Iwein - Text der siebenten Ausgabe / Hartmann Hartmann von Aue

Iwein - Text der siebenten Ausgabe / Hartmann Hartmann von Aue

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Die Ausgabe des 'Iwein'-Romans Hartmanns von Aue stellt neben den mittelhochdeutschen Text nach der Ausgabe von Ludwig Wolff eine zeilengetreue Übersetzung ins Neuhochdeutsche. Ein...
mehr...ausführliches Nachwort behandelt die Informationen zu Autor und Werk und zu den Problemen seiner Interpretation.





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Der Ritter mit dem Löwen
Erfahrungsbericht von Haramis über Iwein - Text der siebenten Ausgabe / Hartmann Hartmann von Aue
11.06.2001


Produktbewertung des Autors:   


Pro: ein Muß für jeden Artus - Fan
Kontra: Mittelhochdeutsch ist eben eine Sache für sich

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Hartmann's "Erec", den ersten deutschen Artusroman, habe ich bereits vorgestellt, deswegen möchte ich mich diesmal auf "Iwein" konzentrieren.

"Iwein" ist ebenfalls eine Adaption von Chrétien de Troyes ("Yvain"), stützt sich ursprünglich jedoch auf alte keltische Überlieferungen. Dort wurde Iwein zeitweise auch "Owein" genannt. In einer Sammlung kymrischer Schriften - "Mabinogion" genannt - ist beispielsweise ein Text mit dem Titel "Owein und Luned" enthalten.

Hartmann's "Iwein" entstand vermutlich vor 1205 und ist uns heute noch in 15 vollständigen Ausgaben und 13 (in manchen Texten heißt es auch 17) Fragmenten erhalten. Daran kann man erkennen, daß die Verbreitung der Texte allgemein stark zugenommen hat. Bei "Erec" z. B. gibt es heute nur noch eine einzige vollständige Schrift.

Worum geht es im "Iwein"?

________________________________________________________________

Inhalt
******

(Da es sich hier nicht um Trivialliteratur handelt, habe ich mir erlaubt, auch den Schluß du erzählen. Spannung gab's bei den mittelalterlichen Geschichten ohnehin nicht, so daß ich nichts verrate, was nicht sowieso schon von Anfang an ersichtlich wäre. Wer sich mit mittelhochdeutscher Literatur auskennt, der weiß, daß die ganzen Romane nach "Schema F" aufgebaut sind und immer auf eine bestimmte Art und Weise verlaufen müssen.)

Als Artus an Pfingsten ein Fest feiert, erzählt der Ritter Kalogrenant, daß er an einem Brunnen von einem Ritter im Kampf besiegt worden sei. Seine êre (= Ansehen, nicht "Ehre" im heutigen Sinn) ist damit gefährdet. Artus beschließt sofort, mit seinen Ritter auszureiten, um Kalogrenant zu rächen. Doch der hitzköpfige Iwein will den Ruhm selbst einheimsen und reitet den anderen voraus.

Als er am Brunnen anlangt, gießt er dort aus einer Schale Wasser auf einen Stein. Sofort zieht ein schwerer Sturm auf und der Ritter, der das Land verteidigen soll, kommt angeritten, um sich Iwein im Kampf zu stellen. Doch der Ritter (Askalon) wird von Iwein tödlich verwundet und kann sich noch bis zu seiner Burg schleppen. Iwein verfolgt ihn, gerät aber in eine Falle.

Eingeschlossen zwischen zwei Toren muß er nun darauf warten, daß seine Richter erscheinen, denn inzwischen ist Askalon gestorben und das Volk wütend auf denjenigen, der seinen Tod zu verantworten hat. Doch Iwein hat Glück im Unglück. Eine der Kammerzofen - Lunete - kennt den Ritter von einem früheren Besuch am Artushof. Iwein war der einzige, der sich damals um sie bemüht hatte. Deshalb beschließt sie, ihm zu helfen und gibt ihm einen Stein, der ihn unsichtbar macht.

Tatsächlich gelingt es den Leuten, die fieberhaft nach ihm suchen, nicht, ihn zu finden. Doch einfach weggehen kann Iwein nicht, denn er hat sich in die trauernde Witwe Laudine verliebt...

Mit Lunetes Hilfe gelingt es ihm, Laudine davon zu überzeugen, daß sie ihn heiratet. Da Iwein ihren Gatten erschlagen hat, ist das Land nun ohne Schutz und Laudine braucht einen Ritter, der den Brunnen verteidigt. Als sie in die Heirat einwilligt, hat sie sich bereits in Iwein verliebt. Doch das Glück der beiden hält nicht lange über die Hochzeitsnacht hinaus, denn Gawein schafft es, Iwein zu überreden, nicht den gleichen Fehler wie Erec zu machen und seinen Ritterpflichten trotzdem nachzukommen (man erinnere sich: Erec hatte nach seiner Hochzeit nichts besseres zu tun, als mit Enite das königliche Schlafzimmer einzuweihen :-)).

