Kangerlussuaq, Kangerlussuaq

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Kangerlussuaq, Kangerlussuaq

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Erfahrungsbericht über "Kangerlussuaq, Kangerlussuaq"

veröffentlicht 19.10.2017 | dik1609
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Ich bin 59 und bedanke mich für Lesungen, Bewertungen und Kommentare - Gegenlesungen sind selbstverständlich.
Sehr gut
Pro Beeindruckende Landschaften, überraschend vielfältige Flora und Fauna
Kontra Der Ort selbst ist wenig aufregend
besonders hilfreich
Preis-/Leistungsverhältnis
Anbindung
Sehenswürdigkeiten
Sicherheit
Gastfreundlichkeit

"Unterwegs zum Inland-Eis"

Angekommen: Die Gletscher-Zunge des Inland-Eises nahe Kangerlussuaq.

Angekommen: Die Gletscher-Zunge des Inland-Eises nahe Kangerlussuaq.

Mitte August diesen Jahres machte ich mich in charmanter Begleitung auf, unter Zuhilfenahme eines Kreuzfahrtschiffes den Westen Grönlands zu erkunden. Kaum waren wir gelandet, da gingen die Unternehmungen auch schon los, denn noch bevor es auf das Schiff ging, stand der erste Ausflug an, in dessen Verlauf wir den Ort Kassalussuaq - auch Heimat des Internationalen Flughafens der Insel - und dessen Umgebung kennen zu lernen. Davon soll im Folgenden die Rede sein.

Allgemeine Informationen

Kangerlussuaq - die dänische Bezeichnung des Ortes lautet Søndre Strømfjord - hat sage und schreibe etwas mehr als 500 Einwohner und ist entsprechend übersichtlich. Der Ort liegt in etwa auf Höhe des Polarkreises am Ende des etwa 170 Kilometer langen Fjords gleichen Namens, der „langer Fjord“ bedeutet, an der Westküste Grönlands. Das Inlandeis ist etwa 25 Kilometer von Kangerlussuaq entfernt.

Der Ort geht auf einen US-amerikanischen Armeestützpunkt zurück, der vom 7. Oktober 1941 bis zum 27. April 1951 genutzt wurde. Dem Flughafen von Kangerlussuaq fiel 1948/1949 eine tragende Rolle während der Berlin-Blockade zu, da die Versorgung mit Gütern, die für die Luftbrücke nach Berlin bestimmt waren, über diesen Stützpunkt abgewickelt wurde. Teile des Flughafens werden immer noch vom amerikanischen Militär genutzt. So unterhält die New York Air National Guard hier einen Stützpunkt, von dem aus Hercules-Maschinen, die mit Kufen zur Landung auf dem Inlandeis ausgerüstet sind, starten. Ziele sind dabei mehrere Forschungsstationen, wo in den Sommermonaten für Soldaten ein Überlebenstraining im Eis durchgeführt wird.

Lange Zeit war Kangerlussuaq gemeindefreies Gebiet, erst am 1. Januar 2002 wurde es der Gemeinde Sisimiut angeschlossen. Seit deren Auflösung im Zuge einer Verwaltungsreform im Januar 2009 gehört das Gebiet zu Qeqqata Kommunia.

Kangerlussuaq verfügt über einen nur während der Sommermonate benutzbaren Seehafen, ein Hotel, einen Supermarkt, ein Tagungszentrum, eine Schule und einen Sportclub. Eine Straßenverbindung zu anderen grönländischen Orten existiert nicht. In den Wintermonaten kann das 170 Kilometer entfernte Sisimiut per Hunde- oder Motorschlitten erreicht werden. (Informationen: Wikipedia)

Unser Ausflug

Unmittelbar nach der Landung unseres Flugzeugs in Kangerlussuaq stiegen wir in merkwürdig aussehende Gefährte ein, die sich als Allrad-Busse erwiesen. Und dann ging es auch schon quer durch den Ort, was angesichts dessen überschauberer Größe nicht sonderlich dauerte. Immerhin: Wir sahen mehrere Restaurants, Kneipen und eine nett anzusehende Holzkirche. Wirklich aufregend allerdings ist dieser Ort gewisss nicht, und selbst ein kleiner Abstecher zu einer Farm mit Grönlandhunden, die an ihren Ketten und einem warmen Sommertag mit Temperaturen über 10 Grad wenig glücklich wirkten, vermochte nicht zu begeistern. Immerhin: Unser Allrad-Bus stoppte an einer Brücke, unter der ein Fluss über mehrere Steinschwellen dahin schoss. "Alles Schmelzwasser", erfuhren wir und schossen pflichtschuldigst die ersten Fotos.

Aber es wurde noch schön, spätestens als wir Kangerlussuaq selbst verlassen hatten und mit unseren ungewöhnlichen Gefährten einen Berg erklommen - nur, um auf halbem Wege eine kurze Pause einzulegen, denn hier war eine Herde von Moschusochsen zu sehen. Ja, das war doch ein interessantes Fotomotiv! Oben auf dem Berg wurde es beeindruckend, denn die Landschaft mit ihren kleinen Seen und den vielen Gipfeln erwies sich bei Sonnenschein wirklich als wunderschön - lediglich die oberirdisch verlegten Stromleitungen störten die Optik ein wenig.

