Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
ist G - tt am unmittelbarsten nahe |
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- |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Es gibt auch im Judentum mehrere Richtungen. Diese sind zwar nicht so strikt voneinander getrennt wie beispielsweise im Christentum, dennoch zum Teil recht deutlich voneinenader unterschieden.
Vieles, was in der (ver)öffentlich(t)en Meinung kritisert wird, betrifft nur einen Teil des Judentums. Zum Beispiel, dass Frauen von Männern getrennt auf der Empore während des G-ttesdienstes sitzen. Dies trifft auf Synagogen zu, in denen der G-ttesdienst nach orthodoxem Ritus und Gebräuchen gefeiert wird.
Der Begriff orthodox ist im übrigen fraglich, da es aufs Tun und nicht auf den Glauben ankommt. Orthoprax wäre richtiger. (Nein, ich sage nicht thoratreu, denn diese Bezeichnung würde alle anderen Richtungen als weniger oder gar nicht thoratreu erscheinen lassen, as unzutreffend ist. Eine andere Auslegung als die Orthopraxie sagt nichts über den Grad der Thoratreue aus, nur über die Bereitschaft und Grenzen ihrer Auslegung).
Am anderen Ende des Spektrums gibt es Reformgemeinden. In solchen Gemeinden wird tatsächlich alles in Frage gestellt, was soweit gehen kann, dass sie ihre G-ttesdienste am Sonntag halten. Extreme Reformgemeinden gibt es in Deutschland und, soviel ich weiß, auch in Österreich, derzeit nicht.
Kommen wir nun zu den Gemeinden und Gruppen progressiven Judentums, die in Deutschland vertreten sind. Da ist zum einen das liberale Judentum, zum anderen das konserative. Da konserativ hier auch missverständlich sein kann, verwende ich im folgenden den Fachbegriff Masorti.
¿ Was ist denn da das Besondere ? Zum einen, dass Frauen Rabbinerinnen, Kantorinnen sein können und bei der Bildung des Minjan (Mindestanzahl für die Lesung bestimmter Texte in einem G-ttesdienst) gezählt werden. Dann gibt es unterschiedliche Auslegungen des Schabbat-Gebotes. Die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel oder gar des eigenen PKW ist dann am Schabbat gestattet, wenn bestimmte Veranstaltungen nicht ohne erreicht werden können; sehr typisch ist das für den G-ttesdienst oder Krankenbesuche oder auch Besuche bei Eltern und Verwandten. Liberal gibt es gelegentlich die Extremäußerung, dass alles erlaubt wäre, was die Schabbatfreude steigert und nicht mit der Erwerbsarbeit oder Geldverdienen zu tun hat. (Wichtig für den Tagesbeginn ist, dass jeder Tag abends beim Dunkelwerden -vereinfacht ausgedrückt, es gibt Zeittabellen bzw komplizierte Regeln- beginnt und nicht etwa um 24 Uhr. Der Schabbat geht also von Freitag Abend bis Samstag Abend).
Ein weiterer Unterschied besteht beim Trennen von milchigem und fleischigem Geschirr. Milch- und Fleischprodukte dürfen nicht zusammen verzehrt werden.Es darf auch nicht das gleiche Geschirr für Milch und Fleisch benutzt werden. Orthoprax wird dies konsequent eingehalten und nicht in nicht-koscheren Restaurants gegessen. Masorti hält dies im eigenen Haushalt weitgehend ein; viele sind aber bereit, in Restaurants oder bei FreundInnen auch ohne getrennten Geschirres/Besteckes zu essen. Liberal wird das Essen außerhalb des Hauses meistens durchgeführt und die Trennung des Geschirrs im eigenen Haushalt nicht von allen eingehalten (das Verbot gleichzeitigen Verzehrs im allgemeinen schon).
Bei männlichen Proselyten gibt es ebenfalls Unterschiede in der Handhabung. Während die Orthodoxie immer auf die Entnahme eines symbolischen Bluttropfens besteht, wenn der Mann schon beschnitten ist (z.B. bei Vorhautverengung), ist dies außerhalb ihrer unterschiedlich.
