Gibt es nur Bruchbuden ?
22.07.2003
Pro:
Auf Dauer vielleicht günstiger als Miete
Kontra:
Man ist für jedes Problem selbst zustänig und kann nicht die Miete mindern
Empfehlenswert:
Ja
 regengoettin
Über sich:
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Eigentlich dachte ich es gäbe derzeit einen Käufermarkt in Bezug auf Eigentumswohnungen. Unsere Überlegungen hinsichtlich des Erwerbs einer Eigentumswohnung reiften schon seit einigen Jahren. Positiv kommen der derzeit gute Hypothekenzinsmarkt, die noch vorhandene Eigenheimzulage und dass das Angebot an Eigentumswohnungen das angeblich außerordentlich groß sein soll und die damit verbundenen günstigen Preise hinzu. Also, jetzt wird es Zeit zum Springen. Von der Mietwohnung in die Eigentumswohnung. Seit cirka 8 Wochen sind wir am Suchen und ich habe das Gefühl, um Jahre an Weisheit gewonnen zu haben. Nicht, dass wir etwas Ungewöhnliches suchen das vorab. Eine 70-80 qm Wohnung mit 2,5 oder 3 Zimmern, verhältnismäßig ruhige Lage, Endetage, Vollbad. In oder um Hamburg herum. Sollte doch eigentlich machbar sein.Laut Makler sollte das Angebot aus dem Internet ein Kleinod im Grünen sein und trotzdem verkehrsgünstig gelegen. Die Größe der Wohnung stimmte und eine Endetage war es auch, also wurde ein Termin zur Besichtigung vereinbart. Kleinod im Grünen stimmte. Obwohl in Hamburg gelegen, mussten wir, um zu dem Haus zu gelangen, einen unbefestigten Waldweg befahren mit tiefen Schlaglöchern. Die Schlaglöcher waren derart heftig, das ich als Beifahrerin permanent an die Wagendecke geknallt bin. Schließlich herrschte ich meinen armen Mann an, er solle doch etwas langsamer fahren, dabei fuhr er höchsten 15 km/h. Völlig benommen von der Fahrt kamen wir am Haus an. Das Kleinod im Grünen war 1970 gebaut und seitdem nichts mehr gemacht worden. Der Makler stand vor dem Haus und erwartete uns. Ich möchte die Gänze der Mängelliste nicht aufführen. Nur ein kurzer Einblick.: Dach in einem kläglichen Zustand, die Heizung erfüllte nicht mehr die neuen ab 2004 geltenden Abgasbestimmungen, die Holzfenster waren durchbrüchig (das Holz quoll aus der gemalten Schicht hervor), die Wasseruhren (ab 2004 Pflicht) waren noch nicht eingebaut, der Balkon war nicht gefliest, sondern mit welliger Dachpappe belegt... Besonders schmerzte mein Herz, dass es noch nicht mal Kabelfernsehen gab, aber der pfiffige Makler sagte treuherzig “ist doch kein Problem, kann man nachrüsten“.Als ich mit meinem Mann und dem Makler auf dem welligen Balkon stand und ich mich gerade nach der Höhe des Hausgeldes erkundigen wollte, musste ich anfangen zu brüllen. Direkt neben dem Haus, hinter Bäumen versteckt, verließ die U-Bahn Trasse. Na, ja das war mit verkehrsgünstig gelegen gemeint... Bei einem weiteren Schätzchen aus dem Ende der 60 Jahre, waren wir begeistert. Alles stimmte Lage, Größe, Zustand der Wohnung. Wir fingen an in die Verhandlungen zu gehen. Ich freute mich, mein Mann freute sich, allgemeine Zufriedenheit machte sich breit. Wir waren uns fast einig. Als in einem Nebensatz geäußert wurde, dass in dem Hausgeld auch die Pacht für das Grundstück mit enthalten sei. Wohlweislich bis zuletzt verschwiegen, handelte es sich hier um eine Eigentumswohnung gebaut auf Pachtland.Grundsätzlich ist dagegen nichts einzuwenden. Allerdings muss sich dieses auch im Preis niederschlagen. Logischerweise ist eine Eigentumswohnung auf eigenem Land mehr wert, als eine auf Pachtland. Und vor allen Dingen gehört so eine wesentliche Eigenschaft an den Anfang des Verkaufsgespräches und nicht an das Ende. Übrigens vergeben einige Banken nur ungern Kredite für Wohnungen auf Pachtland. Bei der nächsten Wohnung, erklärte uns der Makler das die Wohnung provisionsfrei zu erwerben sei für den Käufer. Immerhin, bei den Maklercourtagen (zwischen 5 % und 6 % der