Ist Deutschland ein kinderfeindliches Land?

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Ist Deutschland ein kinderfeindliches Land?

Deutschland hat die niedrigste Geburtenrate in Europa, was sind die Gründe?

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Erfahrungsbericht über "Ist Deutschland ein kinderfeindliches Land?"

veröffentlicht 27.08.2011 | Sylviane
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Durchschnittlich
Pro Kinder sind eine Bereicherung für die Familie
Kontra es wird Familien nicht leicht gemacht
besonders hilfreich

"Vier Apfelbäumchen"

Familienbande

Familienbande

Das aktuelle Thema, das sich ciao dieses Mal für uns ausgedacht hat, ist für mich ständig aktuell. Und ja, ich finde, dass es in Deutschland gern kinderfreundlicher zugehen könnte.

Meine Geschichte:


Wir sind Eltern von vier Kindern. Wir haben zwei Jungen und zwei Mädchen. Diese liegen im Alter ziemlich weit auseinander. Nachdem wir die beiden Jungen vor nun fast 18 Jahren im Abstand von 15 Monaten bekommen haben, haben wir uns mit den Mädchen Zeit gelassen. Wir haben erst einmal eine Basis geschaffen, wie man so schön sagt. Ein Haus wurde gebaut, in Eigenleistung vom Fundament bis zum Dach und allem Pipapo, allerdings in Gemeinschaftsarbeit mit einem Kollegen, so dass uns nur davon die untere Hälfte gehört. Das waren immerhin vier schöne große Zimmer, eine traumhaft große Küche und ein schönes Bad. Groß genug für uns vier. Ein schöner großer Garten dabei, auf dem Lande, ideal für unsere beiden Jungen. Sie waren zum Zeitpunkt des Einzugs dann fast 6 und vier Jahre alt. Wir waren also mehr oder weniger bis dahin eine Durchschnittsfamilie mit unseren zwei Kindern. Halt, Stop, wir hatten ja sogar schon ein bisschen Kind zu viel für den Durchschnitt, denn Frau bekommt ja heutzutage nur noch 1, nochwas Kinder...

Als dann die Jahre vergingen, wurde der Wunsch laut, es noch einmal zu versuchen mit einem Baby. Die Jungen waren inzwischen schon neun und acht Jahre alt und ganz ehrlich, wir wünschten uns eine kleine Prinzessin dazu als krönenden Abschluss der Familienplanung. Ein kleiner Prinz wäre auch willkommen gewesen, doch das Ideal der Familie mit Söhnen und Töchtern schwebte uns doch vor. So entschieden wir uns mutig, das muss man sagen, noch einmal ans Kinderkriegen zu denken. Wohl wissend, dass man vielfach anecken würde. Denn drei Kinder, das wäre heutzutage ja schon wirklich nicht mehr „normal“, gerade wo die beiden Großen aus dem Gröbsten raus waren... Allerdings gab es seitens der Familie meines Mannes keine Probleme. Er war selbst mit vier Schwestern aufgewachsen, seine Schwestern hatten zum Teil sieben Kinder und somit war es einfach in Ordnung, noch einmal für Nachwuchs zu sorgen. Doch manchmal kommt es anders als man denkt, das Schwangerwerden ging wie bei unserem zweiten Sohn auch sehr schnell. Im ersten „Anlauf“ hatte es geklappt und wir waren natürlich sehr froh darüber. Es sollte wieder ein Oktoberbaby werden, wie auch mein erstes Kind und ich selbst auch. Doch dann stellte sich heraus, dass es nicht nur ein Baby war, sondern das wir Zwillinge erwarteten.
Ich war damals wie vor den Kopf geschlagen. Meine Nachbarin hatte etwa 1,5 Jahre vor mir Zwillinge bekommen und ich fand das schon ziemlich heftig, in einer Straße gleich zweimal Zwillinge zu haben. Schließlich ergaben dann Nachforschungen, dass ich wohl erblich vorbelastet war, da meine Großmutter auch damals im Krieg Zwillinge bekommen hatte, die allerdings nicht überlebt haben in den schweren Zeiten. Und man sagt, es überspringt meist eine Generation. Insofern wären dann die Kinder meiner Kinder wieder dran, mit dem Bekommen von Zwillingen, wenn man diesem Glauben schenken möchte. Wie dem auch sei, nun sollten es nicht nur drei Kinder sondern sogar vier werden. Zu unserem Glück wurden es dann auch noch zwei Prinzessinnen. Auch für unsere Söhne war das schön. So hatte jeder von ihnen seine ganz spezielle Lieblingsschwester und das ist noch heute so. Und es ist sogar so, dass die Zwillinge im Wesen sehr unterschiedlich sind. Und die Brüder haben sich bei den Babys vom ersten Tag an die Schwester als Lieblingsschwester ausgeschaut, die ihnen vom Charakter her am ähnlichsten ist. Es ist erstaunlich.
Der ruhigere Sohn, hat die warmherzige, ruhige Schwester so sehr ins Herz geschlossen und der Wirbelwind, das von Baby an energischere, selbstbewusstere und auf liebenswerte Art stürmischere Mädchen.