In Deutschland sind nun aber, ausnahmig einiger Orte, alle diese Richtungen in einer Einheitsgemeinde zusammengefasst. Das heißt, der Rabbiner (die Rabbinerin) ist für Mitglieder aller Richtungen da. Dies führt gar nicht mal so selten zu G-ttesdiensten auf orthodoxe Weise, obwohl Rabbiner und Kantor masorti oder liberal sind. Der Rabbiner/die Rabbinerin sind für die Abhaltung eines G-ttesdienstes nicht unbedingt erforderlich, wohl der Kantor, das allerdings auch nicht aus Vorschrift, sondern weil nur selten Gemeindemitglieder in der Lage sind, einem G-ttesdienst vorzustehen.
Es gibt zum Teil zusätzlich zu den Einheitsgemeinden kleinere Gebetsgruppen, dazu werde ich im Verlauf des Berichtes noch was sagen.
¿ Ist die Orthopraxie strenger als das progresive Judentum ? Nein, im Gegenteil. Es gibt den Fasttag der Erstgeborenen, einen Tag vor Pessach. Die Erstgeborenen fasten aus Mitgefühl mit den getöteteten erstgeborenen Ägypter. Aber, in der Orthopraxie nur die erstgeborenen Männer und die können dieses Fasten umgehen durch das Lernen von Tora und Talmud. (Talmud sind rabbinische Diskussionen, die -wie Midraschim -narrative Predigten und Auslegungen- und Responsien -Entscheidungen von Rabbinen- zur mündlichen Thorah gehören). Im progressiven Judentum sind auch erstgeborene Frauen zum Fasten verpflichtet und dies kann nicht umgangen werden. Ihr seht, wenn mensch den richtigen Teilaspekt herausnimmt, kann für viele überraschendes nachgewiesen werden.
Auf jeden Fall ist progressives Judentum anspruchsvoller, denn dort gibt es nicht das Verlassen auf Autoritäten, sondern jede Entscheidung muss selbst geprüft und meisstens gefunden werden.
Etwas zum Fasten: Die meisten Fastenregeln gelten nicht für den kompletten Tag, sondern für den Zeitraum zwischen Sonnenaufgang morgens und Unergang abends. Mit zwei Ausnahmen: der 9. Aw. Das ist der Trauertag wegend er Zerstörung des Tempels und Jeruschalajims, an welchem meistens auch Klagen für die Opfer der Schoah gebetet werden sowiel der Versöhnungstag, Yom Kippur. Yom Kippur ist der Versöhnungstag; das Ende der 10 Bußtage. Am 1. Tischri, der gilt zwar als 7. Monat, aber die neue Jahreszahl beginnt dann, ist Rosch ha Schana, Neujahr. Das ist der erste Bußtag, bis zum 9. Tischri wird versucht, sich mit Menschen zu versöhnen. Der letzte dienst der Versöhnung mit G-tt und ist ein strenger Fastentag. Fasten heißt auch, nichts trinken, keinen Sex, eigentlich auch keine Lederschuhe. Aber, Achtung: Die Gesundheit darf nicht gefährdet werden, wer krank ist, muss essen und trinken, wer täglich Medikamente mit Flüssigkeit einnehmen muss, darf auf diese nicht verzichten.
(Zu Medikamenten fällt mir eine Karikatur ein, wo der Arzt am Bette eines Kranken sitzt und darauf wartet, dass seine Erkrankung sich zur Lebensgefährlickeit verschlimmert, damit er eingreifen kann wgn Feiertages. Diese Karikatur findet tatsächlich ihre Vorbilder, aber in einer extremen Minderheit. Normal und im Talmud gefordert ist, dass beim kleinsten Anzeichen einer Krankheit Heilung geboten ist und gewährt wird. ).
