Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
ALLES ! ! Ort, Leute, Stimmung etc . . . . |
| Kontra: |
Die Zeit geht viel zu schnell vorbei ! ! |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
|
Nun ist es endlich soweit, ich mach mich endlich mal an den Bericht über meinen genialen Sprachaufenthalt letztes Jahr. Eigentlich gefällt es mir hier in Zürich wunderbar und ich besuche zwar gerne andere Städte bzw. Länder, aber wirklich angetan hat es mir eigentlich noch kein anderer Ort. Doch mit Vancouver sollte sich alles ändern :-)
Achtung: In diesem Bericht werde ich nur auf meine Erfahrungen im Zusammenhang mit dem Sprachaufenthalt eingehen, und zwar nebenbei einige Sehenswürdigkeiten / Unterhaltungsmöglichkeiten in Vancouver beschreiben, eine genauere Beschreibung der Stadt folgt dann aber erst in meinem (späteren) Bericht über Vancouver, also nicht enttäuscht sein (und entsprechend bewerten) ;-)
VORGESCHICHTE / ANREISE
Wie kam ich überhaupt auf Vancouver? wie lange dauerte mein Aufenthalt? Was wollte ich dort? Wie läuft das Ganze ab? Fragen über Fragen, die auch gleich beantwortet werden :-)
Mitte 2003 war ich temporär beim zweitgrössten Lebensmittelkonzern der Welt angestellt, merkte jedoch, dass ich dort nicht mehr allzu viel Zeit verbringen wollte. Ich überlegte, ob ich wirklich ernsthaft anfangen sollte, Bewerbungen zu schreiben, um einen neuen Arbeitsplatz zu finden, oder ob ich doch den einfacheren Weg nehmen und einfach noch ein bisschen meine Zeit absitzen sollte.
Doch da fiel mir ein, dass ich ja eigentlich schon lange einmal mit einem Auslandaufenthalt geliebäugelt hatte, und je länger ich darüber nachdachte, desto klarer wurde mir, das jetzt der richtige Zeitpunkt dafür war (wie recht ich doch wieder einmal hatte :-))
Nun musste ich also nur noch die geeignete Stadt finden und das ganze drumherum organisieren. Zuerst hatte ich ja das Gefühl, das ich reif für die Insel bin, und schaute mir daher mal die Angebote (vor allem) in England an, doch die Preise dort waren grösstenteils Jenseits von gut und böse. Nicht das ich kein Geld auf der Seite gehabt hätte, aber schliesslich hat jeder seine Schmerzgrenze. Ein Freund von mir, der zu Beginn des Jahres 2003 in Vancouver war, und nur positives zu berichten hatte, brachte mich dann auf den „richtigen Weg“.
Auf der Internetseite „prolinguis.ch“ über die auch mein eben erwähnter Freund gebucht hatte, und die sehr übersichtlich und informativ ist (und übrigens auch Buchungen aus dem Ausland entgegen nimmt) buchte ich dann schliesslich auch einen 3-monatigen (genau gesagt waren es 13 Wochen) Sprachaufenthalt in Vancouver, der Stadt mit dem zweithöchsten Lebensstandard auf der Welt (gleich nach Zürich, für mich also eigentlich ein Abstieg :-)). Alle benötigten Unterlagen wie Flugticket, Adresse der Gastfamilie etc. sowie einiges an nützlichem Infomaterial wurden mir dann auch problemlos zugeschickt, und auch der Service bei allfällig auftauchenden Fragen war (via e-mail oder Telefon) tadellos. Die Kosten (Flug, Unterkunft und Schulgebühren) beliefen sich auf ca. 8000 Schweizer Franken (etwas mehr als 5000 Euro), wenn ich mich recht erinnere. Sicher auch kein Zuckerschlecken, aber man gönnt sich ja sonst nichts :-) Nachdem dann glücklicherweise mein neuer Pass rechtzeitig bei mir ankam (was aufgrund der grossen Nachfrage auf den neuen Schweizer Pass keine Selbstverständlichkeit war) konnte es losgehen. Am 14. September 2003 war es dann soweit, wenige Stunden später würde ich weiter von daheim weg sein als je zuvor und das zum ersten mal auch ohne irgendjemanden, den ich kannte…
So war es dann schon ein recht beklemmendes Gefühl, als ich mich von meinen guten Freunden, die mich an den Flughafen begleitet hatten, verabschieden musste.
