Kurzkritik für Ungeduldige
Ausgehend von einem dramatischen Atom-Unfall an Bord der K-19 im Jahre 1961 rekonstruiert der Verfasser die desasterreiche Geschichte der sowjetischen U-Boot-Marine, die überhastet konstruierte und schlecht gebaute Unterseeboote in den Rüstungswettkampf mit den ... Bericht lesen
* Alle Preise inkl. gesetzlicher MwSt und ggf. zzgl. Versandkosten; Preise und Versandkosten können im jeweiligen Shop zwischenzeitlich geändert worden sein. Alle Angaben ohne Gewähr.
Verwandte Angebote für K-19 und die Geschichte der russischen Atom-U-Boote / Huchthausen, Thomas
Verwandte Angebote für K-19 und die Geschichte der russischen Atom-U-Boote / Huchthausen, Thomas
Erfahrungsbericht von drewniok-pb über K-19 und die Geschichte der russischen Atom-U-Boote / Huchthausen, Thomas 30. November 2006
Produktbewertung des Autors:
Niveau:
durchschnittlich
Aufmachung:
schön
Pro:
Gleichermaßen sachliche wie spannende Darstellung des Themas .
Kontra:
Nur Kleinigkeiten wie die überflüssige zweite Fotostrecke .
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
Kurzkritik für Ungeduldige
Ausgehend von einem dramatischen Atom-Unfall an Bord der K-19 im Jahre 1961 rekonstruiert der Verfasser die desasterreiche Geschichte der sowjetischen U-Boot-Marine, die überhastet konstruierte und schlecht gebaute Unterseeboote in den Rüstungswettkampf mit den USA warf und dabei skrupellos Menschenleben aufs Spiel setzte. Das lesenswerte, weil gut recherchierte und spannend geschriebene Sachbuch beschränkt sich nicht auf die Nacherzählung diverser Katastrophen, sondern bettet einzelne Ereignisse in den historischen Kontext ein und beschreibt auch das "Erbe", das die UdSSR der Welt in Gestalt radioaktiv verseuchter Meere und Häfen hinterließ.
Inhalt
Im Juli des Jahres 1961 kommt es auf dem sowjetischen Atom-U-Boot "K-19" zu einem folgenschweren Reaktorschaden. Die Energiequelle droht sich buchstäblich durch den Rumpf zu schmelzen, massive radioaktive Strahlung tritt aus. Kommandant Nikolai Sarejew muss improvisieren und seine Leute praktisch mit bloßen Händen in den verstrahlten Reaktorraum schicken. Die dramatische Rettungsaktion gelingt, doch viele Männer bezahlen dafür mit ihrer Gesundheit oder sogar mit dem Leben. Von der Marine und von der Regierung wird das dramatische Ereignis totgeschwiegen. Sarejews kritische Worte zum Zustand seines Bootes und der sowjetischen Marine werden unterdrückt.
Knapp vier Jahrzehnte später und zehn Jahre nach dem Untergang der UdSSR sowie nach dem Ende des Kalten Krieges mit der Supermacht USA öffnen sich allmählich die russischen Archive. Marine-Fachmann Peter Huchthausen, der den Sowjets erst als Gegner gegenüber und dann als Berater zur Seite stand, hat eine aktuelle Gelegenheit (Näheres dazu weiter unten) genutzt und die Geschichte der Sowjetmarine unter die Historikerlupe genommen. Dabei dienen ihm Havarien, Unfälle und Katastrophen als Marksteine zur Darstellung historische Entwicklungen.
Huchthausen beginnt mit einem Blick auf die Jahre nach 1945. Den II. Weltkrieg hatten die Sowjets zwar gewonnen, doch die Verheerungen waren gewaltig. Gleichzeitig wuchs der technologische Vorsprung des einstigen Verbündeten USA, der rasch zum militärischen Gegner wurde. Großartige Hafen- und Werftanlagen sollten in Rekordzeit entstehen, eine gewaltige, moderne Schiffs- und U-Boot-Flotte entstehen, um Leistungskraft, Überlegenheit und Wehrbereitschaft der Sowjetunion zu demonstrieren. Hastig wurde in Größenordnungen gebaut und geplant, die schlicht realitätsfern waren. Technisch unausgereift und schlecht erprobt waren vor allem die U-Boote, die mit unzureichend ausgebildeten Mannschaften in die Weltmeere geschickt wurden. Hinzu kamen Inkompetenz in den Reihen der Marineführung, Schlendrian in der Fertigung und mangelhafte Fachkompetenz in der Wartung.