Und dann ging es weiter, über die mit 35 Kilometern längste Straße Grönlands, Richtung Inland-Eis. Bald schon wurde auch klar, warum wir in derart ungewöhnliche Busse eingestiegen waren, denn die Straße war sicherlich nicht damit zu vergleichen, was der gemeine Mitteleuropäer darunter versteht. Vielmehr handelte es sich um eine Schotterstrecke, die uns quer durch die Tundra mit ihren niedrigen Sträuchern und hügeligem Terrain führte. Links war plötzlich ein weißer Schneehase zu sehen, rechts an einem kleinen See erneut eine Herde von Moschusochsen. Und auch Rentiere versteckten sich nicht. Dazu kam eine beeindruckende Landschaft mit versprenkelt gebauten kleinen bunten Holzhäusern - ja, das war schon wirklich Grönland, wie wir es uns vorgestellt hatten. Dass es hier sogar einen Golfplatz gibt - der nördlichste der Welt! - wusste ich zuvor auch nicht. Nun aber habe ich ihn gesehen.

Und dann erreichten wir am Russel-Gletscher das Inland-Eis. Vorn Blumen, dann ein Fluss - und dahinter eine gigantische, rund 80 Meter hohe Eiswand - das stellte eindeutig einen ersten Höhepunkt dar. Man muss sich das nur vorstellen: Die grönländische Eisplatte erstreckt sich über 2.500 Kilometer von Norden nach Süden und ist bis zu 3.200 Meter dick. Am Russel-Gletscher hat das Eis eine West-Ost-Ausdehnung von rund 700 Kilometern. Und das bedeutet, dass es auf einer Strecke, die der von Hamburg nach München vergleichbar ist, nur Eis gibt. Eis, Eis - und nichts als Eis. Ja, das war sehr, sehr beeindruckend. Und wir hatten ausreichend Zeit, um den Gletscher und den Schmelzwasser-Fluss zu beobachten, die Flora zu bewundern und Fotos zu schießen.

Und dann ging es zurück, wobei wir auf halber Strecke den Bus wechselten, weil "unser" Gefährt andere Fahrgäste aufnehmen musste, die mit einem normalen Bus kamen - ohne Allrad-Antrieb ist der Gletscher nur schwerlich zu erreichen. Also stiegen wir in einen ganz normalen Bus um - nur, um nach wenigen Kilometern erneut zu stehen. Ein technischer Defekt machte die Weiterfahrt unmöglich. Nicht schlimm. Sagte der Fahrer. Und er telefonierte. Vielleicht 20 Minuten später kam ein Ersatz-Bus. In dem wurde es zwar eng, denn es handelte sich um einen der bekannten ehemaligen gelben US-amerikanischen Schulbusse, aber er brachte uns sicher quer durch Kangerlussuaq zum Hafen, wo "unser" Kreuzfahrtschiff auf Rede lag. Der Hafen selbst ist übrigens genau so unspektakulär wie der Ort selbst, nicht einmal so etwas wie ein Terminal gibt es. Mit Tenderbooten wurden wir zur MS Hamburg gebracht - und dann nahmen wir Abschied von Kangerlussuaq, das wir erst zehn Tage später wieder sehen sollten, als die Rückreise anstand.
Meine Meinung

Der Ort Kangerlussuaq selbst ist kaum einen Besuch wert. Er wirkt recht öde und trist, hat abgesehen von der ganz nett anzuschauenden Kirche fürs Auge kaum etwas zu bieten. Irgendwie ist es ja auch ein künstlicher Ort, der einst von der amerikanischen Armee geschaffen wurde. Immerhin hinterließen die Amerikaner neben dem oben erwähnten Golfplatz auch noch ein Hallenbad. Dennoch: In Kangerlussuaq selbst möchte ich mich nicht länger aufhalten als nötig, auch die Polizeihundeschule vor Ort ändert an dieser meiner Meinung nichts.

Richtig schön aber ist die Umgebung des Orts. Die Bergwelt ist beeindruckend. Und es gibt Flora und Fauna zu bewundern, die erstaunlich vielfältig sind. Zwischendurch legten wir zudem einen Stopp an einem Barbecue-Restaurant ein, wo es typisch Grönländisches zu essen gab. Die Rentier-Bratwurst schmeckte hervorragend, das Lammfleisch hätte etwas mehr Hitze vertragen, der gegrillte Moschusochse stellte geschmacklich ein Zwischending zwischen Rind und Wild dar. Alles gut, alles probiert.

Das sensationelle an Kangerlussuaq aber ist die Möglichkeit, vergleichsweise einfach das Inlandeis zu erreichen, was ansonsten nur schwerlich möglich ist. Die beeindruckenden Gletscher mit ihren seitlichen Moränen geben den sie beobachtenden Menschen ein Gefühl der Winzigkeit. Und wenn darüber nachgedacht wird, wie viel Eis hinter dem zu sehenden noch vorhanden ist, dass ist das nahezu unfassbar. Wunderschön ist aber, dass keine 200 Meter vom Gletscher entfernt Blumen blühen. Und immerhin hat sich Grönland schon insofern dem Tourismus verschrieben, als dass es Sitzmöglichkeiten in Form von Holzbänken und -tischen sowie einfache sanitäre Anlagen auf der dem Gletscher gegenüberliegenden Flussseite gibt. Ja, das war beeindruckend. Das war richtig Grönland. Wir freuten uns nach diesem ersten Ausflug nur noch mehr auf all das, was uns noch erwarten würde. Aber das wird in anderen Berichten an dieser Stelle demnächst zu lesen sein.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • Scha-Tzi veröffentlicht 28.10.2017
    WOW
  • belli4charlotte veröffentlicht 28.10.2017
    .•:*¨ ¨*:•. Bewertung ;-) LG Isabel .•:*¨ ¨*:•.
  • witch56 veröffentlicht 27.10.2017
    BH
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Produktdaten : Kangerlussuaq, Kangerlussuaq

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