Doch schliesslich sollte der Blick ja vorwärts gerichtet sein, also nix wie ab ins Flugzeug. Ich flog mit KLM via Amsterdam nach Vancouver. Auf der Strecke nach Amsterdam war ich dann auch noch recht unruhig, weil ich nicht allzu lange Aufenthalt hatte in Amsterdam, und ich natürlich bereits Angst hatte, den Flug nach Vancouver zu verpassen. Doch auch diese Bedenken waren unbegründet, und auf dem Flug nach Vancouver konnte ich mich dann endlich ein wenig entspannen. Ausserdem liefen auch noch zwei lustige Filme, Findet Nemo und Bruce Allmächtig, was natürlich noch zusätzlich zu einer etwas entspannteren Atmosphäre beitrug. In Vancouver angekommen suchte ich dann beim Flughafenausgang irgendjemanden mit einem Schild, wo mein Name drauf stand, da ich den Transfer vom Flughafen zu meiner Gastfamilie gebucht hatte, um mich nicht noch mit einem genervten Taxifahrer herumschlagen zu müssen. Auch das klappte tadellos, und so kam ich dann eine gute halbe Stunde später bei meiner Gastfamilie an…
DIE ERSTEN TAGE
Da war sie also, meine Gastfamilie. John und Marilyn sowie ihre 14-jährige Tochter Allison. Für sie war es genauso das „erste mal“ wie für mich, da ich der erste Student war, den sie je hatten. Mein Zimmer war nicht gerade gross, aber es war alles drin was ich brauchte (Bett, Schreibtisch, Schrank, sogar ein CD-Player war dabei) ausserdem hatte ich die Erlaubnis, jederzeit den PC der Familie zu benutzen (was natürlich sehr nützlich war) sowie mich vor dem TV breitzumachen, was ich allerdings höchst selten tat, da ich wirklich besseres zu tun hatte.
Auch erklärten sie mir noch, wie bei ihnen alles so läuft, z.B. von wegen Wäsche und so. Ja, ich gebe es ja zu, ich hatte meine Wäsche bis dahin noch nie selber gewaschen, aber jetzt kann ich´s ja :-) (zumindest mit der Waschmaschine, die ich dort hatte…). Danach war mein Host-Mother noch so nett, mich mit dem Auto nach Downtown Vancouver („unser“ Haus war übrigens in North-Vancouver, ca. 30 Busminuten von der Schule entfernt) zu bringen, um mir ganz kurz das wichtigste zu zeigen und natürlich um die Schule zu suchen, was allerdings recht schnell erledigt war, da man es dank einer Karte von Downtown Vancouver, die mir prolinguis geschickt hatte das Haus locker innert Minuten gefunden hatte. Danach wieder zurück, noch schnell wegen der Busverbindungen nachgefragt (und etwas Kleingeld zum lösen des Tickets erhalten). Nachdem ich ein paar Sachen ausgepackt und zu Abend gegessen hatte, ging ich dann endlich schlafen, immerhin war ich aufgrund der Zeitverschiebung glatte 24 Stunden wach gewesen, und wenn man dann noch so angespannt ist, was da auf einen zukommt, dann ist der Körper irgendwann auch hinüber :-)
Am nächsten Tag dann in den Bus gesessen und ab in die Schule in den auf dem Infozettel der Schule vorgegebenen Raum. Und Überraschung, dort wimmelte es nur so vor Schweizern :-) „Nicht so schlimm“, dachte ich, denn es war erst der Tag mit den Einstufungstests. Am Morgen ein schriftlicher Test, am Nachmittag dann eine mündliche Einstufung. Ich hatte mich für das FCE (gemeinhin auch einfach als „First“ bekannt) angemeldet, und nicht wie von vielen Freunden empfohlen für das CAE („Advanced“), da ich die Zeit geniessen wollte, ohne immer so viel lernen zu müssen. Die Prüfungen fand ich nicht allzu schwer, vor allem das Gespräch am Nachmittag mit einer gewissen Annabel war eigentlich ganz locker.
Am nächsten Tag dann die Überraschung: Ich wurde ins Advanced befördert, und da ich gerade so gut drauf war dacht ich mir, dass es wohl schon nicht sooo streng werden würde und ich sagte zu. Als ich dann in das mir zugewiesene Zimmer kam, sassen dort genau 12 Leute, davon eine Tschechin (die später die Klasse wechselte), ein Mexikaner und 10 Schweizer. Aber es ist einfach so, auf den höheren Niveaus (Advanced ist das zweithöchste von 13 Niveaus an der Schule) tauchen extrem viele Schweizer auf, woran das genau liegt, weiss ich allerdings auch nicht, den so viel besser wird uns das Englisch in der Schule ja wohl kaum beigebracht als anderswo…. Wir haben es aber ganz gut hingekriegt, uns nur auf Englisch zu verständigen und nicht die ganze Zeit der Versuchung zu erliegen, einfach ins Schweizerdeutsch zu wechseln.
