Die Leere Hand
24.11.2003
Pro:
Abwechelungsreich, erlernen von Körperbeherrschung, . . . usw .
Kontra:
kann für Gewalttaten mißbrauch werden
Empfehlenswert:
Ja
 Goettinger83
Über sich:
Mitglied seit:12.11.2003
Erfahrungsberichte:10
Vertrauende:4
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 43 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Hallo liebe Ciao-Community, in meinem nächsten Text möchte ich über meine Erfahrungen und Erlebnisse meiner Lieblingssportart erzählen.Meine Lieblingssportart ist Karate. "Kara" bedeutet übersetzt "leer" und "Te" bedeutet "Hand". Also Leere Hand? Was bedeutet das? Es bedeutet, dass die Gliedmaßen des Körpers zu natürlichen Abwehrwaffen ausgebildet werden und zur waffenlosen Selbstverteidung dient.Vorweg noch etwas geschichtliches über die Entstehung des modernen Karates: Das heutige Karate wurde auf der japanischen Insel Okinawa um 1900 beründet. Aber auch bereits früher gab es ähnliche Grundformen die sich zum Karate entwickelten. So liegt der Ursrung des Karate im weiteren Sinne, in China. Durch den Kulturaustausch der Chinesen mit dem Japanern kamen die Kampfkunstkünste (Kung-Fu) der Chinesen nach Japan. So entstanden erstmals die Kampfart "To-de" (später "Kara-te"). Es entstanden versiedene Stilrichtungen des Karate, die nach den Namen der Orte in dem sie betrieben wurden, benannt wurde (Naha-Te, Shui-Te und Tomari-Te). Am Ende des 19. Jahrhunderts wechselten wieder die Bezeichnungen der Stilarten und so wurde aus Shuri- und Tomari-Te Shorin Ryu und die Kampfkunst Naha-Te wurde zu Shorei-Ryu umbenannt. Diese Kampfkünste erlernte unter anderen "der Vater des modernen Karate" Gichin Funakoshi. Funakoshi kam 1922 nach Japan um die erlenten Künste vorzustellen, die er mitgebracht hatte. Bei einem Besuch des japanischen Kronprinzens wurde Funakoshi eingeladen eine Vorführung in Tokio zu geben. Diese war so erfolgreich, dass Funakoshi gebeten wurde, Karate in Japan zu lehren. Funakoshi legte viel wert auf die die richtige Einstellung und den Geist also vor allem die Inneren und mentalen Werte. Karate entwickelte sich immer weiter, seine ehemaligen Schüler entwickelten auch andere Stilrichtungen (die anderen Stilrichtungen will ich in den Hintergrund stellen und nicht erwähnen). Shoto war Funakoshis Spitzname und bedeutet "das Rauschen der Kiefernwipfel". Der Name der Trainingshalle wurde nach Funakoshis Spitznamen dann zum Shotokan benannt wonach auch die heutige Stilrichtung benannt wurde. Funakoshi verstarb 1957.Shotokan-Karate unterteilt sich vier Formen. Grundschule, Kata, Kumite, und (Kata)-Bunkai. In der Karate-Grundschule werden vom Trainer bzw. Meister die Grundtechniken dem Schüler beigebracht. Diese müssen alle nebeneinander (nach Höhe der Grade verteilt)die Techniken ablaufen. Ein besonderes Merkmal ist, dass hier noch kein Gegner ins Spiel kommt und ist nur zur Verständnis der Technik gedacht.Die zweite Form ist die Karate-Kata. Eine Kata ist eine Vorführung von Karate-Abwehr- und Angriffstechniken in logischer und festgelegter Reihenfolge. Es gibt in etwa 50 Katas. Eine weitere Unterteilung der Kata ist Kata-Bunkai und kann man als vierte Form des Karate bezeichnen. Hier werden die Techniken der Kata in Anwendung mit dem Partner (Gegner) demonstriert. Die dritte Form des Karate ist das Kumite. Kumite ist die Anwendung der Karatetechniken mit einem Gegner. Hier gibt es ebenfalls verschiedene Formen. Eine ist zum Beispiel das Kihon-Kumite, wo der Ablauf vorgeschrieben ist wie man den einen Partner anzugreifen und ihn evtl. zu verteidigen hat. Davon gibt es noch einige Abwandlungen mit anderen Schwierigkeitsstufen. Eine andere Stufe ist das Freie-Kumite wo es keine festgelegte Reihenfolge der Techniken gibt und es eigentlich auf das Können des