwirrt von den ganzen Schnitten in deinem Bericht, aber zum Schluß dachte ich mir, vielleicht genau die passende Methode um einem Eindruck von dem Film vermittelt zu bekommen? lg Andreas
27.03.2004 20:01
Den MUSS ich auf jeden Fall noch sehen; mir haben schon soooo viele davon vorgeschwärmt, aber ich schaffte es nie ins Kino. Zum Glück ist er ja nun auf DVD angekündigt :) LG Laura