Zu den ersten Tagen kann ich also nur folgendes sagen: Sie waren wirklich super durchorganisiert, sodass man eigentlich selber nicht viel falsch machen konnte. Somit verflog dann auch die Nervosität bereits am zweiten Tag, und ich fühlte mich schon von da an richtig wohl.
DER SCHULALLTAG
Saufen, schlafen, kotzen, schlafen, kotzen, saufen, schlafen, Schule, kotzen :-) Nein, so war es natürlich nicht, schliesslich hatte ich ja viel Geld gezahlt, um was zu lernen!!
Die Atmosphäre in unserer Klasse war von Beginn an sehr entspannt, auch Annabel, unsere Lehrerin (genau, das war die, bei der ich die mündliche Prüfung hatte) war trotz ihrer schon über 50 Jahre überhaupt nicht verkalkt oder so :-) Im Gegenteil, sie war die lockerste und aufgeschlossenste Lehrerin, die ich je hatte, immer witzig und unterhaltsam, und man konnte mit ihr echt über alles plaudern (und sei es noch so versaut :-)). So hatte man auch nie Probleme, dem Unterricht nach einer harten Nacht zu folgen, da es eigentlich fast nie langweilig wurde.
Auch die von mir befürchtete Flut an Hausaufgaben blieb aus, und Stress kam schon gar nicht auf. Wir hatten es einfach von Morgen früh bis Abend spät lustig, alberten herum und hatten unseren Spass. So muss lernen sein!!
Hier kurz einige Beispiele, wie der Schulalltag unterhaltsam, aber dennoch sehr lehrreich gestaltet wurde
-Lieder: Wir hörten uns ein Lied an, und mussten einen Lückentext mit fehlenden Textpassagen ergänzen. Häufig kam es vor, dass dabei beim zweiten durchören bereits die halbe Klasse laut mitsang (oder wohl eher mitgrölte), was unsere Lehrerin auf die Idee brachte, für einen unserer Abschlussabende (deren es 2 gab) in eine Karaoke-Bar zu gehen :-)
-Theater spielen: Was haben wir gelacht :-) Wir mussten uns hin und wieder in Gruppenarbeit irgendeinen kurzen Sketch ausdenken, indem z.B. verschieden vorgegeben Worte drin sein mussten. Was dabei zum Teil raus kam führte nicht selten zu akutem Zwerchfellmuskelkater…
-Filme schauen: Endlich mal einen Film auf Englisch schauen, ohne überhaupt in Versuchung zu kommen, deutsche Untertitel einzuschalten bzw. zu lesen. Und es ist nicht nur pure Unterhaltung, sondern bringt einem auch wirklich viel in Sachen Hörverständnis.
Durch solche und weitere Aktionen wurde der Schulalltag häufig aufgelockert, ohne dass man dabei Zeit sinnlos vergeudet hätte. Ausserdem war man danach geistig meistens wieder parat, um ein wenig Grammatik über sich ergehen zu lassen :-)
Meiner Meinung nach haben wir somit eine sehr lehrreiche Zeit gehabt, man könnte sicher noch mehr büffeln, aber dann ist man auch viel schneller ausgebrannt, und dann mag man im wichtigen Schlussspurt nicht mehr. Also alles richtig gemacht.
FREIZEITGESTALTUNG
Natürlich war es jedem freigestellt, mit seiner Freizeit anzufangen, was er oder sie wollte. Für Unentschlossene bot die Schule selber aber ein abwechslungsreiches Programm (entweder gratis oder dann zu wirklich günstigen Selbstkostenpreisen), wo von Sport (schauen oder machen) über Kultur bis hin zu Ausflügen alles geboten wurde, und das Ganze war dann auch durchwegs gut organisiert. Auch die allmonatlich organisierten Parties waren (zumindest die, bei denen ich war) ein voller Erfolg und immer sehr feuchtfröhlich :-).
