"Katharina Kepler" ist ein 416 Seiten umfassender historischer Roman von Katja Doubek.
Inhalt
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Mitte des 16. Jahrhunderts lebt die junge Katharina Guldenmann als Kind des Schultheiß Melchior Guldenmann und seiner Frau Margarete im württembergischen Eltingen. Als ihre Mutter schwer ... Bericht lesen
Erfahrungsbericht von orlan über Katharina Kepler / Doubek, Katja 2. Juli 2006
Produktbewertung des Autors:
Niveau:
durchschnittlich
Unterhaltungswert:
hoch
Spannung:
ziemlich spannend
Humor:
wenig humorvoll
Aufmachung:
ok
Pro:
historischer Hintergrund, unterhaltsam
Kontra:
hätte manchmal etwas spannender sein können
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
"Katharina Kepler" ist ein 416 Seiten umfassender historischer Roman von Katja Doubek.
Inhalt ******* Mitte des 16. Jahrhunderts lebt die junge Katharina Guldenmann als Kind des Schultheiß Melchior Guldenmann und seiner Frau Margarete im württembergischen Eltingen. Als ihre Mutter schwer erkrankt, bringt ihr Vater sie in das nahegelegene Weil der Stadt zu Renate Streicher, einer guten Freundin ihrer Mutter. Die heilkundige Frau hat sich bereit erklärt, sich vorübergehend um das Mädchen zu kümmern. Bei ihr lernt Katharina einiges über Krankheiten und über die Wirkungen der verschiedensten Kräuter und Pasten. Gemeinsam mit Renate Streicher und ihrer neu gewonnenen Freundin Appollonia Wellinger sammelt sie Kräuter für Tinkturen und Heilmittel. Doch dann bricht das Unglück über die neu gefundene Idylle herein. Renate Streicher wird überführt, gefälschte Alraunen hergestellt und teuer verkauft zu haben. Außerdem wird sie der Hexerei angeklagt und schließlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Katharina kehrt nach Hause zurück, hat sich in Weil der Stadt jedoch in den Sohn des dortigen Schultheiß, den schmucken Heinrich Kepler verliebt. Nach einigem Kampf gelingt es Katharina auch tatsächlich, ihren Auserwählten dazu zu bringen, sie zu heiraten. Doch die Ehe ist alles andere als glücklich. Heinrich trinkt und schlägt Frau und Kinder. Und zu allem Überfluss tut seine Mutter auch noch alles, um der verhassten Schwiegertochter das Leben schwer zu machen. Doch auch Katharina ist alles andere als zahm und treibt ihren Mann nicht nur einmal aus dem Haus. Heinrich versucht, im Krieg sein Glück zu finden und lässt Katharina mit dem ältesten Sohn Johannes und dem epilepsiekranken jungen Heinrich allein zu Hause. Katharina, trotz aller Schläge immer noch sehr verliebt, reist ihm schließlich hinterher, um ihn wieder nach Hause zu bringen. Sein verdienter Sold reicht immerhin, um endlich aus dem Haus der Schwiegermutter auszuziehen und in Leonberg ein eigenes Haus zu kaufen. Doch es dauert nicht lange, bis Heinrich wieder in den Krieg zieht. Ihr Sohn Johannes hat sich inzwischen zu einem überaus intelligenten Jungen entwickelt, der es schließlich sogar bis zum kaiserlichen Hofmathematiker bringt. Seinen Einfluss kann Katharina einige Jahre später auch gut gebrauchen. Der Vogt Luther Einhorn - erbost darüber, dass Katharina ihm eine Beziehung mit ihrer von ihm begehrten Tochter verwehrt - setzt alles daran, Katharina auf den Scheiterhaufen zu bringen. Indiz für Indiz sammelt er für eine Anklage wegen Hexerei, bis er endlich seine große Stunde für gekommen sieht…
Meine Meinung ********************* "Katharina Kepler" ist ein gut zu lesender historischer Roman, der vor allem von der Fülle und den Eigenheiten der handelnden Charaktere geprägt ist.
Die Geschichte ist voller vielschichtiger und unterschiedlicher Figuren, die augenscheinlich über zwei Gesichter verfügen. Da ist natürlich Katharina Kepler, einerseits liebende Ehefrau und Mutter und andererseits keifender Hausdrachen. Gleiches gilt auch für ihren Mann Heinrich, der durchaus auch seine guten Zeiten hat, wenn ihn nicht gerade die Wut packt oder er trinkt und seine Frau und seine Kinder schlägt. Auch Ursula Reinbold, Katharinas anfangs gute Freundin aus Leonberg, zeigt mit der Zeit ihr wahres Gesicht und wird zu einer der gefährlichsten Gegnerinnen Katharina Keplers, die nur noch auf ihren eigenen Vorteil bedacht ist. Eine tragische Figur ist sicherlich auch der unter epileptischen Anfällen leidende Heinrich Kepler. Während seine Mutter ihn über alles liebt, kann sein Vater gar nichts mit ihm anfangen, meint, seine Krankheit aus ihm herausprügeln zu können und treibt ihn schließlich aus dem Haus. Doch nach Jahrzehnten in der Fremde kehrt Heinrich schließlich zu seiner Mutter zurück, nur um letztendlich selbst falsche Beschuldigungen zu erheben, die die Anklage gegen seine Mutter nur noch unterstützen. Im Grunde genommen existieren in diesem Buch nur zwei Figuren, die stets uneigennützig handeln und einfach herzensgut sind, und zwar Katharinas Tochter Margarete und ihre Jugendfreundin Appollonia Wellinger.
Daneben, und das macht den Roman erst wirklich liebenswert, beschreibt die Autorin die Lebensweise und den (Aber-)Glauben der Menschen zu jener Zeit sehr anschaulich und nachvollziehbar, so dass man sich als Leser sehr gut in die Geschichte hineinversetzen kann.
Darüber hinaus entbehrt der Roman auch nicht gewisser Spannungsmomente, insbesondere wenn es zum Ende hin sozusagen auf die finale Auseinandersetzung zwischen der sturen Katharina Kepler und dem Vogt Luther Einhorn hinausläuft. Zwischendurch hätte ich mir die Geschichte ab und zu aber auch manchmal ein wenig packender gewünscht.
Hübsch anzusehen sind die gut gezeichneten Abbildungen von Heilpflanzen, die man über das ganze Buch verteilt immer wieder finden kann. Sie passen zwar nicht unbedingt immer zu dem jeweiligen Text, bei dem sie gerade abgedruckt sind, aber sie lockern das Ganze doch ein wenig auf. In der Mitte des Buches finden sich darüber hinaus auch noch einige weitere Abbildungen historischer Quellen und Bilder, die ich als sehr passend und auch interessant empfunden habe.
Autorin ********** Katja Doubek wurde 1958 in Lübeck geboren. Nach ihrem Studium der Germanistik, Geschichte, Philosophie und Psychologie arbeitete sie für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und für Rundfunk und Fernsehen. Heute lebt die Autorin in München und Italien.
(Die Informationen zu der obigen kurzen Biographie stammen aus dem hier rezensierten Roman.)
Fazit ******* Alles in allem ist "Katharina Kepler" ein solider, unterhaltsamer und interessanter Roman vor einer eindringlich beschriebenen historischen Kulisse. Ihn zu lesen lohnt sich sicherlich nicht nur für diejenigen, die gerne zu historischen Romanen greifen. Mir hat er auf jeden Fall gefallen, so dass ich bei der Bewertung gute vier Sterne vergebe.