Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
es geht fix, war in meinem Fall eine ungemeine Erleichterung |
| Kontra: |
Nachwirkungen der Narkose, fehlendes Geburtserlebnis |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Vorweg: Wer sich für die komplette Geburt interessiert, liest einfach weiter und wer sich bezüglich des Kaiserschnitts informieren möchte, scrollt bis zum größeren Absatz ;-)
Nachdem mein errechneter Termin längst überschritten war, liebäugelte ich mit Samstag und genau an diesem Tag war es dann auch soweit (innere Eingebung?).
Mein Freund schlief bereits schon einige Stunden und ich legte mich um kurz nach 0:00 Uhr auch ins Bett. Eine Stunde später wachte ich auf, weil ich plötzlich "im Nassen" lag. Meine Fruchtblase war geplatzt und es kam nach und nach immer mehr Flüssigkeit heraus. Ich rief nur "Schatz, meine Fruchtblase ist geplatzt!" Mein Freund dachte anscheinend ich will ihn veräppeln, murmelte nur "schön" und wollte weiter schlafen, bis er auf meine Seite gekuschelt kam. Er riss die Augen auf und packte dann noch einige Sachen zusammen. Nach ein paar Minuten dann begriff ich erst, dass es nun nicht mehr lange dauern würde, bis unsere kleine Tochter das Licht der Welt erblickt - ich fing an am ganzen Körper zu zittern vor Aufregung und sogar meine Zähne klapperten. Irgendwie habe ich es dann doch noch geschafft, mich anzuziehen und nochmal zur Toilette zu gehen.
Mein Freund war nicht minder nervös und hatte Mühe, meine Kliniktasche im Auto zu verstauen - währenddessen setzten bei mir schon die Wehen ein.
Eine Schwester öffnete uns den Haupteingang und schickte uns gleich durch auf die Entbindungsstation. Dort angekommen begrüßte uns Hebamme Carmen und schloss mich gleich an den Wehenschreiber an, um die Herztöne meiner Tochter zu kontrollieren und die Intensität und regelmässigkeit der Wehen. Es war mitlerweile halb 3 und mein Muttermund ca. einen cm geöffnet. Man bot mir den Wehentropf an aber ich wollte das nicht. Ich fühlte mich wohl im Kreissaal und die Wehen kamen alle 2-3 Minuten also hielt ich das nicht für nötig.
Die Wehenpausen nutzte ich, um mit meinem Freund zu reden und etwas zu entspannen. Wir gingen auch noch viel auf dem Flur spazieren und es fiel mir sogar relativ leicht, die Wehen zu veratmen.
Um 6 Uhr war Schichtwechsel und nun war Hebamme Johanna bei uns. Johanna unterstützte mich beim atmen während der Wehen, die zunehmend stärker wurden. Mein Muttermund war bislang gerade mal 1,5-2cm geöffnet aber ich versuchte, mich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen, obwohl ich dies schon nicht für normal empfunden habe nach der langen Zeit.
Zwischen 10 und 11 Uhr war ich dann das erste Mal am Ende meiner Kräfte. Trotz kräftiger Wehen hatte sich der Muttermund noch nicht weiter geöffnet und ich war schon so müde und kaputt! Ich lies mir schmerzstillende Zäpfchen geben.
Ich probierte es mit laufen, im liegen, im stehen, gehockt und letztendlich auch auf dem Gummiball aber ich schaffte es kaum noch, die Wehen zu veratmen - ich brauchte eine Pause und die Zäpfchen waren buchstäblich für den Popo!
Die Hebamme spritzte mir ein Mittel, damit der Muttermund weich wird und nach Absprache mit mir Buscopan - sie erklärte mir, es wäre so eine Art "leck-mich-am-Po"- Spritze und ich sagte sofort zu. Als die Spritze zu wirken begann, war ich sehr erleichtert. Ich konnte während der Wehenpausen die Augen schliessen, abschalten und auch etwas schlafen. Die Wehen spürte ich zwar dennoch deutlich, war aber wesentlich ruhiger und entspannter. Leider liess die Wirkung aber auch irgendwann wieder nach und ich verfluchte den Wehentropf, an dem ich mitlerweile angeschlossen war. Die Schmerzen wurden von Wehe zu Wehe schlimmer und waren kaum noch erträglich. Mit ruhigem atmen schaffte ich es nicht mehr und ich begann beim ausatmen furchtbar zu schreien. Mein Freund hielt meine Hand fester und sah zunehmend elender aus, man sah ihm die Sorge genau an und ich glaube er hat beinahe genauso gelitten wie ich.
