Wer Kontakte zu Menschen hat, die sich zum Islam bekennen, weiß, dass in diesen Wochen der Fastenmonat Ramadam stattfindet. In dieser Zeit ist den Gläubigen ca. 29 Tage bis 30 Tage lang (entscheidend ist die Sichtung der Mondsichel) Essen und Trinken nur abends bzw. nachts erlaubt. Das Fasten ist religiöse Pflicht und im Koran verankert. In den Wochen des Ramadan müssen Muslime tagsüber auf Speisen, Getränke, Rauchen, Sex und alle Arten von Rauschmitteln verzichten. Ausgenommen von den strengen Fastenregeln sind Kranke, Reisende, Soldaten, Schwerarbeiter, Schwangere und Kinder – wer aus gesundheitlichen Gründen nicht fasten kann, dem wird empfohlen, einen Bedürftigen zum Essen einzuladen. Versäumte Fastentage sollen nachgeholt werden, wenn der Grund für das Nicht-Fasten-Können weggefallen ist, also etwa bei Kranken oder Schwangeren. Von diesem Gebot sind nur Soldaten und Schwerarbeiter bzw. Kinder vor der Pubertät ausgenommen.
In den Tagen des Fastens sollten Gläubige besonders tugendhaft leben – lügen, böse Nachrede oder andere zu kränken oder zu beleidigen sollen in dieser Zeit überaus gewissenhaft vermieden werden.Der Ramadan begann heuer am 21. August 2009 und wird voraussichtlich am 19. September enden.
Das abendliche Fastenbrechen wird oft im Rahmen eines gemeinschaftlichen Festessens gefeiert, wobei häufig karitative Sammlungen zu Gunsten der Armen veranstaltet werden.In Wien, wo es eine gar nicht so kleine moslemische Gemeinde gibt, treffen sich viele Gläubige abends zum Iftar („Fastenbrechen“, ausgesprochen wird es "Iftaar"), z. B. im bekannten türkischen Restaurant „Kent“.
Mein Freund Tam, der als halber Araber gut mit dem arabischen Kulturkreis vertraut ist, lud mich kürzlich ein, an einem Iftar-Abend im „Kent“ teilzunehmen, der dort im Ramadan täglich veranstaltet wird. Natürlich wechseln die Speisen des Buffets jeden Tag. Da ich mich sehr für andere Kulturen und religiöse Gebräuche interessiere und orientalische Speisen prinzipiell gern mag, ließ ich mir das nicht zweimal sagen.
Warten auf das Fastenbrechen
Es war ungefähr 19 Uhr 30. Wir waren relativ spät dran – fast alle Tische in dem Bereich des „Kents“, der für TeilnehmerInnen an der Iftar-Party reserviert war, waren bereits besetzt. Ein appetitlich aussehendes Buffet war an der Wand des Speisesaals aufgebaut. Einige der Gäste hatten sich sogar schon bedient und saßen nun vor ihren gefüllten Tellern und warteten, bis die Minute des Fastenbrechens anbrechen würde.
Tam hatte mir eingeschärft, unter ja keinen Umständen früher zu essen zu beginnen. Auf den Tischen standen große Krüge mit frischem Leitungswasser, in das sich manche Saft aus geviertelten Zitronen träufelten.
Wir wussten beide nicht, wann die genaue Zeit des Fastenbrechens kommen würde. Die Definitionen dazu schwanken – auch je nach islamischer Glaubensrichtung. Aber die Gäste hier im Kent würden es wohl schon wissen… Als ich sah, dass nach und nach die Ersten bereits zu essen begannen, stellte ich mich auch in der Schlange vor dem Buffet an. Manche waren wohl erstaunt, eine blonde Frau im kniekurzen Rock hier zu sehen. Die Mehrheit der Teilnehmerinnen war nämlich verschleiert und trug bodenlange Mäntel.
Unter den Anwesenden waren einfache Arbeiter, aber auch elegant gekleidete Männer und einige Kinder.
Erbsensuppe und türkisches Brot
Ich begann auf Tams Rat mit der pürierten Erbsensuppe, zu der das frische türkische Brot, das reichlich in Körben auf den Tischen stand, schmeckte.
