SCHILLER-JAHR: Eine verbotene Liebe...

4  22.11.2005

Pro:
Anfang und Ende, interessante Einblicke in die Ständegesellschaft, interessante aber auch unsympatische Figur des Präsidenten, leicht lesbar

Kontra:
Kann mich nicht 100%ig überzeugen

Empfehlenswert: Ja 

SVoigt2000

Über sich: "Die Tat ist alles, nichts der Ruhm", Goethe "Faust"

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Meine kleine Reihe zum ausklingenden Schiller-Jahr geht weiter. Dieses Mal mit "Kabale und Liebe", einem Drama, dass viele sicher schon aus der Schule kennen. Ich habe es vor einigen Wochen nochmal gelesen, weil ich im Moment irgendwie eine Schiller-Phase habe.

-----HANDLUNG:-----
Deutschland im 18. Jahrhundert: Ferdinand, Sohn des Präsidenten von Walter, ist unsterblich in Luise, die Tochter des Stadtmusikanten Miller, verliebt - eine Liebe, die es nicht geben darf. Denn für den adeligen Ferdinand ist es nicht standesgemäß, sich ernsthaft auf eine ein Bürgersmädchen einzulassen.

Als Wurm, der Haussekretär des Präsidenten, diesem von den ernsthaften Absichten Ferdinands erzählt, ist er erschüttert. Sein Sohn und eine Bürgerliche - das darf nicht sein. Also lässt der Präsident überall von der bevorstehenden Hochzeit seines Sohnes mit der Lady Milford berichten. Sein Plan ist ganz einfach: Sein Sohn kann die Hochzeit mit der Lady nicht absagen, wenn das ganze Land schon darüber spricht, weil er ihn, den Präsidenten und seinen Vater, dann zum Gespött machen würde.

Doch der Plan schlägt fehl. Der Stürmer und Dränger Ferdinand hält an Luise fest. Also greift der Präsident zu härteren Bandagen und beschließt, Zwietracht zwischen Luise und Ferdinand zu säen, damit sie sich dann trennen.


-----FRIEDRICH SCHILLER:-----
Friedrich Schiller wurde 1759 in Marbach am Neckar geboren. 1773 musste er in die Militärakademie, wo er zunächst Rechtswissenschaften studierte. Später brach er das Studium allerdings ab und fing an Medizin zu studieren. 1780 schloss er das Studium ab und wurde Militärarzt.

Ein Jahr später schloss er die Arbeit an "Die Räuber" ab. Das Stück sollte dann 1782 in Mannheim uraufgeführt werden. Schiller hatte allerdings vom Herzog keine Erlaubnis, Stuttgart zu verlassen. Er tat es trotzdem. Legendär floh er von Stuttgart nach Mannheim und bekam so persönlich den großen Erfolg seiner "Räuber" mit. Das Publikum brach in lauten Jubel aus. Weniger gejubelt hat der Herzog, dem Schillers Flucht nicht gefiel und der ihn darum 14 Tage ins Gefängnis steckte und ihm bis auf Weiteres das Schreiben verbot.

Danach reiste Schiller wieder nach Mannheim und arbeitete dort als Theaterdichter. 1783 erkrankte er dann allerdings an Malaria. Dies sollte aber nicht seine einzige schwere Krankheit bleiben. 1791 erkrankte er an Tuberkulose. Diese Krankheit lies ihn danach nicht mehr los und vermutlich starb er auch daran.

1789 bekam Schiller eine Professur in Jena als Philosoph, lehrte dort aber als Historiker. Die Stelle bekam er wohl durch Goethe, der erstmal keine Konkurenz in Weimar dulden wollte. Später aber, das weiss wohl jedes Kind, freundeten Schiller und Goethe sich an und tauschten sich über ihre Werke aus. So ist zum Beispiel Schillers Drängen und Aufmuntern zu verdanken, dass Goethe den "Faust" weiter schrieb. Vorher aber, 1790, heiratete Schiller Charlotte von Lengefeld, mit der er später mehrere Kinder hatte.

Wieder in Weimar arbeitete er an vielen großen Werken der deutschen Literatur und hatte, wie bereits gesagt, ein gutes Verhältnis zu Goethe. 1802 bekam Schiller das Adelsdiplom überreicht, wodurch er nun "von Schiller" hieß. Am 9. Mai 1805 starb Schiller an einer Lungenentzündung, die wohl durch die Tuberkuloseerkrankung hervor gerufen wurde.

Weitere Werke: Die Räuber, Kabale und Liebe, Don Carlos, Wallenstein, Wilhelm Tell, Maria Stuart, Das Lied von der Glocke, Ode an die Freude...


-----ZAHLEN, DATEN, FAKTEN:-----
Titel: Kabale und Liebe
Autor: Friedrich Schiller
Verlag: Reclam, Stuttgart
Erschienen: 1993
Seiten: 110


-----KOMMENTAR:-----
Schiller startet sein Drama "Kabale und Liebe" wirklich ganz stark. In der ersten Szene sieht man den Miller mit seiner Frau. Die Beiden unterhalten und streiten sich über die Beziehung ihrer Tochter zu Ferdinand. Miller, er, ist dagegen und meint, Ferdinand würde es sowieso nicht ernst meinen und würde seine Tochter nur als Mätresse haben wollen. Und dafür ist sie natürlich zu gut. Dieses Streitgespräch ist allerdings äußerst amüsant, weil Miller mit derben und vulgären Ausdrücken nicht hinter den Berg hält und sehr deutlich anspricht, worum es Ferdinand, seiner Meinung nach, geht - um Sex. Ich musste beim Lesen wirklich einige Male lachen und schmunzeln und war sofort in die Handlung hineingezogen - eine große Leistung Schillers, die er aber in vielen seiner Dramen vollbringt.

