Guten Tach, auf Wiederseh'n!
07.04.2004
Pro:
Jazzmusik, Helge, Improvisation, weniger Klamauk
Kontra:
das Ende is albern
Empfehlenswert:
Ja
 Jean-Luc_Picard
Über sich:
Mitglied seit:10.03.2001
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Vertrauende:52
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 41 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Eines steht schon mal von Beginn an fest. Entweder man mag ihn oder nicht. Die Rede ist von Helge Schneider, der singenden Herrentorte aus Mühlheim, der richtig bekannt wurde mit dem Film "Texas – Doc Snyder hält die Welt in Atem" und dem Erfolgshit "Katzeklo". Nur diese Tatsachen allerdings als Schneiders Markenzeichen anzusehen, ist ein wenig zu wenig, den Helge Schneider ist weitaus mehr als nur ein Blödelbarde, er ist auch begnadeter Jazzmusiker. Und gerade das kommt in seinem neuen Film weitaus stärker raus als in all seinen anderen filmischen (Meister)werken. Auch wenn der Inhalt eigentlich absolut nebensächlich ist und dauerimprovisiert scheint, hier eine kurze Zusammenfassung: Teddy Schu (Helge) ist Jazzmusiker, aber der Laden in dem er mit seinen Bandkollegen Steinberg (Jimmy Woode) und Risk (Pete York) spielt ist immer leer. Teddys Frau aber will, dass Geld in die Haushaltskasse fließt, so dass Teddy gleichzeitig als Fischverkäufer, Zeitungsjunge und Mann für gewisse Stunden arbeitet...
Ok, mehr ist dazu nicht zu sagen, weil der Film einfach nicht mehr Inhalt hat. Wie bei jedem bisherigen Helge Schneider Film scheint das Drehbuch einfach nur aus einigen wenigen Anweisungen zu bestehen. Die meisten Dialoge wirken improvisiert als hätte es keine Vorlage gegeben. Die Story um Jazzmusiker ist Beiwerk zu den vielen Musikeinlagen, die der 84 minütige Film bietet. Aber eines fällt im Gegensatz zu den früheren Filmen auf. Es scheint zumindest ein wenig ernster beim Dreh am Set zugegangen sein, den es gibt nur ganz wenige Szenen, in denen sich die Darsteller einfach nur kaputt lachen. Dagegen bleiben die Dialoge auf dem alten Helge Niveau. "Guten Tach, auf wiederseh'n!" und "Och, was bin ich müde" sind in etwa Hauptsätze des Streifens. Dabei spielt Helge Schneider wie so oft gleich mehrere Rollen und ist sich auch mal wieder nicht zu schade, in die verrücktesten Kostüme zu schlüpfen und die blödesten Rollen zu spielen. Das kann er gut, ein wenig blödeln, Grimassen schneidend in die Kamera gucken und einfach irgendwas daher brabbeln.
Mit von der Partie sind wie eigentlich immer Peter Thoms (als Kultpflasterverkäufer, der nur einen Satz den ganzen Film lang immer und immer wiederholt), Andreas Kunze (diesmal in einer Männerrolle als Billardspieler, der kaum was sagen darf) und Charlie Weiß (in "Texas" der Gott nun als weiser Penner, der Teddy Ratschläge für's Leben gibt. Ob man bei diesen dreien von Schauspielkunst sprechen darf, wage ich zu bezweifeln, aber alle drei haben auf ihre Art ihren Charme bewahrt und gegen ihn n das Publikum weiter. Zu erwähnen allerdings sind in jedem Fall die beiden lebenden Jazz-Legenden Jimmy Woode und Pete York, die Teddys Band ergänzen. Auch hier ist es nicht die Schauspielleistung, die überzeugt, sondern die großartigen Auftritte an Kontrabass und Schlagzeug, woran man erkennt, dass dieses Duo den Vollblutjazzer Helge sehr gut ergänzen.
Und das ist es auch, was den Film eigentlich ausmacht. Die Musik steht diesmal absolut im Vordergrund, die Story um Teddy Schu ist absolut belanglos und (Helge würde sagen) albern. Besonders das Ende ist absolut abgedreht, wie man es aus den vorherigen Filmen des Entertainers gewohnt ist. Aber die Jazzstücke haben mir sehr gut gefallen und Schneider nutzte hier die Gunst der Stunde, um auch seinem Heimatort Mühlheim an der Ruhr ein Denkmal zu setzen und eigentlich so ein klein wenig seine beginnende Karriere aufzuzeigen, denn er selber hat als Jazzmusiker in Bars angefangen, bevor er mit seinem Klamauk viel berühmter wurde. Die Komik des Films ist in allen Belangen situationsbezogen und wirkt, würde man es erzählen, einfach nur stumpf. Muss man Schneider Fan sein, um diesen Film sehen zu wollen? Ich kann es nicht sagen. Aus meiner Sicht ist Helge deutlich weiter gegangen als in seine anderen Filmen und hat dem Klamauk teilweise abgeschworen. Ich selber finde Helge ziemlich kultig, würde mich aber nicht als Fan bezeichnen. Trotzdem habe ich mich im Kino köstlich über die spontanen Einlagen im Film amüsiert und an den Jazzstücken sehr gefreut, obwohl ich kein richtiger Jazzfan bin. Es ist mit Sicherheit ein individuelle Entscheidung, den Film zu sehen oder nicht, ich kann ihn nur empfehlen, weil Helge Schneider in meinen Augen deutlich mehr Humor hat als jede amerikanische Teeniekomödie, irgendein deutscher Abklatsch davon oder ein Möchtegern lustiger Film von Leuten wie Otto, Bully oder anderen Knalltüten.
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12.05.2007 12:25
Das Ende: Die Verwirklichung von Teddys Traum, Jazzmusiker zu werden kann nur durch einen deus ex machina ermöglicht werden. Tragisch und komisch.
03.05.2004 20:34
Ich fand den Film absolut genial und habe mich stellenweise ganz schön schlappgelacht *gg* Die Musik fand ich dann eher langweilig..
28.04.2004 23:32
Sehe ich fast alles genau wie du! Jazz ist die Hauptsache im Film aber ein bissschen mehr Albernheiten hättens meiner Meinung nach schon sein dürfen! Super Bericht :-)