Ein "Männlein" liegt im Walde... ;-)
13.11.2005
Pro:
Alles
Kontra:
Übersetzung/Synchronisation/Untertitel geben den Sinn, oft aber nicht den Witz wieder
Empfehlenswert:
Ja
 outsider777
Über sich:
Jesus: einzigartig, unvergleichlich.
Mitglied seit:28.08.2003
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Vertrauende:13
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Falls Ihr mal die Gelegenheit habt, Euch diesen Film anzuschauen, dann zögert nicht! Es ist ein klasse Film, und er ist total empfehlenswert. Schauplatz ist das kleine, malerische Dorf Vermont in Neuengland. Dort liegt in einem herbstlich gefärbten Wald eines Tages eine frische männliche Leiche. Nach und nach kommen einzelne Dorfbewohner zufällig an der Leiche vorbei und verhalten sich völlig unterschiedlich - von Ehrfurcht über Verunsicherung bis hin zur Durchsuchung der Kleidung des Toten ist alles dabei. Dabei erfährt der Zuschauer, dass der Tote "Harry" heißt, und einige Passanten haben guten Grund zu der Annahme, dass sie an Harrys Tod schuld sind. Aber es gibt auch völlig abgefahrene Situationen - z.B. kommt unter anderem der Dorfarzt vorbei, völlig in ein Buch vertieft. Er stolpert über die Leiche, steht völlig geistesabwesend wieder auf und geht wieder seines Weges, ohne zu merken, worüber er gestolpert ist. Zwei andere Dorfbewohner, die das ganze aus einem Versteck heraus gesehen haben, meinen: "Das war doch Dr. Greenbow?! Na, von dem möchte ich mich nicht operieren lassen…" Zuguterletzt kommt schließlich auch noch ein Landstreicher. Der zögert nicht lange und zieht sich Harrys Schuhe an, lässt seine abgetretenen dort liegen und geht weiter.
Später kommt der Maler Sam Marlowe zur Lichtung und beginnt, zu malen. Als er gerade ein Motiv skizziert, entdeckt auch er die Leiche. In der Nähe erwacht gerade der Hobby-Jäger Albert Wiles aus einem Nickerchen. Er geht zum Maler, und beide stellen trocken und ironisch eine Geschichte zusammen, wie Harry wohl zur Lichtung und ums Leben kam. Der Hobby-Jäger würde ihn am liebsten gleich verbuddeln, weil er denkt, er habe den Mann versehentlich beim Jagen erschossen, aber der Maler meint, dass das wohl nicht unbemerkt bleiben würde, weil schon zu viele Leute Harry gesehen haben. Aber wie glaubwürdig sind diese möglichen Zeugen?
Und wer hat Harry tatsächlich "erlegt"? Ein witziger, ironisch-trockener, bisweilen rabenschwarzer Film zum Grinsen und Lachen. ;-)
Meine MEINUNG ----------------------- Ein
Bilder von Immer Ärger mit Harry (DVD)
klasse Film. Alle Elemente dieses Films sind einfach glänzend: Schauspieler, Inhalt, Spannung, Atmosphäre, Niveau... Es ist zu k-e-i-n-e-r Minute langweilig. Ich habe den Film schon einige Male gesehen, und als ich ihn jetzt für diesen Bericht noch einmal gesehen habe, hat er mich erneut angezogen und fasziniert - obwohl ich ihn schon fast auswendig kenne. Gibt es ein größeres Kompliment?
