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Anti-Islam-Bootcamp-Film für Extremisten: Fitna

5 30. Mar 2008

Pro:
Für ein friedliches Miteinander zwischen allen Menschen, egal welcher Konfession

Kontra:
Extremisten stören das Miteinander und säen Missgunst und Hass

Empfehlenswert: Ja 

hateimer

Über sich: Mich nerven diese "Ich hab davon auch schonmal gehört"-Kommentare! Wenn ihr die Berichte ...

Mitglied seit:15.09.2000

Erfahrungsberichte:62

Vertrauende:24

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 48 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Die Emotionen schienen schon im Vorfeld der Veröffentlichung derart hochzukochen, dass ein echter Konflikt drohte. Der "Clash of Cultures" schien ein weiteres mal von den Extremisten beider Seiten aufgeladen und für die eigenen Zwecke genutzt zu werden. Dann die Wende: Die Muslimische Gemeinschaft in den Niederlanden ruft zur Mäßigung auf. Es geht um den Film "Fitna" und dessen mögliche Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen West und Ost, Christentum und Islam, Achse des Bösen und Arabischen Staaten.


*** ZUR PERSON ***

Geert Wilders, Macher des kleinen Streifens FITNA gehört dem Niederländischen Parlament an. Er gründete eine eigene Partei, um seine Meinungen noch besser zum Ausdruck bringen zu können. Dabei konzentriert er sich vor allem auf Anti-Einwanderungspolitik, Islamkritik und die mögliche Verhinderung eines Beitritts der Türkei zur EU. Wilders hat unter anderem für Trubel gesorgt, als er sich 2007 zu Mohammed äußerte. Der Prophet sei ein Extremist. In der Zweiten Kammer (der wichtigen Kammer in NL) ist die Partei von Wilders fünftstärkste Fraktion mit fast 6% der Stimmen und 9 Sitzen seit der letzten Wahl.


*** ZUM FILM ***
VORGESCHICHTE
Der Kurzfilm Fitna sorgte ab dem Zeitpunkt der Bekanntgabe seiner Produktion für Furore. Ein extremer Anti-Islamist will rund ein Jahr nach dem heftigen Streit über Mohammed-Karrikaturen einen Film über den Islam drehen - kein Wunder, dass das nicht gut ankommt. Wer schon einmal mit Muslimen gesprochen hat, der wird festgestellt haben: genau wie im Christentum ist auch dort vieles Auslegungssache. Verhütung von Geschlechtsverkehr im Katholizismus verboten? Reine Interpretation, in der Bibel steht das nicht. Der Koran bietet viele Passagen über Barmherzigkeit und Nächstenliebe - und Jesus ist im Islam ein wichtiger Prophet. Wer das nicht weiß und noch nie von wenigstens teilweise guten Seiten des Islam gehört hat, der macht Filme über Hassprediger und kennzeichnet sie als Dokumentationen über den Islam.

GESCHICHTE DES FILMS
Der Film ist z.B. bei Youtube.com zu sehen. Wer "Fitna" und "Wilders" eingibt wird sicher fündig. Dort gibt es das Filmchen in Original-Sprache (Arabisch/ Englisch) mit Niederländischen und englischen Untertiteln zu sehen. Neben den bekannten Mohammed-Karrikaturen werden einige Hassprediger und Koranausschnitte sowie der Anschlag am 11. September 2001 gezeigt. Alles ist darauf angelegt, den Islam als terroristische, menschenfeindliche, hasserfüllte Religions- und Lebensform zu sehen. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

DOKUMENTARISCHER INHALT DES FILMS
Sicher ist der Inhalt des Films nicht erlogen oder auch nur erfunden. Die Ausschnitte sind von Wilders Filmcrew zusammengesucht worden und entsprechen wahren Gegebenheiten. Die Frage ist bloß: Charakterisiert das den Islam? Und warum gibt es dann aufgeklärte Menschen, die zum Islam konvertieren? Mein eigener Onkel ist Muslim, weil er als Entwicklungshelfer 10 Jahre in einem muslimischen Land gelebt hat. Er ist jetzt Hausmeister an einer Grundschule. Seine schlimmste Eigenschaft ist, dass er Raucher war. Ist er aber nicht mehr, weil er Lungenkrebs hatte. Das hätte man auch zeigen können, genau wie die Hassprediger.
Fakt nämlich ist: es gibt stets solche Menschen und andere Menschen. Ich weiß, das ist eine Plattitüde. Aber der Film FITNA ist mindestens genau so platt.
Bisher hat sich kein Fernsehsender bereiterklärt, das Werk auszustrahlen. Das liegt zum einen daran, dass eine gewisse Angst vor islamistischen Racheakten besteht. Das sicher auch nicht zu Unrecht. Aber der zweite Grund isT: es handelt sich um eine Pseudo-Dokumentation, die nur einen Schnipsel eines ganzen Buches zeigt.

