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Nach meinem letzten Fehlgriff in Sachen Thrillern, griff ich vor ein paar Tagen zu einem Autor, der mich in der Vergangenheit eigentlich immer kompromisslos überzeugen konnte. Aus diesem Grunde ging ich dann wohl auch mit etwas zu hohen Erwartungen an folgenden Roman:
>> Infernal – Greg Iles <<
++++ Bezugsquelle & Preis ++++
Gekauft habe ich das Taschenbuch bei eBay. Was ich dort bezahlt habe, weiß ich nicht mehr. Neu kostet der Roman 8,95 € in jedem Buchladen.
Greg Iles wurde 1960 in Stuttgart geboren, wo sein Vater die Klinik der amerikanischen Botschaft leitete. Als er vier Jahre alt war, zog die Familie nach Natchez in Mississippi.
Nachdem Iles 1983 sein Studium an der Universität von Mississippi abschloss, war er Gitarrist und Sänger von Frankly Scarlet Band. 1989 gab er die Musik auf und widmete sich der Schriftstellerei. Sein Debütroman Spandau Phoenix erschien 1993. Inzwischen hat er mehrere Bestseller verschiedener Genres veröffentlicht, die in Dutzenden Sprachen und mehr als 20 Ländern veröffentlicht wurden. Der Roman 24 Hours wurde 2002 unter dem Namen Trapped mit Charlize Theron und Kevin Bacon verfilmt. Greg Iles verfasste hierzu auch das Drehbuch.
In seiner Freizeit beschäftigt er sich mit Musik. Iles ist Mitglied der Band Rock Bottom Remainders, deren Mitglieder ausschließlich aus Schriftstellern, Journalisten und Drehbuchautoren besteht. Greg Iles lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Natchez, Mississippi.
Quelle: www.wikipedia.de
++++ Infernal ++++
Fotojournalistin Jordan Glass wollte in Hongkong eigentlich nur ein Kunstmuseum besuchen und hat dementsprechend nicht mit dem gerechnet, was sie unter den ausgestellten Gemälden findet. Eines der Bilder der Gemäldereihe ‚Die schlafenden Frauen’ zeigt ihr eigenes Gesicht. Nur, dass nicht Jordan selbst auf dem Bild zu sehen ist, sondern ihre seit längerer Zeit verschwundene Zwillingsschwester. Darüber hinaus drängt sich Jordan beim Betrachten der Bilder die Vermutung auf, dass die portraitierten Damen gar nicht schlafen, sondern tot sind.
Mit ihrer Annahme wendet sich Jordan ans FBI, das sich sogleich um den Fall kümmert. Es gibt so gut wie keine Spuren, mit Ausnahme eines besonderen Pinselhaares, das sie auf einem der Bilder des anonymen Künstlers finden können. Die Spuren führen zur einer renommierten Kunstfakultät und sogleich tun sich vier Verdächtige auf, denen es auf den Zahn zu fühlen gilt. Dabei soll Jordan den Lockvogel spielen, um zu sehen, ob einer der potenziellen Täter sie erkennt und sich mit seiner Reaktion verrät. Ein Spiel mit dem Feuer.
++++ Eindrücke ++++
Wie man es von Greg Iles gewohnt ist, klingt die Inhaltsangabe alles andere als konventionell oder schon mal dagewesen. Iles’ Romane heben sich in Sachen Plot und Umsetzung stets vom Thrillereinheitsbrei ab, mit dem der geneigte Genrefan heutzutage malträtiert wird. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an die Romane des Autors anzusetzen.
Nun, „Infernal“ konnte die Erwartungen diesmal leider nicht erfüllen. Zunächst einmal lässt sich das Buch an, wie andere seiner Romane auch. Man lernt den Protagonisten kennen, erfährt ein paar scheinbar unwichtige Anekdoten aus seinem Leben und wird sogleich in die Geschehnisse geworfen, die man gute 500 Seiten lang begleiten soll. So weit, so gut. Nur leider kann Greg Iles dieses Mal keine so dichte Atmosphäre erzeugen, wie er es in beispielsweise „Blackmail“ oder „Leises Gift“ geschafft hat. Vielmehr merkt man eigentlich von Beginn an, dass der Autor seinen Fokus viel zu sehr auf die eigentliche Ermittlungsarbeit verlegt und dabei die Atmosphäre fast völlig aus den Augen verloren hat. Daher fällt es einem als Leser auch schwer, die gewohnte Spannung zu empfinden, die sich bei Iles’ anderen Romanen doch immer so schnell aufbauen konnte. Stets und ständig fragt man sich, wann das Vorgeplänkel denn nun vorbei sei und die eigentliche Handlung beginnt. Leider muss man festhalten, dass der gesamte Roman „Infernal“ den Eindruck eines Vorgeplänkels erweckt. Die gesamte Handlung wirkt festgefahren und so, als würde sie sich nur an einem Punkt aufhalten, ohne sich weiterzuentwickeln und dem Leser wenigstens den Hauch einer Chance auf den so geliebten Aha – Moment zu lassen. „Infernal“ nimmt dennoch bei weitem keine drögen Krimiqualitäten an – aber er ist nahe dran. Denn es passiert schlichtweg gar nichts in diesem Roman. Man kommt der Auflösung des Falles kein Stück näher, bis dann das Ende fast mit einem Knall die Pointe liefert. Ist aber bei Thrillern nicht auch immer der Weg das Ziel? Hier jedenfalls nicht.