Iwein reitet mit den Rittern zum Artushof, nachdem Laudine ihm eine Frist von einem Jahr gegeben hat, um zu ihr zurückzukehren. Es kommt natürlich, wie es kommen muß: Iwein verpaßt die Frist und Lunete kommt an den Artushof, um ihm vor versammelter Ritterschaft zu erklären, daß er ein treuloser Ehemann sei und keine êre verdiene. Iwein, der verzweifelt über den Verlust von êre und Gattin ist, verfällt dem Wahnsinn und haust gleich einem wilden Tier im Wald.

Drei junge Frauen finden ihn und erkennen ihn. Mit einer Wundersalbe heilen sie ihn von seinem Wahnsinn und im Gegenzug dazu hilft er der Gräfin, sie von einem Ritter zu befreien, der sie bedroht. Iwein reitet danach sofort weiter. Er will seine Fehler wieder gutmachen und beginnt damit, als er auf einer Lichtung einen Drachen mit einem Löwen kämpfen sieht. Er tötet den Drachen und der Löwe ist von nun an sein treuer Gefährte (daher auch Chrétiens Originaltitel: "Le chevalier au lion", der Ritter mit dem Löwen).

Auf seiner Weiterreise gelangt Iwein wieder zum Brunnen und erfährt, daß man Lunete hinrichten will, weil sie es war, die Laudine überredet hatte, Iwein zu heiraten. Man klagt sie des Hochverrats an und gibt ihr die Möglichkeit, sich einen Ritter zu suchen, der sie in einem Zweikampf verteidigt. Iwein, der sich schuldig fühlt, sagt sofort zu. Doch vorher reitet er noch zu einer Burg, um Gaweins Schwester von einem Riesen zu befreien.

Gerade noch rechtzeitig schafft er es zurück und kann Lunete vor der Hinrichtung bewahren. Nachdem Laudine ihn nicht erkannt hat, zieht Iwein mit seinem Löwen weiter. Sie kommen auf eine Burg, deren Herr gerade gestorben ist. Nun streiten seine beiden Töchter um das Erbe. Während Iwein sich bereit erklärt, für die Jüngere der beiden einzutreten, zieht die Ältere Gawein auf ihre Seite. Die beiden Ritter wissen nichts voneinander und stehen sich plötzlich im Zweikampf gegenüber. Erst als Gawein beschließt, seinen starken Gegner kennenzulernen, erfährt er, daß es sich um seinen Vetter Iwein handelt. Beide verweigern von nun an den Kampf und Artus muß den Streit der Schwestern schlichten.

Iwein reitet nun abermals zum Brunnen, schüttet soviel Wasser auf den Stein, daß Laudine sich nicht mehr zu helfen weiß - schließlich hat sie noch immer keinen Ritter, der für ihr Land kämpft. In ihrer Not bittet sie Lunete, ihr den Ritter mit dem Löwen zu bringen. Lunete überlistet sie und ringt ihr den Eid ab, daß sie dem Ritter, wenn er denn für sie streiten will, hilft, sich mit seiner Herrin zu versöhnen. Laudine geht darauf ein und muß schließlich erkennen, daß der unbekannte Ritter kein anderer als Iwein ist. Gemäß ihrem Eid versöhnt sie sich mit ihm und es kommt zu Laudines berühmten Kniefall...

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Iwein
*****

Iwein ist ein Held, der für den Artus-Roman typisch ist. Die Figur entwickelt sich im Laufe der Geschichte. Zu Anfang ist Iwein noch sehr überheblich, egoistisch und handelt überstürzt -> man denke hierbei vor allem an die Brunnen-Aventiure (aventiure = Abenteuer, das ein Ritter bestehen muß, um seine êre zu erhöhen), wo Iwein sogar König Artus unbedingt zuvorkommen will.

Nachdem er vom Wahnsinn geheilt worden ist, macht Iwein sich auf, all seine Fehler wieder gut zu machen. Er kämpft nur noch für andere, setzt sich für alle möglichen Leute im Kampf ein, wie z. B. Lunete oder die Gräfin. Er entwickelt Pflichtbewußtsein, als er nach der Befreiung von Gaweins Schwester zu Lunete zurückkehrt und er überwindet seinen Egoismus, indem er am Ende nur noch inkognito auftritt und überall nur als "Ritter mit dem Löwen" bekannt ist.


