Von Herzen, Hasen und Minniemis

5  26.10.2004

Pro:
so jung kommen wir nie wieder zusammen

Kontra:
wer grunzt, fliegt raus !

Empfehlenswert: Ja 

themanwiththeplan

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Mein Herz hier bei Ciao ist, wie sollte es auch anders sein, Schuld daran, dass ich mich gerade schwer am Riemen reißen muss, um nicht wie die beleidigte Leberwurst und die schlechte Verliererin dazustehen. Beziehungsweise dazusitzen. Gemeinsam mit Minniemi und zwei netten Herren sitzen das Herz und ich nämlich um meinen Wohnzimmertisch herum und spielen ein nettes Gesellschaftsspiel. Einen Klassiker unter den Gesellschaftsspielen, quasi. So klassisch, dass dem Hasen, einem der beiden netten Herren der Runde, die neuaufgelegte Euro-Variante, die das Herz angeschleppt hat, so gar nicht gefallen will. Also nölt er so lange herum, bis ich im Schlafzimmer auf einen Stuhl steige und aus einer auf meinem Schrank befindlichen Kiste ein altes Monopoly hervor krame. So alt, dass es beinahe auseinander fällt bei dem Versuch, es sicher ins Wohnzimmer zu transportieren.
Monopoly also. Minniemi teilt uns mit, dass es das in der DDR nicht mal als Bückware zu kaufen gab. Da musste man wohl Kontakte in den Westen haben, um eins in die Finger zu bekommen. Die Theorie der Wessis am Tisch lautet natürlich, dass Monopoly einfach viel zu kapitalistisch angehaucht ist, als dass man es im Osten auf dem freien Markt hätte erstehen können. Wie auch immer.

Das Herz macht sich erst mal lustig über mein Monopoly, welches älter ist als ich selbst und dementsprechende Zeichen der Zeit aufweist. Nicht mehr ganz intakte Spielkarten werden von ihr verlacht. Besten Dank. Und auch die Tatsache, dass wohl ein Mitglied meiner Familie irgendwann auf einer der Straßenkärtchen bei den Mieteinnahmen aus einer 40 eine 80 gezaubert hat – nun, auch das führt zu einem lachenden, grunzenden Herz. Ein Glück, dass die angekauten Häuser und Hotels schon vor einer Weile von mir aussortiert worden sind... ja, was kleine Kinder so alles zwischen die Zähne klemmen...

Gut lachen und grunzen jedenfalls hat das Herz heute Abend. Beklagen kann es sich aber auch wirklich nicht. Leider. Erst mal den Bauch dick und satt gefuttert mit all den Köstlichkeiten, die ich in mühevoller Arbeit in der Küche bereitet habe. Leckere Dips, gesunde Lasagne (für die ich mich offiziell noch mal ob der Abwesenheit von FLEISCH beim Hasen entschuldigen möchte) und ein Hasenkuchen zum Niederknien... ja, so lässt sich’s leben. Zwar bemängelt das Herz beim Hasenkuchen (welcher übrigens nichts, aber auch gar nichts mit dem Hasen in unserer Runde zu tun hat – der, das sei auch noch erwähnt, den Kuchen übrigens verschmäht – hm, warum bloß...? Sind bestimmt keine Hasen drin! Ich schwöre!) die nichtvorhandenen Marzipanmöhren, aber ich schulmeistere schlagfertig, dass es sich hier ja um einen Hasenkuchen und keine Hasentorte handelt. Außerdem... das Herz hat’s nötig. Wenn ich mal feststellen darf: Mein Kuchen ist bestens gelungen. Bestestens, quasi. Schön aufgegangen, hübsch mit Puderzucker bestreut... und alle langen kräftig zu. Ich habe mitgezählt: Alle (außer dem Hasen, aber naja) gönnen sich 3 – in Worten: DREI – Stücke des Kuchens, was mich mal zu der Annahme verleitet, dass er ihnen absolut gigantisch schmecken muss. Aus reiner Höflichkeit nimmt man ja wohl mal höchstens noch ein zweites, niemals aber ein drittes Stück. Da sind wir uns ja wohl einig, oder? Eben.
Der böse Hase kommentiert Minniemis Wunsch nach einem dritten Stück denn auch mit den Worten: „Ja, friss dich nur richtig fett!“. Ich bin bestürzt. Was soll denn... was will er denn damit... wie kann er es überhaupt... also echt jetzt! Mein Hasenkuchen, das hätte der Hase mal längst zur Kenntnis nehmen sollen, macht nicht fett. So. Und damit Schluss jetzt mit diesen ungehobelten Sprüchen.
Und was nun also das Herz angeht: Kochen mag es ja können, aber ein Kuchen ist bei ihr bisher nie höher aufgegangen als mein kleiner Finger dick ist. So. Und nur, um möglichen klugscheißerischen Kommentaren gleich vorzubeugen: Nein, mein kleiner Finger ist nicht besonders dick. Glaubt mir ruhig, im Kuchenbacken ist das Herz eine echte Niete.