Inzwischen sind meine Kinder fast 18 Jahre alt (in ein paar Wochen ist es soweit), 16 1/2 Jahre alt und die Zwillinge werden Ende des kommenden Monats 8 Jahre alt. Das mit dem Geburtstag im Oktober haben wir nicht ganz geschafft, meine Töchter wollten schon Ende September das Licht der Welt erblicken, aber auch das ist für Zwillinge vollkommen normal.

Was verändert sich mit vielen Kindern?


Mit der Geburt der Zwillinge wurde uns klar, dass es nun in unserer Haushälfte doch zu enge werden würde. Es gab noch ein paar weitere Faktoren, die uns dazu brachten, zu überlegen, unsere Wohnung zu verlassen und uns in der Stadt, wo mein Mann arbeitete ein Haus zu suchen. Wir fanden 2005 einen charmanten Altbau mit vielen Nebenräumen und einer großen Werkhalle, der unseren Bedürfnissen gerecht werden konnte. 5 Minuten auf dem Rad zur Arbeitsstätte meines Mannes, zehn Minuten in die Innenstadt, was möchte man mehr? Garten dabei und alle Schulen und Kindergärten für die Kinder in der Nähe. Wir haben bisher eine Menge Arbeit und Geld in dieses Haus gesteckt, um es für uns zu einem Heim zu machen. Doch hier haben wir alles, was wir brauchen. Die Kinder, bis auf die Zwillinge, haben jeder ein eigenes Zimmer und das wäre in unserer Haushälfte gar nicht möglich gewesen. So ändern Tatsachen wie der Familienzuwachs tatsächlich das Leben. Und nicht nur das Haus haben gewechselt, auch das Auto musste gegen ein Fahrzeug mit mindestens 6 Sitzen eingetauscht werden. Dafür verzichte ich auch auf den Zweitwagen, weil der in unserer jetzigen Wohnsituation mitten in der Stadt absoluter Luxus wäre und das ersparte Geld stecke ich dann lieber in meine Kinder.

Durch den großen Altersunterschied unserer Kinder fällt es vielen Leuten gar nicht auf, dass wir vier Kinder haben. Nicht immer sind inzwischen alle mit. Die Großen haben eigene Interessen und das Einkaufen mit Mama und Papa ist da kein Highlight mehr wie viele andere Dinge auch, die im jungen Alter der Kinder die Krönung ihres Tages bedeutet haben. So sind viele Leute erstaunt, wenn sie mich mit den Kleinen sehen und dann mein Großer dazukommt, dass wir schon so einen großen Sohn haben. Im Kindergarten meiner Töchter haben wir die Erfahrung gemacht, dass es viele Menschen klasse fanden, dass unsere Mädchen noch zwei so große Brüder haben. Dazu muss ich auch sagen, dass meine Jungs es immer klasse fanden, die Mädchen vom Kindergarten mal abzuholen und dieses sogar gern mit ihren Freunden mal gemacht haben. Mein Ältester hat sich durch unsere Familie so inspirieren lassen, dass er nun eine schulische Ausbildung zum sozialpädagogischen Assistenten macht, nebenbei Fachhochschulreife, danach das Abitur anstrebt, um dann Grundschullehrer zu studieren. Er hat bisher einige Praktika im Kindergarten gemacht und man hat mir jedes Mal versichert, wie gut er sich dort macht und vor allem war man verwundert, wie viel Familiensinn ein junger Mann von 16/17 aufweisen kann. Da haben wir wohl einiges richtig gemacht in der Erziehung, was man immer wieder gern hört, auch wenn man als Elternteil in solchen Situationen nie weiß, was man da sagen soll bei soviel Begeisterung für den eigenen Sohn. Auf jeden Fall bin ich in solchen Fällen immer wieder ganz gerührt und denke mir auch, wenn das alles so ist, ist die Berufswahl für meinen Ältesten auf jeden Fall gut getroffen.