Laudine
*******

Die Figur der Laudine entstammt der Darstellung von Morgan le Fay. Morgana wurde in den keltischen Legenden als eine Art Hohepriesterin beschrieben, die auf einer verzauberten Insel über neun Jungfrauen herrschte. Sie hatte die Macht, über die Elemente zu gebieten, was die Entfesselung des Sturms durch das Ausschütten des Wassers erklären könnte.

Laudine ist eine sehr unabhängige Figur. Sie steht im Kontrast zum Artushof, der im "Iwein" eher negativ dargestellt wird (die Artusritter stehen bei dem Kampf der beiden Schwestern auf der Seite der Schuldigen, Gawein ist immer gerade unterwegs, wenn er gebraucht wird usw.). Sie ist eine eher pflichtbewußte Frau und trennt sich von Iwein nach Ablauf der Frist nicht, weil sie menschlich von ihm enttäuscht ist, sondern weil sie an ihr Land denken muß.


Buch
****

Ich habe hier die Ausgabe aus der "Manesse Bibliothek der Weltliteratur". Gekostet hat sie, wenn ich nicht irre (mußte zum Glück nicht selbst bezahlen :-)), so um die 40 DM (gibt's aber auch billiger). Das Buch ist zweisprachig, also mittelhochdeutsch / neuhochdeutsch, mit Lesebändchen. Es sind 10 Farbtafeln enthalten und das Format ist ungefähr DIN A 6 (Hausaufgabenheftformat, läßt sich super in die Handtasche stecken *g*). Es hat 562 Seiten und die ISBN lautet: 3-7175-1760-0.


Fazit
*****

Für Germanistik-Studenten ist "Iwein" wohl unumgänglich, aber auch für alle anderen Fans der mittelhochdeutschen bzw. mittelalterlichen Literatur kann ich es absolut empfehlen. Mir hat's Spaß gemacht, es zu Lesen und wenn mich mein Eindruck nicht getäuscht hat, ist es leichter zu lesen als "Erec", zumindest hat es aber weniger Seiten ;-).

"Iwein" ist so eine Art Gegenstück zu "Erec". Alles was Erec falsch gemacht hat, will Iwein richtig machen, was aber auch nicht so ganz funktioniert. Ähnlich verhält es sich mit Laudine und Enite. Während Enite diejenige ist, die ihrem Gatten treu ergeben ist und schon fast unterwürfig wie ein Hündchen ist, ist Laudine Herrin über ein Land und verhält sich auch dementsprechend.

"Laudines Kniefall" - um nochmal darauf zurückzukommen - ist übrigens mit großer Wahrscheinlichkeit nachträglich in das Werk hineingeflickt worden. Der Kniefall paßt nicht zu Laudines Wesen und wirkt sehr künstlich. Viele Forscher haben sich damit befaßt und sind zu den unterschiedlichsten Ansichten gekommen. Im Endeffekt sieht es aber wohl so aus, daß diese Passage nicht von Hartmann verfaßt wurde, sondern von einem anderen Autoren erst viel später hinzugefügt worden ist. (Vers 8121 - 8136, falls es jemand nachlesen will). Für diejenigen, die des Mittelhochdeutschen mächtig sind, zitiere ich die Stelle noch kurz:

"Dô sprach diu künegîn
'her Îwein, lieber herre mîn,
tuot genaediclîchen an mir.
grôzen kumber habet ir
von mînen schulden erliten:
des wil ich iuch durch got biten
daz ir ruochet mir vergeben,
wand er mich, unz ich hân daz leben,
von herzen iemer riuwen muoz.'
dâ mite viel sî an sînem vuoz
und bat in harte verre.
'stât ûf', sprach der herre,
'irn habt deheine schulde:
wan ich het iuwer hulde
niuwan durch mînen muot verlorn.'
sus wart versüenet der zorn."

In diesem Sinne - soll ich jetzt viel Spaß beim Lesen wünschen? Wo's doch für viele "nur" eine Pflichtlektüre ist? Na, ich tu's mal trotzdem :-)

Eure Haramis.   
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Pro: Amüsanter, als ich erwartet hatte
Kontra: Soapiger, als ich erwartet hatte

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30.09.2002
(03.10.2002)
"Iwein" ein weiteres Buch von Hartmann von Aue
Bewertung für Iwein - Text der siebenten Ausgabe / Hartmann Hartmann von Aue von Charrhat

Pro: -
Kontra: -

...Titel: "Iwein" (~1205) Autor: Hartmann von Aue: Diese Buch enthält rund 2000 Verse weniger als Erek und ist vermutlich auch erst Jahre später entstanden. Wie beim Buch des Erek wurde auch bei Iwein eine Dichtung von Chretien de Troyes als Vorlage benut ... Bericht lesen

Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich
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14.12.2007

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