Die Tomatencremesuppe im Nachbartopf hatte aber auch verlockend ausgesehen. Also holte ich mir auch davon noch eine kleine Portion.Danach wollte ich zu den kalten Vorspeisen übergehen, doch leider war das Buffet schon ziemlich geplündert. Tam hatte das letzte gefüllte Weinblattröllchen ergattert, ich hielt mich an Schafskäse, schwarze Oliven, aufgeschnittene, frische Gurken, Tomaten und Blattsalat.
Dann kam die Hauptspeise an die Reihe. In drei großen Warmhaltepfannen dampften leckere türkische Gerichte. Ich entschied mich für Fleischbällchen in einer köstlichen Sauce mit gedünstetem Gemüse und Reis. Die Fleischbällchen waren, wie ich später merkte, aus Lammfleisch. Alles schmeckte sehr gut. Um mich herum mampften auch alle mit Genuss. Da ich eine eher langsame Esserin bin, war ich eine der Letzten, die sich den Desserts zuwandten – leider war auch hier alles längst verschwunden und ich konnte die kleinen, mit Pistaziensplittern bestreuten Schokocremekugeln nur mehr auf den anderen Tischen bewundern… Selbst von den Früchten war nicht mehr viel übrig außer ein wenig Wassermelone und ein paar grüne Trauben.
Die riesige Wassermelone war kunstvoll in Form einer Gondel geschnitzt – allerdings war die Pracht schon ziemlich zerstört. Auch ich versuchte, mir noch ein paar Stückchen von der Gondel abzusäbeln…Danach floss der türkische Tee, der mit Minze zubereitet und meist mir reichlich Zucker getrunken wird, in Strömen – die flinken Kellner kamen kaum nach, die Tabletts mit den zierlichen Teegläsern herbeizutragen.
Kaum eine halbe Stunde hatte das Essen gedauert – schon war das Buffet so gut wie leer, abgesehen von Suppen und Hauptspeisen und die Ersten brachen auf. Ich war erstaunt, dass ein Festessen nur so kurz dauerte. Speisen wurden auch kaum nachgebracht – nur einmal ein Teller mit gefüllten Weinblättern, aber auch die waren im Nu weg.„Na was glaubst du, wie hungrig die sind, wenn die den ganzen Tag nichts gegessen haben“, lachte Tam und erzählte mir, dass paradoxerweise nicht wenige nach dem Fastenmonat mehr auf die Waage bringen als vorher. Gerade bei Wohltätigkeitsveranstaltungen und anderen größeren Iftar-Partys wird das Beste vom Besten aufgetischt. Und wer den ganzen Tag hungert, isst abends dann insgesamt oft mehr als sonst.
Die Teilnahme am Buffet hat, so viel ich mitbekommen habe, 13 Euro pro Person gekostet. Das Essen war zwar sehr gut, aber sollte ich je wieder einmal zu einem Iftar gehen, weiß ich, wie es läuft: Es geht darum, sich möglichst rasch am Buffet zu bedienen, sonst geht man – zumindest was Dessert oder Vorspeisen betrifft – leicht leer aus…
Alkohol ist Muslimen natürlich verboten. Die meisten tranken Wasser, Cola und als Abschluss Tee.Gefastet wird tagsüber – ab ca. 4 oder 5 Uhr Früh. Wer noch frühstücken will, muss also zeitig aufstehen.
Zufälligerweise fällt in unseren für nächste und übernächste Woche geplanten Urlaub in Tunesien das Ende des Ramadan, das, so viel wir wissen, entsprechend ausgelassen und fröhlich gefeiert wird. Und das drei Tage lang! Wir freuen uns schon darauf, vielleicht an diesen allgemeinen Feiern teilnehmen oder sie zumindest am Rande miterleben zu können. Und sollte sich vorher vielleicht noch die Gelegenheit zu einer Iftar-Party ergeben, weiß ich ja nun bereits, wie ich mich verhalten muss… DMK 9/09
04.12.2011 16:15
Klingt ja echt interressant. Aber den Ramadam würde ich nie aushalten ;)
03.01.2011 19:34
komme wieder
03.01.2011 19:34
äußerst interessant