Informatik GK

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Informatik, oder Datenverarbeitung wie es auch oft genannt wird, haben heutzutage viele Gymnasiasten als Grundkurs. Sei es oft freiwillig, wenn man auf ein allgemeinbildendes Gymnasium geht oder sei es ein verpflichtender Teil des Abitur, wenn man seinen Abschluss auf einen beruflichen Gymnasium ... Bericht lesen





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Erfahrungsbericht von twicer über Informatik GK
22.07.2003


Produktbewertung des Autors:   

Arbeitsaufwand: arbeitsintensiv 
Schwierigkeitsgrad der Ausbildung: schwer 
Prüfungsanforderungen: hoch 

Pro: Theoretisch der Erwerb berufsrelevanter Kenntnisse
Kontra: Oftmals die Praxis

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Informatik, oder Datenverarbeitung wie es auch oft genannt wird, haben heutzutage viele Gymnasiasten als Grundkurs. Sei es oft freiwillig, wenn man auf ein allgemeinbildendes Gymnasium geht oder sei es ein verpflichtender Teil des Abitur, wenn man seinen Abschluss auf einen beruflichen Gymnasium macht.

Einen wirklich objektiven und vorstellenden Bericht über einen Informatik Grundkurs an sich zu schreiben ist nahezu unmöglich, da sich der behandelte Stoff nicht nur von Land zu Land, sondern meiner Erfahrung nach sogar von Schule zu Schule unterscheidet. Gleichwohl wollte ich einmal einen rein subjektiven Bericht über meine Erfahrungen bezüglich Informatik Unterrichts schreiben.

Ein sicherer Umgang mit dem Computer ist eine wichtige berufliche Schlüsselqualifikation und so möchte man doch mein, dass unsere Schulen diesem Problem mit ausführlichen und niveauvollen Unterrichtsstunden begegnet. De facto hatte ich meinen ersten Computerunterricht in der Realschule bereits in der siebten Klasse. Ich kann mich daran noch sehr gut erinnern, es war eine mehr als leidvolle Erfahrung durch die ich allerdings noch einige höchst nette Kenntnisse erworben habe. Obwohl Windows95 nämlich bereits auf dem Markt und Standard war, benutzen wir armen Schüler noch Windows 3.11 und schrieben ewig lange DOS Befehle ab. Die ersten Unterrichtsstunden befassten sich dann mit so unglaublich sinnvollen Themen wie dem Benutzen von Paint und Word. Da im Grunde niemand großen Bock hatte, verliefen die Stunden oft nach dem Motto „nach 30 Minuten hör ma auf und den Rest könnt ihr dann spielen“. Toll. Immerhin habe ich dadurch noch Nibbles, Mahjong, Tetris und Solitaire richtig kennen gelernt. Nach einem weiteren ebenso nutzlosen Jahr war dann Sense mit Informatik. Das muss aber auch gefälligst ausreichen! Was bilden sich die Schüler auch ein mit Computern herumzuspielen!

Da ich mehrere Verwandte auf anderen Schulen habe/hatte, weiß ich das man auch heute noch auf Real- und Hauptschulen in Baden-Württemberg ein absolutes Minimum an Computerkenntnissen beigebracht bekommt. Eine sinnvolle Vorbereitung auf den Beruf ist zumindest meiner Erfahrung nach keinesfalls gegeben. Das soll gleichwohl nicht heißen, dass humanistische Gymnasien eine große Ausnahme bilden würden. Dort gibt es zwar ein entsprechendes GK Angebot, neben so „wichtigen“ berufsqualifizierenden Fächern wie Astronomie, Philosophie und Literatur, gleichwohl ist es auf freiwilliger. Auf beruflichen Gymnasien allerdings ist das Ganze ein Pflichtfach von dem 2 Kurse auch verpflichtend ins Abitur eingezählt werden müsse.

Da ich nach dem erfolgreichen Abschluss einen wirtschaftswissenschaftlichen Zweig der Beruflichen Gymnasien besuchte, waren entsprechende Erwartungen meinerseits gegeben und in der Tat in der elften Klasse wurde vieles besser. Unser Lehrer Herr G. hatte zwar in vielen Computer Gebieten weniger Ahnung als seine Schüler (nicht bös gemeint), aber in den von ihm angesprochenen Themen wie Excel, Picture Publisher, Access, Word und Power Point machte er eine sehr gute Figur und konnte uns viele Kenntnisse vermitteln. Vor allem wichtig daran: Es wird heutzutage vor allem in kaufmännischen Berufen ein sicherer Umgang mit Office Programmen erwartet!

Nach der doch sehr zufriedenstellenden 11. Klasse, in der ich zweimal eine 1 erreichen konnte, hatten wir vor der 12. Klasse eine Auswahl aus insgesamt 5 verschiedenen möglichen Computerkursen, aus denen wir einen verpflichtend für die zwölfte Klasse auswählen mussten.

