Chinesische Geschichtsstunde
17.02.2012
Pro:
siehe Bericht,
Kontra:
siehe Bericht,
Empfehlenswert:
Ja
 atrachte
Über sich:
...
Mitglied seit:09.04.2004
Erfahrungsberichte:1153
Vertrauende:119
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 92 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
n China kennt wohl jedes Kind Yip Man bei Namen, zählt der Kampfkunst-Lehrer doch zu den größten Nationalhelden der neueren Zeit. Internationale Bekanntheit wurde dem posthum mit dem Titel Großmeister des Wing Chun ausgezeichneten Yip Man außerdem als Lehrmeister von Bruce Lee („Der Mann mit der Todeskralle“, „Bruce Lee – Die Todesfaust des Cheng Li“) zuteil. Kein Wunder also, das die chinesische Filmindustrie durchaus ein Interesse daran hat, das Leben des Meisters zu verfilmen. Angenommen hat sich diesem Vorhaben Action-Spezialist Wilson Yip („Kill Zone“, „ Kill Zone S.P.L.“) der mit seinem schlicht als „Ip Man“ betitelten Film zwar einen technisch einwandfreien Martial-Arts Streifen abliefert, der es mit historischen Fakten jedoch nicht sonderlich genau nimmt. In den 1930er Jahren gilt Foshan als Mekka der chinesischen Kampfkunst-Welt. Aus dem ganzen Land kommen Kämpfer verschiedenster Stile in die Stadt um sich mit den dort ansässigen Meistern und ihren Schülern im Kampf zu messen und Neues zu lernen. Auch Ip Man (Donnie Yen) gehört zu den großen Meistern, genießt, anders als seine Kollegen, jedoch lieber ein ruhiges Leben mit seiner Familie in einem abgeschiedenen Haus, anstatt eine eigene Schule zu errichten und sich Schüler zu nehmen. Doch als japanische Truppen im Jahre 1937 in China einfallen und bald auch Foshan belagert haben, ändert sich für die Menschen das Leben komplett. Auch Ip Man und seine Familie sind fortan gezwungen jeden Tag zuzusehen, wie sie an ihr Essen kommen. Die japanischen Besatzer unter General Miura (Hiroyuki Ikeuchi) bieten den Chinesen derweil an für einen Sack Reis gegen sie in der Kampfkunst anzutreten. Auch ein alter Freund von Ip Man macht bei einen dieser Kämpfe mit, wird jedoch von Miura getötet. Als Ip Man davon erfährt, stellt er sich den Japanern in den Weg...
„Ip Man“ zählt aus technischer Sicht eindeutig zu den besten Genre-Beiträgen, welche das Martial-Arts Kino in den letzten Jahren gesehen hat. Die Kämpfe – von denen es im vorliegenden Fall reichlich gibt – sind stets sehr Variationsreich, fantastisch Choreografiert und mit einer sehr dynamischen Kameraarbeit festgehalten worden, sodass Freunde von Kampfkunst-Filmen aufpassen müssen, dass ihr Herz vor überschäumender Freude nicht in tausend Einzelteile zerspringt. Als kurzweiliger Actionfilm ist der Arbeit von Wilson Yip also in keinster Weise etwas anzulasten. Allerdings will sein „Ip Man“ viel mehr als unterhaltsame Actionkost sein und erhebt den Anspruch auch als historisches Biopic durch zu gehen. Allerdings bringt dieser Umstand einige Probleme mit, die nicht ganz einfach von der Hand zu weisen ist. Das kleinste Problem ist dabei wohl noch, dass das Leben von Yip Man selbst alles andere als korrekt wiedergegeben wird und sich schnell das Recht nimmt als ernsthafte filmische Abhandlung über das Leben seines Protagonisten durchzugehen. Allerdings kann man über diesen Wermutstropfen noch wohlwollend hinwegsehen, denn auch wenn man den ganzen Film über kaum etwas über die historische Figur Yip Man (noch über die Philosophie des Wing Chun) erfährt, so dämpft dies kaum das eigentliche Filmvergnügen. Anders sieht es dann schon aus, wenn „Ip Man“ ab der zweiten Hälfte plötzlich zur japanophoben Geschichtsverdrehung verkommt in der mal unterschwellig mal direkt das chinesische Volk als vollkommen überlegen dargestellt wird, die japanischen Besatzer als grausame Unmenschen stigmatisiert werden und man schließlich auch noch behauptet das China den Zweiten Weltkrieg gewonnen hätte. Nun muss letztlich Jeder selbst für sich abwägen, inwiefern er einen solchen Umstand bewertet. Geschichtskundigen Zuschauern bleibt immerhin das Instrument der distanzierten Sicht auf die im Film verbreiteten Fakten.
Darüber hinaus steht auch die erzählerische Qualität des Filmes auf wackeligen Beinen, so sind sämtliche Szenen im Prinzip darauf ausgerichtet schnellst möglichst wieder Kampf-Sequenzen einzustreuen, was vor allem an der Tatsache deutlich wird, das die Charakterzeichnung sehr schwach ist und nicht einmal Hauptdarsteller Donnie Yen („Hero“, „Sieben Schwerter“) wirklich die Chance bekommt, seinem Ip Man mehr als nur den sympathischen Kämpfer abzugewinnen. Was die Qualitäten der Darsteller als Kampfkünstler angeht, so gibt es jedoch keinerlei Mankos zu berichten. Unterm Strich ist „Ip Man“ also ein einwandfreier Martial-Arts Film mit wunderbaren Schauwerten, die Fans des Genres durchweg Glücklich machen werden. Gleichzeitig ist das Werk aber auch ein heroisches Helden-Epos, das es in Hinblick auf seine Botschaft und geschichtliche Wahrnehmung mit Vorsicht zu genießen gilt.
Daten zum Film: Originaltitel: Yip Man (China, 2008) Laufzeit: ca. 105 Minuten FSK: Ab 18 Jahren Regie: Wilson Yip Darsteller: Donnie Yen (Ip Man), Simon Yam (Zhou Qing Quan), Siu-Wong Fan (Jin Shan Zhao), Ka Tung Lam (Li Zhao), Hiroyuki Ikeuchi (General Miura), Chen Zhi Hui (Meister Liao)... 6/10
Aktionen zu diesem Erfahrungsbericht
* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
Verwandte Tags für Ip Man (2008)
|
|
24.02.2012 10:39
Warum nur schreibst Du Adjektive immer wieder mal groß? Das macht doch gar keinen Sinn...;-) IP Man hab ich sogar gesehen, wenn auch nicht ganz freiwillig. Ich kann solchen Filmen aber einfach nicht viel abgewinnen, obwohl Donnie Yen gut gespielt hat.
20.02.2012 09:51
eine hübsche Entdeckung für mich...bin schon gespannt, ob er mir trotz der verqueren historischen Darstellung gefällt;-)
18.02.2012 20:23
Hab es nie gesehen, müsste man ändern, LG