Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
Spannung, Charaktere |
| Kontra: |
Täter wird zu früh erraten, leicht moralisierend |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Vorweg: Ich lese Romane auch deutlich lieber, als dass ich sie höre, aber manchmal bekomme ich von Hörbuch-begeisterten Freunden eines geschenkt und die werden dann natürlich auch gehört. :-)
1) Produktinfos
2) Der Autor
3) Inhalt
4) Bewertung
5) Fazit
1) Produktinfos:
Das Hörbuch nach dem Roman erschien 2006 und umfasst 6 CDs mit einer Gesamtlänge von 460 Minuten. Der Preis beträgt 19,90 Euro.
ISBN-13: 9783938046289
2) Der Autor:
Andreas Franz wurde 1956 in Quedlinburg geboren. Bevor er sich dem Schreiben widmete, arbeitete er unter anderem als Übersetzer, Schlagzeuger, LKW-Fahrer und kaufmännischer Angestellter. 1996 erschien sein erster Roman. Franz lebt mit seiner Familie in der Nähe von Frankfurt, wo die meisten seiner Krimis spielen. Weitere Werke von ihm sind u. a.: "Jung, blond, tot", "Das achte Opfer", "Der Finger Gottes", "Letale Dosis", "Das Verlies" und "Teuflische Versprechen".
Mehr über ihn auf seiner Homepage: http://www.andreas-franz.org.
3) Inhalt:
Die fünfzehnjährige Selina Kautz lebt in einem wohlhabenden Frankfurter Vorort. Ihr größtes Hobby ist das Reiten. Mit Jungs hat sie dagegen noch nicht viel am Hut und auch in der Schule verhält sie sich vorbildlich. Eines Abends kehrt sie nicht aus dem Reitstall nach Hause zurück. Für die Eltern steht fest, dass dem zuverlässigen Mädchen etwas zugestoßen sein muss. Fieberhaft beginnt die Polizei am nächsten Tag die Suche.
Wenig später wird Selina ermordet aufgefunden. Viele Fragen werden aufgeworfen, besonders rätselhaft ist aber die Tatsache, dass Selina schwanger war. Kommissarin Julia Durant steht vor einem schwierigen Fall. Warum hat Selina ihren Eltern gesagt, sie übernachte bei einer Freundin, obwohl niemand sonst etwas davon weiß? Welche Rolle spielt ihr Exfreund, der sie auf dem Nachhauseweg noch getroffen hat?
Ein Schulheft mit Tagebucheinträgen bringen die Ermittler auf die Spur eines verheirateten Mannes, mit dem Selina ein Verhältnis hatte. Ist er auch der Mörder? Und wird der Täter vielleicht sogar bald bei einem anderen Mädchen zuschlagen ...?
4) Bewertung:
Nicht weniger knifflig oder grausam als ihre anderen Fälle ist der sechste Band der Julia-Durant-Reihe.
~ Weitgehend spannend ~
Bald kristallisiert sich heraus, dass der Täter mit dem Reiterhof zu tun haben muss - aber viel mehr weiß man damit nicht. In Frage kommende Männer ohne wasserdichtes Alibi, die Selina gut kannten, gibt es genug keiner scheint aber ein Motiv zu besitzen, sondern alle zeigen angemessene Betroffenheit. Hin und wieder wird ein Kapitel aus personaler Täterperspektive eingestreut, doch auch hier bleibt seine Identität für den Leser im Dunkeln. Weitere Morde geschehen und die Zeit drängt. Julia Durant und ihre Kollegen wissen, dass jede Frau und jedes Mädchen, das zum Reiterhof gehört, in Gefahr schweben kann. Die Ermittlungen werden dadurch erschwert, dass alle wichtigen Reiterhofmitglieder zu einer eingeschworenen Clique gehören, ein reiches Viertel, das sich ungern von der Polizei hinter die Fassade schauen lässt. Aus diesem Grund wird eine junge Polizistin als Spitzel eingeschleust. Getarnt als Reiterin soll sie hinter die Kulissen schauen, wobei man hoffen muss, dass sie bei ihren Recherchen nicht selbst in Gefahr gerät.
