Ist Deutschland ein kinderfeindliches Land?

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Ist Deutschland ein kinderfeindliches Land?

Deutschland hat die niedrigste Geburtenrate in Europa, was sind die Gründe?

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Erfahrungsbericht über "Ist Deutschland ein kinderfeindliches Land?"

veröffentlicht 22.08.2011 | jr4478
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"Ich mag Kinder, bin oder war ich doch selbst eins!"

Das deutliche Schild.

Das deutliche Schild.

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Das Aktuelle Thema: Ist Deutschland ein kinderfeindliches Land?

Eine sehr schwere Frage.
Gerne möchte ich dazu meine Meinung abgeben. Eine Meinung machen aber möchte ich nicht. Es sollen einfach nur ein paar Gedanken sein, die mich beschäftigen.

Ein Schild mit Piktogrammen:

Regelmäßig komme ich an einem großen Schild mit Piktogrammen vorbei. Es steht an einem kleinen Bolzplatz mit zwei Toren. Die Fläche, ursprünglich ein stabiler Rasen, ist jetzt mit Hundekot und Glasscherben verschmutzt. Also hier schon sehr Kinder unfreundlich.

Die Piktogramme dann könnten folgende Aussagen haben:

1. Keine Hunde

2. Keine Fahrräder

3. Kein Ball spielen

4. Helmverbot

5. Keine Schlüsselbänder

6. Kein Alkohol

Klar, die Piktogramme sind eindeutig. Aber nun zu den einzelnen Zeichen:

1. Das hier Hunde nichts zu suchen haben, ist eindeutig. Hunde also haben hier nichts, aber wirklich nichts zu suchen.

2. Fahrräder? Ja, wäre evtl. ein Verbot wert. Die Rasenfläche könnte leiden, da
Kinder ja gerne auch scharf bremsen und versuchen ihre Sicherheit näher auszuloten. Und genau das sollten Kinder doch mit Fahrrädern lernen!

3. Wieso hier kein Ball spielen? Es stehen doch zwei Torähnliche Stahlbögen
dort? Oder sind das nur Teppich Ausklopfe Stangen.

4. Helmverbot! Ein ganz wichtiger Punkt. Wären dort Klettergerüste, sollten Helme unbedingt abgelegt werden. Zu groß ist die Gefahr, dass Kinder sich strangulieren können. Naja, hier könnten die Torbögen als Klettergerüst dienen, da ja Ball spielen verboten ist!

5. Schlüsselbänder sollten niemals um den Hals getragen werden. Also eher in die Hosentaschen und am Gürtel.

6. Alkohol? Klar, das braucht keine Erklärung!

Jetzt vor unserer Haustür:

Wir wohnen in einer ruhigen Straße am Rande Hamburgs. In der scharfen Kurve kommen sich oft rasende Autos entgegen. Zwar ist Tempo 30 angesagt, aber die jungen Eltern rasen hier, weil sie steht’s zu spät aufgestanden sind.

Kinder können hier wunderbar auf den breiten Gehwegen spielen. Roller fahren, mit Rollschuhen und sonstigem rollenden Material rumfahren. Ja und bunte Kreidebilder entstehen hier. Ich freue mich, wenn Kinder noch etwas Zeit zum Spielen finden.

Aber das haben wir Kinderfeinde. Diese merkwürdigen Menschen stellen ihr Auto einfach auf dem Bürgersteig ab. Ohne sich im geringsten Gedanken zu machen. Kreuz und quer stehen die Autos und versperren den schon sehr kleinen Spielbereich. Und wehe, ein Kind spielt auf der Straße. Das wird gehupt und gemeckert. Aber schaue ich mir genau diese Geister genauer an, stelle ich fest, es sind durchweg alles junge Eltern die bei jeder Veranstaltung jammern, ihre Kinder hätten keinen Platz zum Spielen. Das sie selbst Ihren Kindern die Luft nehmen, kommt diesen Eltern nicht in den Sinn.

Wenn ich von der Reise komme, stelle ich mein Auto immer auf der Straße ab. Tempo 30 Zone, da kommt jedes Auto vorbei.

Aber merkwürdig, ich ernte immer Kopfschütteln. Warum eigentlich? Soll ich denn auch auf den Gehweg parken? Niemals! Ich mag Kinder. Ich möchte, dass sie Platz haben.

In unserer Straße wohnen neben vielen Kindern auch alte Menschen. Pflegebedürftige Menschen.

Die Pflegedienste haben es immer eilig. Mit 50 durch die tempo 30 Zone und geradeaus auf dem Fußweg. So ist es immer. Und oft steh bis zu 5 Fahrzeuge der Pflegedienste kreuz und quer auf dem Bürgersteig. Und das mehrmals am Tage. Noch nie ist einer dieser Geister auf die Idee gekommen, das Fahrzeug vernünftig einzuparken. Und die saudumme Ausrede, der Zeitplan würde aus den Fugen geraten, ist wirklich das letzte. Also nehmen auch diese Menschen den Spielraum der Kinder weg.

Schule:

Klar, ich darf nicht 55 Jahre rückwärts denken. Alles ist anders geworden. Das verstehe ich ja. Kleines Beispiel. Unsere kleine Enkelin wurde täglich mit Hausaufgaben förmlich eingedeckt. Nach der Schule musste sie in den Hort. Gegen 15 Uhr wird sie abgeholt. Dann sind die Hausaufgaben an der Reihe. Und Spielen? Nun ist auch diese zeit nicht vorhanden. Die Lehrerin hat grundsätzlich immer sehr viele Hausaufgaben gegeben. Warum?