Schulbildung:


Doch da sind wir auch schon bei einem Thema, das mich unheimlich ärgert in diesem Land. Meine Söhne haben die Realschule abgeschlossen. Sie haben einen Notendurchschnitt von 1,9 und von 2,6, was man ja als wirklich gut bezeichnen kann.
In Deutschland hat man als Realschüler die Möglichkeit, sich mit seinem Zeugnis, einem Lebenslauf und natürlich einem Anschreiben an den Gymnasien zu bewerben. Man hat einen Anspruch auf einen gymnasialen Platz, wenn man einen Durchschnitt von mindestens 2,4 in den Fächern Mathe, Deutsch und Englisch hat. Dazu darf der gesamte Durchschnitt nicht schlechter als 3 sein. Nun hat sich mein Sohn mit dem 1,9 er Durchschnitt an vielen Gymnasien in Schleswig-Holstein beworben. Wir haben die Gymnasien in unserem Kreis angeschrieben, die im Nachbarkreis und die Gymnasien, die durch eine Bahnverbindung recht gut erreichbar waren. Doch diese eher zur Motivation unseres Sohnes, um etwas zu tun. Eigentlich hatte ich erwartet bei zwei ortsansässigen Gymnasien, dass eines ihn nehmen würde...
Das Ende vom Lied war, ein Gymnasium, das viele Kilometer weit weg gelegen war, hätte ihn sofort angenommen. Im selben Ort wohnt eine Tante meines Sohnes und wir hatten mit dem Gedanken gespielt, ihn dort dann unterzubringen für die gymnasial Zeit. Doch persönliche Gründe haben das dann wieder zerschlagen und die Fahrtkosten per Zug hätten wir nicht aufbringen können als zusätzliche monatliche Belastung. So musste dieses Zusage von uns aus abgesagt werden.
Alle anderen Gymnasien haben entweder nicht einmal geantwortet oder aber waren ausgelastet, wobei ein örtliches Gymnasium noch recht mit meinem Sohn „gespielt“ hat. Immer wieder rief der Oberstufenleiter bei uns an, fragte nach unserem Sohn, befragte ihn nach seinen Wünschen, was das Oberstufenprofil angeht und so weiter. Dann wurde wieder angerufen, wieder eine Menge Fragen gestellt und mein Sohn freute sich schon, denn bei soviel Interesse, schien ja alles auf eine Zusage hinauszulaufen. Das Ende vom Lied war, dass uns ein VORDRUCK ins Haus flatterte, auf dem angekreuzt stand: Zu unserer Entlastung zurück und die Bewerbungsunterlagen lagen dabei... Ich fand das so armselig für diese Schule, die meinem Kind so viele Hoffnungen gemacht hatte und dann nicht mal den Mumm in den Knochen hatte, ihn auch im Fall der Absage persönlich anzurufen, oder wenigstens ein etwas persönlicheres Absageschreiben zu verfassen...

Jetzt hat mein Sohn sich für die schulische Ausbildung zum sozialpädagogischen Assistenten entschieden. Diese geht über zwei Jahre, danach schließt er dann (hoffentlich) das Abitur an. Durch die Ausbildung wird sein Notenschnitt um 0,3 Punkte nach oben angehoben, was aus 1,9 eine 1,6 macht....