Leider kann man Buscopan nicht dauerhaft anwenden, da es sonst schädlich für das Kind wäre und auch für die Mutter, da es sich hierbei um ein doch recht starkes Beruhigungsmittel handelt. Also hielt ich weiterhin irgendwie durch, bis um 14 Uhr erneut Schichtwechsel war. Diesmal war es dann Hebamme Jenny. Wenigstens hatte ich das Glück, keinen "Drachen" als Hebamme zu haben, ich glaube das hätte mir den Rest gegeben!
Um kurz nach 15 Uhr kam die Ärztin zu mir und erkundigte sich nach meinem Muttermund, der nach 14 Stunden Wehen gerade mal 3cm geöffnet war. Ich war total verzweifelt und fing lauthals an zu heulen. Da fehlten noch ganze 7cm und ich hatte weder Lust noch Kraft, weiter durchzuhalten.
Um mir die Geburt zu erleichtern, wurde der Anästhesist gerufen um mir eine PDA zu legen. Leider konnte er nicht bis zum Peridualraum bei mir vordringen, da meine Wirbelsäule an dieser Stelle eine leichte Krümmung aufweist und er die Stelle selbst nach unzähligen Versuchen leider nicht gefunden hat. Wir haben dann aufgegeben, um nicht doch noch irgendwas kaputt zu machen. Die Verzweiflung bei mir wuchs ins unermessliche, da mir die Geburt in keinster Weise erleichtert werden konnte.
Wir versuchten es nochmal mit dem Wehentropf auf einer höheren Stufe und ich musste nach einer halben Stunde abbrechen, da ich die Schmerzen nicht ertragen habe. Ich fing an nach einem Kaiserschnitt zu brüllen und war furchtbar am heulen. Mein Wunsch wurde mir nicht gewährt und ich rannte wie eine Angestochene vor Schmerzen durch den Kreissaal.
Nachdem sich bis um 20 Uhr trotz widerholtem Wehencocktail nichts am Muttermund tat, wurde alles für einen Kaiserschnitt mit Vollnarkose vorbereitet. Vorher musste ich ein Informationsblättchen lesen und mein Einverständnis für die OP abgeben, was ich mit Vergnügen tat.
Ich bekam ein schickes Op-Hemdchen an, sowie Thrombosestrümpfe. Dann spritzte mir die Ärztin ein wehenhemmendes Mittel und ich war sehr erleichtert, als die Schmerzen nachliessen. Dann hüpfte ich ins Bettchen und wurde in den Op gebracht. Dort legte ich mich auf den Stuhl, packte meine Beine in die Halterungen und wurde mit Blutdruckmessgerät, EKG usw verkabelt. Ich weiß nicht genau, was sie mir alles angetütelt haben, denn ich hatte die ganze Zeit die Augen geschlossen, weil ich furchtbare Angst hatte und noch nie vorher operiert worden bin.
Leider liess die Wirkung des wehenhemmenden Mittels nach, bevor ich "fertig" war und ich bekam noch mehrmals auf dem Op-Tisch Wehen. Ich schrie einfach nur noch vor Schmerzen und der Anästhesist streichelte meine Wange und versprach mir, dass das die letzte Wehe ist, die ich erleiden muss. Dann bekam ich eine Atemmaske auf, mein Bauch wurde desinfiziert und ein Blasenkatheter gelegt (autsch!). Mir wurde noch gesagt, dass es sein kann das ich während der Op kurz aufwache aber keine Schmerzen verspüre - einfach weil die Betäubung wegen dem Baby so gering wie möglich gehalten wird, nachdem es draussen ist würde er dann noch etwas Betäubung nachlegen.
