Schweine im Weltall
11.04.2012
Pro:
durchaus witzig, zieht alles durch den Kakao
Kontra:
Schwächen im Mittelteil, teilw . hart an der Grenze
 Jean-Luc_Picard
Über sich:
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Genauer gesagt: Nazischweine im Weltall! Das ist schon so eine Sache mit dem Internet: da treffen sich Leute, die eine kuriose Idee haben und schon entsteht ein Kinofilm daraus. Auf der Seite ironsky.net kann man vieles über diese Gemeinschaft erfahren. Und hier entstanden auch erste Szenen des Films, der trotz allem veralbernden Humor manchmal arg an der Grenze des noch Akzeptablen entlangschrabbt. Die Erde im Jahr 2018: In den USA wird ein erbitterter Wahlkampf der Präsidentin (Stefanie Paul) geführt. Mit Hilfe einer Mondmission will sie wieder ins Weiße Haus einziehen. Doch die Mission geht grundlegend schief. Der farbige Astronaut Washington (Christopher Kirby) wird von auf der dunklen Seite des Mondes lebenden Nazis gefangen genommen. Allein sein Smartphone rettet ihn, bietet dies doch die Möglichkeit, den Nazis mit ihrem Raumschiff "Götterdämmerung" wieder zur Erde zurückzukehren. Doch leider ist schon bald der Akku leer und so bleibt den Schergen nichts Anderes übrig, als ihren Nachrichtenoffizier Klaus Adler (Götz Otto) auf die Erde zu schicken, um weitere "Telefoncomputer" zu besorgen. In Begleitung von Renate Richter (Julia Dietze) und dem albinisierten Washington kehren die drei auf die Erde zurück und platzen direkt in den US-Wahlkampf. Ein gefundenes Fressen für die Wahlkampfleiterin (Monika Gossmann), hat doch jeder Präsident mit einem Krieg die Wiederwahl geschafft…
Wenn man die Inhaltsangabe liest, muss man zwangsläufig denken: die müssen bekifft gewesen sein… mindestens! Regisseur Timo Vuorensola liefert einen auf seine Art unglaublichen Film ab, der alles durch den Kakao zieht. Dabei muss der Regisseur aber echt aufpassen, dass es nicht übers Ziel hinausschießt. Das ist ihm auch größtenteils gelungen. Und dennoch waren die Reaktionen des Publikums definitiv gespalten in einigen Szenen. Als Beispiel soll die Ausrüstung der beiden amerikanischen Astronauten herhalten. Astronaut eins hat einen strahlend weißen Anzug an, der zweite Astronaut einen anthrazitfarbenen. Hier gab es schon einige unterschiedliche Reaktionen. Krasser aber wurde es, als die Nazis dem Astronauten Washington den Helm abnahmen und großes Gelächter ob der Hautfarbe durch den Saal schallte, andere aber lautstark verkündeten, was denn daran witzig sei, dass ein Farbiger auf der Leinwand zu sehen sei. Und genau hier liegt auch ein Problem des Films. Mit seinem Humor schrabbt er durchaus an der Grenze des Vertretbaren entlang. Dennoch muss man sagen, dass die Macher des Films sich genauso auf diesen schmalen Grat eingelassen haben wie die Darsteller. Und die sind so was von klischeehaft gezeichnet, dass es "schlimmer" kaum geht. DA haben wir Julia Dietze, die die perfekte arische Frau darstellt, den Ideologien der Nazis ohne Wenn und Aber folgt und erst sehr spät die Realität erkennt. Dietze spielt ihre Rolle aber passend und bestärkt durch ihr Spiel auch diese Klischees.
Götz Otto, der in einem Interview in der TV Spielfilm selbst davon sprach, beim Dreh "manchmal ein wenig Schiss gehabt zu haben", ob das noch okay ist, was da gedreht wird, spielt den aufstrebenden Nachrichtenverbindungsoffizier Adler, der der nächste Führer sein will. Diese Rolle bekommt er gut hin und übertreibt es mit Gestik und Mimik auch nicht so sehr, wie er es hätte tun können. Christoper Kirby als farbiger Astronaut Washington bekommt das meiste Fett ab. Er muss sich zwischenzeitlich albinisieren lassen (er wird ein Weißer) und kann gerade durch diese Verwandlung auch seine Rolle sehr intensiv spielen. Dennoch muss ich sagen, dass die Idee des weiß Werdens doch auch hart am Limit ist. Zum Glück findet Washington ein Gegenmittel.
