Jagd auf einen Unsichtbaren

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Er war schon unsichtbar, bevor er unsichtbar wurde

4  13.10.2003 (30.03.2004)

Pro:
witzig, gute Effekte, schon der Gedanke ist interessant

Kontra:
nichts

Empfehlenswert: Ja 

carmen

Über sich: manchmal da....

Mitglied seit:15.12.1999

Erfahrungsberichte:1045

Vertrauende:148

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 90 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Wer wünscht sich nicht manchmal, absolut unsichtbar zu sein? Wenn man unsichtbar ist, kann man tun und lassen was man will, sich nehmen, was man will? Weit gefehlt, denn keiner kann sich wirklich vorstellen, was das bedeutet.
Da hat sich Carpenter, der bekannte Horrorfilm-Regisseur, wohl seine eigenen Gedanken gemacht und ein vergnügliches Resümee gezogen.


** Die Geschichte **
Nick Halloway (Chevy Chase) ist Börsenmakler, Charmeur und Lebemann. Von Arbeit hält er nicht viel, er hat keine Verwandten, keine Freunde und nur gelegentlich eine Beziehung.
Eines Abends trifft er in seinem Klub George Talbot (Michael McKean), einen Freund, und lernt dessen Begleitung Alice Monroe (Daryl Hannah) kennen. Zwar will er gleich mit der jungen Frau ins Bett, die lehnt aber eine flüchtige Affäre ab. Also geht Nick zurück in die Bar und läßt sich voll laufen.
Dementsprechend ist er am nächsten Tag nicht auf der Höhe, als er zu einem Vortrag in der Firma seines Kunden Magnescopics geht, der an Magnetfeldern und Molekularveränderungen arbeitet. Er legt sich in den Saunaruheraum der Firma und bekommt so die gewaltige Implosion im Computerraum nicht mit, bei der Teile des Gebäudes einfach verschwinden. Na ja, nicht einfach verschwinden, sondern geradezu unsichtbar werden.

David Jenkins (Sam Neil), Sektionsleiter beim FBI mit dem sinnigen Decknamen Skorpion, ist immer dort anzutreffen, wo Menschen verschwinden oder zu Tode stürzen. Er soll sich der Sache mit dem unsichtbaren Gebäude annehmen. Dabei entdecken sie in der Ruine etwas, das sich bewegt. Es ist Nick, der aus seinem Tiefschlaf erwacht ist und nun nicht weiß, was los ist.
Natürlich ist das FBI stark dran interessiert, den unsichtbaren Mann in die Hände zu bekommen. Denn was könnte man alles mit so einem Mann anstellen, wen könnte man alles umlegen, ohne erkannt zu werden?

Doch Nick gelingt es gerade noch, den Typen zu entkommen und irrt ziellos durch die Stadt. Doch wie lebt man, wenn man unsichtbar ist? Wie bestellt man ein Taxi? Wie ißt man, wenn alle Speisen im unsichtbaren Darmtrakt sichtbar werden und man die eigenen Hände zum Essen nicht sehen kann? Hast du schon mal einen Magen voller Speisen gesehen, in dem es geradezu brennt? Oder zieh mal Klamotten an, die unsichtbar sind. Gar nicht so einfach.

Natürlich ist der macht- und karrierebesessene Jenkins nicht auf den Kopf gefallen und sucht ihn genau an den Stellen, wo Nick sich aufhalten würde. Er will ihn unbedingt in die Hände bekommen und so gegenüber seinen Vorgesetzten die Oberhand behalten, weil es die absolute Macht bedeutet, einen solchen Mann zu besitzen.

Doch wem kann der Unsichtbare nun vertrauen, an wen kann er sich wenden? Das FBI hat ja genügend Methoden, um jemanden ausfindig zu machen.
Also verzieht er sich in das Sommerhaus seines Freundes George. Doch einige Tage später kommt der Hausherr selbst an, mit Frau und einem Freund. Und auch Alice ist dabei. Alle spekulieren, was mit Nick passiert sein könnte, denn die Zeichen sind unübersehbar, daß jemand im Haus war.
Also Richard sich an Alice ranmacht, geht Nick dazwischen und offenbart sich ihr. Damit hat er endlich eine Verbündete.
Doch auch hier stöbern ihn Jenkins und seine Männer auf.


** Darsteller
Chevy Chase war für mich eigentlich noch nie mein Fall. In zu vielen sinnlosen, verbissen komischen Filmen hat er mitgespielt. Hier allerdings finde ich ihn richtig gut. Mit viel Witz, coolen Sprüchen und einer großen Portion Abgebrühtheit meistert er seine Sache, die ihm zudem eine Menge Spaß zu machen scheint. Eigentlich schade, daß er danach nur in flachen Komödien verheizt wurde.