Aber was ist denn nun so toll und empfehlenswert an diesem Film und der DVD? Erstens schon mal die absurde Geschichte: Die Leiche im Wald (von der jeder meint, daran schuld zu sein), das ständige Aus- und Einbuddeln (weil jeder doch noch irgendwas nachschauen will oder meint, man müsse Harry frei herumliegen lassen), und zwischendurch die warmherzigen, humorvollen und augenzwinkernden Beziehungen zwischen den Verdächtigen. Und wenn man sich fast an diese einzigartige Handlung gewöhnt hat, wird es noch einmal spannend, weil der Dorfsheriff auftaucht, weil im Wald eine Leiche gesehen worden sein soll … ;-)
Zweitens sind die Hauptdarsteller für die Atmosphäre dieses Films und für seine Anziehungskraft entscheidend: John Forsythe spielt den feinfühligen aber zielstrebigen Maler Sam Marlowe, der die erfahrene und doch unbekümmert wirkende junge Jennifer Rogers (Shirley McLane) wohl erst wegen Harry wirklich kennen lernt, obwohl sie schon einige Zeit im Flecken zu wohnen scheint. Miss Rogers hingegen scheint oberflächlich und unbekümmert zu sein, aber das ist nur Fassade, denn im Grunde ist sie ebenso abgebrüht wie verunsichert. Sie hat es faustdick hinter den Ohren, sehnt sich aber auch nach einer sicheren Beziehung mit Geborgenheit. Und dann ist da noch der warmherzige und rücksichtsvolle Kapitän und Hobby-Jäger Albert Wiles (Edmund Gwenn), der "Das Problem mit Harry" fast alleine vorantreibt (obgleich auch jeder andere von ihnen der Täter sein könnte!) und dabei überlegt, was alles passieren könnte, wenn dieser Todesfall publik wird, ganz nebenbei aber noch vorsichtig und herzallerliebst eine Beziehung zu seiner Nachbarin Miss Gravely (Mildred Natwick) aufbaut. Diese vier Erwachsenen sind die Helden dieses Films - aber nicht nur rein dramaturgisch (indem sie die Hauptdarsteller sind), sondern auch, weil sie sich geradezu heldenhaft mit Harry abmühen. Denn eine Leiche zuerst verschwinden zu lassen und dann noch einige Male aus- und wieder einzubuddeln, ohne dass die anderen Mitbewohner etwas merken, das ist schon eine Leistung. ;-) Und drittens ist mir aufgefallen, dass es eigentlich immer irgendwie Spannung gibt: Entweder eine offene (weil Harry ein- oder ausgegraben wird und man mitfiebert, ob auch alles geheim bleibt) oder latent, weil die Beteiligten miteinander plaudern oder beraten und man spannend verfolgt, wann denn nun die Leiche angesprochen wird, oder weil gerade alle Beteiligten dabei sind, den nächsten Schritt zu planen und der Dorfsheriff vor der Tür steht… oder…
Ein netter Kontrast zur ironischen, rabenschwarzen und witzigen Handlung ist die wunderschöne ländliche Wald- und Wiesenlandschaft, in der alles stattfindet - und die herzliche, verspielte Orchestermusik, die das ungewöhnliche Geschehen umgibt. :-) Abgerundet wird alles mit einem witzigen, augenzwinkernden Schluß. :-) Statt "The End" heisst es dann auch passend:
"The trouble with Harry … is over." (Auf Deutsch sinngemäß: "Der Ärger mit Harry … ist vorbei.")
;-) Übrigens: Wer des Englischen halbwegs mächtig ist, sollte sich das ganze wenigstens mit englischem Untertitel anschauen oder sogar den englischer Originalton mit oder ohne deutschen UT, denn die deutsche Synchronisation ist haarsträubend und teilweise besch...eiden, man kann es nicht anders sagen. Alleine, was aus dem englischsprachigen Trailer an Situationskomik und Wortwitz rüberkommt, ist schon klasse und genial, das fällt in der deutschen Synchronisation ziemlich unter den Tisch. Der Film auf Deutsch betrachtet, ist ja schon rabenschwarz und "urkomisch"; aber im englischen Original ist das ganze noch viel besser.
Auch beim Filntitel ist mir das aufgefallen: "The trouble with Harry" wäre treffender übersetzt worden mit "Das Problem mit Harry", aber das klingt eben nicht so "reisserisch". "Immer Ärger mit Harry" hat in diesem Film aber niemand. ;-) Aus diesem Grund finde ich es auch etwas problematisch, eine Altersstufe für diesen Film festzulegen: Die Ironie und der schwarze Humor ist vielleicht nicht unbedingt in jedem Alter verständlich. Aber das kann man ja testen. Ich denke, dass "ab 16" ok ist.