Generell finde ich, dass sich hier wieder die Kinderunfreundlichkeit zeigt. Mein Sohn kann lernen, mein Sohn möchte lernen und man gibt ihm nicht die Möglichkeit dieses zu tun in seinem persönlichen Umfeld und mit einem Kostenaufwand, den man als Familie tragen kann. Ich hätte ihn aufs Gymnasium gehen lassen können, wenn er täglich über eine Stunde Zugfahrt auf sich genommen hätte, um in der entlegenen Stadt das Abitur zu machen, wo man ihn mit Kußhand genommen hätte. Von dieser Schule kam ein so warmherziges Schreiben, aber leider fehlten uns die finanziellen Mittel dafür. Und letztlich wäre die lange Fahrtzeit auch nicht unbedingt förderlich gewesen wie ich denke.
Ich meine, ich spreche hier vom ABITUR, nicht vom Studium. Wir haben zwei Gymnasien am Ort und sie sind nicht in der Lage genug Raum für Schüler zu schaffen, die eine 1 vorm Komma haben und gern Abitur machen möchten, nachdem sie von der Realschule abgehen? Ist das familien- oder kinderfreundlich?

Wir haben nun für unseren Sohn eine Lösung gefunden. Nach den zwei Jahren Schule hat er immerhin schon einen Beruf, was auch etwas wert ist und danach hoffen wir, dass der Anschluss ans Gymnasium dann klappt. Immerhin macht er zeitgleich zur Ausbildung noch die Fachhochschulreife, was ihn allerdings noch nicht zum Studium des Lehramtes befähigt. Dazu braucht er das allgemeine Abitur... Man kann der Jugend auch Steine in den Weg legen....

Ausbildung:


Auch im Falle meines zweiten Sohnes gibt es einiges zu beklagen. Er hat sich nach dem Realschulabschluss zu einer Ausbildung als Industriemechaniker entschieden. Auch hier haben wir Glück gehabt, die Bewerbung ging flott über die Bühne, ein einwöchiges Praktikum in der Schulzeit noch im möglichen Ausbildungsbetrieb wurde eingeschoben und man gab damals schon die Zusage, sollte das Praktikum gut verlaufen und mein Sohn Gefallen an der Arbeit haben, hätte er den Ausbildungsplatz. So kam es dann auch nun hat er fast den ersten Monat seiner Lehre schon um und ist immer noch begeistert.
Allerdings gibt es auch hier wieder Dinge, die mich den Kopf schütteln lassen. Zur Berufsschule muss er einmal die Woche eine Strecke von ca 20 km mit dem Bus oder Zug fahren. Wir haben ihm am ersten Schultag in der Berufsschule nahegelegt, sich doch einen Schülerausweis zuzulegen, damit er dann vergünstigt, wie es früher einmal war, Bus oder Zug fahren kann. Doch diese Vergünstigungen gibt es heute nicht mehr. Wozu braucht man dann noch einen Schülerausweis? Man hätte über Monatskarten vielleicht, wohl gemerkt, vielleicht etwas machen können,aber die rentieren sich nicht für die wöchentliche Fahrt. Eine Sache, die ich unschön finde. Auch wenn er als Auszubildender ein Gehalt bekommt, kann er damit keine großen Sprünge machen. Doch was früher recht und billig war, gilt heute nicht mehr...
Früher kam man mit dem Schülerausweis verbilligt ins Kino, ins Schwimmbad und vieles mehr...

Erwachsen schon ab 15?


Was mich auch immer ärgert, sind die vielen Dinge im Alltag mit den Eintrittspreisen. Gehe ich zu einer Veranstaltung, meinetwegen einem mittelalterlichen Marktvergnügen, muss ich für meinen Sohn ab 15 schon den Erwachsenenpreis zahlen. Ich finde, dass das gar nicht geht. Zu dem Zeitpunkt war er noch ein Schüler, verdient kein eigenes Geld und ist Teil meiner Familie. Und es ist nicht nur diese Veranstaltung gewesen. Es sind viele Dinge, wo man die Kinder schon ab einem noch geringeren Alter als erwachsen eingestuft werden. Nehmen wir den Heide-Park. Dort zahlt man nur im Alter zwischen 4 und 11 als Jahren als Kind. Ab 12 erwachsen? Wo kommen wir denn da noch hin?
Im Hansa-Park sind es immerhin Kinder bis 14 Jahre...
Im Serengeti-Park Hodenhagen beginnt das Erwachsensein ab 13.
Das sind nur einige Beispiele. Ich habe sie gewählt, weil das die Parks waren, die wir früher gern einmal angesteuert haben. Nun schenken wir uns diese Ausflüge, weil wir diese Preispolitik nicht unterstützen wollen.

