Erfahrungsbericht über "Junge Freiheit (Zeitung)"

veröffentlicht 05.09.2007 | Genosse_Generalmajor
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"Gedankenkotze im akademischen Gewand"

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Nazis sind saublöd. Saublöd möchte aber kaum jemand sein, ein kleiner Nazi steckt dagegen in vielen. Statt Geblöke, Stiefel auch bei 30 Grad und dämlichen Frisuren fühlt sich doch der Minderbemittelte viel wohler, wenn er ein wenig den konservativen Bildungsbürger mimen kann, so ein Joachim Fest zum Beispiel. Da wird dann auch die Realität der eigenen vier Wände, in denen Großbildfernseher samt Spielkonsole den Mittelpunkt bestimmt, zur Illusion eines Festschen Arbeitszimmers mit deckenhohen Bücherregalen und dezenten, leicht abgenutzten Ledersesseln in Biedermeier. Nur Fest war schlau und Nazis bleiben trotzdem saublöd, das liegt in der Natur der Sache.

Für oben genannte Leute gibt's die Junge Freiheit, das kommt irgendwie besser rüber als Soldaten- und Nationalzeitung. [Anm. Ciao: Die zwei nachfolgenden Sätze haben wir aufgrund einer Beschwerde bis auf Weiteres entfernt]. Das Blättchen zählt man gemeinhin zur sogenannten "Neuen Rechten", eine Strömung, die es sich auf die Fahnen geschrieben hat, den rechten Rand der Konservativen mit gestandenen Neonazis zu verbinden und die erschreckende Bildungsarmut, die "Rechts" seit der Entstehung dieser Kategorie charakterisiert, zu vertuschen. Dieses Programm hat sich die Zeitung auf die Fahnen geschrieben. Insofern darf man sich in den Artikeln über Verharmlosungen aller Art und ohne Ende freuen. Das Ideologie-Gebräu, das hierbei zur Hand genommen wird, ist dabei sehr hilfreich. Die Themen sind relativ eingeschränkt: Gewaltakte von Nazis werden relativiert und immer wieder durch Gleichsetzungen mit Straftaten aus dem linken Spektrum gleichgesetzt und damit verharmlost. Am Ende soll beim Leser die Meinung entstehen, dass ein brennendes Auto, das Ausschreitungen auf einer linken Demonstration zum Opfer gefallen ist, mindestens genauso schlimm ist, wie die Pogrome in Lichtenhagen, Mügeln, Solingen und sonstwo. Fazit: Nazis sind gar nicht unser größtes Problem, eine Argumentation, die sich nicht nur auf die extreme Rechte beschränkt, sondern auch immer wieder im Verfassungsschutzbericht bemüht wird.
Nächste Taktik: Urängste schüren. Wenn die CDU regelmäßig zum Wahlkampf Omis mit horrenden Kriminalitätszahlen erschreckt und ein Bild der totalen Anarchie malt, macht das die Junge Freiheit ungefähr auf die gleiche Weise. Das Feindbild Nummer Eins ist hier derzeit der Islam. Der Idiot, der keiner sein will, kennt den Islam nämlich nicht. Das liegt daran, dass sich seine Auslandserfahrungen in der Regel auf Mallorca oder auch mal All-Inclusive-Saufen in der "Domrep" beschränken. Da gibt's ja keine Moslems. Das Fremde ist böse, ein Eindruck, der noch durch das tägliche Gewitter aus Medien und dem Reichsinnenministerium verstärkt wird.
Nächste Taktik: Geschichte. Die Junge Freiheit beschäftigt sich auffallend häufig mit geschichtlichen Themen. Auch hier fällt ein großes Ungleichgewicht auf. Die Zeit 1933-1945 beschränkt sich vorwiegend auf den heldenhaften deutschen Soldaten, mit viel Glück auch mal mit dem konservativen Widerstand. Von Verbrechen der Wehrmacht, Massenmorden deutscher Polizeibataillone oder gar dem kommunistischen Widerstand liest man nichts. Eine Tendenz, die auch jenseits rechtsextremer Publikationen zu beobachten ist, in der Jungen Freiheit gewinnt sie aber eine neue Qualität. Die historischen Themen sind stattdessen: Vertreibung der Deutschen nach 1945, antisemitische Pogrome in Mittelosteuropa, Verbrechen unter Stalin, böser Kommunismus. So wird man blöd.
Nächste Taktik: Interviews. Mit Interviews ist die Junge Freiheit berühmt geworden. Bei den Interviewpartner findet sich natürlich weder Udo Voigt noch irgendein dämlicher Scheitelträger aus der Sächsischen Schweiz. Stattdessen schafft es die Junge Freiheit immer wieder, Prominenz aus der "Mitte" zu gewinnen. Bei irgendwelchen provinziellen Bauernführern der CDU, die gerne im braunen Tümpel fischen, ist das kein Wunder. Wie sich allerdings ein intelligenter Mensch wie Egon Bahr zu einem Interview mit dem Nazi-Blatt hat hinreißen lassen, ist mir bis heute nicht klar. Immerhin ist diese Interview-Taktik mittlerweile bekannt und es wird sich wohl kaum noch ein Demokrat für dieses Blättchen ausnutzen lassen. Die Junge Freiheit erzielt damit natürlich den Effekt, dass sie ihre ekligen Inhalte durch diese Interviews gut verpacken kann.

Schaut man sich die Redaktion an, dann weiß man schon, woher der Wind weht. Die Zeitung ist von einem früheren Republikaner gegründet worden, der schon mal überall gewesen ist, wo irgendwie rechtskonservativ oder deutschnational drin ist. Um sich herum scharrt er ähnlich gepolte Jünger, die allesamt der gleichen schwarzbraunen Brühe entstammten, Burschenschaften, aus der CDU ausgetreten, weil nicht rechts genug, Republikaner usw. Alles nicht sehr angenehm.


Fazit: Perfides Blatt, das dümmste Inhalte in einen Rahmen steckt, der diese Inhalte gekonnt überspielt. Selbst die Sprache ist auf dem Niveau anderer seriöser Zeitungen und hat nichts mit dem Gepöbel von NPD- oder DVU-Gazetten zu tun. Das alles erinnert an die Deutschnationalen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die seinerzeit die NSDAP auch als proletenhafte Schlägertruppe abtaten, später aber zu deren wichtigster Stütze wurden.

Statt Junge Freiheit empfehle ich den Freitag, oder Die Zeit, oder auch: Heinrich Mann.

P.S. Warum gibt es diese Kategorie hier überhaupt?

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • EchtGeileKonsolen veröffentlicht 08.11.2014
    diese strunzdämliche "Bericht" ist weitaus brauner als die JF! mit linkophobem (und stolz drauf) Gruß.
  • gegend1 veröffentlicht 10.09.2011
    "Saublöd möchte aber kaum jemand sein, ein kleiner Nazi steckt dagegen in vielen. " - in euch Kommischweinen steckt eindeutig beides, was mir nicht zuletzt dieser "Bericht" demonstriert!
  • CoolYoungTyp veröffentlicht 02.02.2011
    Wirf bei Gelegenheit mal einen Blick auf das hier, du geistig zurückgebliebener Vollidiot: http://www.jungefreiheit.de/Single-News-Display.144+M58c20a27dd1.0.html
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Produktdaten : Junge Freiheit (Zeitung)

Produktbeschreibung des Herstellers

Ciao

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