Ich war wie in Trance und hörte die Ärztin sagen, dass die Op gut verlaufen ist und das meine Tochter wohl auf ist, dann wachte ich das nächste Mal auf der Wachstation auf und hörte draussen meinen Freund telefonieren, dass wir eine wunderschöne kleine Tochter haben. Als ich richtig aufgewacht bin, habe ich mir erstmal was gegen die Schmerzen geben lassen.
Dann war ich soweit und konnte zurück auf Station gebracht werden und ich war schon ganz gespannt auf meine kleine Tochter.
Es war einfach unglaublich, als ich die Kleine gesehen habe und mein erster Satz war "Sie hat meine Nase!" Ich konnte mich kaum bewegen, schaffte es aber irgendwie in ihr Bettchen zu fassen und ihre Wange zu streicheln. Ich habe sie dann stundenlang einfach nur angesehen und mich gefreut wie blöd ;)
Mittags wurde ich dann gleich hochgescheucht und die Schmerzen beim ersten aufstehen waren wirklich unerträglich. Mir wurde fast schwarz vor Augen und hätte die Hebamme nicht gesagt ich soll meinen Blick auf eine entfernte Stelle richten, wäre ich sicher umgekippt. Am Waschbecken dann konnte ich mich auf einen Hocker setzen und plötzlich war ich taub für ein paar Minuten, alles Nachwirkungen von der Narkose. Noch dazu schlief mein rechtes Bei ein und ich musste 20 Minuten auf dem Hocker verharren, bis ich wieder etwas Gefühl hatte und mit Unterstützung zurück ins Bett konnte.
Am zweiten Tag ging alles schon viel besser und ich bin schon viel rumgelaufen. Je länger ich jedoch gesessen bzw. gelegen habe, desto größer waren dann die Schmerzen beim erneuten aufstehen, daher war ich viel in Bewegung und habe meine Tochter auch schon selbst versorgt. Ich habe pro Tag 4 Schmerztabletten genommen, Paracetamol 500er und damit liess es sich gut aushalten.
Leider konnte ich bloss auf dem Rücken schlafen, auf die Seite drehen war absolut nicht möglich, geschweige denn auf den Bauch - absolut undenkbar!
Daher hatte ich auch kaum schlaf und habe mich immer wieder zwischendurch für ein halbes Stündchen hingelegt.
Jetzt nach einer Woche Krankenhausaufenthalt sind wir zu Hause und es geht uns gut, gestern wurde der Faden gezogen und es ist alles schön verheilt, schmerzt auch kaum noch, nur beim husten und niesen zieht es etwas.
Ich habe leider keine Vergleichsmöglichkeiten mit einer normalen Geburt aber sollte ich nochmal Nachwuchs bekommen, werde ich mich von vornherein für einen Kaiserschnitt entscheiden. Der Geburtsverlauf vorher war so furchtbar, dass ich das nicht nochmal erleben möchte. Hätte sich der Muttermund kontinuierlich geöffnet, wäre es sicher etwas anderes gewesen, denn dann wäre keine Verzweiflung da gewesen und ein Ende absehbar - was bei mir ja leider nicht der Fall war.
Leider fehlen mir die ersten Momente im Leben meiner Tochter aber Hauptsache ihr geht es gut und die Delle die sie durch den konstanten Druck auf den Muttermund hatte, ist auch weggegangen.
Ich bin sehr stolz auf meine kleine Tochter Melina und bin froh, dass sie nun endlich da ist :-)
Angesichts der Schmerzen nach der Op und dem fehlenden Geburtserlebnis verleihe ich dem Kaiserschnitt 3 Sterne aber dennoch eine Empfehlung, denn manchmal ist er einfach nötig und so grausam auch wieder nicht.
Abschliessend möchte ich noch anmerken, dass egal was ihr während der Geburt für Schmerzen erleidet, wenn ihr euer Kind dann das erste Mal seht, ist alles vergessen und ich bin erstaunt, was der menschliche Körper doch alles aushalten kann.
Cherry86
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sehr hilfreich
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