Wie viele Kinder darf eine Familie haben?


Auch die so genannten Familienkarten sind mir ein Dorn im Auge. Für mich ist eine Familienkarte eine Karte, die den Eintritt für die gesamte Familie beinhaltet. Egal, ob ich nun ein Kind, zwei Kinder, drei Kinder, vier Kinder oder meinetwegen auch acht Kinder habe. Solange es meine Familie ist, muss diese Karte gelten. Sonst hätte man das anders regeln müssen. Das ist meine Meinung.
Doch meistens sieht es so aus, dass zu einer Familie maximal zwei Kinder gehören dürfen. Für die übrigen muss man dann den normalen Kinderpreis bezahlen. Manchmal hat man Glück und es wird festgesetzt, dass man für jedes weitere Kind einen bestimmten günstigen Betrag zahlen muss. Doch in meinem Sinne ist das keine Familienkarte, wenn sie nicht für die ganze Familie gilt. Und meiner Ansicht nach darf die Familienkarte auch nicht limitiert sein für Kinder bis zu einem gewissen Alter. Wer unter 18 Jahren alt ist, mit seinen Eltern etwas unternehmen will und das im Familienverband hat meiner Ansicht nach ein Anrecht auf einen Eintritt mit der Familienkarte.
Denn letztlich ist es nicht so, dass man mit der FAMILIENKARTE die Familie entlasten möchte? Soll es nicht ein Service für sie sein, sich auch das Vergnügen gönnen zu können wie andere auch, die keine Kinder haben? Und sind dann nicht gerade Familien mit mehr als den üblichen ZWEI Kindern förderungsbedürftig?

Familienpolitik?


Auch die Familienpolitik der derzeitigen Regierung finde ich nicht familienfreundlich. Nun betrifft es mich nicht persönlich, da ich meine Familienplanung mit den vier Kindern abgeschlossen habe. Doch das Elterngeld ist meiner Ansicht nach ein Witz!
Da wird nach Einkommen Elterngeld gegeben und wer schon vorher viel hatte, bekommt auch viel vom Staat... Sollte das nicht anders herum sein? Sollte man nicht eher sagen, der Geringverdiener sollte einen höheren Obolus bekommen als der Großverdiener? Ich finde das nicht sehr sozial.

Der Staat „schreit“ nach Kindern. Doch er will auch, dass beide Elternteile arbeiten. Er befürwortet das System von Kita und Ganztagsschule/betreuung. Mal ganz ehrlich, ist das KINDERFREUNDLICH???
Ich habe den Kindergarten meiner Töchter gesehen, nachdem dort die Krippe für die Babys eingeführt wurde... Ein Trauerspiel. Schreiende Babys, traurige Mitarbeiter in viel zu geringer Zahl, die kaum ein Baby getröstet haben, bis das nächste wieder anfängt zu schreien... Ausfahrt im 6-fach Buggy. Ein optisch tolles Teil. Doch Massenabfertigung in der Kinderbetreuung, nicht mein Geschmack. Wirklich nicht.
Wir haben es immer so gehandhabt, dass mein Mann der Hauptverdiener ist. Dabei war es mir immer ganz egal, dass ich mit meiner Schulbildung als Abiturientin ganz andere Dinge hätte machen können. Ich habe mich damals FÜR mein Kind entschieden und von daher gegen die Karriere. Wir müssen nun zwar mit einem Gehalt auskommen, aber es hat für mich auch immer wieder die Möglichkeit gegeben etwas mit zum Familieneinkommen beizutragen und zwar habe ich gearbeitet, wenn mein Mann zuhause war. So war und ist immer einer für unsere Kinder greifbar und das finde ich unglaublich wichtig. Nun ist es natürlich jedermanns Sache, für welches Familienmodell er sich entscheidet. Doch für mich wäre eine Abgabe in eine Kita für meine Kinder niemals in Frage gekommen ab dem Babyalter. Ein normaler Kindergartenbesuch im Alter von vier Jahren bis zur Einschulung finde ich normal. Doch zuvor brauchen Babys und Kleinkinder liebevolle elterliche Zuwendung und Förderung, keine Massenabfertigung. Und es kann mir keiner weismachen, dass es eine sinnvolle Förderung gibt, wenn viel zu wenig Personal sich um viel zu kleine Kinder kümmern müssen, die gar nicht verstehen, warum sie immer wieder aus der heimischen Umgebung herausgerissen werden, immer wieder neue Personen um sich haben... Wie kann sich da ein gesundes Urvertrauen entwickeln? Wie kann so eine gesunde Entwicklung statt finden und eine gesunde Beziehung zur Familie?

