Dieser Erfahrungsbericht wurde von 67 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Creedy18 hat mich auf diese Kategorie gebracht. Ich habe eine Weile überlegt, ob es richtig ist diesen Bericht zu schreiben. Obwohl das nicht richtig ist, denn gegen das Schreiben kann ich mich nicht wehren. Die Gedanken strömen solange auf mich ein, bis sie zu Papier gebracht wurden. Ich habe also überlegt, ob ich ihn veröffentliche. Schließlich geht es hier um etwas Intimes. Ich werde es trotzdem tun. Was nützt es mir, wenn der Bericht auf meinem Computer verschimmelt?
Also nun, zu den Tiefen meiner Seele:
Ich bin klein, doch meine Seele ist nicht rein. Seit der Geburt meines Bruders werde ich von Neid und Eifersucht beherrscht. Ein Psychologe im Fernsehen meinte, dass Kinder, die einem Geschwisterchen über benachteiligt werden, es später schwer haben mit Neid und Eifersucht umzugehen. Ich kann euch sagen, dass es bei mir teilweise stimmt. Mit dem Neid habe ich inzwischen nicht mehr so große Probleme, aber mit der Eifersucht. Ich habe sie nicht nur in der Beziehung zu meinem Freund, sondern auch in der Freundschaft. Aber Eifersucht ist nicht das Gefühl aus den absoluten Tiefen meiner Seele. Um es etwas bildlich auszudrücken: in meiner Seele gibt es eine dunkle Höhle. Dort wohnt ein Gefühl, dass ab und zu herauskommt und seine eiskalten langen Finger um mein Herzchen schlingt. Dieses Gefühl, das immer da ist und nicht mehr gehen will, ist die Einsamkeit.
Ja, ihr habt richtig gelesen: Ich bin einsam. (Ich komme mir grad vor wie ein Alkoholiker, der seine Krankheit zugibt). Ich war es schon immer. Schon in der Schule wollte mich keine Clique haben. Nirgendwo habe ich dazu gehört. Für die einen war ich zu intelligent, für die anderen zu uncool. Dabei bin ich nur meinen eigenen Weg gegangen. In der Oberstufe habe ich dann gemerkt, dass es ein sehr, sehr einsamer Weg ist. Tja, dann haben sich meine letzten So-halbwegs-Freunde in alle Winde zerstreut und von denen meldet sich keiner freiwillig bei mir. Meine beste Freundin hat mir dann einen Tag vor Silvester 2005 gezeigt, was sie von mir denkt und dass ihr meine Idee von einem eigenen Buch komplett egal ist. Das tut weh............und macht noch einsamer. Wenn ich Sonntagabend in meiner Wohnung sitze, dann greift die Einsamkeit mit ihren Fingern nach mir. Am Anfang habe ich mich noch gewehrt, aber inzwischen lasse ich es einfach nur zu. Ich habe zwar beim Studium ein nettes Mädchen kennengelernt, zu dem sich auch eine Art Freundschaft ausgebildet hat, aber sie hat auch noch ihre eigenen Freunde. Ihren alten Freundeskreis. Lauter Leute, die ständig etwas zusammen unternehmen. Mich freut das, aber es macht mich auch traurig. Mit mir wollte immer keiner etwas unternehmen. Also ich stinke nicht und ich benehme mich nicht unanständig. Ich hab halt nur meinen eigenen Kopf und sage auch schon mal meine Meinung. Soll mich das zu einem einsamen Leben verdammen? Ich bin ein Mensch, der Wärme und Geborgenheit braucht. Ich möchte nicht einsam sein, aber es ist wie ein Teufelskreis. In meiner anfänglichen Einsamkeit habe ich mich zurückgezogen. Ich war noch nie jemand, dem es leicht fiel auf andere Leute zu zugehen. Doch wer sich zurück zieht, wird noch einsamer. Dann habe ich das Internet für mich entdeckt. Dort habe ich Leute gefunden, die mit mir plaudern und mir somit einen Teil meiner Einsamkeit nahmen. Doch so schön das auch ist, kann ich ja nicht immer online sein und ich muss ehrlich sagen: ich habe noch keinen gefunden, der mich meines eigenen Kopfes wegen respektiert. In der Abizeitung stand bei Antje unter anderem: Andere gehen in die Disco, sie trifft sich im Chatroom. Hey, es ist doch nicht so, dass ich nicht auch gerne in die Disco gegangen wäre, aber mich wollte ja keiner mitnehmen. Ich war nicht hip und trendy genug. Ich habe auch nicht gewartet, bis mich jemand anspricht, sondern auch selber mal angefragt...........aber nur mit fadenscheinigen Ausreden abgespeist. Ich möchte mich nicht in irgendwelche Freundeskreise einschleimen und ich möchte auch keine Mitleid nach dem Motto: ach, die ist so einsam.........nehmen wir sie mit. Ich möchte, dass jemand sagt: "Hey, wollen wir nicht Antje fragen, ob sie mitkommen will. Das wird sich lustig."
