Jim im Spiegel / Inger Edelfeldt

Jim im Spiegel / Inger Edelfeldt

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... Und darum geht’s: Erzählt wird die Kindheit und Jugend von Jim, der schon als kleiner Junge ein Einzelgänger ist. Zu Beginn eines jeden Kapitels berichtet die Mutter in kurzen Sätzen von ihren Erfahrungen, nimmt manches vorweg, was später aus anderer Sicht genauer geschildert wird. Der ... Bericht lesen





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Jimmy kommt raus
Erfahrungsbericht von StonerMcT über Jim im Spiegel / Inger Edelfeldt
30.04.2001


Produktbewertung des Autors:   


Pro: sensibler Jugendroman, aufklärerisch, aber ohne erhobenen Zeigefinger
Kontra: das Design der aktuellen Taschenbuchausgabe .  .  . brrrr

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Ich bin nicht wirklich objektiv, was dieses Buch angeht. Es hat ganz viel mit meiner persönlichen Geschichte zu tun. Ich war 14 oder 15, als ich dieses Buch zum ersten Mal gelesen habe. Seitdem habe ich es immer wieder getan.

Eher zufällig fiel mir damals dieses Buch in die Hände. Eine Klassenkameradin hatte es gelesen, und ich spitzte die Ohren, als sie von der schwulen Liebesgeschichte darin erzählte. Damals steckte ich selbst mitten im Coming out. Literatur zu finden, war jedoch wahrlich nicht einfach. Allein in der Erinnerung daran, wie wichtig das damals für mich war, als es noch kein Marienhof oder Bärbel Schäfer gab (keine Sorge, ich halte das nicht für die Offenbarung für Lesben und Schwule, aber immerhin wird inzwischen offen darüber geredet), würde ich dieses Buch über den grünen Klee loben. Aber ich habe es gestern nochmal gelesen und wurde wieder reingezogen in den Sog dieser Geschichte.

Und darum geht’s:
Erzählt wird die Kindheit und Jugend von Jim, der schon als kleiner Junge ein Einzelgänger ist. Zu Beginn eines jeden Kapitels berichtet die Mutter in kurzen Sätzen von ihren Erfahrungen, nimmt manches vorweg, was später aus anderer Sicht genauer geschildert wird. Der Rest der Geschichte ist in der Ich-Form geschrieben. Jim, der Erzähler, wächst in behüteten Verhältnissen in einem Stockholmer Nobel-Vorort auf. In der Schule wird er häufig als Streber gehänselt, und er hat auch schon früh das Gefühl, dass er anders ist als die anderen Jungs, die ab einem gewissen Alter nur über „das Eine“ reden. So ca. mit 14 freundet er sich mit Ulf an, einem etwas zwielichtigen Obermacho, der ihm geistig nicht mal halbwegs das Wasser reichen kann, den er aber aufgrund seiner Männlichkeit verehrt. Doch zu diesem Zeitpunkt versteht Jim noch nicht, welche Gefühle Ulf wirklich in ihm weckt.

Nach einigen Fehlstarts mit Mädchen und vergeblichen Versuch, so zu sein wie die anderen, gesteht sich Jim seine Homosexualität ein. Doch bis er sich über Selbsthass und Schuldgefühle hinwegsetzen kann, sollen noch einige Jahre ins Land gehen.

Am Vorabend seiner Abiturfeier lernt Jim Mats kennen und verliebt sich Hals über Kopf in ihm. Doch natürlich ist auch diese Liebe von Problemen überschattet, da Jim anfangs versucht, die Beziehung zu verbergen. Als er schließlich zu Mats zieht, und auch sonst nicht das tut, was die Eltern von ihm erwarten, nämlich studieren und weiterhin ein vorbildlicher Junge zu sein, wagt Jim, seinen Eltern die Wahrheit zu sagen. Gegenüber seinem Vater kommt es zum Bruch, die Mutter dagegen ist aufgeschlossener und beginnt, sich mit ihrer eigenen Ehe auseinanderzusetzen.

Einen Teil meines Lobes habe ich ja schon vorweggenommen. Ich finde dieses Buch großartig, weil die Autorin sich hervorragend in einen schwulen Junge hineinversetzt hat. Obwohl der Roman sehr psychologisch aufgebaut ist, verliert sich Inger Edelfeldt nicht in Psycho-Klischees nach dem Motto „Warum ist er nun so geworden?“, das finde ich auch angesichts der Tatsache bemerkenswert, dass dieser Roman von 1983 ist.

Der Stil ist sachlich, aber dennoch packend von der ersten bis zur letzten Seite. Uneingeschränkt empfehlenswert, nicht nur für junge Lesben und Schwule. Erfreut habe ich kürzlich für einen Kunden einen ganzen Klassensatz des Buches bestellt, das heißt also, das Buch wird wohl auch in der Schule gelesen. Das finde ich großartig, nicht zuletzt, weil ich weiß, dass sich viele lesbische und schwule Lehrer auch heute noch nicht trauen, mit ihren Schülern über Homosexualität zu sprechen, um selbst nicht in Verruf zu geraten. Denn selbst wenn junge Lesben und Schwule vielleicht nicht mehr in einer so ablehnenden Umwelt aufwachsen wie der junge Jim, hat sich doch weit weniger getan als es manchmal erscheint. Jedenfalls denke ich das oft.

„Meine“ Paperback-Ausgabe von 1988 ist natürlich nicht mehr lieferbar. „Jim im Spiegel“ gibt es jedoch als Ravensburger Taschenbuch für 10.90 DM.

Die Aufmachung dieser Ravensburger Reality-Reihe finde persönlich nicht so klasse. Die Cover sind ja manchmal noch ganz schön, aber die Illustrationen und typographisch hervorgehoben Sätze innendrin sprechen mich überhaupt nicht an. Für sowas bin ich definitiv zu alt. Für das Buch wohl nie.
   



Jim im Spiegel / Inger Edelfeldt

Haupteigenschaften

ISBN: 3473580546

EAN: 9783473580545

Medium: Taschenbuch

Erscheinungsdatum: 1998

Verlag: Ravensburger Buchverlag

Autor: Inger Edelfeldt

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