Willst du mit mir gehen? Kreuze an: Ja/Nein

4  27.05.2003

Pro:
Man gewinnt ein Stück Wahrheit zurück

Kontra:
Es kann nach hinten losgehen, oftmals Enttäuschung über Reaktion

Empfehlenswert: Ja 

Azurcristall

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Bevor ihr denkt, dass ich mal wieder zeitweise gestorben bin, will ich mal wieder etwas von mir geben. Das Thema ist eines, von dem ich ein Liedchen singen kann: Wie gestehe ich jemandem per Brief meine Liebe? Wer wissen will, wie ich es gemacht hab, schaut sich meinen Bericht unter „Liebesbriefe“ an, ansonsten geht’s jetzt los mit meinen mehr oder weniger praxisnahem Tipps. (Ich spreche von meinem Gegenüber der Einfachheit halber immer von einem „er“)

1. Wahl der Abgabeart und des Abgabezeitpunkts
Was nützt einem ein fertiger Liebesbrief, wenn man auf einmal nicht weiß, wie der Liebste ihn bekommen soll. Bei der Abgabeart gibt es verschiedene Möglichkeiten: Ist der Angebetete ein Lehrer, hat dieser bestimmt ein nettes Fach, in den man sein Werk unbemerkt legen oder legen lassen kann. Ist er kein Lehrer (soll ja ab und an mal passieren *sfg*), wird es schon schwieriger. Entweder, man bittet einen Freund oder eine Freundin, den Brief abzugeben oder man beißt in den sauren Apfel und gibt ihn selbst ab. Die erste Variante ist wohl die weichlichste und ich finde so was absolut bescheuert, doch zur zweiten gehört viel Mut, den man nicht immer aufbringt.
Auch den Abgabezeitpunkt sollte man sich festlegen, um nicht selbst sagen zu können: „Och, irgendwann mach ich es schon.“ Ist also eher ein Psychologisches Druckmittel für sich selbst. Allgemein ist es wichtig, lieber etwas länger auf einen guten Zeitpunkt zu warten, als den Brief in einem unpassenden Augenblick dem Angebeteten vor die Füße zu werfen.
Erst denken, dann handeln.

2. Ziel & Inhalt
Wer sich hinsetzt und einfach mal munter drauf losschreibt, wird am Ende kaum ein vernünftiges Ergebnis vor sich haben. Als erstes sollte man sich mit der Frage „Warum?“ beschäftigen? Welche Absicht verfolgt man damit, der Person seine Liebe zu gestehen? „Einfach mal so...“ ist kein Grund. Will man der Sache ein ende setzen? Will man einfach nur, dass die Person endlich die Wahrheit erfährt oder erwartet man, dass die eigenen Gefühle erwidert werden? Je nach Ziel sollte der Brief entsprechend formuliert werden. In den Fällen 1 und 2 würde ich auf keinen Fall Wörter wie „Schatzi“ und sonstige Kosewörter benutzen. Allgemein finde ich es besser, wenn der Inhalt sachlich und vor allem gefühlvoll und emotional formuliert ist, als wenn man mit irgendwelchen blumigen Umschreibungen dem Kitsch freien Lauf lässt.

3. Art des Schreibens
Absolutes Not-to-do: Einen am PC geschriebenen Brief abgeben. Deine Sauklaue kann noch so hässlich sein (meine ist verdammt hässlich), mit etwas Mühe lässt sich immer noch ein gut lesbares und vor allem liebevolleres Schriftstück verfassen, als mit Word und seinen Freunden. Ich persönlich ziehe es vor, den Brief am PC zu verfassen, da man ihn so lange abändern kann, bis er einem gefällt. Danach ist es aber Pflicht, ihn auszudrucken und mit der hand abzuschreiben, auch wenn es teilweise etwas ermüdend ist.

4. Aussehen
Ein „Liebes“brief muss natürlich auch entsprechend daher kommen. Ich halte nichts von blumigen Verzierungen und farbigem Rosenpapier. Schlicht kommt oftmals besser an, daher rate ich, auf weißes und unliniertes DIN A4 Papier mit schwarzer oder blauer Tinte zu schreiben und dieses dann je nach umfang in einen der Größe entsprechenden weißen umschlag ohne Sichtfenster zu packen. Der Name vorne drauf sollte gut leserlich aber eher diskret und nicht zu verspielt sein.