Im Monopoly-Spielen leider nicht. Wir alle nehmen das alsbald kopfschüttelnd zur Kenntnis, und während Herzchens Grinsen immer breiter und triumphierender und ihr Lachen immer glucksender und grunziger wird, werden unsere Geldreserven immer kleiner.
Aber von Anfang an. Die Bank reißt das Herz natürlich sofort an sich.
„Ist ja mal wieder typisch!“, sage ich.
„Sonst will ja keiner die Bank sein!“, ereifert sich das Herz.
„Es hatte ja niemand eine Chance, die Bank sein zu wollen!“, sage ich.
„Will denn jemand die Bank sein?“, fragt das Herz.
Natürlich will keiner die Bank sein. Das Herz ist also die Bank. Boohoo.
Die Bank muss nun erst mal das Geld unters Volk bringen. Ich sagte ja bereits: Mein Monopoly ist sehr alt. Spielregeln Fehlanzeige. Wie genau das Geld nun unters Volk zu bringen ist, weiß keiner so recht, und so erweist sich die Bank als äußerst großzügig.
„Das ist doch viel zu viel, was du da verteilst!“, sage ich.
„Tut mir leid, aber aktuelle Zahlen liegen mir leider nicht vor!“, verteidigt das Herz seine Aktivitäten als verantwortlicher Bankier. Das Volk lacht sich schlapp. Von gesundem Menschenverstand will ich gar nicht anfangen, deswegen schweige ich zu der Tatsache, dass die Bank nach der Verteilaktion des Herzchens fast pleite und die Spieler alle stinkreich sind.
Doch lange hält das nicht vor, wie wir bald sehen sollen.

Das Herz rafft, was es kann. Ich komme in Runde 1 auf ein blödes Ereignisfeld, in Runde 2 auf das Wasserwerk, in Runde 3 auf ein Gemeinschaftsfeld und in Runde 4 in den Knast. Danke auch. Damit ist das Spiel für mich gelaufen. Ich werde, wenn alle Straßenverkäufe abgeschlossen sind, das Wasserwerk sowie die popelige Seestraße besitzen. Minniemi geht es nicht viel, aber immerhin ein wenig besser, sie wird, zumindest theoretisch, in der Lage sein, ein paar Häuser zu bauen.
Das Herz ist Krösus. Räumt frei parken ab, kommt ständig direkt auf Los, zieht unentwegt fette Mieten ein... Herzchen ist begeistert und erstickt fast an ihrem Triumphgefühl.
„Geld kommt zu Geld!“, teilt es uns gönnerhaft mit. Ihr in der Tat grunzendes Lachen bringt uns irgendwann alle dazu, uns quasi auf dem Boden zu rollen – ebenfalls vor Lachen. Doch auch das hält nicht lange an. Der Hase, eben noch mit vielversprechenden Straßen gesegnet, geht alsbald dem Bankrott entgegen. Minniemi muss ihre Straßen eine nach der anderen beleihen. Nur Herzchens Begleiter kann einigermaßen mithalten. Auch ich laviere mich mehr schlecht als recht durch die Gefahrenzonen hindurch und bemühe mich angestrengt darum, nicht das Gesicht der beleidigten Leberwurst zu ziehen. Da ich mit dem Ausgang des Spiels jedoch bereits seit Runde 4 nichts mehr zu tun hatte, könnte man das wohl sogar verstehen. Oder? Eben. Immerhin geht es mir finanziell noch ganz gut, denn viel Geld für Straßenkäufe musste ich ja nicht berappen. Und wer rundenlang hinter Gittern sitzt, der kann ohnehin nicht viel verprassen. Immer positiv denken.
Im Grunde dürfte ja auch jeder hier gerne gewinnen. Nur das Herz muss es nun nicht unbedingt sein. Denn auch, wenn es keine abgrundtiefschlechte Verliererin ist – es ist eine unterirdisch schlechte Gewinnerin. Gewinner, denen das Wort „Sieg“ quasi für den Rest des Abends auf die Stirn gezeichnet steht... nein, die braucht kein Mensch. Und Gewinner, die nach dem Gewinn des Spiels noch mal, nur so fürs Protokoll, erwähnen müssen: „Also, ich habe gewonnen, gell?“, die braucht man noch viel weniger.

Aber wer könnte dem Herz schon lange böse sein? Immerhin hat es mir gestern Abend nochmals fernmündlich bestätigt, dass die Lasagne wirklich lecker war. Und es hat darüber hinaus davon abgesehen, den abendlichen Monopoly-Triumph nochmals zu erwähnen.
Immerhin hat es aber auch ein paar Tränen vergossen bei unserem Spieleabend. Beim Knoblauchschneiden in der Küche besaß ich doch tatsächlich die Frechheit, ihr ein Brett zu reichen, auf welchem ich zuvor schon Zwiebeln gehackt hatte! Wenn das nicht eine absolute Unverschämtheit ist! Eines Planmännchens aber auch irgendwie absolut würdig... gerade so, als hätte ich geahnt, was das geliebte Monopoly noch bringen würde...

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Ciao_Butterfly

Ciao_Butterfly

10.07.2005 10:43

Gibts das Rezept zum Hasenkuchen? Und Monopoly - da hab ich auch noch irgendwo so eine alte Ausgabe, aber ohne angeknabberte Häuschen :o)

Qwastaccia

Qwastaccia

03.12.2004 16:00

... erstmalig in der Geschichte sind meine b.h.'s alle wech, aber ich glaub, das macht dir nix aus, oder? Eben! ... Und den Kuchen würde VIZZO gerne mal probieren - selbst, wenn er nur kleinfingerdick wäre ;o) ...

corinna77

corinna77

19.11.2004 00:21

*ggg* Ob so etwas nun hilfreich ist oder nicht... schöne Geschichte und gut geschrieben! Corinna

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