Darsteller (die Wichtigsten) ------------- Kapitän Albert Wiles: Edmund Gwenn Sam Marlowe (Maler): John Forsythe Miss Ivy Gravely (ältere Nachbarin): Mildred Natwick Mrs. Wiggs (Verkäuferin): Mildred Dunnock Arnie Rogers (Bub): Jerry Mathers Deputy Sheriff Calvin Wiggs: Royal Dano Millionär+Kunstliebhaber: Parker Fennelly Bettler: Barry Macollum Dr. Greenbow (Dorfarzt): Dwight Marfield Jennifer Rogers: Shirley MacLaine
Erwähnenswert finde ich an dieser Stelle, dass es Shirley MacLaines erster Film war, und dass kein großer Hollywood-Star mitgespielt hat. Hitchcock war der Ansicht, "dass ein Star mit einem großen Namen die Geschichte aus dem Gleichgewicht gebracht hätte" (Zitat aus Booklet).
Die EXTRAS ---------------- 1) Making of: ----------------- Ein paar Beteiligte erzählen, wie es zum Film kam und was dabei so alles passierte. Interessant sind die Erklärungen zur Filmmusik.
Man erfährt auch, dass der Film auf dem Inhalt eines gleichnamigen Buches basiert, das Hitchcock las und toll fand. Es ist also kein "typischer Hitchcock" sondern die gelungene Verfilmung einer trockenen, ironischen Komödie. Außerdem hört man viel über die Dreharbeiten und die menschlichen Episoden während des Drehs, im wesentlichen vom Drehbuchautor, von Hitchcocks Enkelin und von John Forsythe, der später ja beim "Denver-Clan" mitgespielt hat. Eine Episode ist völlig abgefahren und beispielhaft für die Tücken eines Drehs in der Natur - und für Hitchcocks Einfallsreichtum und "Verrücktheit": Gerade hatte man den idealen, wunderschönen, farbenreichen Drehort gefunden, da riss ein fetter Sturm alle Blätter von den Bäumen, und die Pflanzen fast gleich mit. Die Filmcrew war ziemlich "fertig", doch Hitchcock gab die Anweisung, das ganze Laub in Holzkisten zu packen und es ins Studio zu bringen. Dort wurde es in Herbstfarben angemalt und an (künstliche?) Pflanzen gehängt. Dann ging der Dreh weiter... So holte Hitchcock die Natur ins Studio. Krass, oder? :-) Laut John Forsythe war der Film in europäischen Ländern wie z.B. England, Frankreich und Deutschland ein Erfolg, in den USA jedoch ein Flop. "Die Leute in den USA nehmen den Tod einfach viel zu Ernst. Hitchcock wollte das Thema ein bisschen auflockern, aber sowas wollten die Leute hier nicht sehen." Besonders fasziniert mich, wie John Forsythe Hitchcock und die Dreharbeiten beschreibt. Seine ganze Mimik und Gestik macht mit, seine Augen sind total ausdrucksvoll, einfach klasse. Man nimmt ihm seine Begeisterung für diese Zeit voll ab.
2) Bildergalerie: 38 Farb- und S/w-Bilder rund um den Film und die Darsteller 3) Trailer-Zusammenstellung von Hitchcock-Filmen, kommentiert von James Steward
4) Englischer Trailer (3 Min.) Im Booklet steht außerdem, dass die Uraufführung im Drehort Vermont stattfand und der Erlös an Hochwasseropfer ging.
FAZIT -------- Ein faszinierender, ungewöhnlicher Film, zum Lachen, Grinsen und Entspannen. Und ein faszinierendes Bonus-Material. Uneingeschränkt empfehlenswert! "Kino" ohne Reue! Anschauen! :-)
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07.12.2009 18:26
Forsythe kennen die meisten wohl eher aus "Dynasty", *gg* Ich muss gestehen, ich habe diesen Film noch nie ganz gesehen, dafür aber das Remake "Immer Ärger mit Bernie", der aber auch ganz köstlich ist. LG!
15.11.2005 14:25
Hab gerade keine Lust groß zu kommentieren, wollte Dir aber die Bewertung nicht vorenthalten. Ich mag es, wenn ein DVD-Bericht auch Infos zur DVD enthält. ;-) Grüße *Edelgroove*
13.11.2005 15:01
Der ist wirklich erste Sahne *g* Endlich mal ein Klassiker wo nicht immer mit diversen Bonus gespart wurde ;)