Kult auf 4 Geländereifen
13.05.2004
Pro:
unvergleichliches Fahrgefühl, einzigartig
Kontra:
das Alter
Empfehlenswert:
Ja
 Alex4Paradise
Über sich:
Mitglied seit:11.05.2004
Erfahrungsberichte:11
Vertrauende:8
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 30 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als hilfreich bewertet
DER JEEP: Er hat zusammen mit dem VW Käfer wohl das markanteste Gesicht (Grill) der Autoindustrie. Wer schon einmal in einem CJ7 gesessen ist, weiß, welche Freude es bereitet. Unvergleichbar der Sound des 4,2-L (112 PS) Reihenmotors, unglaublich das Cabrio-Gefühl, welches man durch herausnehmen der Türen und dem herunterklappen des Softtops erreicht.
Man muß schon ein wenig verrückt sein, wenn man sich ein solchen, echten Geländewagen kauft, welcher von 1976 - 1986 gebaut wurde. Die Technik erinnert mehr an die 60er Jahre, aber sie ist auch Teil der Faszination, genau so wie das zeitlose und edle Armaturenbrett, welches sich in der Mitte befindet. Auch als Nicht-Machaniker kann man viel selbst reparieren ... von welchem anderen Auto kann man das schon behaupten? ___________________________________
AUFBAU, MOTOR: Auf Blattfedern und Leiterrahmen ist der AMC CJ7 mit seinem kurzen Radstand zwar der große Bruder des noch kleineren CJ5, aber fürs Gelände ist er genau richtig. Ohne viel Mühe überwindet der Motor, welcher schon bei sehr niedrigen Drehzahlen eine unglaubliche Kraft entwickelt, noch so steile und schwierige Off-Road Passagen. Aber auch auf der Straße ist er fahrbar. Sagen wir mal so - man schläft sicherlich nicht ein.
Die 112 PS des großen Reihen-Motors scheinen wenig, man glaubt aber, es stecken mehr PS unter der Haube - die Kraftentfaltung ist dank kurzer Übersetzung um einiges intensiver als bei den neueren Wrangler YJ und TJ Modellen, die trotz 4,0-L Einspritz Motor (mit 177 PS) leider durch europa-gerechte lange Übersetzungen nie in den Genuss dieser Zugkraft, gerade bei sehr niedriger Drehzahl kommen. Kurz gesagt: Mit dem CJ7 kann man trotz 3 bzw 4 Gang Schaltung auch auf Steigungen der Autobahn noch beschleunigen und überholen, was mit einem 177 PS Wrangler YJ und TJ einfach nicht mehr möglich ist. _____________________________________
AUSSTATTUNG: Die Ausstattung (3 Modelle - Renegade, Laredo, Golden Eagle / Limited) hat nichts mit Luxus zu tun und beschränkt sich auf das "muss": Scheibenwischer mit 2 Geschwindigkeitsstufen, Fuß- und Frontscheibenheizung, Mittelkonsole (Sonderausstattung), Sitze mit verstellbarer Lehne und ein höhenverstellbares Lederlenkrad (ebenfalls Sonderausstattung). 1986 gabs dann sogar einen Intervallschalter für den Scheibenwischer.
Das Platzangebot ist für die Frontpassagiere sehr gut, da auf einen Plastikverbau wie in den neueren Autos verzichtet wurde. Die Passagiere auf der Rückbank haben es bei einem Jeep nie wirklich gut gehabt. Im CJ würde ich keinen eine längere Fahrt auf der schmalen Rückbank ohne viel Beinfreiheit zumuten. Die maximale Geschwindikeit von 140 kmh würde ich nicht empfehlen. Der Jeep eignet sich eher zum gemütlichen cruisen. Das Fahrwerk ist durch die Blattfedern straff aber gut. Mich hat mein CJ eigentlich noch nie im Stich gelassen, und ich fahr ihn als Alltagsauto täglich. Trotz des hohen Alters ist der Motor spitze drauf, durch den neuen Weber Vergaser spart er Benzin und gibt mehr Stoff, was sich gerade im Gelände positiv bemerkbar macht. Mit dem Bestop Supertop ist er auch absolut dicht - selbst bei stärkstem Regen.
___________________________________ SCHWÄCHEN (altersbedingt):
Natürlich ist ein solch altes Auto nicht perfekt - bei meinem 1981er gibts immer was zu basteln und zu reparieren. Durch die einfache Technik und den einfachen Aufbau gelingt einem jedoch vieles selbst, wenn man nur genug Zeit investiert und kreativ ist. Zu den typischen Krankheiten des CJ's gehören mit Sicherheit der fehlende Rostschutz, die Motor- und Getriebedichtungen, die analoge, anfällige Elektrik und der gesamte Kabelstrang. Auch bringt der fast unvermeidbare Wassereintritt an und unter der Windschutzscheibe Feuchtigkeit ins Innere und in die Amaturen - was natürlich auch nicht die Langlebigkeit der Instrumente fördert.
