Erfahrungsbericht über

Kampf der Titanen (inkl. Digital Copy) (Blu-Ray Disc)

Gesamtbewertung (2): Gesamtbewertung Kampf der Titanen (inkl. Digital Copy) (Blu-Ray Disc)

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Lieb- und witzlose, überflüssige Neuauflage

1  29.08.2010 (13.09.2010)

Pro:
Im Vergleich mit dem Original? Wirklich herzlich wenig bis gar nichts

Kontra:
wirre Story, grottige Dialoge, chargierende Darsteller

Empfehlenswert: Nein 

Spassprediger

Über sich: “We're all mad here. I'm mad. You're mad.” “How do you know I'm mad?” said Alice. “You must be,” sai...

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Der „Kampf der Titanen“ anno 1980 hatte Laurence Olivier als Göttervater Zeus, eine Prinzessin mit hübschem Puppengesichtchen, einen wildromantischen, schwelgerischen Score und charmante, im Stop-Motion-Animation-Verfahren getrickste Monster von Großmeister Ray Harryhausen. Und was hat die Neuauflage aus dem Jahre 2010? Leider nichts von allem und deshalb mit dem Original nicht viel mehr gemein als den Titel.

Ich kann mich diesmal, denke ich, wirklich kurz fassen: Wer die Neuauflage, aus welchen Gründen auch immer, im Kino toll fand, darf sich die Blu-ray-Fassung bedenkenlos zulegen. Bild und Ton sind, wie zu erwarten, prima, in meinen Augen jedoch nicht referenzverdächtig. Für meinen Geschmack lässt es der deutsche Ton in Dolby 5.1 während der kompletten Laufzeit von 106 Minuten an Wumms fehlen, das Bild ist befriedigend bis gut – gemessen an der Schärfe, mit der z. B. ein Titel wie „Die seltsame Geschichte des Benjamin Button“ aufwartet, wirkt das Bild von „Kampf der Titanen“ vergleichsweise flau. Fazit: Anschauungsmaterial, mit dem sich die Vorzüge des Heimkinos überzeugend demonstrieren lassen, sieht anders aus; wer mit dem Kauf des Films liebäugelt und zwischen DVD und Blu-ray-Format schwankt, darf nach Preis entscheiden und im Zweifelsfalle auch zur herkömmlichen DVD greifen – es sei denn er legte Wert auf die Zusatzausstattung, die, wie bei so vielen Zweitverwertungen allenfalls mittelprächtiger Filme, auch bei „Kampf der Titanen“ durchaus respektabel ausfällt.

Technikbegeisterte, die sich vom eigentlichen Filmgeschehen nicht ausreichend gut unterhalten fühlen, dürfen den „Maximum Movie Mode“ aktivieren und sich über einen durchaus informativen Bild-in-Bild-Kommentar freuen, der keinen wesentlichen Aspekt der Entstehungsgeschichte auslässt; 10 sogenannte Fokuspunkte bieten noch einmal zusätzliche Einblicke mit einer Gesamtlaufzeit von etwa 35 Minuten. Wem das nicht reicht, der darf sich zusätzliche Szenen sowie ein alternatives Ende und ein ca. 8 Minuten langes Werbefilmchen ansehen, das dem Hauptdarsteller Sam Worthington huldigt. Mithin: Wer dem Film tatsächlich etwas abgewinnen konnte, dürfte sich mit der Blu-ray-Fassung des Films gut bedient fühlen – das Gebotene spielt vielleicht nicht in der Feinschmecker-Liga, ist aber durchaus gehobenes Mittelmaß.

Die wirkliche Klatsche verdient nicht die Aufbereitung des Films fürs Heimkino, sondern der Film selbst – denn der macht so ziemlich alles falsch, was man bei einem Remake des Originals nur falsch machen konnte. Das geht so weit, dass sich der fassungslose Zuschauer im Minutentakt fragt, ob der Film statt einem Drehbuch nicht vielleicht einer Sammlung von Anweisungen folgt, alles das, was den Charme des Originals ausmachte, gezielt zu konterkarieren. Unmotiviert werden, offenbar um der reinen Neuerung willen, Dinge, die im Original wunderbar funktioniert haben, ausgetauscht und durch minderwertigere Alternativen ersetzt. Das gilt nicht nur für die visuellen Effekte, sondern auch für erzählerische Elemente – aus einem stringent erzählten, für den Zuschauer nachvollziehbaren einfachen Märchenstoff ist ein krawalliges, von erzählerischer Logik weitgehend freies Vehikel für Spezialeffekte geworden, dem man dank der tatkräftigen Unterstützung von Kollege Rechenknecht Charme und Seele gründlich ausgetrieben hat.

