Neues Haus, neues (Un)Glück.
29.07.2011
Pro:
einige gelungene Schreckmomente, Auflockerungshumor, überzeugende Darsteller
Kontra:
meine Erwartungshaltung Dank der Werbung zu hoch; driftet mehr gen unzufriedene - Geister - buhu ab
 Cosmay
Über sich:
"Niemand kann mich zwingen, auf seine Art glücklich zu sein, sondern ein jeder darf seine Glück...
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 91 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Der Umstand, dass ein Film bereits in den ersten Wochen mehr einspielte (über 90 Millionen Dollar) als dessen Herstellung gekostet (lediglich 800.000 Dollar) hat.... tja.... das heißt ja leider nicht, dass der Film dann zwangsläufig auch gut ist. Ist natürlich alles buchstäbliche Ansichtssache; doch unmittelbar nachdem frisch aus dem Kino zurückkehrte, fiel mir wieder arg ein, was mich genau dorthin bewogen hat: der Name James Wan und der werbende Vergleich zu „Paranormal Activity“. Was nichts dran ändert, dass
“Insidious“ einfach nur ein mittelprächtiger Abklatschschocker ist, den ich mir mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht nochmal ansehen werde. Tatsächlich begann der Grusel-Mystery-Thriller recht atmosphärisch, erinnerte nicht nur vom buchstäblichen Haus aus an „Paranormal Activity“ ~ Bücher entfernen sich selbstständig aus dem Regal, Notenblätter verschwinden, seltsame Geräusche dringen durchs Babyphon... hat man alles schon gesehen, hat einen alles schon begruselt; doch eine Gänsehaut entsteht hier trotzdem. Es dauert nicht lang, bis der älteste Sohn Dalton (Ty Simpkins) in dem neuen Haus auf dem Dachboden herumtollt. Die im Wohnzimmer befindlichen Eltern Renai Lambert (Rose Byrne) und Josh (Patrick Wilson) hören einen Schrei und unmittelbar darauf ein Poltern ~ Dalton stürzte von der Leiter, scheint sich jedoch im ersten Augenblick nichts getan zu haben. Nichtsdestotrotz wacht er am Folgetag nicht mehr auf; liegt sogar 3 Monate später noch in einem rätselhaften Koma. Während sich Josh mehr und mehr von seiner Familie zurückzieht und alles tut, um nicht nach hause gehen zu müssen, bemerkt Renai mehr und mehr undefinierbare Vorgänge im Haus. Schatten huschen durch das Haus, Stimmen und Schritte sind zu hören, Alpträume beginnen. Als auch der jüngste Sohn Foster (Andrew Astor) sein Zimmer nicht mehr mit Dalton teilen will, weil dieser ihn durch ominöse nächtliche Wanderungen vom Schlaf abhalten soll, sieht Renai nur noch einen Ausweg: der sofortige Auszug aus dem vermeintlichen Geisterhaus.
Doch auch hier hat sie die Kartons noch nicht ganz ausgepackt, als die bedrohlichen Erscheinungen nicht lange auf sich warten lassen....
Die Umsetzung überrascht erfahrungsgemäß mehr, je weniger man von der eigentlichen Story bzw. dem detaillierten Inhalt weiß. Fakt ist jedoch, dass zumindest ein beachtlicher Teil der Zuschauer, die hier wirklich auf eine Art Film rund um paranormale Aktivitäten gehofft haben ein wenig von ihrem vorgepflasterten Denk-Weg abrücken müssen. Soll heißen: die Überraschung, dass es nicht am Haus selbst, sondern vielmehr an Dalton selbst liegt, was hier völlig aus den Fugen geraten ist, ist im Grunde nicht lange eine. Ohne lange drumherumzupalavern oder den Zuschauer allzu sehr in die Irre zu führen, wurde in „Insidious“ ebenfalls eine Figur eingewoben, die mitsamt ihrem Ghostbuster... entschuldigung, mit ihrem Forscherteam Tucker (Angus Sampson) und Specs (Leigh Whannell) auf Ursachenerkundung geht. Schnell ist der überzeugten Esoterikerin Elise (Lin Shaye) klar, dass es sich hier um eine Art transzendente Astralreise handeln muss.
Soll heißen: Dalton besitzt die Gabe, in das Reich der Toten hineinzublicken und dieses zu betreten ~ sein Koma basiert darauf, dass diverse Seelen nun versuchen, Besitz von dem Körper des Jungen zu erlangen, um zurück auf Erden wandern zu können. Buhu. Nicht wahr?
Zugegeben, zusammengefasst klingt dies nun wahrlich alberner, als es im Film selbst der Fall ist. Bezüglich zwei oder gar drei Szenerien bin ich mir zwar nicht ganz einig, ob der dargebotene Humor freiwilliger oder doch unfreiwilliger Natur ist ~ für eine gewisse amüsierte Auflockerung sorgte die selbstgebastelte Maske seitens Elise allerdings unabstreitbar. Schock- und förmliche Zusammenzuckmomente liefert „Insidious“ zuhauf ~ für schwache Nerven ist der Film somit nichts. Schon allein dadurch, dass man in jeder Ecke ein weiteres Auftreten einer Schattengestalt, eines Dämons oder eines anderen Geistes erahnt, ist die Anspannung für den Zuschauer enorm. Kombiniert mit einer Musik, die sich direkt in den Gehörgang frisst, entsteht eine Stimmung, vor der einzelne Zuschauer förmlich flüchten wollen, gleichermaßen dennoch gebannt auf die Leinwand starren. Ein paar Klischees bediente James Wan nicht nur der Form halber ~ zu sehr ist bereits bekannt, dass gerade die Momente, in denen man weiß, dass gleich etwas passieren wird die unaushaltbarsten sind.