Ich kann nicht mein komplettes Wissen über das Judentum hier ausbreiten, der Bericht wäre zu lange, möchte noch ein paar Feste ansprechen:
Pessach ist der Auszug aus Mizrajim. Über das Fastender Erstgeborenen sprach ich eben schon. An den sieben oder acht (in Israel sieben, in der Diaspora acht, allerdings in liberalen Kreisen/Gemeinden teilweise auch sieben) wird nichts gesäuertes gegessen. Ebenso nichts, was in Wasser aufquillt. Also keine Hülsenfrüchte, zu denen auch Erdnüsse zählen. Das liegt am überhasteteten Aufbruch, der keine zeit ließ, den Teig (und andere Lebensmittel) aufgehen (und quellen) zu lassen.
Schawuot ist das Fest der Thorahgebung am Berge Sinai. Thorah ist besser mit Weisung als mit Gesetz übersetzbar.
Chanukka ist das Fest der Wiedereinweihung des Tempels nach einer Entweihung durch griechische Horden.
¿ Gibt es Dogmata ? Nein, es gibt ein eindeutiges Bekenntnis zum einen und einzigen G-tt und es gibt ein ausformuliertes Bekenntnis von dreizehn Glaubensartikeln. Während ersteres zweimal täglich gesagt wird und sich strenger Befolgung erfreut, hat zweiteres keinen normativen Charakter, auch wenn die Grundlehren überwiegend anerkant werden. Wobei es Unterschiede gibt, ob eine messianische Zeit oder eine konkret personalisierte Messiasgestalt erwartet wird. Auch das Leben nach dem Tod ist nicht exakt vorgestellt. Es gibt die Welt, die kommt; viele glauben, dass einige wenige Seelen wegen eienr großen Nichterfüllung ihrer Aufgaben auf die Erde wiederkehren müssen. Wer sagt, es gäbe keine Auferstehung der Toten, verliert den eigenen Anteil an der kommenden Welt; Reinkarnation als Normalform wird auch kaum eineR vertreten. Es reicht auch vollkommen aus, zu wissen, dass es was gibt.
¿ Kann jedeR an G-ttesdiensten teilnehmen?
Es kommt auf die Gemeinde bzw Gruppe und auf die ihr zugewiesenen Sicherheitsbestimmungen an. Meistens wird eine Anmeldung vorrausgesetzt, die recht unkompliziert verläuft. In einigen Gemeinden möchte der Rabbiner Gäste vorher kennenlernen oder es muss jemannd/jefrau Euch mibringen.
Andere Synagogen sind ohne Anmeldung frei zugänglich.
Allerdings empfehle ich auch dafür denjenigen von Euch, die kein Hebräisch können, sich in die wichtigsten Gebete einführen zu lassen, weil es sonst langwierig werden kann.
Vieles habe ich nicht angesprochen; den Zusammnehang zwischen Mischna und Gemarrah; halachischen und aggadischen Texten im Talmud; die Bedeutung der Türkapsel und der Kippa..., das Achtzehnbittengebet (das umfassende Gebet im Judentum)
Ich hoffe, ich habe Euch neugierig gemacht und Ihr schaut mal in Eurer Bibliothek nach. Eine kurze Einführung in eines der angesprochenen Gebiete gebe ich noch: Mischan und Gemarra ist die äußere Trenung im Talmud; Mischna die Wiederholung (was nicht wörtlich zu verstehen ist) der Thora und Gemarra die sich daran anschließende Diskussion.
Halacha und Aggada ist eine innere Trennung. Halacha bedeutet, dass es um die Lebensführung geht (von halach:gehen) und Aggada sind erzählende, narrative Texte.
Tipp: Lest nicht nur Bücher einer Richtung, sondern am besten ein othopraxes und ein liberales zu jedem Thema. Im Netz schaut einfach mal auf www.talmud.de vorbei, dort findet Ihr sehr viele Informationen über Judentum.