Einen Quantensprung in Sachen Risiko & Katastrophen erlebten die Sowjets, nachdem sie mit den USA ein atomares Wettrüsten begannen. Die Atomkraft ist schwer zu entfesseln aber noch schwieriger einzudämmen, wenn sie außer Kontrolle gerät. Huchthausen beschreibt, wie in den 1950er und 1960er Jahren eine ganze Flotte eigentlich seeuntüchtiger U-Boote entstand, die mit ähnlich unzuverlässigen Atomraketen bestückt wurden. Folgerichtig kam es zu einer langen Reihe gefährlicher und tragischer "Zwischenfälle", nach denen diverse Meeresböden mit verlorenen Superwaffen und geborstenen U-Boot-Rümpfen gepflastert waren. Huchthausen geht in diesem Zusammenhang auf das fahrlässige Verhalten der sowjetischen Schiffbaubehörden und der Marineführung ein, die mit dem starren Blick auf die Fortschritte der westlichen, d. h. "feindlichen" Marine/n die Verluste von Menschen und Maschinen ignorierten und den eingeschlagenen Irrweg beibehielten.
Der Kreis schließt sich mit einem deprimierenden Blick auf das Erbe des Kalten Kriegs. Die sowjetische U-Boot-Flotte wurde drastisch reduziert, die alten Schiffe hat man jedoch nicht fachmännisch abgewrackt, sondern einfach stillgelegt, lässt sie in Nothäfen verrotten, versenkt gar atomaren Müll in der Tiefsee, wo er noch Jahrtausende strahlen wird. Gleichzeitig macht Huchthausen am Beispiel der 2000 versunkenen "Kursk" deutlich, dass die russische Marine die alten Sünden der Sowjetunion weiterhin "pflegt" und sich mit weiterhin miserabel konstruierten U-Booten den Anschein einer Weltmacht zu geben versucht.
Am Ende dieses Buches steht ein Nachwort der US-amerikanischen Filmemacherin Kathryn Bigelow. Sie stieß Mitte der 1990er Jahre auf die autobiografischen Aufzeichnungen des Nikolai Sarejew und erkannte darin das dramatische Potenzial für einen actionreichen Film mit Botschaft. Bigelow berichtet von umfangreichen Nachforschungen über das eigentliche Geschehen, die sich zu einer Darstellung der sowjetischen Marinegeschichte aus einem bisher kaum bekannten Blickwinkel entwickelte. Bigelow engagierte Peter Huchthausen als technischen Berater für ihren Film, der schließlich 2002 (mit Harrison Film und Liam Neeson in den Hauptrollen) in die Kinos kam.
Darstellung
"K-19: The Widowmaker" (dt. "K-19 - Showdown in der Tiefe"), der Film, wurde somit zum Anlass für dieses Buch. Auf den sonst üblichen "Roman zum Film" verzichteten Regisseurin und Studio. Stattdessen erschien ein Sachbuch - eine angenehme Abwechslung zur üblichen Nacherzählung der Filmhandlung, zumal "K-19" zwar durchaus als gelungener Film gilt, jedoch die historischen Tatsachen dramaturgisch auf Hollywood- Art überspitzt und damit verwässert. So stellte Bigelows Opus schließlich niemanden wirklich zufrieden.
Huchthausens Buch wurde von der National Geographic Society veröffentlicht, was durchaus als Gütesiegel gelten darf. Die unterhaltsame Vermittlung von Wissen wird hier nicht als anrüchig betrachtet; die Ergebnisse bestätigen die Gesellschaft in der Regel. "K- 19", das Buch, wird mit einem "Teaser" eingeleitet, der die Leserschaft in seinen Bann ziehen soll. "4. Juli 1961, an Bord der ,K-19'", ist das Vorwort betitelt; Huchthausen zwingt sein Publikum sogleich in den Brennpunkt des Geschehens: die Reaktorkrise an Bord des U-Boots. Der Bericht bricht genau dort ab, wo die Situation für Schiff und Mannschaft unhaltbar geworden scheint.