Da wäre 1. ein Kurs über HTML und das Internet allgemein. Der Ablauf dieses Kurses war sehr stark vom Lehrer abhängig. Während Herr E. HTML eher am Rande behandelte und sehr stark auf das Internet einging und Grundkenntnisse wie das Suchen mit google oder das Einrichten von Web Adressen vermittelte- und nebenbei sich natürlich über wahnsinnige Klassenarbeitsdurchschnitte freuen durfte-, so war dieser Kurs ein Jahr später unter Herr M. fast ausschließlich HTML, mit entsprechend niedrigeren Noten.

2. gab es ein klassisches Basic Angebot. Da die meisten Schüler bereits entsprechende Vorerfahrungen mit dieser Programmsprache gemacht hatten, war der Kurs eher spärlich besucht.

Als dritte Option gab es einen GK, der sich mit CAS und mathematischer Informatik beschäftigte. Dieser Kurs war vor allem für Mathe LK und Physik GK Leute eine gute Option. Ich als SoWi und Sprachen Fan nahm natürlich davon Abstand.

Als vierte Option war Excel im Angebot. Ist ja eigentlich recht selbsterklärend das Ganze. Nachdem ich mich in der zwölften verwählt hatte, wurde dies mein Kurs in der dreizehnten Klasse. Dazu aber später mehr.

Tja und als fünfte Option, die ich Narr dann auch gewählt habe war ein Java GK im Angebot. Nun dachte ich mehr: „Du kennst dich doch gut am Computer aus und entsprechende Vorkenntnisse hast du ja auch“ Was habe ich mich geirrt. Die beiden Halbjahre waren wohl mit Abstand das deprimierernste was ich in meiner Bildungslaufbahn bisher erlebt habe. Unser Lehrer Herr M. unterrichte Java zum ersten Mal als Informatik GK und ohne jetzt nachträglich Dreck auf ihn werfen zu werfen: Das merkte man auch deutlich

Herr M. (nicht zu verwechseln mit meinem Herrn M. aus Bio) war kein übler Kerl. Wenn etwas mal nicht klappte (also 95% der Stunde) war er immer sofort zur Stelle und half den Schülern bei Problemen im Quelltext. Als ich eines Tages die erschreckende Meldung „Ihr Account wurde gesperrt. Melden sie sich bitte an den Systemadministrator erhielt“ und sich herausstellte das Herr Mackert derselbe war (oder auch nicht Herr J. ?) verlief das Ganze doch sehr konstruktiv. Auch war weniger das Problem, dass Herr M. mangelnde Qualifikationen in diesem Fach gehabt hätte, ganz im Gegenteil das Problem war eher, dass Herr M. sein gewaltiges Wissen, was er innerhalb von Jahren erlernt hatten, in wenigen Stunden in uns reinquetschen wollte.


Bereits in der zweiten (!) Stunde beschäftigen wir uns mit einem voll strukturierten Programm mit mehreren Do While und For Schleifen. Der Name des Programms „Vulcano Robot“ ist mittlerweile zu einem Running Gag unter uns Absolventen des GK geworden, da bereits dies der Punkt war wo eigentlich kein Mensch mehr etwas kapiert hatte und die Flinte ins Korn für diesen GK warf. Einige Mitschüler tauchten gar nicht mehr auf, andere sagten resigniert „Geben sie mir einen Punkt und die Sache ist in Ordnung“ Ich selbst war der Verzweiflung auch mehr als nahe. Die erste Arbeit brachte mir sage und schreibe 4 Punkte bei einem Durchschnitt von ebenfalls 4 (oder noch weniger ?) Punkten. Herr M. war dermaßen darüber entsetzt, dass er nicht nur jede einzelne Arbeit eines Schülers ausführlich kommentierte, sondern auch einen Nachholarbeit ansetzte.

Nun muss ich zum Verständnis hinzufügen, dass man natürlich nicht alleine an einem Computer, sondern zu weit oder sogar zu dritt gemeinsam arbeiten musste. Mich traf dabei das Los zusammen mit meinen wohl besten Freunden an dieser Schule an einen Computer zu sitzen. Das Problem dabei war: Wir waren (oder sind?) alle 3 ziemliche Kindsköpfe und machten jede Menge Blödsinn in den Java Stunden, so dass zumindest unsere schlechten Noten auch daraus resultieren könnten.