Fast zwei Drittel des Romans befassen sich ausschließlich mit der Vernehmung der potenziell verdächtigen Personen. Immer wieder werden die Figuren befragt, immer wieder werden jene Befragungen seitenlang ausgewälzt und nie kommt etwas dabei heraus. Am Ende ist es dann doch wieder ganz anders. Dabei wirkt die Auflösung übrigens ein bisschen sehr abstrus und aus der Luft gegriffen. Sicher, haben Thriller nicht unbedingt den Anspruch nach Realismus. Aber das, was Iles einem hier am Ende auftischt, ist dann doch etwas zu abenteuerlich. All dies zusammen genommen lässt „Infernal“ ein wenig unausgegoren erscheinen und so, als hätte der Autor schnell einen Roman nachlegen müssen, nachdem er mit „@Eros“ und „24 Stunden“ derartige Erfolge hatte. Schade, denn auf diese Weise hat die gewohnte Qualität leider sehr gelitten.
Etwas zäh wird der Roman auch durch viel Geschwafel aus der Kunstszene. Sicher ein wichtiger Punkt, geht es doch immerhin um eine Gemäldereihe, die offenbar hochwertig produziert wurde. Aber so viel Gefachsimpel wie hier hätte dann doch nicht sein müssen. Außerdem greift Iles einmal zu oft die gängigen Klischees von Künstlern auf und verwurstet sie. Hinzu kommen Gespräche über Einsätze in Vietnam, an denen zumindest zwei der Hauptfiguren beteiligt waren. Auch hier werden sicherlich mehr Klischees bedient als Wahrheiten vermittelt. Das Geschilderte erinnert einmal mehr an Dutzende Antikriegsfilme. Einen Mehrwert für den Plot an sich hat dies alles aber leider nicht.
Wie von Greg Iles bisher gewohnt, ist auch dieser Roman wieder aus Sicht der Hauptfigur geschrieben. Dies erzeugt eine Vertrautheit zwischen Leser und Protagonist sowie die Tatsache, dass man sich selbst als Leser den Geschehnissen deutlich näher fühlt. Außerdem gibt es dem Autor die Chance, die Gefühle und Gedanken der erzählenden Person deutlich plastischer und realer wirken zu lassen. Ansonsten ist der Schreibstil recht schnörkellos. Der Roman liest sich flott und ohne größere Längen. Rein vom Ausdruck her gibt es keinerlei Schnitzer, bis auf die Tatsache, dass weibliche Figuren stets mit dem Artikel ‚die’ und dem Nachnamen genannt werden. Merkwürdigerweise geschieht dies auf diese Weise mit männlichen Figuren nie. Allerdings kann man dies auch auf die Übersetzung schieben, weshalb ich kein all zu großes Gewicht darauf legen möchte.
Wie man vielleicht anhand der Perspektive vermuten könnte, aus der der Roman geschrieben ist, hat zumindest die Hauptfigur Jordan Glass einen gewissen Tiefgang, sodass man keinerlei Probleme damit hat, sich vorzustellen, was genau für ein Mensch hinter der erfolgreichen Fotojournalistin steckt. Jordan Glass war bereits in allen Krisengebieten dieser Welt und hat dort Fotos gemacht. Dabei ist sie in die gefährlichsten Situationen geraten, die man sich vorstellen kann. Statt die Frau zu brechen, hat dies alles sie jedoch stärker gemacht – zumindest äußerlich. Denn seit dem Verschwinden ihrer Zwillingsschwester nimmt sie ständig Schlafmittel, um die Alpträume zu vertreiben. Neben einigen FBI – Agenten sowie einem äußerst unfreundlichen Psychologen, spielt John Kaiser noch eine nicht unbeträchtliche Rolle. John Kaiser ist ein alt gedienter Vietnamveteran, der inzwischen beim FBI arbeitet. Ähnlich wie Jordan Glass ist auch er äußerlich der eiskalte Special Agent. Innerlich hat Vietnam für ihn –wie er sagt- aber nie ein Ende genommen. Zwei verletzte Seelen also – wie passend.
Alles in allem hat mich „Infernal“ recht gut unterhalten. Allerdings reicht der Roman nicht an die weiter oben genannten Werke des Autors heran, was ich sehr schade finde. Hat Iles doch immerhin das Potenzial bewiesen, eine dichte Atmosphäre und unheimliche Spannung zu schaffen. Vor allem hier hätte sich angesichts des intelligenten und ungewöhnlichen Plots doch sicher so einiges angeboten. Daher gibt es von mir an dieser Stelle auch nur durchschnittliche drei Sterne sowie eine eingeschränkte Empfehlung. Iles Fans ist „Infernal“ sicher zu empfehlen. Wer allerdings mit anderen Büchern des Autors schon so seine Probleme hatte, der sollte hiervon erst Recht die Finger lassen.
24.08.2009 02:57
Hallo Kapitän, nett dich hier wieder zu treffen, wie immer ein Klasse Bericht Lg bagihra
13.08.2009 19:27
bh & lg
07.08.2009 21:50
Dann lieber nicht.