Da es sich nicht um einen Aufsatz, sondern um einen Erfahrensbericht ahndelt, ein paar persönliche Worte. Die synagoge in Münster feiert ihren G-ttesdienst in einem weitgehend orthodoxen Rhythmus, das heißt,Frauen und Männer sitzen getrennt und es wird das Gebetbuch Sch´ma Kolenu verwendet. Einmal im Monat aber ist in Westfalen ein liberaler G-ttesdienst in der Synagoge Selm-Bork. Anfangs verstand sich diese Gruppe eher als konserativ, hat aber doch einen deutlichen Schritt in Richtung liberal gemacht. Es werden verschiedene liberale iddurim verwendet; derzeit vor allem ein vor dem 2. Weltkrieg in nur geringer Auflage gedruckter. Wobei eine sehr große Offenheit für das Scuhen/Finden des für die Gruppe idealen Siddurs besteht - und auch dafür, dass es am besten ist, zwischen verschiedenen Siddurim zu wechseln.
Ich sage Gruppe, weil wir keine eigene Gemeinde sind, sondern ein übergemeindlicher G-ttesdienst; unter ausdrücklicher Anerkennung seitens des Landesrabbiners.
Bei meinem Aufenthalt in Berlin und Köln, wo es verschiedene Synagogen gibt (in Berlin alle unter einer Gemeinde vereinigt; in Köln Einheitsgemeinde und Liberale Gemeinde getrennt) bin ich zum liberalen G-ttesdienst gegangen. Und stehe ansonsten zwischen gemäßig liberal und masorti.
Ergänzung am 18.11/23. Cheschwan:
Im Moment finde ich in einigen Gästebüchern Diskussionen über die Frage, ob es möglich ist, zum Judentum überzutreten. Mit teils abstrusen Antworten.
Richtig ist: Es ist möglich. aber, es soll nicht zu einfach gemacht werden. (Dass es einzelne Rabbiner gibt, die grundsätzlich keine Übertritte durchführen, ändert nichts an der grundsätzlichen Antwort) Der Kanidat/die Kanidatin soll dreimal abgewiesen werden, ehe er für den Übertritt angenommen wird. Daran schließt sich eine lange Lernphase an und dann das Beht-Din, die Verhandlung über den Übertritt.
Die Zurückweisung dient dazu, die Ernsthaftigkeit zu prüfen. Wer das Ziel des Übertritts wirklich erreichen will, gibt nicht nach der ersten Zurückweisung auf.
In Einzelfällen wird auch von dieser Zurückweisung abgesehen. Der orthodoxe Rabbiner wird beim ersten Gespräch eine vorgegebene Frage stellen und bei der erwartetetn Antwort den/die KanidatIn sofort akzeptieren. Der liberale Rabbiner/die liberale Rabbinerin wird KanidatInnen dann beim ersten Gespräch akzeptieren, wenn diese darlegen können,d ass sie sich schon ausgiebig mit dem Judentum und ihrem Wunsch beschäftigt haben (z.B. längere Zeit des Zögern, ehe sie das Gespräch suchten; häufige Synagogenbesuche...). RabbinerInnen, die eine überdurchschnitliche Bereitschaft zeigen, sofort ein Ja zur Annahme auszusprechen, gleichen dies mitunter dadurch weider aus, dass sie sich überdurchschnittlich lange Zeit lassen, bis sie den Kanidaten/die Kanidatin zum Beth-Din zulassen.
Abschließend noch ein Wort zu den Motiven: Ein Übertritt soll aus religiösen Gründen erfolgen und nicht wegen einer Eheschließung. Andererseits sollen Mischehen vermieden werden; das heißt, gerade bei einer Eheschließung macht ein Übertritt des bis dato nicht-jüdischen Teils des Paares Sinn. Dies ist nicht zwingend ein Widerspruch, denn die beabsichtigte Eheschließung kann ja den ersten Impuls für eine bechäftigung mit dem Judentum geben und am Ende des Weges die religiöse Überzeugung gefunden worden sein.
Ich hoffe für mich, eine jüdische Partnerin zu finden - ode eine Frau, die bereit ist, zum Judentum überzutreten - wobei die Beziehung mit mir gerne der erste Impuls sein darf.
Helmut
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