Frühere Reisen führten mich in 7 islamische Länder. Diese sind: die Türkei, Bosnien, Algerien, Ägypten, Iran, Irak und die Insel Bahrain. Dabei blieb es nicht aus, daß ich gefragt wurde, ob ich bereit sei, zum Islam zu konvertieren. Nein, sagte ich, dazu bin ich nicht bereit. Dieser Standpunkt wurde zumindest einmal respektiert. Das führt allerdings auch dazu, daß ich nicht unbedingt ein Experte in islamischer Theologie bin.
In dieser Kategorie habe ich erst einmal den größeren Teil der Berichte gelesen. Einige sind sehr gut und bestätigen Dinge, die ich in der islamischen Welt gehört oder auch erlebt habe. Deshalb werde ich nicht alles wiederholen, was andere vor mir gesagt haben. Ein sh. von mir bedeutet immer, daß ich mit den Aussagen übereinstimme.Wenn man mit Moslems zu tun hat und sich gleichzeitig weigert, deren Religion zu übernehmen, dann kommt man mit zwei Gruppen von Menschen zusammen. Die einen sind westlich orientiert und sehr gebildet. Die anderen sind völlig ungebildet und vertreten einen naiven Volksglauben. Beide sprechen gerne und viel von ihrer Religion, doch meinen sie mehr das Diesseits und weniger das Jenseits.
Der Islam kennt ein Paradies und eine Hölle. Das Paradies wird in ausführlichster Weise beschrieben, während die Hölle nur knapp erwähnt wird. Der Ausblick aufs Jenseits ist eher optimistisch und viele hoffen darauf, daß alles schon gut gehen wird.Viel wichtiger ist die Überlegung, wie sich der Islam hier und jetzt im Alltag auswirkt. Die Terroristen werden fast schon Teufeln gleichgesetzt, denn sie beschmutzen das Bild des Islams. Darin sehe ich auch den wichtigsten Anlaß für meinen Bericht: die Terroristen setzen Vorurteile in die Welt, welche für gläubige Moslems eine Beleidigung darstellen und den Frieden zwischen den Religionen stören. Deshalb halte ich Aufklärung für notwendig.
Das heilige Buch ist der Qur’an. Darin enthalten ist angeblich das reine Wort Gottes, so wie es der Erzengel Gabriel dem Propheten Muhammad mitgeteilt hat. Hier möchte ich einen feinen Unterschied bemerken. Ein gläubiger Moslem ist fest davon überzeugt, daß sich Gott wirklich auf die Weise den Menschen mitgeteilt hat. Ich bin mir da nicht so sicher. Das ist der Grund, warum ich kein Moslem geworden bin. Über alles andere kann man mit mir reden.Dennoch habe ich den Qur’an in Auszügen gelesen. Manche Teile lesen sich fast wie ein Gesetzbuch. Dies ist das heilige Gesetz der Schari’a. Der Islam wartet nämlich nicht darauf, bis Sünder im Jenseits bestraft werden. Die Verbrecher müssen hier und jetzt bestraft werden und der Qur’an sagt näher aus, auf welche Art und Weise das geschehen soll.
Es gibt den Begriff „Dîn wa Daula“. Religion und Staat. Diese sollen nicht etwa getrennt sein, wie wir das kennen, sondern im Gegenteil miteinander verschmelzen. Dahinter steckt ganz erheblich politischer Sprengstoff, der schon in der Vergangenheit zu Streit führte.Eine sehr ketzerische Frage lautet: was passiert eigentlich, wenn das Staatsoberhaupt selbst die Schari’a nicht einhält??? Dann müßte es eine Autorität oberhalb der Regierung mit quasi göttlichen Vollmachten geben, welche in der Lage wäre, selbst einen Staatschef in seine Schranken zu weisen. Nach christlichen Begriffen wäre das ein Superpapst mit militärischen Mitteln. Hier tut sich ein fundamentaler Widerspruch auf: der gleiche Islam behauptet, vor Gott seien alle Menschen gleich.
Wer bitte schön soll der Superpapst sein??? Woher nimmt er seine Legitimation???Allein schon aufgrund dieser Frage entzweiten sich frühzeitig Sunniten und Schiiten. Bei den Sunniten wäre das ein Kalif und bei den Schiiten ein Imam. Wohlgemerkt, das sind nicht nur zwei verschiedene Titel. Gemeint sind unterschiedliche Personen, die eine solche Macht ausüben können.