Richtig gut gefallen hat mir Stefanie Paul als durchgeknallte US Präsidentin… und als anders kann man sie nicht bezeichnen. Einer ehemaligen US Vizepräsidentschaftskandidatin aus Alaska sehr ähnlich sehend spielt sie die machtbesessene Präsident mit einer ziemlichen Intensität, dass man durchaus den Respekt vor dem (angeblich) mächtigsten Amt der Welt verlieren könnte. Die übrigen Darsteller schaffen es, sich passend ins Bild zu fügen.
Also, was Regisseur Vuorensola und die Drehbuchautoren Michael Kalesniko, Johanna Sinisalo und Jarmo Puskala abliefern, ist zum größten Teil wirklich sehr witzig, persifliert wichtige Institutionen der Welt wie die UNO und karikiert auf besondere Weise den US Präsidentschaftswahlkampf. Die Nazis werden grundlegend durch den Kakao gezogen. Dennoch schwächelt der Film im Mittelteil doch arg, die Gags zünden nicht mehr, die Story selbst bietet jetzt auch nicht die Spannung, um darüber hinweg zu helfen. Hinzu kommt, dass es die Macher zu Beginn und gerade am Ende so sehr übertreiben, dass man den Film größtenteils auch nicht Ernst nehmen kann. "Edeltrash" kann man schon dazu sagen. Und genau in diesen Passagen ist "Iron Sky" wirklich gut anzusehen. Da interessiert es auch nicht, woher die Nazis ihre Rohstoffe auf dem Mond haben um a) eine Station in Hakenkreuzform, b) Straßen, Eisenbahnen und Stromversorgung und c) Raumschiffe zu bauen. Geschweige, dass das die Mächte auf der Erde nicht bemerkt haben. Aber gerade das macht ja auch den Sinn diesen Films aus.
Dennoch fehlt dem Werk einiges, um auch eine bessere Bewertung hier zu erhalten. Die Story ist zwar abgedreht, allerdings bietet sie neben den witzigen Sequenzen weder Spannung noch Dramatik und bis zum Ende wird auch an der Action gespart. Das ist ein bisschen dünn für einen Kinofilm. Wenn dann noch hinzukommt, dass der Film auch technische Mängel aufweist, dann tut das selbigem nicht gut. Es gibt nämlich Szenen, die von Ton und Bild irgendwie schlechter sind als andere. Das kann allerdings daran liegen, dass es im Internet schon diverse Szenen auf ironsky.net gegeben hat, die in den Film eingebunden wurden. Deshalb will ich hier mal beide Augen zudrücken.
Von der Kamera her kann Mika Orsmaa durchaus überzeugen. Seine Bilder passen stimmig zur Story, viele Großaufnahmen zeugen von der Überheblichkeit der betreffenden Personen und die Weltraumschlacht am Ende des Films ist gut umgesetzt. Die Musik von Laibach ist passend dazu, viele Stücke sind abgewandelte Richard Wagner Kompositionen, die aber gut zur Thematik passen. Insgesamt gesehen kann ich sagen, dass ich mich durchaus amüsiert habe bei "Iron Sky", der Film aber manchmal hart an der Grenze ist und auch nicht durchgehend überzeugt. Als Persiflage gut gemeint, aber nicht immer gut umgesetzt.
Daten: Iron Sky/ Iron Sky FIN/ D/ AUS 2012 Regie: Timo Vuorensola Drehbuch: Michael Kalesniko, Johanna Sinisalo & Jarmo Puskala Musik: Laibach Kamera: Mika Orsmaa Mit: Julia Dietze, Götz Otto, Christopher Kirby, Stefanie Paul, Monika Gossmann, Udo Kier, Tilo Prückner, FSK: 12 Länge: 92 Minuten
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09.08.2012 23:46
3 Sterne? viel zu grosszügig
03.06.2012 21:39
Ich wollte mir den ja auch noch ansehen, aber habe es bislang aus zeitlichen Gründen nicht geschafft. Ein Kumpel von mir meinte jedoch, dass mir der Film wahrscheinlich gefallen würde. Vielleicht warte ich ja, bis er auf DVD rauskommt!
16.05.2012 22:17
Alles was ich bisher über den Film gehört habe, hält mich davon ab, ihn anzuschauen. Klingt nämlich richtig blöd das ganze