5. Stimmung
Nicht jeder kann sich mal eben einfach so hinsetzen und all seine Gefühle zu Papier bringen. Mir hat es dabei immer sehr geholfen, Musik zu hören, die ich mit der entsprechenden Person verbinde. Am besten eignen sich Stunden, in denen man alleine ist und von niemandem gestört wird, in meinem Fall war das immer nachmittags vor 17 Uhr. Und wenn die geistigen Ergüsse nicht sprudeln, dann hat man entweder nichts zu sagen und sollte die Sache lieber ganz lassen, oder man sollte es na einem anderen Tag noch mal probieren.

6. Umfang
Reichen ein paar Zeilen schon oder sollte es doch der 10-seitige Brief werden? Viele sagen „Weniger ist mehr“ doch ich bin der Meinung, dass es ruhig auch mehr sein kann. Meine Briefe waren 5 bzw. 3 Seiten lang und ich bin heute noch der Meinung, dass es kein Wort zu viel war. Ich denke, wenn man viel schreibt, ist es weniger wahrscheinlich, dass der Gegenüber denkt, das wäre nur ein schlechter Scherz.

7. Abgabe
Ist das Werk vollbracht, will es noch abgegeben werden. Gegen wir nun mal davon aus, dass man den Brief selbst abgibt. Wenn man sich wirklich sicher ist, dass der Angebetete den Brief bekommen soll, zieht man sich einigermaßen gut an (nicht herausputzen aber auch nicht wie der letzte Penner von der Straße) und dann hilft nur noch: Augen zu und durch. Was man sagt, kommt darauf an, ob man in dieser Situation noch zum Sprechen in der Lage ist. Ich packte es immerhin noch „Jürgen“ zu sagen, bevor ich ihm den Brief panisch hinhielt und nur noch murmelte „Machs später auf.“ Und mich so schnell wie möglich aus dem Staub machte. Heldenleistungen sind hier sicherlich keine zu erwarten.

8. Reaktion & Das Leben danach
Man sollte beim Schreiben des Briefes niemals vergessen, dass es auch ein Leben nach der Abgabe des Briefes gibt und dass dieses möglichst angenehm verlaufen soll. Man muss damit rechnen, dass der Gegenüber auf den Brief reagiert und das nicht in schriftlicher sondern in verbaler Form. Wer der Reaktion des Anderen nicht gewachsen ist, sollte mit dem Brief lieber noch etwas warten. Denn der Brief soll schließlich dafür da sein, etwas zu klären.

9. Respekt vor den Gefühlen des Anderen
Der letzte Punkt hat sich für mich im Nachhinein als der wichtigste herausgestellt. Sowohl im Schreiben als auch nach der Abgabe sollte man eines nie vergessen: Die Person, der man das geschrieben hat, ist auch nur ein Mensch mit einem Leben und Gefühlen. Wenn die Person die eigenen Gefühle nicht erwidert, dann kann sie genauso wenig etwas dafür wie man selbst dafür kann, dass man eben genau diese Person leibt. Wenn die Person nicht so reagiert, wie man es sich erhofft hat, sollte man sich, bevor man sauer ist, auch mal fragen: Wie hätte ich an seiner Stelle reagiert? Und oftmals stellt man fest, dass die Person schon besser reagiert hat, als man es selbst getan hätte. Besonders, wenn die Person die eigenen Gefühle, die man ihr in dem Brief geschildert hat respektiert, sollte man das andersherum genauso tun.

Das waren nun also meine mehr oder weniger hilfreichen Tipps zum Thema Liebesbriefe schreiben. Aber da es hier um Gefühle geht, gibt es natürlich keine Erfolgsgarantie. Was in meinem Fall Erfolg gewesen wäre, kann ich noch nicht mal sagen, auch Erfolg ist relativ. Ich hab mit meinen Briefen auf Zeit betrachtet das erreicht, was ich erreichen wollte. Beim ersten eine Beendigung der Sache, beim zweiten Klarheit und Ehrlichkeit.

So lautet meine Abschließende Message: Sag bzw. schreib Leuten, was du für sie empfindest, morgen könnte es zu spät sein und du wünschst dir, dass du es getan hättest.
Der Titel ist natürlich das typische Negativbeispiel für einen Liebesbrief. ;o)

Respect all feelings!

27.05.2003 Annika

PS: Als nächstes gibt es einen Bericht in Anknüpfung an den Liebesbriefe-Bericht à la „How the story went on“

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Lieschen89

Lieschen89

18.06.2006 19:57

gute ideen echt ;)

heroeswearsocks

heroeswearsocks

26.06.2005 19:04

so ein kleiner leitfaden hilft. gerade bei dieser geistigen verwirrung handelt man nervös. mh.

iced_earth

iced_earth

16.06.2004 17:28

hm gute ideen ;D

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