Davon mal abgesehen, was ich von diesem System halte, ist es unausgegoren und viel zu schwach entwickelt. Es fehlt immer noch an allen Ecken und Kanten von einer sinnvollen Betreuung bundesweit kann noch lange nicht die Rede sein.

Warum versucht man nicht mal wieder auf das System zu setzten, dass es möglich ist mit einer erwerbstätigen Person eine Familie, auch mit mehreren Kindern, gut zu versorgen? Früher ging das auch. Ach ja, die Emanzipation kam dazwischen. Frauen weg vom Herd und so weiter... Ich sage ja nicht, dass es die Frau sein muss, die daheim bleibt. Vielleicht gibt es auch Modelle, wo der Mann die Kinder hüten mag? Wir haben es damals so entschieden, dass derjenige arbeiten geht, der das höhere Einkommen hat und das war mein Mann. Wir verzichten auf vieles, was für andere Paare selbstverständlich ist. Doch wir tun das gern. Urlaub? Alle Jahre mal, wenn überhaupt und wenn dann preiswert, aber schön mit den allen Kindern. Diesen Herbst geht es ins Emsland in das Ferienzentrum Schloss Dankern. Ferienhütte im Freizeitpark, die kleinen Kinder können spielen, die Großen werden das Schwimmbad entern und Mama und Papa können eines: entspannen.
Eine Woche Urlaub vom Alltag für wenig Geld, mehr brauche ich nicht und auch das nicht jedes Jahr.

Jobsuche mit Kindern:


Mein Mann ist bei uns der Hauptverdiener. Er hat seit vielen Jahren einen festen Arbeitsplatz bei einer Firma und das ist auch gut so. Schließlich sind wir auch der Arbeit wegen extra umgezogen.
Auch ich habe stellenweise gearbeitet. Doch die Arbeitssuche für mich als Frau gestaltete sich schwierig. Ich habe immer jedem Chef erklären müssen, dass meine Kinder gut versorgt sind, wir ein System entwickelt haben, das greift, sollte mal eines der Kinder erkranken. Das Risiko eines Arbeitsausfalls mangels Kinderbetreuung geht heutzutage kein Arbeitgeber mehr gerne ein und man muss schon wirklich überzeugen können, dass es auch möglichst lückenlos klappt. Nicht selten bekommt man schon nach der Frage, ob man Kinder hat, eine Absage.
Bei meiner letzten Anstellung hatte ich sagenhaftes Glück. Meine Chefin richtete sich mit meinen Einsatzzeiten im Geschäft nach dem Schichtdienst meines Mannes und so konnten wir wirklich gut beide arbeiten gehen, einer war immer zuhause, wenn der andere seinen Job machte.
Gerade Frauen wird es nicht einfach gemacht bei der Arbeitssuche und ich denke, alleinerziehende haben es da noch schwerer, da sie ja auf ihr Gehalt angewiesen sind. Wenn dann auch noch Kindergarten/Schule nicht richtig mitspielen, wird es zu einem wahren Kampf um den Arbeitsplatz hier in Deutschland.

Vorurteile:


