"Der Teufel hat den Schnaps gemacht...
19.09.2001
Pro:
spannend, gute Schauspieler
Kontra:
Drehbuch stellenweise etwas zu oberflächlich, um als ernste Kritik aufgefasst werden zu können
Empfehlenswert:
Ja
 Treesitter
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:132
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 128 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
...um uns zu verderben." Aber er hat noch andere Möglichkeiten, wie dieser Film von Taylor Hackford zeigt *g* Also will ich euch heute einmal ein paar Takte zu einem Streifen schreiben, den ich inzwischen (*grübel*) viermal oder sogar öfter gesehen habe: Im Auftrag des Teufels mit einem genialen Al Pacino und Keanu Reeves, der sich seit Matrix zu einem meiner Lieblingsschauspieler gemausert hat. Die Story: ==========
Kevin Lomax (Keanu Reeves) ist ein ehrgeiziger Strafverteidiger, der noch nicht einen Fall verloren hat. Sein gegenwärtiger Mandant wird beschuldigt, sich an einem kleinen Mädchen vergriffen zu haben und obwohl Lomax während des Verfahrens erkennt, dass sein Mandant schuldig ist, verteidigt er ihn weiter und erwirkt einen Freispruch, damit es nicht in den Abendnachrichten heisst, er hätte seinen ersten Fall verloren. Auf der Party anlässlich seines Sieges bietet ihm eine grosse New Yorker Kanzlei einen gut bezahlten Job an: Er soll in die Metropole ziehen und mithelfen, die Jury in Strafprozessen zu Gunsten der Kanzlei zusammenzustellen. Seine Frau (Charlize Theron) gibt ihren Beruf auf und geht mit ihm. Nur seine Mutter, eine sehr gläubige Frau, scheint ihm seinen Erfolg nicht so recht zu gönnen und ahnt Schlimmes.
In NY angekommen beginnt alles ganz harmlos: Dem Pärchen wird nahezu alles von der Kanzlei finanziert und der Boss, Mr. Milton (grandios: Al Pacino), kümmert sich persönlich um seinen neuen Schützling. Lomax wird mit einem Fall nach dem anderen betraut, in denen immer klarer wird, dass die Angeklagten stets schuldig sind. Dank seinem juristischem Geschick werden Betrüger, Voodoo-Schamanen mit seltsamen Praktiken und schliesslich sogar ein dreifacher Mörder wieder auf freien Fuss gesetzt.
Seiner Frau Mary-Ann geht es dabei zunehmend schlechter, sie ist einsam, hat Halluzinationen und Alpträume. Doch weder sie noch seine Mutter können ihn umstimmen, weitere Angebote abzulehnen und sich mehr um sie zu kümmern - bis es zu spät ist und Lomax erkennen muss, dass er mit dem Teufel im Bunde ist... DVD-Features: =============
Na ja, die sind selbst für Fans etwas mickrig ausgefallen: Der eigentliche Film besticht durch gute Bild- und Tonqualität, ausserdem gibt es die üblichen Trailer und eine interaktive Szenenanwahl zu bewundern, verschieden Sprachen und Untertitel sowie einen ellenlangen, aber trotzdem interessanten Audio-Kommentar des Regisseurs Taylor Hackford. Der Preis von knapp 35 DM ist in Anbetracht einer Laufzeit von 135 Min. ganz OK, denke ich. Meine Meinung: ==============
Als ich den Film das erste Mal gesehen habe, dachte ich, dass es sich dabei nur um einen weiteren Streifen mit Anwälten handelt, die das amerikanische Recht zu ihrem persönlichen Vorteil beugen und verdrehen (wie etwa "Die Firma"), aber das stimmt nicht ganz. Denn als Mary-Ann ihre erste Vision von einem abscheulichem Dämon hat, merkte ich, dass der Titel durchaus wörtlich zu nehmen ist: Lomax hat ohne zu wissen seine Seele verkauft und kommt nur ganz langsam dahinter - wie auch der Zuschauer. Selten habe ich eine so zynische Satire auf die käufliche Gerechtigkeit im amerikanischen Rechtssystem gesehen. Erst mit der Zeit merkt man, dass es im Gerichtssaal nicht darum geht, wer schuldig ist und wer nicht, sondern darum, wer genügend Geld hat, um sich von seinen Verbrechen freikaufen zu können.
Die Schauspieler, allen voran der teuflisch gute Al Pacino, könne überzeugen und geben einem erst recht das Gefühl, das Vorgehen vor Gericht sei in der Realität nur wenig anders. Was Mary-Ann angeht, so hätte ich Charlize Theron in ihrer Rolle ein wenig mehr Bewegungsfreiheit gegönnt, denn obwohl auch sie ein Opfer der Versprechungen des Satans wird, bleibt sie doch in den meisten Szenen eher schmückendes Beiwerk, während das Hauptaugenmerk eher auf Pacino und Reeves ruht. Kurzum: Gute Dialoge mit sarkastischen Bemerkungen des Teufels über die Hörigkeit des Menschen dem Gesetz gegenüber, zahlreiche Wendungen und ein bissiger, überraschender Showdown fesseln bis zur letzten Minute und lassen nach dem Abspann ein mulmiges Gefühl in der Magengegend des Zuschauers zurück.
Wer den Film für eine ordentliche Gesellschaftskritik für zu plakativ findet, dem muss ich recht geben, aber eine gute Mischung aus böser Satire und gruseligen Mystery-Effekten ist er allemal. Er zeigt das amerikanische Rechtssystem mal aus einem ebenso spannendem wie ungewöhnlichem Blickwinkel - nicht mehr und nicht weniger... Vielleicht kommt meine Begeisterung auch einfach davon, dass ich selbst Jura studiere... ;)
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14.10.2001 19:03
Dein Bericht ist wirklich Klasse zu einem super Film. Jani (^_^)
01.10.2001 01:09
Ein klasse Film - und ich studiere nicht Jura; besonders gelungen finde ich die Pointe ganz am Schluß, tja, er lauert eben überall, der böse Verführer... Liebe Grüße, anno
30.09.2001 02:00
Supi Film! Sollte man sich unbedingt ansehen.