Dann beginnt Huchthausen mit seinem chronologisch gegliederten Rückblick. Das K-19- Geschehen bleibt dabei präsent. Der Verfasser hat sein Buch quasi "um" die Erinnerungen des Kommandanten Sarejew geschrieben, die er immer wieder in langen Passagen zitiert. Sarejews Aufzeichnungen blieben viele Jahre unbekannt, unterdrückt von der sowjetischen Zensur. Kein Wunder, denn der erfahrene Seemann beschränkte sich nicht auf eine Darstellung des Unfalls, sondern schloss eine ausführliche Analyse an, in welcher er kritisch und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen die Schwachpunkte der Marine und ihre Verursacher beim Namen nannte. Wo es möglich ist, lässt Huchthausen diesen wichtigen Primärzeugen sprechen. Er unterfüttert Sarejews Worte mit Informationen, die er selbst recherchiert hat. Es entsteht ein Gesamtbild aus sowjetisch-russisch/US-amerikanischer Sicht, das zum ersten Mal beide Seiten berücksichtigt.
Wenn Huchthausen in zweiten Teil seines Buches auf die U-Boot-Geschichte der UdSSR nach 1961 eingeht, kann er sich auf eigenes Wissen stützen. Nicht umsonst hat er in der US-Marine gedient und war als Attaché mehrere Jahre in Moskau stationiert. Interessant ist seine These, hinter dem Kalten Krieg habe auch oder vor allem das US-Konzept gesteckt, die Sowjetunion zu einem Wettrüsten zu zwingen, der diese schließlich in den wirtschaftlichen Ruin und dann in den politischen Zusammenbruch getrieben habe. Falls dies der Wahrheit entspricht, war dieser Plan in Anbetracht der Folgen geradezu kriminell.
Denn der Kalte Krieg hat ein heißes Erbe hinterlassen. In letzten Buchteil, der an Brisanz die "K-19"-Episode weit übertrifft, erinnert Huchthausen an den laxen Umgang der Sowjets bzw. Russen mit den radioaktiven Resten ihrer gar nicht so glorreichen militärischen Vergangenheit. Verseuchte Reaktoren und Maschinenteile wurden einfach ins Meer gekippt oder vergraben. Geld für eine dringend erforderliche sachgerechte Entsorgung ist nicht vorhanden oder wird nicht freigegeben. Russland spielt auf Zeit; der Westen soll die Zeche zahlen. Ansonsten kümmert man sich nicht um die vielen atomaren Zeitbomben und riskiert achselzuckend die mögliche Katastrophe. Hier liest man sehr genau, denn Huchthausen nennt Rösser & Reiter und zerstreut den Schwurbelnebel, den auch westliche Politiker gern über dieser Problematik niedergehen lassen - schließlich will man es sich mit den neuen russischen Machthabern wirtschaftlich nicht verderben!
"K-19" prunkt wie alle gebundenen Bücher der "National Geographic Society" mit einem schmucken Halbleineneinband und Lesebändchen. Eine schwarz-weiße Fotostrecke zeigt zeitgenössische und seltene Fotos historischer Sowjet-U-Boote und Mannschaften; für manchen Seemann, der vor Jahrzehnten sein Leben für Schiff & Kameraden opferte, ist dies eine erste öffentliche Anerkennung, denn "daheim" wurde den strahlenkranken Helden nicht selten eine "Geisteskrankheit" in ihre Papiere eingetragen - das strahlende Schild der "Atommacht UdSSR" durfte keine Flecken bekommen.
Eine zweite Fotostrecke präsentiert - in Farbe - Szenenfotos aus dem "K-19"-Film von Kathryn Bigelow. Einen Informationswert besitzen sie nicht; sie sollen vermutlich schwankende Käufer locken, die sich vor einem Sachbuch fürchten und durch den Anblick von Harrison Ford beruhigt werden.