Aber natürlich ist "Kabale und Liebe" - wie der Titel schon erahnen lässt (Kabale bedeutet Intrigen) - kein Lustspiel oder keine Komödie, sondern eine Tragödie. Darum wird die Handlung sehr schnell auch ernst und damit weniger lustig. Amüsante Szenen sind dann allerdings noch die, in denen der Hofmarschall von Kalb auftritt - der schon beim Lesen sehr an einen hyperaktiven und gestylten homosexuellen Friseur oder Modezar erinnert. Trotzdem beginnen dann sehr bald die Intrigen, die vor allem Wurm, der selbst ein Auge auf die schöne Luise geworfen hat, trefflichst zu organisieren und zu planen weiss.

Insgesamt geht es hier allerdings nicht "nur" um die Liebe des Sohnes, die der Vater nicht akzeptiert. Das muss natürlich im Kontext der Zeit und der Stände der Beteiligten gesehen werden. Schiller äußert sich in "Kabale und Liebe" äußerst kritisch über die Ständegesellschaft und das damalige Denken, eine Bürgerliche wäre unter der Würde eines Adeligen. Deutlich wird das vor allem natürlich anhand der Figur des Präsidenten dargestellt, der erst sehr stolz auf seinen Sohn ist, als er hört, dass dieser eine bürgerliche Freundin habe. Als er dann aber hört, dass Ferdinand Luise wirklich liebt und sie nicht nur als Mätresse und zum Hörnerabstoßen haben möchte, gerät er außer Fassung und tut alles - wirklich alles - um die Beziehung der Liebenden zu zerstören.

Dabei geht der Präsident nicht nur nur rücksichtslos, sondern auch brutal vor. Er zeigt durch seine Intrigen seinen wahren Charakter und seine Weltsicht: Er allein bestimmt, was Recht und was Unrecht ist. Er ist der absolutistische Herrscher, der quasi alles kann und darf. So steckt er Luises Eltern einfach ins Gefängnis, um so Druck auf das junge Mädchen aufzubauen und sie gefügig zu machen. Von Aufklärung ist hier also Weit und Breit noch nichts zu sehen.

Ein weiterer Pluspunkt ist wohl - und das gilt natürlich gerade für diejenigen, die bisher mit Goethe und Schiller wenig anfangen konnten - dass "Kabale und Liebe" eigentlich sehr leicht verständlich ist. Natürlich, diese Aussage ist nicht wirklich wissenschaftlich, aber darum geht es hier ja auch nicht - genau wie in dem ganzen übrigen Bericht. Ich möchte Lust auf das Lesen von Schillers Werken machen und dazu gehört es auch, dass man darüber spricht, wie verständlich oder unverständlich diese sind. Natürlich tauchen hier und da Wendungen auf, die der Laie nicht verstehen wird (was besonders bei der recht anzüglichen Anfangsszene schade ist), aber insgesamt dürfte es keine Verständnisschwierigkeiten geben.

Trotzdem - und das ist der einzige Kritikpunkt, den ich habe - kann das Drama nicht über die komplette Länge mitreißend sein. Der Anfang ist großartig gelungen und am Ende wird das Stück sehr dramatisch. Dazwischen sind die Intrigen auch sehr gut herausgearbeitet. Trotzdem wirkt das Ganze nicht so faszinierend und mitreißend wie zum Beispiel der "Don Karlos" oder "Wilhelm Tell". Vielleicht liegt es daran, dass es hier "nur" um eine verbotene Liebe geht? Oder ist die Ständegesellschaft schon zu weit weg? Ist sie überhaupt schon weg? Ich weiss es nicht. Irgendetwas an "Kabale und Liebe" stört mich soweit, dass ich nicht die Topbewertung vergeben möchte.


-----FAZIT:-----
Ein wirklich lesenswertes Schiller-Drama um eine verbotene Liebe in der Ständegesellschaft. Schiller hat Besseres geschrieben, aber trotzdem kann man "Kabale und Liebe" seine Qualitäten nicht absprechen.
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SusiG

SusiG

25.12.2005 19:02

Das habe ich früher in der Schule leider nie gelesen, sollte ich heute vielleicht mal nachholen, denn es hört sich sehr interessant an. LG Susi

Amanita16269

Amanita16269

06.12.2005 17:36

das musste ich in der schule lesen. ich habs wirklich gehasst! meine king leidenschaft war damals zu ausgeprägt um mir sowas schweres, ungruseliges reinzuziehen! ;o)

sunny161

sunny161

05.12.2005 19:16

Ein sehr schöner Bericht.. Dieses Buch zählt zu einem der Bücher, die ich bis zum abitur lesen sollte, aber bestimmt nicht mehr dazu komme.. *leider* LG

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