Versteht mich nicht falsch: ich will keinen Mann kennen lernen oder ein Date haben. Ich möchte Menschen treffen, die meine Art mögen und mich respektieren. Hier bei CIAO gibt es welche, die meine Art zu schreiben mögen. Das tut meiner Seele gut, denn hier schreibe ich teilweise zum ersten Mal gewisse Dinge nieder, die ich bis jetzt aus Angst vor Zurückweisung für mich behalten hatte. Ehrlich geschenktes Vertrauen (nicht der Punkte wegen) streicht noch mehr Balsam auf meine Seele.
Ursprünglich sollte der Bericht wie folgt enden: "Ich werde mich jetzt auf mein Pferd setzen und dem Sonnenuntergang wie ein Lonesome Rider reiten", aber die Resonanz der ersten Stunde auf meinen letzten Bericht und die lieben GB-Einträge/ Kommentare von zB Yesup, Creedy18, antje123 zeigen mir, dass ich einen Weg aus der Einsamkeit finden muss. Ich werde einfach mal zum nächsten CIAO-Stammtisch in Leipzig gehen. Das wäre doch ein Anfang. Vielleicht werde ich mich auch einem Literatenclub oder so anschließen. Mal sehen, ob ich so was in meiner Nähe finde. Ich weiß eines jetzt nach diesem Bericht: Ich möchte nicht mehr einsam sein. und deswegen wird meine Bericht anders enden. Ich werde nicht einsam dem Sonnenuntergang entgegenreiten. Ich mache einen Zeitsprung, schnall meine InlineSkates an und gehe auf eine Halfepipe (schreibt man das so????).
Vielen Dank an alle, die diesen Bericht lesen. Ihr müsst euch nicht verpflichtet fühlen, ihn zu bewerten um mir Punkte auf dem Weg zu ROT zu bringen. Wenn er euch gefällt, dann sagt es mir...........wenn nicht...dann nicht :-/
Viele Grüße vom Hollerbusch
PS: Bewertung: soll ich meine seele bewerten? nein, ich bewerte die kategorie. mit empfehlenswert und gut, weil es einfach gut tut, sich etwas von der seele zu schreiben
Liebe Antje! ---- Ich finde es ganz toll, daß du dir so viel Gedanken um dich machst. ---- Diese TIEFE ist in einem Alter bewundernswert ! ------ Es gibt wenige Menschen, die das tun ! ------- Es kann aber auch nicht JEDE ! ---- Dir würden philosophische Abhandlungen helfen, liest du so etwas ? --- Ich denke an Hermann Hesse. -------- Aber eines ist mir ganz wichtig, das muss ich dir noch schreiben: Du bist für dich die wichtigste Person ! ---- Denn nur du weißt was du gern hast, was du brauchst ! --- Wer könnte dir deine Wünsche besser erfüllen als du dir selbst.---- Schon in der Bibel steht (ich bin aus der Kirche ausgetreten, aber trotzdem) ---- "Liebe deinen Nächsten wie DICH selbst." ------- Also kommt zuallererst einmal die Selbstliebe, dann kommen erst die Anderen! ------- Und das hat nichts mit Egoismus zu tun ! --- Ich muss meine Fehler, meine Eigenschaften, Vorlieben, Talente zuerst einmal für mich leben und lieben lernen. ----- Auf der einen Seite sind wir alle EINSAME ZEITGENOSSEN, ------ aber in einer Gemeinschaft, und das ist das Schöne daran. ------ Du entscheidest ganz allein, was für DICH wichtig ist, und auch nur DU kannst das beurteilen und darfst es auch. ----- Mit diesen Gedanken wünsche ich dir eine wohltuende Tiefe! ------ Maria -----
Mir kommt momentan wenig in den Sinn, was ich zu deinem Bericht schreiben soll. Einiges kommt mir bekannt vor. Vorallem kenne ich die Angst vor der Einsamkeit und den Wunsch um meiner Selbst willen gemocht, vielleicht sogar geliebt zu werden. Gruß Patrick
Mit dem Cliquen-Bewusstsein (d.h. eher ablehnend), dies kann ich gut verstehen, da ich (als Einzelkind) ähnlich empfinde. . Ich habe gerne Kontakt zu Einzelpersonen, z.B. 3 verschiedenen Individuen (die sich untereinander nicht kennen), viel lieber als zu einer 3-er Gruppe, die untereinander sich schon ewig kennen. Allerdings versuche ich mittlerweile auch, das Cliquenbewusstsein an sich nicht als etwas triviales oder negatives hinzustellen, es ist halt eher "weniger für mich" geeignet. Aus so einem Grund hatte ich auch mal bei einem Sprachkurs (4-er Damen-Clique) in einen anderen gewechselt (mit 4 Einzelpersonen, wo mehr gegenseitiges Zuhören war) wo Ich denke, man sollte sich selbst auch nicht zu sehr analysieren. Ffalls ja, dann (Familie, Freunde, Vergangenheit) eher die guten Dinge herauszukristallisieren. . Egal