Jobwechsel mit bösem Erwachen

2  27.08.2001

Pro:
Jobwechsel immer gut als persönliche Veränderung

Kontra:
vorher Firma gut abchecken

Empfehlenswert: Nein 

Komerzhasi

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Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:61

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 26 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Servus liebe Ciao-Gemeinde !

Ein Jobwechsel sollte ja bekanntlich immer etwas positives sein.
Leider gibt es aber, wie so oft im Leben, einige Situationen, die man nicht vorhersehen kann.

So hat es diesesmal mich erwischt.

Ich habe als Softwareentwickler und Teamleiter in einer mehr-schlecht-als-recht gehenden Firma
meine Brötchen verdient.
Die Perspektiven waren schlecht und so hab ich mich entschlossen, eine neue Herausforderung zu suchen.

Diese wurde mir auch prompt von einem ehemaligen Kollegen offeriert.
In dem Unternehmen, in dem er angestellt ist, seien noch Positionen zu besetzen.

Ein paar informative Gespräche im Vorfeld hatten mich dann auch von der Seriösität des Unternehmens
überzeugt und so beschloss ich, dass leidige Kündigunsverfahren einzuleiten.

Meine Kündigungsfrist betrug aber 3 Monateund mein damaliger Arbeitgeber war nicht bereit, mich vorher
gehen zu lassen.
Nun ja, sein gutes Recht. Aber absolut sinnlos, da ich diese 3 Monate bei ihm ohne Arbeitsaufgabe abgesessen habe.

Im Juli war es dann soweit.
Der erste Arbeitstag.
Die Kollegen sehr nett und hilfsbereit. Alles schien gut zu laufen.

Doch nach einigen Tagen merkte ich, dass wohl doch nicht alles so rosig war wie es vorher schien.
Es dauerte 2 Tage, dann bekam ich auf Anfrage endlich einen PC ! (mein Arbeitsmittel !!!)
Aber nicht meinen "eigenen" !
Sondern ich durfte erstmal an einem Rechner einer Kollegin arbeiten, die gerade Urlaub machte.

Als die junge Frau ihren Urlaub beendet hatte ging der Ringelpiez wieder los.
Diesesmal bekam ich einen Laptop - ebenfalls von einer Urlauberin.
Da aber auch der Urlaub der Frau begrenzt war stand ich nach 4 1/2 Wochen wieder "ohne" da.

Man muss erwähnen, dass ich in dieser Zeit entwickeln sollte !!!
Man kann sich unschwer vorstellen, was es für ein Aufwand ist, jeweils nach 2 Wochen alle erforderlichen
Programme neu zu installieren.

Zu guter letzt fand sich dann doch noch irgendwo ein halb eingestaubter Rechner für mich.
Zwar etwas lahm aber wer würde angesichts dieser Erlebnisse wählerisch sein ?
So konnten dann wenigstens die täglichen Arbeiten erledigt werden.

Das war aber leider erst der Anfang des Endes.
Man stellt ja eigentlich seine Arbeitskraft der Firma zur Verfügung und bekommt im Normalfall ein Gehalt bzw. Lohn
am Ende eines Monats.
Irgendwie schien es aber mit dem Gehalt das selbe zu sein wie mit meinen PC's.

Es stellte sich heraus (nach langen kosnpirativen Nachforschungen) das den Kollegen schon 2 Monate kein
Lohn gezahlt wurde.
Das hat mich natürlich stutzig gemacht - aber positiv Denken hilft ja immer.

So verstrich der Zahltag ohne ein Zeichen seitens der Unternehmensleitung.
Nach ca. 3 Wochen wurde meine finanzielle Lage dann immer prekärer.
So hab ich mich entschlossen, mein mir zustehendes Gehalt schriftlich anzumahnen.

Reaktion = Null

Erst nachdem ich rechtliche Schritte angedroht habe und auf gewisse Rechte meinerseits hingewiesen habe
(Vorbehalt der Arbeitskraft etc.) wurde mir nach knapp 4 Wochen Wartezeit das Geld überwiesen.
Im guten Glauben, der Arbeitgeber hatte endlich ein Einsehen fragte ich vorsichtig bei den Kollegen an,
ob auch sie mit dem warmen Geldregen überschüttet wurden.
Leider Fehlanzeige.

Das in dieser Situation eigentlich das Insolvenzverfahren durch den AG eingeleitet werden muss,
schien aber den Chef nicht zu stören.
Erst nachdem die Stimmen der Kollegen (und anderer externer Gläubiger) immer lauter nach ihrem Obolus
schrien, konnte sich auch der Chef nicht mehr um ein Statement drücken.

Das Resultat des Meetings war ...
1. Kündigung aller Mitarbeiter zu Monatsende.
2. fadenscheinige Mauscheleien um einem Konkursverfahren vorzubeugen.
3. ich stand nach 3 Monaten in dieser Firma zum ersten Mal im Leben vorm Arbeitsamt.

Daraus ergibt sich für mich und alle, die dieses hier lesen ein gutgemeinter Ratschlag.

Informiert euch vor einem Jobwechsel GRÜNDLICH über die wirtschaftliche Situation der Firma.
Wartet nicht aus falschem Anstand länger als 2 Wochen auf euer sauer verdientes Gehalt.
Zeigt solchen "schwarzen Schafen", dass auch ein Arbeitnehmer gewisse Rechte und Möglichkeiten hat.

Und verschlaft um Gottes Willen nicht, wenn es schon so schlimm ist, nach 3 Monaten Zahlungsverzug zu kündigen
und einen Antrag auf Insolvenzgeld beim Arbeitsamt zu stellen.
Ihr verschenkt sonst mit jedem Tag, den ihr länger angestellt seid, euer Gehalt und Zeit.

Ich habe diese Erfahrungen leider selbst machen müssen und hoffe, dass ein paar von euch sich vielleicht
einmal daran erinnern, wenn sie dabei sind, den Job zu wechseln.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
mg1970

mg1970

04.02.2003 22:38

Ich musste auch mal als kaufm. Mitarbeiter eine neue Stelle anfangen (allerdings aus der Arbeitslosigkeit heraus). Ich wurde da unter anderen Voraussetzungen eingestellt (Industriekaufmann, aber dort war ich fast nur Sekretär), und meine Arbeitsmittel waren auch ungenügend. Ich bekam einen PC nur mit Windows 3.1 (und hatte in den ersten 6 Monaten auch noch so ein DOS-Textprogramm von 1983 oder so), obwohl Volltextsuche und lange Dateinamen bei dem Dokumentenvolumen Pflicht gewesen wäre. Excel hatte ich auch nicht - stattdessen einen Tischrechner. Der Bildschirm war mehr als veraltet und vor allem augenunfreundlich! Und davor saß ich im Schnitt mehr als 8 Stunden pro Tag. Aber damals konnte ich halt nicht so wählerisch sein (überhaupt ist das schwierig heutzutage). Als ehemals Arbeitsloser nimmt man noch eher jede Stelle an, aber trotzdem finde ich es eine Unverschämtheit, dass einige Unternehmen Leute zu ganz anderen Voraussetzungen einstellen.

folca

folca

30.08.2001 16:01

Moin moin, ich selber bin zum Glück noch davor verschont geblieben... Wünsche dir bei deiner Jobsuche alles Gute und viel Erfolg! Bis denne Volker

Sambalita

Sambalita

30.08.2001 15:57

Um Himmels Willen! Du machst mir Angst! Ich habe mich gerade dazu entschlossen den Job zu wechseln und nun muss ich sowas hören! Ich hoffe bei mir wird alles anders! Gruß, Sambalita

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