"K-19" erschien im Sommer des Jahres 2002. Der Verfasser konnte das "Kursk"-Desaster, das 118 Menschenleben forderte, in seine Darstellung einbeziehen. Geändert hat sich in den seither verstrichenen Jahren übrigens nichts. Der Atommüll gammelt weiter, die Verantwortung für seine Entsorgung wird wie gehabt hin- und her geschoben. Im August 2003 sank mit der "K-159" ein 40 Jahre altes, ausgemustertes Atom-U-Boot mit neun Matrosen an Bord in der Barentssee. Zwei Jahre später wurde die Bergung des Forschungs-U-Bootes "AS-28" vor der Halbinsel Kamtschatka zu einer peinlichen Blamage für die russische Marine, die Marinekommandeur Admiral Wladimir Kurojedow den Posten kostete. Verdrängen, Vertuschen, Ignorieren - Die Mechanismen, die Peter Huchthausen so plastisch zu beschreiben weiß, sind offenkundig weiterhin aktiv. Insofern ist sein Buch überhaupt nicht veraltet, auch wenn man es derzeit nur mehr im modernen Antiquariat (aber für einen fabelhaft niedrigen Preis) erwerben kann. Die Lektüre lohnt, obwohl sie auch deprimiert, belegt sie doch ein weiteres Mal alle geflügelten Worte über die Dummheit des Menschen!
Autor
Peter A. Huchthausen, Captain der US-Navy im Ruhestand, diente in seiner aktiven Zeit im Rahmen der U-Boot-Abwehr auf diversen Zerstörern und war in die Rettung bzw. Bergung des US-Unterseeboots "Thresher" involviert. Er kommandierte im Vietnamkrieg eine Patrouillenbootflotte auf dem Mekong, arbeitete in verschiedenen Planungsstäben als Spezialist für U-Boot-Fragen. In Jugoslawien und Rumänien sowie Moskau (1987-1990) war er im auswärtigen Dienst. Nachdem Huchthausen in den frühen 1990er in den Ruhestand getreten war, kehrte er nach Moskau zurück und verfasste unter Nutzung seiner Kontakte und seiner Landeskenntnis diverse Sachbücher, die sich mit der Militärgeschichte des Kalten Kriegs beschäftigten, wobei maritime Themen im Vordergrund standen. Huchthausen informiert über sich und seine Werke auf seiner optisch wie inhaltlich recht karg gehalten Website http://peterhuchthausen.com.
Impressum
Originaltitel: K 19: The Widowmaker. The Secret Story of the Soviet Nuclear Submarine (Washington, D. C. : National Geographic 2002) Übersetzung: Christiane Gsänger Deutsche Erstausgabe (geb.): 2002 (G+J/RBA - National Geographic) 244 S. EUR 19,95 ISBN: 3-9343385-88-5 www.nationalgeographic.de
(Copyright 30.11.2006/Dr. Michael Drewniok)
Dieser Text erscheint auch auf anderen Websites meiner Wahl - er wird durch meinen Namen identifiziert und bleibt dadurch - hoffentlich - auch für Faker-Sheriffs als mein geistiges Eigentum erkennbar, mit dem ich AGB-konform umgehen darf wie es mir beliebt. M. D.
Vergleichen Sie ähnliche Produkte mit K-19 und die Geschichte der russischen Atom-U-Boote / Huchthausen, Thomas
K19 AtomUBoote, K19 und AtomUBoote, K19 die AtomUBoote, K19 Geschichte AtomUBoote, K19 der AtomUBoote, K19 russischen AtomUBoote, K19 und die AtomUBoote, K19 und Geschichte AtomUBoote, K19 und der AtomUBoote, K19 und russischen AtomUBoote, K19 die Geschichte AtomUBoote, K19 die der AtomUBoote, K19 die russischen AtomUBoote, K19 Geschichte der AtomUBoote, K19 Geschichte russischen AtomUBoote
Sind Sie Hersteller/Anbieter von K-19 und die Geschichte der russischen Atom-U-Boote / Huchthausen, Thomas? Klicken Sie hier