NACHSPIEL DES FILMS
Wilders hat, und das war ihm so klar - er hat es absichtlich provoziert - für einige heftige Reaktionen gesorgt. Islamische Verbände in Holland haben gleich mal dazu aufgerufen, dass die Demonstranten gegen den Film sich mäßigen sollen. Das zeigt zumindest, dass die Verbände sehr aufgeklärt sind und gut mit dem Thema umgehen können. Nichtsdestotrotz gibt es auch heftige Widerstände gegen den Film. Wilders Tod wurde gefordert und so einiges mehr. Es gäbe sicher Grund genug, die Reaktionen noch weiter einzudämmen - die islamische Gemeinschaft könnte zeigen, dass sie in einer aufgeklärten säkularen Gesellschaft ein gleichwertiger Teil des Systems ist. Aber weil es mit der Integration in Holland noch nicht sehr weit her ist, fühlt niemand, dass es so sein könnte, dass Gleichberechtigung herrscht. So ist die Reaktion auch ein Stück weit verständlich. Würde die NPD in Deutschland 6% der Stimmen für die Bundestagswahl bekommen und dann einen Anti-Islam-Film drehen wäre der Protest ebenso nachvollziehbar, denke ich. Das Niveau dieses Films bewegt sich nämlich etwa auf dem gleichen Level wie der WM-Planer der NPD mit dem Anti-Owomoyela-Motiv.


*** FAZIT & MEINUNG ***

Das Fazit lautet: Seht euch den Film an und macht euch Gedanken über Toleranz und Miteinander. Wer den Inhalten des Films dann noch zustimmen kann, der sollte dringend ärztliche Hilfe erbitten.
Außerdem wäre ein Besuch bei einer gemeinsamen Veranstaltung von Muslimen und Nichtmuslimen als Folge eine Empfehlung von mir. Wer mal in eine Moschee geht, der sieht: Es gibt nicht nur Hassprediger sondern auch ganz normale Geistliche, die wie deutsche Pastoren ihrem Tagwerk nachgehen. Oft gibt es auch gemeinsame Iftar- Essen - das ist das traditionelle gemeinsame Fastenbrechen der Muslime, zu dem nicht selten Christen auch eingeladen werden. Man wird feststellen: es gibt genug Gemeinsamkeiten. Und die Sorge eines stärkeren "Clash of Cultures" treibt die Muslime genau so um wie uns. Nur, dass sie hier in der Minderheit sind und wohl auch darauf angewiesen, dass wir als die Mehrheit sie einbinden.
Mein Appell an die Muslime: Geht kritisch, aber "westlich" mit diesem Streifen um. Zeigt die Fehler des Films auf, sprecht mit euren Mitmenschen darüber.
Und für alle gilt: Pauschalurteile über alle wegen der Meinung von Einzelnen hilft nicht weiter ..

So, das war das Wort zum Sonntag! 
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
thaicattery

thaicattery

01.08.2009 23:09

es ist ein großer unterschied ob etwas nicht ausgestrahlt wird aus angst oder aus qualitativem mangel.

Inara

Inara

28.07.2009 07:58

Toleranz ist für mich die wichtigste menschliche Tugend, leider haben die einen mehr, die anderen weniger davon. Da kann jeder nur an sich selbst arbeiten und seinen Kindern versuchen, dass tolerante Verhalten näher zu bringen. LG Karen

Mungi60

Mungi60

05.07.2009 18:44

Ich denke, da ist was wahres dran. Allerdings waren die Reaktionen darauf schon sehr heftig. Gruß Achim

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