~ Interessante Charaktere ~
Auch wenn es sich im den sechsten Band der Julia-Durant-Reihe handelt, werden Einsteiger keine Schwierigkeiten beim Lesen/Hören haben. Man braucht kaum Vorkenntnisse, um mit Julia Durant warm zu werden. Sie ist eine eher burschikose Person mit ungesunder Lebensweise und einem zerütteten Privatleben, das aber nie unangenehm in den Vordergrund gebracht wird. Mehr am Rand wird diesmal die Trennung von ihrem Freund thematisiert, mit dem sie sich auseinander gelebt hat. Julia bemüht sich, das Rauchen aufzugeben, vermisst ihre verstorbenen Mutter und holt sich nächtlichen Telefonrat von ihrem Vater, einem evangelischen Pastor, der einen der wenigen Haltepunkte in ihrem Leben bietet. Einen kleinen Ausgleich zu ihrer mitunter ruppigen Art bildet ihr Kollege Helmer. Für ist ist der Fall besonders prekär, da er nah beim Reiterhof wohnt und einer der Verdächtigen sein Hausarzt ist. Einerseits vertrauen ihm als Anwohner die Beteiligten eher als der unbekannten Julia Durant, andererseits fürchtet Helmer zu Recht, mit vorschnellen Verdächtigungen seinen Ruf in der Gegend zu aufs Spiel zu setzen.
Bei den Reiterhofmitgliedern herrscht Undurchsichtigkeit vor. Die Besitzerin Emily Gerber und ihr Mann, der Arzt Andreas Gerber, führen nach außen hin eine gute Ehe, doch schon bald zeigt sich, dass der Schein trügt. Grund genug für Julia Durant, auch an den angeblichen Idyllen bei Tierärztin Sonja Kaufmann und Voltigiertrainerin Helena Malkow sowie deren Ehemännern zu zweifeln. Aber auch in den Familien der Mädchen, Selina und ihren Freundinnen, verbergen sich Abgründe und der Täter versteckt sich laut Profil höchstwahrscheinlich hinter einem gutbürgerlichen Familienleben.
~ Kleine Schwächen ~
Auch wenn lange Zeit die Täterfrage unklar ist, so errät man den Schuldigen am Ende doch etwas zu schnell. Die Hinweise fügen sich zu einem Bild zusammen, das nur eine Person als Mörder zulässt. Da die Polizei diesen Schluss noch nicht gezogen hat, verfolgt man den letzten Ermittlungsschritt eher ungeduldig, leichte Langeweile kommt auf. Etwas enttäuschend ist dazu die Rolle der eingeschleusten Polizisten auf dem Reiterhof. Erst wird ihre Tarnung groß diskutiert, dann aber taucht sie kaum noch auf und trägt auch nicht gerade viel zur Tätersuche bei. Da wäre Potential drin gewesen für mehr Spannung und Dramatik. Letztlich verfällt Andreas Franz, obwohl das nach eigener Aussage nicht seine Absicht ist, nach dem Finale und dem Stellen des Täters ein wenig ins Moralisieren. Das Umfeld des Mörders kommt bis auf eine Person sehr schlecht weg und selbst Hellmer ärgert sich etwas über das Mitleid, das Julia Durant für den Mörder zeigt - fast liest es sich wie eine Anklage gegen die reiche Gesellschaft, die kaum besser ist als der Mörder unter ihnen.
~ Solider Vortrag ~
Julia Fischer, Jahrgang 1966, ist eine erfahrene Sprecherin, die bereits als Kind in Hörspielen des Bayerischen Rundfunks teilnahm. Sie besitzt eine recht ernste, eindringliche und eher dunkle Stimme, die sich daher naürlich gut für Krimihörbücher wie dieses eignet. Man kann sie sich auch ganz gut zur Hauptfigur Julia Durant vorstellen, obwohl der Roman nicht in der Ich-Perspektive verfasst ist. Der Vortrag ist ruhig und seriös, wenn es um den Erzähltext geht und etwas eindringlicher in den Dialogen. Ihre Aussprache ist sehr deutlich, nur wenn man weiß, dass Julia Fischer Müncherin ist, hört man mal ganz leicht einen bayerischen Einschlag heraus.
5) Fazit: Ein spannender Krimi aus der Julia-Durant-Reihe, der sich um einen Mädchenmord dreht. Die Charaktere sind interessant und es gibt eine Reihe verdächtiger Personen, der Vortrag ist solide mit einer angenehmen Sprecherin. Kleine Abzüge gibt es für das vorschnelle Erraten des Täters, das man ruhig noch hätte hinauszögern können.