Jegliche Macht beinhaltet die Möglichkeit der Gewalt. Der Qur’an kennt jedoch nur das Schwert als Waffe. Die Regierungsformen des Kalifats oder des Imamats waren sicherlich im Mittelalter sehr wirksam, als Schwerter die bedeutendsten Waffen überhaupt waren. Mir als Außenstehendem kam das immer schon seltsam vor. Ein Gott soll die Zeilen diktiert haben und dieses höhere Wesen stellt sich nicht vor, daß die Menschen außer Schwertern noch andere Dinge erfinden.Gerade dieser Punkt führt unter Moslems zu ausgiebigen Diskussionen. Gewiß: wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind, dann ist Gewalt ein notwendiges Mittel. Wenn jedoch Schwerter nicht mehr ausreichen, welche Waffen sollen sonst noch erlaubt sein???
An der Stelle werfe ich einen Blick auf die Terroristen. Sie treffen zwar unschuldige Opfer, meinen aber die Regierung. Die Terroristen sehen sich als überstaatliche Gewalt. Jedoch steht nirgendwo geschrieben, daß Bomben und Flugzeuge erlaubte Mittel seien. Genau der Umstand stößt auf die Ablehnung vieler Moslems.Heute teilt sich der Islam in zwei Richtungen. Die Fundamentalisten hoffen auf überstaatliche Gewalt, ohne das Kalifat beim Namen zu nennen. Selbst unter den Fundamentalisten meinen die wenigsten, daß der zukünftige Kalif ausgerechnet Osama bin Laden heißen müsse. Die meisten sind sich über die zukünftige Person uneinig. In einem Punkt sind sie sich wiederum einig: Ein Ausländer und gar ein Nicht-Moslem hat sich am allerwenigsten in die Diskussion einzumischen! Deshalb bekommt man auch kaum Kontakt zu diesen Leuten.
Die anderen, das ist immer noch die überwältigende Mehrheit, nennen sich „modern“. Ich verwende lieber den Ausdruck „pragmatisch“, denn es gibt auch moderne Moslems in Regionen, die uns eher archaisch erscheinen. Jedenfalls halten diese das Kalifat für unrealistisch. Die Gesetzgebung liegt einzig und allein im Ermessen der Regierung, so wie wir das auch kennen. Es gibt Regierungen, welche sich das Etikett der Schari’a anhängen und solche, die es nicht tun. Ich weiß nur, daß die Echtheit solch einer „Schari’a“ manchmal angezweifelt wird und daß Kritiker ins Gefängnisse geworfen werden. Allerdings vermag ich nicht nachzuvollziehen, wieviel an den Vorwürfen wahr ist. (In autoritären Staaten wäre es auch unklug, darüber zu diskutieren).Zur besseren Orientierung teile ich mit, welche Regeln unter Moslems ziemlich einheitlich praktiziert werden und welche sich von Land zu Land unterscheiden.
Typische Verbrecher sind Betrüger, Diebe, Räuber und Mörder. Diese Auffassung ist bei uns nicht viel anders. Es gibt Unterschiede in der Art der Bestrafung. Dabei versteht wohl jeder, daß ich islamische Strafen nicht testen wollte.Die fünf Säulen des Islam wurden in anderen Berichten schon ausführlich erläutert. Nur ganz kurz die Stichworte: 1. Das Glaubensbekenntnis. 2. Tägliche Gebete. 3. Almosen für die Armen. 4. Der Fastenmonat Ramadan. 5. Die Pilgerfahrt nach Mekka. Für Moslems verbinden sich damit Pflichten, die allgemein als Angelegenheit des eigenen Gewissens verstanden werden. Es gilt als unverschämt und taktlos, wenn ein Ungläubiger einem Moslem ins Gewissen redet. Besonders Ausländern gegenüber behauptet jeder anständiger Moslem, daß er seine Pflichten gewissenhaft erfüllt habe. Damit sollte man es auch bewenden lassen.
Während des Fastenmonats Ramadan habe ich bisher noch keine Reise in ein islamisches Land unternommen und ich kann mir schwer vorstellen, daß ich das zukünftig tun werde. Einige behaupten zwar, genau das sei ein besonderes Erlebnis. Ich bin da anderer Meinung. Anstandshalber soll man als Europäer so ein bißchen mitfasten. Das ist nicht Fisch und nicht Fleisch. Religiöse Verdienste erwirbt man sich keine und so betrachte ich das Mitfasten nur als unnötigen Konsumverzicht.Schweinefleisch: dies ist nicht einfach verboten, sondern praktisch nicht zu bekommen. Ich kenne sehr aufgeschlossene Moslems, die noch nie Schweinefleisch gegessen haben und einfach nicht verstehen können, was daran gut sein soll.