Bei der ersten Arbeit jedenfalls hatte es uns alle 3 ziemlich abgewatscht. Deshalb mussten 2 von uns zu dieser tollen Nacharbeit antreten. Ich erreichte sage und schreibe 2 Punkte (mein schlechtes Ergebnis in der Oberstufe überhaupt), mein Kamerad machte seine zweite Nullrunde und das war jetzt schon etwas problematisch, denn wie jeder Abiturient weiß, darf man keinen Pflichtkurs mit 0 Punkten versauen, sonst wars des mit Abitur. Tja und dann kam die zweite reguläre Arbeit und wir ham alle Theorie gelernt wie die Pest. Praxis trainieren konnten wir praktisch nur in den Unterrichtsstunden. Herr M. hatte uns zwar alle Java für zu Hause beschafft und ein passendes PDF Buch („Java ist auch eine Insel“) dazu, nur brachte das recht wenig, da der im Unterricht behandelte Stoff nur selten auf Arbeitsblättern ausgegeben wurde und wir in der Schule nur in einem Raum überhaupt Zugriff auf einen Run Java Programm hatten. So wurde auch meine dritte Arbeit zu einem halben Desasters, da ich alle Theorie aber auswendig konnte kam ich irgendwie auf 8 Punkte und auch mein Kamerad kam noch irgendwie auf 3 Punkte und schaffte das erste Halbjahr. Die Bilanz und das Zeugnisergebnis waren sage und schreibe 5 Punkte bei mir und das warf mich erst einmal in eine kleine Sinnkrise. Ich war zwar traditionell schon immer in Sport eine absolute Niete, aber so schlecht war ich selbst in diesem Fach längst nicht gewesen.

Tja und dann kam das zweite Halbjahr. Ich befürchtete von Anfang an das Schlimmste und es traf alles ein. Auch diesmal blickte ich eigentlich überhaupt um was es beim Programmieren in Java eigentlich ging und auch diesmal ging die erste Arbeit mit 4 Punkten wieder dermaßen in die Hose. Was mich obgleich wunderte, war dass einige Klassenkameraden durchweg zweistellige Punktzahlen schrieben obwohl sie auch keine Ahnung vom Thema hatten und in der letzten Arbeit durchschaute ich dann den Trick und schrieb beim Thema „Benutzeroberflächen erstellen“ wie durch ein Wunder auf einmal 12 Punkte und kam so im Zeugnis auf 8 Punkte. Wie das geht? Sagen wir es einmal so: Ich war anscheinend immer viel zu ehrlich in meiner Schullaufbahn

Die zwölfte Klasse war also rum und ich hatte insgesamt nur 13 Punkte aus 2 Kursen erreicht – ein absolutes Desaster, wenn man bedenkt, dass ich 2 Informatik Kurse fürs Abitur brauchte. Also frisch ans Werk und einen neuen GK für die dreizehnte Klasse gewählt. Meine Wahl fiel auf Excel und ich hatte das Vergnügen das letzte Schuljahr des Herrn Z. als Schüler mitzuerleben. Über Herrn Z. kann ich nicht viel schreiben, weil wir ihm alle versprechen mussten, dass wir Stillschweigen bewahren. Nur soviel Herr Z. verlangte einerseits sehr viel Leistung von seinen Schülern, pflegte anderseits aber doch einen sehr kollegialen Umgang. Seine Kommentare zu diversen Lehrerkollegen genießen ebenso Kultstatus wie sein etwas aufbrausendes Temperament. Herr Z. wird in der schülerinternen Abschlussumfrage in den Kategorien „bester Unterricht“ und „beliebtester Lehrer“ seit Ewigkeiten immer weit oben geführt. Das sagt vielleicht mehr aus, als dass was ich hier sagen kann.

Dank Herrn Z. konnte ich mir intensive Kenntnisse in Excel verschaffen. Insbesondere eine ausführliche Behandelung von Macros in Excel war sehr hilfreich und interessant ;-) So stellte ich mir Computerunterricht eigentlich immer vor und im letzten Jahr bekam ich dann auch ein Beispiel, dass einem ein Informatik GK in der Schule wirklich etwas bringen kann und damit meine ich nicht nur gute Punktzahlen, die ich dann mit 13 und 14 Punkten auch erreichte.

Trotz allem bleibt aus meiner Sicht ein zwiespältiges Bild über das Vermitteln von Informatik Kenntnissen im Schulunterricht allgemein und im Informatik GK im speziellen. Demzufolge kann ich den Kurs zwar weiterempfehlen, gebe aber nur 3 Sterne. Wer sich für einen Informatik GK interessiert sollte sich hier noch stärker als in sonstigen Fächern darüber informieren welcher Lehrer den Kurs anbietet und sollte anbei die Finger von Java lassen ;-), dann kann eigentlich so viel nicht schief gehen. Dennoch bräuchte es hier dringend Reformen um einen allgemeinen Lehrplan durchzusetzen und das Fach auch abseits von beruflichen Gymnasien zum Pflichtfach zu machen. Die stärkere Berücksichtigung des Faches „Wirtschaftsinformatik“ ist hierbei schon ein guter Ansatz.

© twicer
   
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