Viele Menschen begegnen Familien mit vielen Kindern mit Vorurteilen.
Es gibt dumme Sprüche, die ich hier nicht wiederholen möchte, es werden die Augen verdreht und man schüttelt mitleidig den Kopf.
Familien mit mehreren Kindern sind nicht „modern“. Sie passen nicht ins Weltbild. Was früher normal war, ist heute verpönt.
Familien mit mehreren Kindern können ihren Kindern nichts bieten. Ich denke nicht, dass es so ist. Es ist zwar nun nicht unbedingt der große Mallorca-Urlaub jedes Jahr oder das teure Handy mit 3D-Wiedergabe, das meine Kinder haben. Doch sie haben jeder ihren Sportverein, mein Ältester spielt passioniert Fußball, mein zweiter ist Leistungsturner sogar auf Bundesebene und meine Töchter eifern dem großen Bruder nach. Meine Kinder haben viele soziale Kontakte und sind schon alleine durch das Leben im Familienverband sehr sozial eingestellt. In der Großfamilie lernt man Rücksicht zu nehmen, auf die Bedürfnisse des anderen zu achten und sich nicht nur egoistisch zu verhalten. Diese klaren Zeichen sieht man schon im Kindergarten. Meine Kinder hatten nie Probleme, sich dort einzuleben und gelten alle als sehr sozial eingestellt und der Gemeinschaft zuträglich.
Meine Kinder haben Haustiere. Wir haben einen Hund, etliche Wellensittiche und ein paar Fische im Gartenteich. Diese pflegen sie mit mir zusammen und lernen so Verantwortung kennen. All diese Dinge können wir ihnen aber nur bieten, weil ich die meiste Zeit zuhause bin. Wären wir beide Vollzeit berufstätig, wären neben den Kindern auch die Tiere fehl am Platze.

Wir unternehmen mit unseren Kindern viele Ausflüge. Ich mache Radtouren mit ihnen bei denen wir viele historische Stätten in der Umgebung aufsuchen. Das ist zum einen ein Unternehmen im Familienverband, zum anderen sportliche Betätigung und man tut etwas für die Allgemeinbildung des Nachwuchs.

Geburtstage feiern wir immer noch zuhause. Mc Donalds als Ausstatter , den Indoorspielplatz oder das Schwimmbad oder den Freizeitpark kann ich mir ehrlich gesagt nicht leisten. Ich setze da auf Kreativität. Wir haben da viele Geburtstage mit lustigen Kinderpartyspielen gefeiert, wir haben Schnitzeljagd im nahegelegenen Wald veranstaltet, wir haben Übernachtungspartys gefeiert und und und... Ein Fest für die Kinder, an ihrem Ehrentag. Das ist Ehrensache. Ein rauschendes Fest mit viel Action, hausgemacht, liebevoll gestaltet, zum kleinen Preis. Und ich glaube, dass diese Feiern den Kindern mehr geben als jedes Abliefern bei Mc Donalds plus dortiger Geburtstagstorte und Küchenführung...

Wir haben versucht und versuchen es noch, unseren Kindern Werte beizubringen, die sich nicht in Cent und Euro messen lassen.

Die Kleiderfrage:


Müssen es wirklich Markenkleidungsstücke sein?Die Antwort ist ganz klar: NEIN.
Meine Kinder tragen in den seltensten Fällen Markenkleidung. Sie sind immer sauber und adrett gekleidet, auch modern. Aber ich weigere mich den Hype um Nike, Adidas und Co mitzumachen. Und ich denke, dass es auch nicht sein muss. Meine Kinder sind selbstbewusst genug, auch ohne Markenkleidung durchs Leben zu kommen. Und ich bin stolz darauf, dass auch sie gelernt haben, einen Menschen nicht auf seine Kleidung zu reduzieren. Wir haben nie Mobbingprobleme deswegen gehabt oder ähnliches in den Schulen/Kindergärten. Im Übrigen finde ich eh, dass es immer weniger Kinder/Jugendliche werden, die wirklich nur auf Marken aus sind. Zumindest ist es in unserer Region so. Ich denke auch, dass es vielfach die Eltern sind, die die Kinder in die Kleiderfrage drängen. Denn eigentlich möchte ein Kind doch nur bequem und hübsch gekleidet sein, ob da nun Lacoste auf dem Lable steht oder gar nichts...
Insofern ist das Problem der Markenkleidung meiner Ansicht nach eines, das künstlich geschaffen wurde.
Kinderfreundlich ist, wenn man ein Kind Kind sein lässt und dazu gehört nun meiner Ansicht nach auch, dass es sich keine Gedanken um den Hersteller seines T-Shirts etc machen sollte.