Nun die Dinge, die von Land zu Land unterschiedlich gehandhabt werden:Es gibt einen toleranten Islam, welcher besagt, daß Nicht-Moslems erst durch Logik überzeugt werden sollen. Erst wenn sie die Überzeugung teilen, dann lassen sich die Gesetze der Schari’a anwenden. So gesehen sind auch Sondergetze für Nicht-Moslems denkbar. Diese gibt es vor allem in Ländern, die am Tourismus interessiert sind.
Alkohol. Der ist zwar verboten, doch gibt es etliche Moslems, die wissen, was daran gut ist. Die Bestimmungen werden vom Staat erlassen und sind in jedem Land anders.Die Stellung der Frau. Ich habe sogar die Behauptung gehört, ausgerechnet der Islam habe die Gleichberechtigung erfunden. In Wirklichkeit orientiert sich der Umgang mit Frauen am allerwenigsten an religiösen Gedanken. Es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder, der Vater und später der Ehemann entscheidet nach eigenem Gutdünken. Dann kann die Frau immer noch Glück haben, indem sie einen großzügigen Ehemann findet. Es gibt natürlich auch solche, die Pech haben. Oder: der Staat regelt die Stellung der Frau genauer. Es gibt Staaten, die das tun. Ein Beispiel ist die Türkei.
Es ist jedoch unwahr, daß der Islam als solcher den Schleier zwingend vorschreiben würde. Vielmehr wird gesagt, daß der Schleier alle Frauen gleich macht. Es gibt übrigens auch Frauen, welche das gut finden.FAZIT
Der Islam ist eine der wichtigsten Weltreligionen überhaupt. Man muß nicht mit jedem Punkt einverstanden sein. Wer jedoch Kriege ablehnt, der sollte es vielleicht mit Dipomatie versuchen. Das ist auch Moslems gegenüber ratsam.Am allerwenigsten darf man jedoch den Behauptungen von Terroristen trauen. Deren Absicht besteht darin, alle anderen in die Irre zu führen.
Meine Empfehlung bezieht sich weniger auf den Islam als solchen. Sie gilt für Reisen in islamische Länder und für den persönlichen Kontakt mit Moslems.
09.06.2007 02:52
der Islam gefällt mir in vielen Facetten, was ich bedenklich halte, sind die vielen Bekämpfungs-Sätze gegen andersgläubige im Koran. Die Betreffenden sollten das nicht auf die heutige Zeit übertragen, sondern ähnlich den jüdisch-ägyptischen Scharmützeln damals auf die kurzfristige Historie reduzieren ... der Prophet Christus hatte im Neuen Testament niemals gegen Andersgläubige das Schwert empfohlen (selbst wenn Päpste und Inquisition in Nicht-Übereinstimmung seiner Lehre eine Menge Mist gebaut haben, Kreuzzüge waren eindeutig gegen die Lehre des NT, leider aber sind Verfolgungen von Andersgläubigen im Islam gerade in Übereinstimmung mit einigen Aussagen der Propheten des Koran zu lesen, leider ... sehe ich als Vorteil unserer Kultur an ... LG Thomas
12.11.2005 12:48
Ich muss mal in deinem Profil wühlen. Der Zufall hat mich hier hergeführt. War sehr informatv für mich
06.08.2005 12:48
Ein sehr schöner und vor allem ehrlicher Bericht. Allerdings muss ich noch drei Anmerkungen machen! Was das größte Problem ist, egal ob Marokkaner, Türke, Bosnier, Afghane etc.... ist das Kultur und Religion oft vermischt werden obwohl eins meistens nichts mit dem anderen zu tun hat! Zweitens ist die Frau im Qu'ran durchaus gleichberechtigt, wenn nicht in manchen Dingen sogarim Vorteil gegenüber dem Mann. Ein Beispiel ist zum Beispiel die Verdienstmöglichkeiten! Während der Mann sein ganzes Einkommen mit der Frau teilen muss, hat diese falls sie erwerbstätig ist das Recht ihr komplettes Einkommen einzubehalten. Solhe und viele weitere Beispiele werden nur Leider in den Medien totgeschwiegen damit ein feindliches Bild des Islams entstehen kann. Der dritte Punkt ist es gibt keinen Zwang im GLauben, das steht in unserem Heiligen Qu'ran und ist einer der wichtigsten Bestandteile, niemand kann durch den Glauben zu etwas gezwungen werden, alles was man tut sollte aus freien Stücken geschehen, denn was man für seine Religion nicht von Herzen tut, das ist auch nichts wert! Beslama, liebe Grüße