Kaufsumme), ein Anreiz. Die Wohnung würde das wert sein, hieß es. Ein Gutachten für diese Wohnung existiere und aus diesem Gutachten ginge hervor, dass sie die genannte Kaufsumme wert sei. Nun, ich mache es kurz. Als wir die Wohnung besichtigten, waren wir hinsichtlich des Wertes der Wohnung nicht ganz der Ansicht des Gutachters. Wir baten darum dieses Gutachten doch mal Einsehen zu dürfen. “So etwas machen wir nicht, das müssen Sie uns schon glauben, wir sind ein seriöser Makler der mit vielen namhaften Banken zusammenarbeitet“. Ups... mit unserem Ansinnen das Gutachten sehen zu dürfen, waren wir ins Fettnäpfchen getreten. Es folgte eine Diskussion mit dem Tenor: Wenn die Wohnung es angeblich wert ist und dieses aus dem Gutachten hervorgeht, warum dürfen wir dieses dann nicht einsehen. Ist es vielleicht ein Geheimgutachten aus dem Jahre 1967 (Baujahr des Hauses) ??? Nein, die Dame äußerte nach langer Diskussion, leider ein wenig kopflos geworden, dass wir anhand des Gutachtens ja sehen könnten, wie hoch die Provision für den Makler sein. Uppala, natürlich ist es Augenwischerei, damit zu Werben, dass die Eigentumswohnung für den Käufer ohne Courtage ist. Die Courtage ist beim Kaufpreis mit eingerechnet und das nicht zu knapp. Also mal wieder ein Makler, der den Verbraucher für blöd hält.Ich könnte noch so einiges erzählen. Doch leider wird der Bericht dann zu lang. Die Erfahrungen, die ich so bisher gemacht habe, möchte ich nicht missen. Doch leider nehmen sie mir kostbare Freizeit weg. Wenn die Anzeigen (und das Expose) der Makler nur etwas weniger blumig wären, hätte ich mir einiges ersparen können. In der Regel muss man damit rechnen, wenn man eine Gebrauchtimmobilie erwirbt, dass Bad und Küche erneuert werden müssen. Auf die Frage wie der Zustand von Bad/Küche ist, wird in der Regel geantwortet “gut“. Es erwartet einen dann ein olivgrünes Bad mit Auflauferhitzer. Und die Küche ist gut erhalten aus den 70 er Jahren in Schleiflack mit oranger Arbeitsplatte (Optimisten nennen die Farbe : apricot). Und der Kaufpreis liegt dann bei 150.000,-- Euro, weil man ja alles nachrüsten kann... Die Liste, worauf man achten sollte, ist ellenlang. Wichtig ist auch, dass es keinen Reparaturrückstau gibt und dass der “Pott“ aus, dem die Reparaturen bezahlt werden, genügend gefüllt wird. Unbedingt sollte man sich die Protokolle der Eigentümerversammlungen der letzten drei Jahre vorlegen lassen (gibt es üblen Streit oder Ärger im Haus ?) und die Teilungserklärung (daraus geht hervor was zum Eigentum der Wohnanlage gehört und was einem Selbst gehört). Was einem Selbst gehört oder nicht, kann durchaus interessant sein. Wenn die Fenster dem Wohnungseigentümer selbst gehören und es acht Velux-Fenster (kein Norm-Maß !) sind, kann es ganz schön teuer werden, wenn die Fenster baufällig sind. Normalerweise sind die Fenster allerdings Gemeinschaftseigentum. Mein Mann und ich bleiben weiterhin am Ball, mal schauen ob wir unsere Traumwohnung finden. Offensichtlich hinterlässt die Suche nach einer passenden Immobilie doch ihre Spuren. Als mein Mann gestern neben mir aufwachte, sagte er noch völlig schlaftrunken “Müssen wir uns heute wieder Bruchbuden angucken ???.“ Ich konnte da mit meinem Lieblingsspruch, den ich in mein Repertoire aufgenommen habe antworten : “Aber Liebling, ich weiß nicht, was Du hast, man kann doch alles nachrüsten....“
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11.10.2009 15:53
Da ich selbst gerade nach billigem Wohneigentum suche, will ich die Nachrüstung schon bedenken. VLG - Olaf
03.09.2005 14:57
na, und was hast du bei deinem mann alles nachgerüstet ...?... .-))) ... lg mozarteum
16.08.2005 12:07
Wir sind selber auf der Suche nach einer Wohnung, und dieser Beitrag ist für Leute die noch keine Ahnung haben sehr informativ. Danke