Sein Gegenspieler hat mich ein wenig überrascht. Sam Neill (Der Pferdeflüsterer) kenne ich sonst eher in ruhigen, gediegenen Rollen. Hier jedoch ist er so richtig böse und fies, scheut vor keiner Schandtat, ja nicht einmal vor kaltblütigem Mord zurück. Auf jeden Fall war das eine ungewöhnliche Rolle für ihn, die er aber absolut glaubhaft ausfüllt.

Daryl Hannah ist hier das schmückende Element zwischen zwei guten und entschlossenen Gegnern. Erst im letzten Drittel kommt sie so richtig zum Zug, was ihr immerhin gelingt, aber Chevy Chase stiehlt ihr mehr oder weniger die Schau.


** Filmkritik **
Wer denkt, hier handelt es sich um eine schnöde Komödie, der irrt. Klar, eine Komödie ist das schon, aber auf jeden Fall eine mit einer Botschaft. Wie oben schon mal gesagt, hat sich der Regisseur scheinbar seine ureigensten Gedanken um einen sehr alten Traum des Menschen gemacht: unsichtbar sein und diese Fähigkeit zu allerlei Spielchen zu nutzen.

Da haben wir zunächst eine nicht gerade sympathische Hauptfigur, ein kleiner Schmarotzer und Schwerenöter. Doch was ihm passiert, ist nicht fair. Denn wer möchte schon völlig überraschend damit konfrontiert werden, daß er sich nicht mehr im Spiegel sieht?
Zunächst denkt man wahrscheinlich als Zuschauer: toll, was könnte man dann alles anstellen. So wie eben die meisten Menschen spontan jubeln würden. Doch erst im Laufe des Films wird man nachdenklicher. Nicht nur, daß man vermutlich tatsächlich zum begehrten Studienobjekt wird, gewogen, gespritzt, durchleuchtet bis zum Erbrechen, später würden diejenigen sich einschalten, die diese Eigenschaft ausschlachten oder vermarkten wollen. Das halte ich nicht für abwegig und nicht nur für ein Land wie die USA denkbar. Das ist ein durchaus reelles Szenario.

Was bringt es wirklich mit sich, unsichtbar zu sein? Wen man darüber spekuliert, denkt man natürlich zuerst an die offensichtlichen Dinge, niemals an so etwas alltägliches wie essen, trinken, Stuhlgang, schlafen oder kommunizieren. Doch genau das macht einen großen Teil des Lebens aus und der wird dadurch nahezu unmöglich.
An einer Stelle des Films sagt der Hauptdarsteller: „Ich wusste bisher nicht, wie wichtig es ist, erkannt zu werden“. Da ist sehr viel Wahres dran.

Aber genug mit Philosophie über einen Zustand, der doch nur theoretisch und in Wunschvorstellungen existiert.

Der Film hat alles, was man zu einer guten Komödie braucht: einen freakigen Hauptdarsteller, Verfolgungsjadgen, die wirklich witzig sind, denn wie verfolgt man einen Unsichtbaren, ein wenig Liebe und eine Verschwörung.
Vor allem der Wortwitz der Dialoge und der gut dosierte Sarkasmus des Helden macht das Ganze zu einem Angriff auf die Lachmuskeln, der viel Spaß macht.

Hervorzuheben sind natürlich noch die für 1992 schon spektakulären und grandiosen Effekte, für die die Firma Industrial Light and Magic, eine Tochter der LucasArts Entertainment, verantwortlich zeichnet.


** Meine Meinung **
Fast schon ein Klassiker des Genres und eine gute Mischung aus Agentenfilm und Science-Fiction-Komödie. Der Hauptdarsteller liefert eine grandiose One-Man-Show, die temporeich und humorvoll ist und einige durchaus nachdenkenswerte Anstöße zu einem alten Menschheitstraum liefert.
Empfehlenswert.

** Daten **
USA 1992
Regie: John Carpenter
Musik Shirley Walker
Drehbuch: H. F. Saint
FSK 6


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
tinavfl

tinavfl

06.04.2004 13:10

Toller Bericht! LG TINA

Schwaben-Elch

Schwaben-Elch

06.11.2003 21:13

Ich glaub, nach dem halte ich mal in der Videothek Ausschau! Schöner Bericht :-)

gabi37

gabi37

26.10.2003 10:17

Ich kann mich an den Film gar nicht mehr so genau erinnern, aber ich weiß noch, dass er mir ganz gut gefallen hat. Liebe Grüße, Gabi

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