So wird z. B. aus einer einfachen Szene im Original, in der die Statue einer wütenden Göttin die Bewohner der Stadt Argos verflucht, im Remake ein effektüberfrachteter Mumpitz, in dem Unterweltgott Hades (Ralph Fiennes) sich als funkensprühender Derwisch geriert und jede Menge pathetischen Unsinn faseln darf. Welchen Umständen Fiesling Calibos sein entstelltes Antlitz verdankt, erfährt der Zuschauer ebenso wenig wie den Grund, aus dem Fährmann Charon in der neuen Fassung aussieht wie ein aus mehreren Kilo gut durchgekauten Kaugummis zusammengeklebter Zombie. Und warum, um in alles in der Welt, muss Flügelpferdchen Pegasus in der Neuauflage schwarz sein – ist es zuviel verlangt gewesen, wenigstens die Farbe des Rosses beizubehalten? Tja, das ist es offensichtlich.

Sämtliche Dialoge wirken zudem in ihrem hohlen Pathos unfreiwillig komisch, und den Hauptdarstellern scheint man überdies verordnet zu haben, jede Szene im Zweifelsfalls mit dem immergleichen, grimmigen Gesichtsausdruck zu spielen – die gesamte Besetzung verdient in meinen Augen eine kollektive „Goldene Himbeere“.

Auch Liam Neeson als Göttervater Zeus und Ralph Fiennes als dessen Bruder Hades reißen’s leider nicht raus – „Kampf der Titanen“ anno 2010 ist und bleibt ein C-Film, von dem Fans des liebenswert-trashigen Originals sich mit Grausen abwenden. Tatsächlich haben mir zwei Kollegen, die das Original ebenso ins Herz geschlossen haben wie ich, dringend davon abgeraten, mir die Neuauflage anzusehen. Ich habe den Rat in den Wind geschlagen, mich bereits nach einer Viertelstunde kräftig über die rundum misslungene Neufassung geärgert und beschlossen, die für relativ kleines Geld erstandene Blu-ray-Fassung schleunigst in der Ebay auszusetzen. Falls die neuwertige, lediglich einmal abgespielte Blu-ray-DVD für 5 Euro weggeht, hat der wenig amüsante Kinoabend für zwei Personen mich 4,89 EUR gekostet – ich denke, das ist angesichts der heutigen Bierpreise in Kneipen durchaus vertretbar. Ach ja, und noch etwas: Das ganze Kasperletheater ist wie das Original „ab 12“ Jahren freigegeben; und der prüde amerikanische Bible Belt dürfte mit der Neuauflage insofern zufrieden sein, als das Remake klinisch rein daherkommt und irgendwelche Tändeleien zwischen den Hauptfiguren nicht einmal andeutet – eine für religiöse Fundamentalisten grässliche, unkeusche Szene wie die des Originals, in der doch tatsächlich eine Schauspielerin dem Bade entstiegt und den entsetzten gottesfürchtigen Zuschauer für Sekunden mit „full non-frontal nudity“ konfrontiert, gibt es in der Neuauflage nicht.

Auf der Website des Onlinehändlers amazon.com habe ich tatsächlich einmal die Rezension eines erzürnten Familienvaters gelesen, der den Film aus genau diesem Grunde retourniert hatte – dass Mischwesen aus Frau und Schlange der Kopf abgetrennt wird, Männer von mehrköpfigen Wölfen zerfleischt werden, Hexen einen schauerlichen Sud aus Menschenfleisch kochen und grimmig schauenden Teufeln die Hand amputiert wird, scheint in Teilen der Staaten noch immer als familientauglicher erachtet zu werden als eine kurze Einstellung, in der eine weibliche Kehrseite zu sehen ist.

R e s ü m e e

Der komplette Film wirkt wie der Versuch, so gründlich wie möglich gegen die Devise „Don’t fix it if it ain’t broken“ zu verstoßen – das, immerhin, ist Regisseur Louis Leterrier („Transporter“) gelungen: Der Neuauflage vom „Kampf der Titanen“ fehlt alles, aber auch wirklich alles, was das Original so liebenswert und charmant gemacht hat. Wer sich daran nicht stört und die heimische Filmsammlung um ein weiteres Exempel für geistloses Effektkino mit chargierenden Darstellern, einer absurden, wirren Handlung und unterirdischen, unfreiwillig komischen Dialogen erweitern möchte, ist mit der Blu-ray-Fassung gut, wenngleich auch nicht sehr gut bedient. Fazit: Der Film verdient in meinen Augen ein klares „mangelhaft“ mit Tendenz zum „ungenügend“, die Blu-ray-Fassung bekommt von mir gerade noch ein „gut minus“.

Nachtrag: Die beim Onlinehändler des Vertrauens für 9,89 EUR erstandene Disc habe ich zwischenzeitlich im Online-Auktionshaus Ebay für 12,05 EUR verkaufen können – einen finanziellen Verlust habe ich also nicht erlitten. Immerhin.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
MissVega

MissVega

30.08.2010 14:13

*mit dem Kopp auf die Tastatur knall*

tommynews

tommynews

29.08.2010 21:57

Dieser Film war ja so was von schlecht, der übertrifft dabei sogar seinen Vorgänger. Und DAS will was heißen!

CiaoFonzie

CiaoFonzie

29.08.2010 18:19

für mich besonders hilfreich, ihn nicht zu schauen. Danke. LG Matthias

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