Die Idee, durch Joshs Mutter Lorraine (Barbara Hershey) eine Art Nebenhandlung einzuweben, ist meiner Meinung nach nicht die schlechteste ~ dass auch hier der direkte Vergleich zu „Paranormal Activity“ gezogen werden kann, nicht einmal dramatischer, sondern vielmehr dramaturgischer Natur. Bedauerlicherweise driftet das Gesamtwerk jedoch vereinzelt zu sehr gen „The Cell“ ab, erinnerte mich persönlich sogar an den dortigen Hauptcharakter. Nicht nur die Lösung liegt auf der Hand, sondern überdies der Ausgang des Filmes ~ zu lange und zu offensichtlich dauern die Details an, die nahezu in gefühlter Zeitlupe abzulaufen scheinen und somit haarscharf an der Grenze zum Überreiz-Status vorbeischlittern. Bereits an dieser Stelle kann, will und werde ich dem potentiell Interessierten nichts weiteres an inhaltlichen Vorgängen offenbaren. Besonderes Schmankerl für Insider natürlich der förmliche Gastauftrit Leigh Wannels als etwas schrulliger Assistent, der in seiner Rolle gerade durch seinen Kollegen für den ein oder anderen Schmunzler sorgt. Staubtrocken ist „Insidious“ somit nicht; darüber hinaus überzeugen die Darsteller allesamt in ihrer jeweiligen Rolle derart intensiv, so dass ich fast vergessen könnte, dass es meiner These nach zu offensichtlicher Aspekt ist, die jüngste Tochter nur aus dem Grund auftreten zu lassen, damit ein Babyfon gerechtfertigt wäre. Und es funktioniert ja auch immer wieder gut ~ knarzende Geräusche und vermeintliche Stimmen, die Mami in Panik versetzen, während Papi abwinkt und was von Störgeräuschen murmelt.
Ja, es funktioniert... generell funktioniert in „Insidious“ so einiges, was mich somit vor mein eigenes Rätsel stellt, warum mir das Gesehene schlussendlich nicht wirklich gefallen hat. Selbst nachdem ich nunmehr eine Nacht darüber gegrübelt und irgendwann eben auch geschlafen habe, kann ich es kaum begründen. Schätzungsweise involviert „Insidious“ zu viele Details, die man von anderswo schon gekannt hat und stellte sich mit der überbordenen Bewerbung selbst ein kleines Beinchen. Durchaus kann man die Geschichte als tückisch, hinterlistig und in sich selbst komplex bezeichnen ~ gleichermaßen jedoch ahnt der Zuschauer früh, dass er sich eigentlich nur an „Poltergeist“ erinnern müsste. „Folge meiner Stimme“ hat schon damals als Dreh-, Angel- und (Er)Rettungspunkt fungiert ~ und scheuchte ebenfalls die Zuschauer unter die nächstgreifbare Garderobe.
Wer unbedingt auf Dämon komm raus einen psychologischen Aspekt in der Geschichte finden will, der kann sich natürlich darauf konzentrieren, dass Josh keine Fotos von sich mag, generell vor Problemen und nicht zuletzt sich selbst zu fliehen versucht und die Ehe auf der Kippe zu stehen scheint. Darüber hinaus könnte man sich sogar daran festbeißen, dass Dalton sich die Familienalben nicht selbständig angucken soll und wenig später auf dem Dachboden herumkaspert, der laut einer von mir gelesenen Kritik aus Symbol für die elterliche Psyche agieren soll. Wie gesagt ~ wer sucht, der wird finden. Dass ich jene Deutung für etwas arg überinterpretiert halte, ist natürlich nur meine persönliche Meinung. Nicht zuletzt jedoch hätte „Insidious“ für meinen Geschmack durchaus etwas mehr in die Tiefe gehen können; jene familiären Konflikte nicht nur in kleinen Gesprächsfragmenten oder körperlichen Rückzügen andeuten sollen.
Summa summarum macht man mit „Insidious“ sicherlich keinen definitiven Fehler; erhält hier jedoch an für sich lediglich ein weiteres Gruselfilmchen nach altbewährtem Strickmuster, welcher darüber hinaus im Kino unbestreitbar mehr wuppt als auf der heimischen Glotze.
Für mich somit 6,50€ Eintritt, die ich nicht bereue ~ die spätere DVD hingegen ist mir schon jetzt schlicht und ergreifend nahezu gleichgültig. Demnach: weitere meinerseitige Warterei auf den Start von „Paranormal Activity 3“ sowie eine Neutralitätsempfehlung.
Bilder von Insidious (2011)
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05.05.2013 01:52
Am Anfang fand ich diesen Film ziemlich gruselig, aber dann ist er zunehmend alberner geworden (Reizüberflutung).
04.10.2011 08:27
So nun aber ;o)
21.08.2011 18:11
Schade, der Film hatte in unserer Tageszeitung gute Kritiken... BH und LG Billy