Der Motor jedoch ist einfach unkaputtbar, und wenn man auf das Getriebe (obwohl ein Verschleißteil) ein wenig aufpasst, hat man es auch ewig. Er sollte halt immer genug Öl intus haben und ab und zu komplett durchgespült werden. Ein alter Motor braucht natürlich mehr Pflege als ein neuer. _____________________________________
MODELL-INFO: Der Jeep wurde als 4, 6 und 8 Zylinder angeboten, neben dem wartungsfreien 3-Gang Heavy Duty Schaltgetriebe, den 4- und 5-Gang Schaltgetrieben in den 80ern auch mit 3-Gang Automatik und sogar mit franz. Diesel Motor, welcher sich aber nie durchsetzte.
Der Jeep hat eine original Höhe von guten 1,80 m, obwohl nur mehr sehr selten ein CJ im Originalzustand zu finden ist. Viele bezeichnen ihn als den original Jeep, obwohl er bereits die 7 Generation (deshalb auch der Name CJ7) des zivilen Jeeps darstellt.
1986 wurde er vom AMC Wrangler YJ ersetzt. Ihn kennzeichnen erstmals eckige Frontleuchten (die nicht jedermanns Sache waren), breitere Achsen und ein straßentauglicheres Fahrverhalten. 1996 kam der Wrangler TJ, welcher erstmals mit Schraubenfedern und japanisch wirkenden Armaturenbrett meiner Meinung nach nicht mehr viel vom Mythos Jeep vermitteln kann. Man sitzt wie in einem Normal-Auto, und fährt auch so. Sehr unspektakulär. ___________________________________
FAKTEN: - fast 500.000 produzierte Einheiten (1976-1986) - 10-20 L Verbrauch (4,2-L 6 Zylinder) - zuschaltbarer Allrad (mit Freilaufnarben) - sehr robuste, einfache Technik - Sofftop und Hardtop Version - Türen einfach aushängbar - massig Zubehör von Bestop, SteelHorse und Mopar
Der Jeep kann entweder als Pkw, oder als Klein-LKW angemeldet werden. Die älteren Modelle gehen, wenn man in einem Oldtimer-Club Mitglied ist und in halbwegs unverbauten Zustand sind, auch als als ein solcher durch, was natürlich den Steuer-Geldbeutel schont. Ist der CJ nicht restauriert, so kann man damit rechnen, das beinahe wöchentlich Reparaturen anfallen, was sich ohne gewillte, flinke Hände od. Mechaniker-Kumpel schon auf den Kontostand schlagen kann.
_____________________________________ TIPPS:
Der original Carter Vergaser verträgt keine Kälte und ist altersbedingt nicht unbedingt zu empfehlen. Am besten gegen einen Weber Doppel-Vergaser tauschen, dann schnurrt er wie ein Kätzchen, auch bei noch so kalten Temperaturen. Neue Verdecke (und massig Zubehör) werden noch immer von amerikanischen Jeep Spezialisten wie BESTOP und STEELHORSE produziert, deren Qualität eindeutig höher als die original Teile sind und eine rasche Monatge bieten, die schon an die Tops vom neuen TJ heranreichen.
___________________________________ FAZIT:
Der CJ7 war und ist das Urvieh unter den Geländewägen, das einzig wahre Original mit simpler aber robuster Technik und Off-Road Eigenschaften, von denen sämtliche neue SUV's nur träumen können. Der Fahrkonfort ist, obwohl nicht mit PKWs zu vergleichen, nicht der schlechterste und man nimmt ihn für die Möglichkeit "überall" hinzukommen gerne in kauf. Hart gefedert lernt man den Purismus des Jeeps zu schätzen, denn man beginnt sich wieder instinktiv aufs wesentliche zu konzentrieren, aufs Fahren. Grüße, Sandra
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02.07.2004 10:35
Interessanter Bericht über einen echten Exoten. Gerne hätte ich noch was über Kosten, insbesonder Ersatzteile/Instandhaltung und Marktsituation in Deutschland erfahren. Irritiert hat mich der Begriff "SUV". Mal abgesehen davon, dass davon in den 70ern noch niemand gesprochen hat, ist der CJ7 doch wohl eher ein echter Geländewagen - oder? Viele Grüße, Thomas
14.05.2004 00:51
Eigentlich ein sehr guter Bericht, wenn nur die technischen Daten fehlen würden. Platzverhältnisse, Leistung, .... Bei Überarbeitung bewerte bitte melden. Gruß Reiner
13.05.2004 15:29
Hier fehlen mir die wirklichen Erfahrungen. Ehrlich gesagt, es kommt mir fast ein wenig vor (auch wenn ich falsch liegen sollte), dass Du selber keinen besitzt, sondern Dich nur mit dem Thema beschäftigt hast....LG, Matthias