ob das Verhältnis pos / neg 80:20 oder 20:80 ist. Ich habe schon häufig (obwohl ich eher einzelgängerisch bin) Leute durch gemeinsame Interessen per Zufall kennengelernt. Einsamkeit klingt etwas melodramatisch als Wort *g*, ich würde es auch positiv formulieren: In der Zeit, wenn man weniger sich mit Menschen trifft, da hat man mehr Zeit für seine Hobbies und Interessen. Vielleicht VHS-Kurse machen, oder ein Club, wo das Haustier im Zentrum steht (Hund, Katze?). Und weiterhin daran arbeiten, daß die Wahrnehmung eines Tages völlig ohne Neid/Eifersucht möglich ist, denn dann steht Deine Person weniger im Mittelpunkt und Du hast das schöne Gefühl, andere noch mehr mögen zu können. Ob die reicher / ärmer / mehr / weniger Freunde / hat, die andere Person, spielt dann gar keine Rolle mehr. Ein sehr guter und selbstanalytischer Bericht. LG Tomas
31.01.2006 11:13
Liebe Antje! ---- Ich finde es ganz toll, daß du dir so viel Gedanken um dich machst. ---- Diese TIEFE ist in einem Alter bewundernswert ! ------ Es gibt wenige Menschen, die das tun ! ------- Es kann aber auch nicht JEDE ! ---- Dir würden philosophische Abhandlungen helfen, liest du so etwas ? --- Ich denke an Hermann Hesse. -------- Aber eines ist mir ganz wichtig, das muss ich dir noch schreiben: Du bist für dich die wichtigste Person ! ---- Denn nur du weißt was du gern hast, was du brauchst ! --- Wer könnte dir deine Wünsche besser erfüllen als du dir selbst.---- Schon in der Bibel steht (ich bin aus der Kirche ausgetreten, aber trotzdem) ---- "Liebe deinen Nächsten wie DICH selbst." ------- Also kommt zuallererst einmal die Selbstliebe, dann kommen erst die Anderen! ------- Und das hat nichts mit Egoismus zu tun ! --- Ich muss meine Fehler, meine Eigenschaften, Vorlieben, Talente zuerst einmal für mich leben und lieben lernen. ----- Auf der einen Seite sind wir alle EINSAME ZEITGENOSSEN, ------ aber in einer Gemeinschaft, und das ist das Schöne daran. ------ Du entscheidest ganz allein, was für DICH wichtig ist, und auch nur DU kannst das beurteilen und darfst es auch. ----- Mit diesen Gedanken wünsche ich dir eine wohltuende Tiefe! ------ Maria -----
30.01.2006 15:25
Mir kommt momentan wenig in den Sinn, was ich zu deinem Bericht schreiben soll. Einiges kommt mir bekannt vor. Vorallem kenne ich die Angst vor der Einsamkeit und den Wunsch um meiner Selbst willen gemocht, vielleicht sogar geliebt zu werden. Gruß Patrick
24.01.2006 13:45
Mit dem Cliquen-Bewusstsein (d.h. eher ablehnend), dies kann ich gut verstehen, da ich (als Einzelkind) ähnlich empfinde. . Ich habe gerne Kontakt zu Einzelpersonen, z.B. 3 verschiedenen Individuen (die sich untereinander nicht kennen), viel lieber als zu einer 3-er Gruppe, die untereinander sich schon ewig kennen. Allerdings versuche ich mittlerweile auch, das Cliquenbewusstsein an sich nicht als etwas triviales oder negatives hinzustellen, es ist halt eher "weniger für mich" geeignet. Aus so einem Grund hatte ich auch mal bei einem Sprachkurs (4-er Damen-Clique) in einen anderen gewechselt (mit 4 Einzelpersonen, wo mehr gegenseitiges Zuhören war) wo Ich denke, man sollte sich selbst auch nicht zu sehr analysieren. Ffalls ja, dann (Familie, Freunde, Vergangenheit) eher die guten Dinge herauszukristallisieren. . Egal ob das Verhältnis pos / neg 80:20 oder 20:80 ist. Ich habe schon häufig (obwohl ich eher einzelgängerisch bin) Leute durch gemeinsame Interessen per Zufall kennengelernt. Einsamkeit klingt etwas melodramatisch als Wort *g*, ich würde es auch positiv formulieren: In der Zeit, wenn man weniger sich mit Menschen trifft, da hat man mehr Zeit für seine Hobbies und Interessen. Vielleicht VHS-Kurse machen, oder ein Club, wo das Haustier im Zentrum steht (Hund, Katze?). Und weiterhin daran arbeiten, daß die Wahrnehmung eines Tages völlig ohne Neid/Eifersucht möglich ist, denn dann steht Deine Person weniger im Mittelpunkt und Du hast das schöne Gefühl, andere noch mehr mögen zu können. Ob die reicher / ärmer / mehr / weniger Freunde / hat, die andere Person, spielt dann gar keine Rolle mehr. Ein sehr guter und selbstanalytischer Bericht. LG Tomas