Kinderfreundlichkeit in der Gemeinde:


Ich finde, es beginnt schon in der Familie mit der Kinderfreundlichkeit. Mir macht es nichts aus, wenn meine Kinder schmutzig aus dem Garten zurückkommen, mir mein neues Badezimmer verschmutzen,mich dabei aber anstrahlen: „Wir haben toll gespielt, Mama!“
Das sind dann die Momente, wo ich gern zu Wischlappen und Feudeleimer greife und die Hinterlassenschaften meiner Rasselbande wieder säubere.
Kinder sollen Kinder sein,mal Fünfe gerade sein lassen und sich austoben, vieles erleben und entdecken und begreifen, das sogar im wahrsten Sinne des Wortes.
Doch das können sie kaum noch irgendwo, denn überall, wo es Spaß machen könnte,zu spielen, steht „Betreten verboten“ und so weiter.
Es gibt viele Verbote, die teilweise so sinnlos sind, die Kinder in den Orten beschneiden und die Freiheit zum Spielen nehmen.
Allerdings kann ich für meinen jetzigen Wohnort bescheinigen, dass man sich wirklich Mühe gibt, viele Spielplätze zu schaffen, die die Kinder nutzen können. Diese sind auch gut im Schuss und wirklich schön gestaltet. Doch letztlich ist auch hier das Spielen mehr oder weniger vorgegeben. Die Freiheit wie wir sie noch in unserer Kinderzeit hatten, gibt es so nicht mehr. Und daran sind nicht nur die Verbotsschilder schuld, sondern auch das große Verkehrsaufkommen und allgemein die Angst, die Kinder „stromern“ zu lassen. Die Gefahren sind heute andere oder zumindest ausgeprägtere als die, die unseren Kindertagen auf uns lauerten.

Fazit:


Ich könnte hier noch vieles vieles mehr anbringen in diesem Bericht. Doch das würde endgültig den Rahmen sprengen. Es wird in diesem Land nicht einfacher für Familien mit (vielen) Kindern. Es wird immer schwerer. Jeder muss seinen Weg finden, um glücklich zu werden und es zu schaffen, seine Familie glücklich zu halten, wenn er eine gründet. Die Meinungen gehen da stark auseinander, das weiß ich. Wir für unseren Teil haben unseren Weg mit unseren vier Kindern gefunden und freuen uns, dass wir sie haben. Allerdings habe ich auch viel Verständnis für Menschen, die sich gegen Kinder in der heutigen Zeit entschieden. Mein Mann hat einem ganz jungen Arbeitskollegen sogar den Rat gegeben, sich die Familiengründung genau zu überlegen. Der junge Mann war ganz erstaunt: „Aber du hast doch selbst vier Kinder.“ „Eben,“ hat mein Mann gesagt, „daher weiß ich ganz genau, was das heißt. Und die Zeiten werden nicht besser werden“. Vielleicht haben wir trotz aller Widrigkeiten, die man im laufe der Jahre festgestellt hat, noch die beste Zeit mit gehabt nach den unbeschwerten Zeiten der eigenen Kindheit. Eines ist klar, wenn sich alles in die gleiche Richtung weiter entwickelt, wird es noch schwieriger sich in Deutschland für Kinder zu entscheiden. Und ich bin ehrlich gesagt sehr gespannt darauf, ob ich irgendwann Großmutter werden werde oder ob die wirtschaftlichen Befindlichkeiten dafür sorgen werden, dass das nicht der Fall sein wird. Auch dafür hätte ich Verständnis.

Dennoch halte ich es mit Reihard Mey: Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, ich würde heute noch mein Apfelbäumchen pflanzen.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • AndreaMimi veröffentlicht 01.05.2013
    Du hast wohl "bessere Zeiten damit" gehabt. ;) Jetzt stimmt's. ;) 4 Kinder, wow, alle Achtung. VhG Andrea
  • t.schlumpf veröffentlicht 19.01.2012
    So nach ein wenig Auszeit bin ich wieder öfter da ;o)
  • V2A-Stahl veröffentlicht 01.12.2011
    Ja, es gibt noch viele viele unangesprochene Punkte, die man als stolzer Vater dreier Kinder hat. Dein Bericht spricht mir aus dem Herzen
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Produktbeschreibung des Herstellers

Deutschland hat die niedrigste Geburtenrate in Europa, was sind die Gründe?

Ciao

Auf Ciao gelistet seit: 12/08/2011