einzelnen drauf ankommt.Für das neue Karate werden auch oft Karatetuniere angeboten wo viele Karateka versuchen ihre Kräfte zu messen und ihr können zu beweisen. Dies war nicht im Sinne des Funakoshi, dem es auf die individuellen Stärken ankam. Jedenfalls kann man auf Karatetunieren in den Kategorien Kata, Kata-Bunkai, Kumite und den Teamwettbewerben antreten. Die Gegner kämpfen dann nach Gewichtsklassen, Alter und Graduierungen. Ich bin auch schon öfters auf Karatetunieren gestartet und eigentlich ist ein spannendes Spektakel. So bin ich am liebsten im Kumite-Freikampf gestartet. Es war auch nicht unüblich, dass ich einen auf die Nase bekam. Mag sein das ich mal auch nicht richtig reagiert hatte aber meistens lag es (zumindest auf den Nachwuchstunieren)auch daran, dass die Gegner kein richtiges Distanzgefühl haben oder einfach mit roher Gewalt versuchen sich einen Punkt zu erkämpfen.Es gibt im Karate (wie auch in anderen Kampfsportarten) Graduierungen. So gibt es erstmal verschiedene Schülergrade (Kyu). Schülergrade bezeichnet man die Lernstufe, vom Anfänger bis zum Meister und es werden 10 Stufen unterschieden und durch verschieden farbige Gürtel gekennzeichnet: 9. Kyu: Weiß 8. Kyu: Gelb 7. Kyu: Orange 6. Kyu: Grün 5. Kyu: 1. Blau 4. Kyu: 2. Blau 3. Kyu: 1. Braun 2. Kyu: 2. Braun 1. Kyu: 3. Braun In Deutschland muß für jede höhere Stufe eine Prüfung abgelegt werden. Die Prüfung zum schwarzen Gurt schließt offiziell den Schülerstatus ab. Der Meistergrad nennt sich Dan und sind auch in verschieden Stufen aufgeteilt. Der höchste Dan-Grad, meinem Wissen nach, ist im Shotokan der 9. Dan.Ich besitze zur Zeit den 5. Kyu, also den 1. Blau-Gurt und bin bereits etwas über drei Jahre dabei. Mir kommt es vor allem darauf an meinen Körper zu beherrschen und zu verstehen. So merkt man beim Karatetraining Muskelpartien von den man vorher vielleicht noch nie etwas gemerkt hat. Was mir ebenfalls positiv aufgefallen ist, meine neue Einstellung. Ich denke mir sicher durch das Leben gehen gehen zu können und mir so schnell keiner etwas körperlich anhaben kann. Dieses Wissen hat bei mir mein Selbstvertrauen und meine Kontaktfreudigkeit gestärkt was eine für mich angenehme "Nebenwirkung" ist. Karate ist für mich außerdem eine interessante Philosophie die für mich auch irgendwie etwas spirituelles hat. Der Wechsel zwischen dem Besinnlichen, dem Ablauf usw. und dann der Anwendung der Techniken die bis zum Tode führen können. Die Techniken im Karate werden nämlich auf die Vitalpunkte des Körpers gezielt, die auch übl Auswirkungen bis hin zum Tode haben können. Desswegen sollte Karate lediglich zur Selbstverteidigung (Ausnahme: Wettkämpfe) verwendet werden, worauf im Training immer besonders hingewiesen wird (zumindest bei den Anfängern)Für mich ist es die beste Sportart die ich auswählen konnte. Sie ist sehr Abwechselungsreich, vielseitig, und man kann für mich viele Vorteile daraus ziehen. Also 5 Sterne und ein EmpfehelenswertVersucht es auch mal ruhgig ihr werden sehen was es euch bringt. :-) Ich hoffe ich konnte euch der Welt des Karate etwas näher bringen. Viele Grüße,Euer Goettinger83
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08.01.2004 22:57
bericht war klasse geschrieben und so,deshalb s.h...wollte nur noch was sagen im shotokan-karate gibt es 26 kata´s und der wettkampf war schon in funakoshi´s sinn,nur nicht in extremen-ihm kam es auf den umgang mit sieg und niederlage und das vergleichen der karate-ka´s untereinander an... trotzdem klasse bericht peace K89
21.12.2003 17:42
Hab ich früher auch mal gemacht, bis zum orangen Gürtel. Ich ba dann aufgehört, weil ich es eigentlich eher als Hobby ansah und nicht wie mein Trainer als Leistungssport.
15.12.2003 14:37
Sehr informativer Berichte. Schalt CIS an. Grüße