Wie gesagt wurden auch Ausflüge organisiert, unter anderem waren da Sachen dabei wie Vancouver Island, das nahe Seattle oder auch Whistler Mountain, das weltbekannte Skigebiet. Ich persönlich war jetzt nur beim letzten Ausflug dabei, und ich will auch gar nicht allzugross auf die Details eingehen (glaubt mir, das wollt ihr gar nicht wissen :-)), aber ich kann dazu nur sagen, es war preisgünstig und trotzdem nicht unkomfortabel, und der Zusammenhalt der Klasse wurde an diesem Wochenende nachhaltig gestärkt (Prost!). Ausserdem hatte ich dort den besten Lachs meines Lebens, aber das nur am Rande.
Für diejenigen, die aber lieber nicht an ein Programm gebunden sein, aber trotzdem etwas spezielles erleben wollten, lagen in der Schule auch noch eine Vielzahl von Flyern für die verschiedensten Aktivitäten auf, die man in und um Vancouver machen konnte. Darunter war z.B. auch Skydiving, was von uns natürlich auch prompt ausprobiert werden musste :-) Wir leben also alle noch!!
Und selbstverständlich gab es dann in Vancouver selber auch genügend Pubs, Clubs, etc. in denen man schöne und lustige Abende verbringen konnte, doch auf diese möchte ich, wie schon einleitend gesagt, nicht näher eingehen. Nur soviel: Vancouver hat auch hier wirklich einiges zu bieten!
MEINE MEINUNG / FAZIT
Also ich kann jedem, der auch nur im Entferntesten daran denkt, vielleicht einen Auslandaufenthalt zu machen raten: TU ES!! Es ist eine Erfahrung, die man wohl nie mehr vergessen wird. Klar kann es vorkommen, dass man z.B. eine schlechte Gastfamilie bekommt, aber dann kann man ja immer noch wechseln. Ich für meinen Teil kann nur sagen, dass es die 3 schönsten Monate meines Lebens waren. Die Eingewöhnungszeit (Zeitumstellung, Zurechtkommen mit öffentlichem Verkehr, sonstige grundlegende Sachen) war extrem kurz, ich hatte eine supernette Familie (die mir immer anbot, mit ihnen was zu unternehmen, falls ich mal nicht in den Ausgang wollte), lernte sehr viele liebe Leute kennen, mit denen ich zum Grossteil auch jetzt noch in Kontakt bin, wir hatten einfach unseren Spass (nicht falsch verstehen, obwohl…. Naja, ihr müsst ja nicht alles wissen :-)) und so ganz nebenbei schaffte ich auch noch lockerst das „Advanced“ (mit „B“) und das First („A“). Was will man mehr?
Aufpassen solltet ihr allerdings ein bisschen im finanziellen Bereich. Abgesehen natürlich von den fixen Kosten kommt dann im Alltag noch so einiges dazu. Ich dachte eigentlich, dass ich mit 1000 Franken (ca. 600 Euro) im Monat durchkommen würde, was sicher auch möglich ist, aber eben, hier mal Skydiven, dort mal ein Bier, dann wieder auswärts essen, ins Kino (20 mal in 3 Monaten…) usw… Schlussendlich brauchte ich dann um die 2000 Franken pro Monat. Also 6000 Franken für den ganzen Aufenthalt, und wenn dann halt eben zu der Zeit nichts reinkommt auf das Konto, kann es da schon recht schnell mal eng werden…
Ich persönlich kann euch Vancouver wirklich ans Herz legen, aber selbstverständlich gibt es noch viele andere schöne Orte auf der Welt, also, hört euch am besten einfach um, dann werdet ihr sicher das richtige finden.
Vielleicht auch noch zwei kurze Infos: Die Zeitverschiebung zwischen Mitteleuropa und Vancouver beträgt 9 Stunden (minus, wenn in Vancouver also 12:00 Uhr Mittags ist, ist hier bei uns bereits neun Uhr am Abend.
Und, auch nicht unwichtig: Alkohol darf dort erst ab 19 Jahren konsumiert werden, und bevor ihr einen Club betretet, in dem Alkohol ausgeschenkt wird, müsst ihr euch meistens ausweisen (und zwar häufig mit 2 Ausweisen!!)
Falls ihr noch Fragen haben solltet, oder was fehlt in meinem Bericht, dann immer her damit, aber verzeiht bitte, wenn ich hier zum Teil ein bisschen ausschweifend wurde, aber ich bin immer noch so begeistert von dieser Zeit, dass ich einfach nicht immer schön sachlich bleiben konnte…
Anhand der Bilder kriegt ihr einen kleinen Eindruck, was wir denn so für ne Truppe waren :-)
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