Es ist eine ältere Lehrerin die grundsätzlich sich selbst viel Zeit nimmt. Grundsätzlich ist sie immer die letzte. Besonders bei schlechtem Wetter mussten ihre Schüler so lange vor der Klasse im Regen ausharren, bis Madam endlich erschien. Alle anderen Klassen waren schon lange in ihren Klassen, nur diese Dame schaffte es nicht, rechtzeitig täglich zu kommen.

Oder bei Ausflügen mit mehreren Klassen kam Madam immer als letzte. Ihre Schulkinder durften somit immer die schlechteren Plätze im Bus einnehmen oder mussten stehen.

Ist das Kinderfreundlich? Nur weil eine Lehrerin einfach nur langweilig ist? Ja und weil sie sonst nicht ihr Pensum schafft, bekamen die Kinder eben alles zu Lernende als Hausaufgabe.

Meine Verhalten:

Grundsätzlich gilt für mich: Jedes Kind mit Respekt behandeln. Aber auch Jugendliche, egal wie sie sich verhalten, werden mit Respekt behandelt. Besonders aufgefallen ist mir, wenn ich einen jugendlichen mit „Sie“ anspreche, ist ein gewisser Stolz bei Ihnen wahrnehmbar. Sie fühlen sich gleichwertig. Und das sind sie nun mal.

Kürzlich bin ich mit S-Bahn gefahren. Der Zug war voll und ich stand. Plötzlich erhob sich eine junge Türkin und bot mir ihren Sitzplatz an. Ich bedankte mich und meinte nur:

„Bleiben sie ruhig sitzen, Se hatten sicher einen längeren Schultag.“

Das Mädchen bedankte sich und lass weiter in einem Schulbuch.
Mich persönlich erfüllt so etwas mit etwas Stolz. Nämlich auch Respektiert zu werden.

Es ärgert mich sehr, wenn Kinder auch in Geschäften häufig übersehen werden, ja einfach zur Seite gedrängt werden.

So hatte meine Tochter als siebenjährige bei Karstadt etwas aussuchen wollen. Ich stand etwas entfernt und sah einen Verkäuferin, die meine Tochter anherrschte, sie solle nicht alles antatschen.

Darauf meldete ich mich zu Wort und fragte, warum sie das Mädchen so behandelt, es sei doch eine Kundin.

„Kinder müssen immer alles antatschen und machen die Ware schmutzig!“

„Behaupten sie das auch von der Kundin, die da drüben sogar die Ware aus der Packung holt?“

„Nein, das ist ja eine Kundin!“

Naja, das Wortgeplänkel will ich mal so stehen lassen. Ich wollte nur damit sagen, dass auch Kinder Kunden sein können und bedient werden wollen. Und nur so können Kinder auch Respekt erlernen. Nur wir „Großen“ müssen ihnen das beibringen.

Ein Fazit?

Nein/Ja, ich wollte hier nur an ganz kleinen Beispielen zeigen, dass Kinderfeindlichkeit auch in Bereiche hinreicht, in denn der Beruf der Eltern, die vielen Fragen zu den Problemen allein erziehender Väter und Mütter hineinreichen, von mir gar nicht Erwähnung fanden. Die aber genauso, wenn nicht noch wichtiger sind. Das ganze Spektrum der Kinderfeind/freundlichkeit ist viel umfassender und wird mit Sicherheit auch unter dem Thema viel Raum bei anderen Ciao Mitgliedern finden.

Ich bin in einem Alter, das sind die Enkelkinder dran. Und da wird es auch für mich, meiner Tochter und den Enkeln noch viele Probleme geben. Wie oft kommt es vor, dass auch Enkelkinder erkranken. Oder das eigene, nun große erwachsende Kind erkrankt. Wir werden vieles als Oma und Opa wieder neu dazulernen. Was wir nicht erlernen brauchen aber ist der Respekt. Den haben wir vor JEDEM Kind oder Jugendlichen. Und das bleibt so.

Übrigens:

Die Politik kennt wohl weniger das Wort Respekt.

Aber auch die Lebensmittel Industrie kennt das Wort Respekt nicht mehr.

Die Stadtplaner kennen das Wort auch nicht mehr!

Und die Richterschaft? Ja, die wollen respektvoll behandelt werden und kennen aber das Wort auch nicht.


Deshalb:

Respekt


Ich danke Ihnen.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • Miraculix1967 veröffentlicht 09.09.2011
    Wenn ich das so alles lese, dann bin ich froh, dass ich in einer Zeit aufgewachsen bin, als Deutschland noch nicht so ein kinderfeindliches Land war wie heute:-(!!! In diesem Sinne: Schönes Wochenende und LG aus dem gallischen Dorf Miraculix1967:-)
  • StandByMySide veröffentlicht 29.08.2011
    Ich war auch mal ein Kind. ;-)
  • t.schlumpf veröffentlicht 25.08.2011
    Leider kann ich Chrissy nur recht geben und leider Gottes hab ich die von ihr erwähnten Fälle auch mehr als einmal in der ein oder anderen Form live und in Farbe miterleben dürfen. Da stellt es einem schon die Haare hoch. Nur Deutschland ein kinderfeindliches Land würde ich allgemein nicht sagen - es sind ein paar Spezies die wieder den ganzen Haufen versauen - und die fallen halt mehr auf.
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