 jwi
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 3 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als hilfreich bewertet
Manche Bücher liest man zu Ende, weil sie einfach gut sind. Andere liest man zu Ende, weil sie vielleicht nicht gut, aber wenigstens spannend sind. Und wieder andere liest man nur deshalb zu Ende, weil man nur noch wissen will, wie weit der Autor es noch treibt. 'Kalt erwischt' von Ben Elton gehört zur letztgenannten Kategorie. Spannend daran ist einzig die Frage, wie der Autor der intelligenten Mediensatire 'Popcorn' ein derart jämmerliches Buch schreiben konnte. Es ist 2:15 Uhr in der Nacht, und bei der verängstigten Polly klingelt das Telefon. Ist es Peter, der Wurm, ein penetranter Verehrer, der ihr schon seit langem das Leben zur Hölle macht? Nein, es ist der Viersterne-General Jack Kent, mit dem Polly als Siebzehnjährige einmal ein Verhältnis hatte. Nun, 16 Jahre später, ruft der gute Mann einfach so an und begehrt Einlaß. Polly ist neugierig genug, um dem nachzugeben, doch auf der Straße lauert 'der Wurm', der den schneidigen General als Nebenbuhler nur zu gerne abservieren würde. Wie schon 'Popcorn' spielt auch 'Kalt erwischt' in einer einzigen Nacht - von gelegentlichen Rückblenden einmal abgesehen. Aber diesmal gelingt es Elton nicht, auch nur zehn Prozent des Tempos von 'Popcorn' hinzulegen. Sicher, das Thema ist diesmal - auf den ersten Blick - nicht so dankbar. Aber mußte es auch Hunderte von Seiten Dauergequassel hinauslaufen, nur damit die Zweitverwertung als Theaterstück gesichert ist? Das ständige 'Ich lieb' dich nicht - du liebst mich nicht'-Lamento, die unzähligen Wiederholungen des 'Warum hast du mich verlassen' und 'Ich konnte nicht anders' nerven, nerven, nerven! Und wozu das Ganze? Damit Elton auf den letzten zwanzig Seiten eine ziemlich schwachsinnige Wendung aus dem Hut zaubert: Der General will seine Polly ermorden! Oh ja, denn er steht vor einer Beförderung und fürchtet sich, daß seine Uralt-Affäre ans Tageslicht kommen könnte. Statt dessen rettet er Polly am Ende das Leben und erschießt sich selbst. Dabei geht es Elton eigentlich um den Terror der political correctness. Doch deren Verlogenheit und Folgen mit einer Art 'linkem McCarthyismus' gleichzusetzen, ist absurd. Sicher, nicht Elton behauptet das, sondern General Kent. Doch die ganze Handlungsführung gibt ihm schließlich recht, zumal sich Elton in seinen Dialogen auf befremdliche Weise eher auf die reaktionäre Seite schlägt. Während Pollys naiver Linksradikalismus und ihr überzogener Feminismus immer für einen Lacher gut sind, gehen Kents Stammtischparolen oft genug unkommentiert als 'gesunder Menschenverstand' durch. Da sollten wir eigentlich dankbar sein, daß mal einer die political correctness aufs Korn nimmt, und was kommt dabei raus?
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13.01.2003 19:19
1999. ui :-)
21.08.2002 17:44
Sehr guter Bericht, gefällt mir! lg Star16
21.08.2002 17:44
Ich habe da eine ähnliche Meinung wie du! lg Star16